Gerhart B. Ladner
Gerhart B. Ladner<ref>Ladners in der Emigration entstandenes Mittelinitial steht für Burian, den Geburtsnamen seiner Mutter.</ref> (* 3. Dezember 1905 in Wien, Österreich-Ungarn; † 21. September 1993 in Los Angeles) war ein österreichisch-kanadischer Mediävist und Kunsthistoriker.
Leben und Werk
Gerhart Ladner war ein Sohn des Fabrikanten Oscar Leopold Ladner und der Alice Burian.<ref name="Wolfram" /> Nach dem Besuch des Bundesgymnasiums in Döbling studierte er von 1924 bis 1930 an der Universität Wien Mittelalterliche Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie.<ref name="Radlegger" /> Von 1927 bis 1929 nahm er am 36. Ausbildungskurs des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung (IÖG) teil.<ref>Christina Köstner: Paul Heigl (1887–1945). Ein politisch engagierter Bibliothekar des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung und der Nationalbibliothek Wien. In: Karel Hruza (Hrsg.): Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts. Böhlau, Wien 2008, ISBN 978-3-205-77813-4, S. 569–592, hier S. 587.</ref> Danach ging er als Assistent der Monumenta Germaniae Historica bis 1931 zu Paul Fridolin Kehr nach Berlin.<ref name="Benson" /> An seiner Promotion über Die italienische Malerei im 11. Jahrhundert waren 1930 der Kunsthistoriker Julius von Schlosser – Ladners Doktorvater – und der Archäologe Emil Reisch beteiligt, weitere Lehrer Ladners waren Karl Maria Swoboda, Josef Strzygowski, von Baldass, Hans Hirsch, Oswald Redlich, Alfons Dopsch, Bauer, Karl Bühler, Heinrich Gomperz, Moritz Schlick und Robert Reininger.<ref name="Radlegger" /> Anschließend befasste er sich vor allem mit Ikonographie:<ref name="Grafinger" /> Besonderes Augenmerk legte er auf Papstbildnisse, denen sein erstes Hauptwerk gewidmet war.<ref>Gerhart B. Ladner: Die Papstbildnisse des Altertums und des Mittelalters. Bd. 1: Bis zum Ende des Investiturstreites. Pontificio Istituto di Archeologia Cristiana, Città del Vaticano 1941. Die Folgebände erschienen erst 1970 (Bd. 2: Von Innozenz II. zu Benedikt XI.) und 1984 (Bd. 3: Addenda et corrigenda, Anhänge und Exkurse. Schlußkapitel: Papstikonographie und allgemeine Porträtikonographie im Mittelalter. Register).</ref> Dabei spürte er sowohl den in den Bildnissen dargestellten Ideen, als auch der zugrundeliegenden Porträtkunst nach.<ref name="Benson" />
Nach {{
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}} konvertierte Ladner noch 1933 zum Katholizismus; ein Schritt, den er später so begründete: {{
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}} Anfang 1934 ging Ladner an das Österreichische Historische Institut in Rom, wo er bis 1938 blieb.<ref name="Benson" /> Er wurde an der Universität Wien noch im Januar 1938 unter Leitung von Hans Hirsch habilitiert.<ref name="Radlegger" /><ref>Andreas H. Zajic: Hans Hirsch (1878–1940). Historiker und Wissenschaftsorganisator zwischen Urkunden- und Volkstumsforschung. In: Karel Hruza (Hrsg.): Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts. Böhlau, Wien 2008, ISBN 978-3-205-77813-4, S. 307–417, hier S. 361.</ref> Das erleichterte es ihm, als er sich rasch nach dem Anschluss Österreichs und dem damit einhergehenden Entzug der Lehrerlaubnis als „Nichtarier“<ref>Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Teil 2: L–Z. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11339-0.</ref> nach London zur Stellensuche begab,<ref name="Radlegger" /> noch 1938 eine Anstellung am Pontifical Institute of Mediaeval Studies in Toronto als Assistenzprofessor zu finden und im Oktober des Jahres dorthin zu emigrieren.<ref name="Wolfram" />
Seit 1940 kanadischer Staatsbürger, heiratete Ladner 1942 die Kanadierin Jocelyn Mary Plummer, mit der er drei Kinder hatte. Von 1943 bis 1945 diente er in der kanadischen Luftwaffe. In der Nachkriegszeit lehnte er ein Remigrationsangebot aus Münster ab<ref name="Benson" /> und siedelte stattdessen 1946 in die USA über, wo er bis 1951 an der University of Notre Dame zum außerordentlichen Professor aufstieg. Nach mehreren Professuren an amerikanischen Universitäten und Forschungsstipendien (darunter zweimalige Mitgliedschaft am Institute for Advanced Studies in Princeton, wo er mit Ernst Kantorowicz und Erwin Panofsky zusammenarbeitete) wurde er 1963 zum Professor für Geschichte an die University of California nach Los Angeles berufen.<ref>Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. 2, Saur, München u. a. 1983 (International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945).</ref>
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Ladner war unter anderem seit 1962 Fellow der Medieval Academy of America, von der er 1961 für sein zweites Hauptwerk über die Idea of Reform<ref>Gerhart B. Ladner: The Idea of Reform. Its Impact on Christian Thought and Action in the Age of the Fathers. Harvard University Press, Cambridge 1959.</ref> mit der Haskins Medal ausgezeichnet wurde.<ref name="Benson" /> Zudem war er Mitglied der Catholic Historical Association, als deren Präsident er 1964 fungierte,<ref name="Benson" /> der American Philosophical Society (seit 1972) und der American Academy of Arts and Sciences (seit 1976). 1990 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 1991 wurde er mit dem Award for Scholarly Distinction der American Historical Association geehrt.<ref name="Benson" />
Literatur
Nachrufe
- Herwig Wolfram: Gerhart B. Ladner (3 December 1905–21 September 1993). In: Proceedings of the American Philosophical Society. 139 (1995), No. 4, S. 440–442.
