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Geier (Vogel)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Vultures in the nest, Orchha, MP, India edit.jpg
Zwei der seltenen Indiengeier (Vertreter der Altweltgeier) am und im Nest (Orchha, Madhya Pradesh, Indien)
Datei:Turkey vulture Bluff.jpg
Ein Truthahngeier (Vertreter der Neuweltgeier) beim Sonnenbad (Bluff, Utah, USA)

Geier (von mittelhochdeutsch geyr<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 387.</ref> bzw. gīr<ref>Vgl. etwa Joachim Stürmer: „Von deme gîre“. Untersuchungen zu einer altdeutschen Drogenmonographie des Hochmittelalters (= Mittelalterliche Wunderdrogentraktate. Band 1). Pattensen bei Hannover 1978 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 12). Zugleich medizinische Dissertation Würzburg.</ref>) ist die Bezeichnung für eine Reihe meist großer bis sehr großer Arten fleischfressender Greifvögel (Accipitriformes). Da die Nahrung einiger Arten einen hohen Anteil von Aas und sogar Knochen enthält, werden diese umgangssprachlich auch als „Aasgeier“ bezeichnet.

Als Aasfresser erfüllen sie wichtige Aufgaben bei der Beseitigung von Kadavern und der Krankheitsprävention. Als Kulturfolger sind viele Geierarten auch auf Müllkippen und in der Nähe von Schlachthöfen zu finden, wo sie von Menschen mancherorts gezielt bei der Entsorgung der Schlachtabfälle mit einbezogen werden.

Ein Teil der Geier ist in freier Wildbahn selten geworden oder von der Ausrottung bedroht. Daran ist nicht nur die Veränderung der Lebensräume und Lebensbedingungen schuld, sondern auch die illegale Bejagung, wobei der (verbotene) Einsatz von Giftködern zu den Hauptursachen für den Bestandsrückgang zählt.<ref>Gift: Ein Hauptproblem für den Geierschutz vom 4. Mai 2022 Bartgeier.ch, abgerufen am 13. September 2024</ref>

Zur Entstehung des Begriffs

In den Anfängen der zoologischen Systematik waren die damals bekannten bzw. wahrgenommenen Arten der Geier zusammen mit der Harpyie noch in der Gattung Vultur (lateinisch für „Geier“) vereint.<ref name="linne1758">Carolus Linnæus: Systema Naturæ. Band 1. 10., überarbeitete Auflage. Salvius, Stockholm 1758, S. 86 f.</ref> Heute verteilen sie sich auf mehrere Gattungen in mehreren Familien und Unterfamilien, die, nachgewiesen durch Vergleiche von Gensequenzen, jeweils nicht unmittelbar miteinander verwandt sind.<ref>Heather R. L. Lerner, David P. Mindell: Phylogeny of eagles, Old World vultures, and other Accipitridae based on nuclear and mitochondrial DNA. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 37, Nr. 2, 2005, S. 327–346, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.</ref> Die „Geier“ bilden folglich kein Monophylum und ihre ähnliche Lebensweise sowie das teilweise ähnliche Äußere sind auf konvergente Evolution zurückzuführen.

Greifvogelarten, die unter den Oberbegriff „Geier“ fallen

Datei:Necrosyrtes monachus.jpg
Vom Aussterben bedroht: Kappengeier

Mit dem Trivialnamen „Geier“ werden folgende Vogelarten aus zwei unterschiedlichen Familien bezeichnet.

Altweltgeier und sonstige Habichtartige

Familie der Habichtartigen (Accipitridae);

Altweltgeier (Aegypiinae), einer Unterfamilie der Habichtartigen, vorkommend in Südeuropa, Afrika und Asien;

Datei:Masai Mara National Reserve 03 - Rüppell's vulture (Gyps rueppelli).jpg
Sperbergeier, 2003 in der Serengeti
Datei:Coragyps-atratus-001.jpg
Der Rabengeier zählt zu den häufigsten Neuweltgeiern

Neuweltgeier

Arten aus der Familie der Neuweltgeier (Cathartidae), vorkommend in Nord- und Südamerika;

Geier im Alten Ägypten

Im Altertum wurde Geiern in der Kultur des Alten Ägyptens eine besondere Wertschätzung entgegengebracht. So war es unter anderem üblich, die Krone eines Pharao mit Darstellungen einer Ägyptischen Kobra und eines Geiers zu versehen, die stellvertretend für Ober- und Unterägypten standen.<ref>Pharao Klexikon, abgerufen am 14. September 2024</ref>

Zusätzliche Darstellungen wurden erst 2018 entdeckt, als die Vorhalle (Pronaos), des rund 2000 Jahre alten im Tempels von Esna, von einer Rußschicht befreit wurde. Die beiden Göttinnen Nechbet und Wadjet wurden auf den 46 reliefartigen Abbildungen als Geier mit ausgebreiteten Schwingen dargestellt. Dabei dienen ihre Kronen als Unterscheidungskriterium; während Nechbets Krone mit einem Geierkopf geschmückt ist, trägt Wadjet eine Krone, die mit einer Kobra verziert ist.<ref> Altes Ägypten. Geflügelte Göttinnen aufgedeckt vom 19. Mai 2022 Damals, abgerufen am 14. September 2024</ref>

In Kunst und Populärkultur

Literatur

Spielfilme

Sonstiges

Literatur

  • Theodor Mebs, Daniel Schmidt: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Biologie, Kennzeichen, Bestände. Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-09585-1.

Einzelnachweise

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