Gefahrübergang
Gefahrübergang ist ein zivilrechtlicher Rechtsbegriff, der im Schuldrecht den Zeitpunkt beschreibt, zu dem das Risiko der Verschlechterung oder des Verlusts der geschuldeten Sache vom Schuldner auf den Gläubiger übergeht. Der Gefahrübergang ist im täglichen Leben vor allem im Kaufrecht von großer Bedeutung.
Rechtslage in Deutschland
Es ist zunächst zwischen Leistungsgefahr und Gegenleistungsgefahr (Preisgefahr) zu unterscheiden.
Leistungsgefahr
Gefahr bedeutet im BGB zunächst die Leistungsgefahr, also die Gefahr, dass der Gläubiger seinen Leistungsanspruch verliert, wenn der Leistungsgegenstand untergeht. Das ist der Normalfall bei der Stückschuld: Was nicht mehr existiert, kann nicht geleistet werden – impossibilium nulla est obligatio (eine Pflicht zum Unmöglichen gibt es nicht). Bei der Gattungsschuld kann die Leistung dagegen auch dann noch erbracht werden, wenn eine Sache untergeht: nämlich mit einer anderen, gleichartigen Sache der Gattung, nach dem Grundsatz genus non perit (die Gattung geht nicht unter). Somit trägt der Schuldner die Leistungsgefahr: Er muss, wenn die Sache untergeht, erneut leisten (anders natürlich, wenn alle Gegenstände der Gattung untergegangen sind).
Diese Regelung ist für den Schuldner hart. Ihm können durch die erneute Leistung hohe Kosten entstehen. Hat er keinen Leistungsgegenstand der gleichen Gattung vorrätig, trifft ihn sogar eine Beschaffungspflicht. Deshalb sieht das Gesetz die Konkretisierung der Gattungsschuld zur Stückschuld vor, wenn der Schuldner „alles seinerseits zur Leistung Erforderliche“ getan hat, {{#switch: juris
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Die Bestimmung, was das „seinerseits zur Leistung Erforderliche“ umfasst, hängt von der Art der Schuld ab. Mindestens erforderlich ist das Auswählen und Aussondern der geschuldeten Sache aus der Gattung. Bei einer Bringschuld muss die Sache dem Gläubiger an dessen Wohnsitz tatsächlich angeboten werden. Bei einer Schickschuld muss die Sache einer Transportperson übergeben werden, und bei einer Holschuld genügt die nach der Aussonderung erfolgte Mitteilung an den Gläubiger, dass dieser die Sache nun abholen kann.<ref>Heinrichs, in: Palandt § 243 Rn. 5.</ref>
Aber auch ohne Konkretisierung findet nach {{#switch: juris
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Gegenleistungsgefahr
Neben der Frage nach der Leistungspflicht kann aber ein weiteres Problem auftreten, wenn nämlich für die Leistung eine Gegenleistung (Entgelt) vereinbart war. Bei diesen synallagmatischen (bzw. gegenseitigen) Verträgen regelt das Gesetz auch, was mit der Pflicht zur Erbringung der Gegenleistung geschieht, wenn die Leistungspflicht wegen Unmöglichkeit oder aus anderen Gründen erlischt.
Als Faustregel gilt, dass das BGB in allen Paragrafen nach {{#switch: juris
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Grundregel
Dabei geht das Gesetz von der Grundregel aus, dass wer keine Leistung erbringt, auch keinen Anspruch auf Gegenleistung hat ({{#switch: juris
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Zu der Grundregel des {{#switch: juris
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Besonderheiten im Kaufrecht
Im besonderen Schuldrecht finden sich aber zahlreiche spezielle Sonderregelungen, die diesen allgemeinen Regeln vorgehen. Der Gefahrübergang findet etwa beim Kaufvertrag gemäß {{#switch: juris
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Beim Versendungskauf findet der Gefahrübergang bereits dann statt, wenn die Sache abgeschickt wurde ({{#switch: juris
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Der Zeitpunkt des Gefahrübergangs spielt im Kaufrecht auch deshalb eine besondere Rolle, weil dieser Zeitpunkt maßgeblich ist für die Sachmangelfreiheit der Kaufsache: „Die Sache ist frei von Sachmängeln, wenn sie bei Gefahrübergang die vereinbarte Beschaffenheit hat.“ ({{#switch: juris
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}}{{#if: 437||[Paragraf fehlt]}}{{#if: bgb||[Gesetz fehlt]}} BGB. Beim Verbrauchsgüterkauf wird jedoch zugunsten des Verbrauchers innerhalb des ersten Jahres gesetzlich vermutet, dass der Sachmangel schon bei Gefahrübergang bestand. Der Unternehmer muss beweisen, dass der Mangel erst nach dem Gefahrübergang entstanden ist (Beweislastumkehr gem. {{#switch: juris
|juris={{#switch: bgb
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|be=§ 477
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}}{{#if: 477||[Paragraf fehlt]}}{{#if: bgb||[Gesetz fehlt]}} BGB).
Ansprüche des Käufers aus Sachmängeln, die nach Gefahrübergang aufgetreten sind, können sich allerdings aus einer Haltbarkeitsgarantie ({{#switch: juris
|juris={{#switch: bgb
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|be=§ 443
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||leer=§ 443[Anbieter/Datenbank fehlt]
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}}{{#if: 443||[Paragraf fehlt]}}{{#if: bgb||[Gesetz fehlt]}} BGB) ergeben.
Ob der Gefahrübergang auch für Rechtsmängel der maßgebliche Zeitpunkt ist, ist mangels ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung umstritten. Nach anderer Ansicht ist die Sachverschaffung, also der Abschluss des Eigentumserwerbs, maßgeblich.
Einzelnachweise
<references />
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