- Herwig Wolfram: Gerhart B. Ladner †. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 102 (1994), S. 510–513.
- Robert L. Benson, Giles Constable, John Van Engen: Gerhart Burian Ladner. In: Speculum 71, 1996, S. 802–804.
Autobiographie
- Gerhart B. Ladner: Erinnerungen. Hrsg. von Herwig Wolfram und Walter Pohl. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1994, ISBN 3-7001-2165-2 (Autobiographie und ergänzende Informationen).
Nachschlagewerke
- Hedwig Munscheck-von Pölnitz: Gerhart B. Ladner (1905–1993). In: Martina Hartmann, Annette Marquard-Mois, Maximilian Becker (Hrsg.): Zwischen Vaterlandsliebe und Ausgrenzung. Die jüdischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Monumenta Germaniae Historica (= Monumenta Germaniae Historica. Studien zur Geschichte der Mittelalterforschung. Band 2). Harrassowitz, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-447-11975-7, S. 273–288.
- Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Teil 2: L–Z. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11339-0, S. 405–411.
- Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. 2, Saur, München u. a. 1983 (International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945).
- Christine Maria Grafinger: Ladner, Gerhard B. In: Albrecht Classen (Hrsg.): Handbook of Medieval Studies. Terms – Methods – Trends. Bd. 3, De Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-018409-9, S. 2440–2444, doi:10.1515/9783110215588.2440.
- Gerhart M. A. B. Ladner, in: Catherine Epstein: A past renewed : a catalog of German-speaking refugee historians in the United States after 1933. Cambridge: Cambridge University Press, 1993, S. 176f.
Weblinks
- }} Literatur von und über {{#invoke:WLink|getArticleBase}} im Katalog der {{#ifeq: Gerhart B. Ladner | Deutsche Nationalbibliothek | DNB | Deutschen Nationalbibliothek}}{{#ifeq: 0 | 0
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}}
- Judith Radlegger: Gerhart Ladner. Hochschullehrer (Professor). In: Wiener Kunstgeschichte gesichtet (Ausstellung 2008).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Wolfram"> Herwig Wolfram: Gerhart B. Ladner (3 December 1905–21 September 1993). In: Proceedings of the American Philosophical Society. Vol. 139, 1995, No. 4, S. 440–442. </ref> <ref name="Radlegger"> Judith Radlegger: Gerhart Ladner. Hochschullehrer (Professor). In: Wiener Kunstgeschichte gesichtet (Ausstellung 2008). </ref> <ref name="Grafinger"> Christine Maria Grafinger: Ladner, Gerhard B. In: Albrecht Classen (Hrsg.): Handbook of Medieval Studies. Terms – Methods – Trends. Bd. 3, De Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-018409-9, S. 2440–2444 doi:10.1515/9783110215588.2440. </ref> <ref name="Benson"> Robert L. Benson, Giles Constable, John Van Engen: Gerhart Burian Ladner. In: Speculum 71, 1996, S. 802–804. </ref> </references>
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- Mittelalterhistoriker
- Kunsthistoriker
- Hochschullehrer (Universität Wien)
- Mitglied der American Academy of Arts and Sciences
- Mitglied der American Philosophical Society
- Mitglied der Medieval Academy of America
- Träger des österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst
- Person im Zweiten Weltkrieg (Kanada)
- Österreichischer Emigrant in Kanada
- Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus
- Person (Cisleithanien)
- Österreicher
- Kanadier
- Geboren 1905
- Gestorben 1993
- Mann