Günter Schumann (Bildhauer)
Günter Schumann (* 29. Dezember 1941 in Neuwernsdorf) ist ein deutscher Holz-Bildhauer.
Leben
Schumann absolvierte von 1958 bis 1961 eine Lehre als Modellbauer. Nach dem Wehrdienst in der NVA studierte er von 1963 bis 1965 an der Pädagogischen Hochschule Leipzig und von 1966 bis 1969 Holzgestaltung bei Karl Eckstein (1933–1989) an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg. Seitdem ist er freischaffend als Holzbildhauer tätig. Er produzierte viele Tier-Skulpturen. Nach einem Bericht des Kulturmagazins „Das Magazin“ über ihn schaffte er den künstlerischen Durchbruch. Anfang der 1970er Jahre bekam er den Auftrag, eine Fußballmannschaft aus Holz herzustellen. Die Figuren missfielen dem Auftraggeber, er musste sie nacharbeiten. Danach nahm Schumann keine Auftragsarbeiten mehr an.
Zur VIII. Kunstausstellung 1977/78 in Dresden stellte er einen Trabi aus Holz her, der den Veranstaltern nicht gefiel, sodass er wieder ausgeladen wurde. Seine Reaktion darauf war, dass er den „Holz-Trabi“ nach Dresden bringen ließ und in der Innenstadt „ausstellte“. Das Auto wurde nach einigen Tagen von den Behörden abgeschleppt und vor seine Haustür gestellt.
Ende der 1970er Jahre stellte Schumann sein drittes Werk, einen hölzernen Hundert-Mark-Schein mit dem Bild von Karl Marx her, womit er auf den Widerspruch zwischen der Bedeutung des Geldes und der Marx’schen Theorie aufmerksam machen wollte; wiederum eckte er damit an. Für einen Kinderspielplatz im Berliner Stadtpark Lichtenberg fertigte er fünf Tierfiguren an, die 1980 dort aufgestellt wurden und von denen immer noch drei erhalten sind. In der Bundesrepublik war man auf seine Tierskulpturen aufmerksam geworden, er wurde mehrmals in den Westen eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Nun zog er sich von der Holzbildhauerei erst einmal zurück. Ab 1989 stellte er wieder Skulpturen her, vorwiegend Tiere.<ref>Schumann Holztiere. Spielskulpturen aus Eichenholz</ref>
Schumann war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. 1976 erhielt er auf der Ausstellung" Junge Künstler der DDR" in Berlin einen Preis für Kunsthandwerk.
Seit 1996 lebt Schumann in Woserin in Mecklenburg-Vorpommern. Nach der Wiedervereinigung begann er mit der Herstellung „kritischer“ Skulpturen, die aktuelle Themen aufnehmen. Die erste Arbeit war Der Bahnhof Bad Kleinen, mit der er den Tod des RAF-Terroristen Wolfgang Grams bei einem GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen verarbeitet. Mit Stralsund. Die Verbringung thematisierte er den Tod eines Obdachlosen, der im Winter von Stralsunder Polizisten außerhalb der Stadt ausgesetzt wurde und erfror.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />rebell gegen rechts und ab in die psychiatrie? ( vom 11. August 2014 im Internet Archive) Blog Area V Press auf styriartig.at, 24. August 2010</ref><ref>Wolf Schmidt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Kunst des Bleibens ( vom 12. August 2014 im Internet Archive) (PDF) Herbert Quandt-Stiftung 2012, S. 30</ref>
Mit einer Holzskulptur mit dem provokativen Titel Arschficker geriet er 2005 in Konflikt mit der Justiz.<ref>NDR3 extra: Die Holzpolizisten</ref> Die Skulptur zeigt zwei Polizisten beim Analverkehr, was einen realen Vorfall in der Polizeischule Bautzen als Vorbild haben soll.<ref>Gunther Latsch: In flagranti. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2005, S. 43 (online).</ref> Das Werk, das er für einen „Publikumstest“ auf einem Anhänger vor dem Amtsgericht in Schwerin aufstellte, wurde von der Schweriner Polizei beschlagnahmt. Danach fertigte Schumann die Skulptur ein zweites Mal an. Nun folgte eine Anzeige wegen Beleidigung und der Verbreitung pornographischer Schriften, er sollte nun gar auf seinen Geisteszustand untersucht werden, jedoch musste eine bestellte Amtsärztin unverrichteter Dinge seinen Hof verlassen. Über den Fortgang des im Herbst 2005 angedrohten Prozesses wegen Beleidigung sind keine öffentlichen Informationen bekannt. Mit der Herstellung von Hundert Hitler für Mecklenburg verarbeitete Schumann das Thema Rechtsradikalismus.<ref name="BMopo">Dirk Böttcher: 100 Hitlers für Mecklenburg, Berliner Morgenpost, 2. April 2006</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Künstler Günter Schumann: „In jedem Regime gibt’s eins vor die Nuß, wenn jemand an die Stühle der Mächtigen pinkelt.“ ( vom 15. September 2014 im Internet Archive) Blog Urbi et Orbi, 5. Juni 2014</ref>
Rezeption in der DDR
„Schumann vermochte es, sich durch geistvolle, zuweilen skurrile Einfälle … eine größere Popularität und einen über den Kreis von Kennern hinausgehenden Ruf zu verschaffen … Schumann verstand es, die Sprödigkeit des Holzes, die Massigkeit ganzer Baumstämme für eine lebensvolle Wirkung zu nutzen. Seine ‚Fußballmannschaft‘ (1974), sein ‚Auto‘, eine aus einem Holzblock heerausgearbeiteter ‚Trabant‘ mit Insassen (1975), das ‚Pferd mit Wagen‘ (1977) und andere Arbeiten brachten dem Künstler viel Zustimmung.“
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
- 1974 und 1979: Leipzig, Bezirkskunstausstellungen
- 1976: Berlin, Ausstellungsräume am Fernsehturm („Junge Künstler der DDR“)
- 1977/1978 und 1982/1983: VIII. und IX. Kunstausstellung der DDR
Literatur
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 877
Weblinks
- Website von Günter Schumann
- Petra Bosetti: Abu Ghraib auf grüner Wiese. In: Art Magazin. Oktober 2004, S. 36–43, abgerufen am 5. Mai 2013.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schumann, Günter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 29. Dezember 1941 |
| GEBURTSORT | Neuwernsdorf, DDR |