Zum Inhalt springen

Friedrich Ernst (Bankier)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Bundesarchiv Bild 183-2003-0910-500, Dr. Friedrich Ernst.jpg
Friedrich Ernst, 1929

Friedrich Franz Georg Ernst (* 9. Juni 1889 in Berlin<ref name=":0">Geburtsregister Nr. 538/1889, StA Berlin II</ref>; † 28. November 1960 in Diepholz<ref>Amtlicher Vermerk im Geburtsregister: "Hinweis: Verstorben am 28.11.60. StA Diepholz Nr. 161/60</ref>) war ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter, Bankmanager und Politiker.

Herkunft, Studium, Kriegsdienst und Weimarer Republik

Friedrich Ernst wurde als Sohn des Justizrates Friedrich Ernst und dessen Ehefrau Pauline (genannt Lina) geb. Stubenrauch in der elterlichen Wohnung in der Wilhelmstraße 19 in der Friedrichstadt geboren<ref name=":0" />. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften und promovierte zum Dr. jur. Nach Ableistung seines Kriegsdienstes arbeitete er von 1919 bis 1931 im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe, seit 1929 als Ministerialdirektor und Leiter der Handelsabteilung. Daneben war er von 1925 bis 1931 stellvertretender Bevollmächtigter Preußens zum Reichsrat und seit 1928 Erster Staatskommissar für die Berliner Börse. 1931 wurde er von Reichskanzler Heinrich Brüning zum Reichskommissar für die Bankenaufsicht berufen. In dieser Funktion war er an der Sanierung der zusammengebrochenen Berliner Großbanken beteiligt. Nach dem Preußenschlag wurde er am 22. Juli 1932 zusätzlich zum Reichskommissar für das Bankwesen im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe (ab 1. Dezember 1932 umbenannt in Ministerium für Wirtschaft und Arbeit) berufen. Am 4. Februar 1933 wurde er in dieser Funktion von Alfred Hugenberg abgelöst.

NS-Regime

Unter den Nationalsozialisten wurde Ernst zunächst in seinem Amt als Reichskommissar für das Bankgewerbe belassen, 1935 dann von Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht zum Reichskommissar für das Kreditwesen ernannt. Dieses Amt übte er bis September 1939 aus. Ab Anfang 1940 war er Reichskommissar für die Behandlung feindlicher Vermögen. In dieser Funktion war seine Zuständigkeit auf die Vermögenswerte (Firmen- und Privateigentum) der westlichen Alliierten, Frankreich, Großbritannien und USA beschränkt. Im Herbst 1941 ließ er sich aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem NS-Regime<ref>Archiv Dr. Botho Ernst, Holsteiner Str. 21, 45770 Marl, Familienchronik S. 42, 53</ref> in den Ruhestand versetzen und wurde 1942 persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank Delbrück, Schickler & Co.

Attentat am 20. Juli 1944

Nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Ernst am 8. September 1944<ref>Archiv Dr. Botho Ernst, Holsteiner Str. 21, 45770 Marl, Familienchronik S. 53</ref> verhaftet und am 17. April 1945 zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihm wurde zum Verhängnis, dass die Verschwörer um Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck ihn wegen seiner fachlichen Eignung und Verbindungen zu Hjalmar Schacht für ein Amt als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium nach dem geplanten Sturz Hitlers vorgesehen hatten.<ref>Linda von Keyserlingk-Rehbein:" Nur eine ganz kleine Clique"" 2019, Lukas-Verlag S. 267, 294</ref> Nach seiner Festnahme wurde er im Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin und vorübergehend zu Vernehmungszwecken im Gefängnis des KZ Ravensbrück in Fürstenberg inhaftiert. In der Haftanstalt Lehrter Straße fungierte er als einer der Sprecher der politischen Gefangenen.<ref>Augustin Rösch: " Kampf gegen den Nationalsozialismus", S. 327 (in der Fußnote dort versehentlich als Dr. Robert Ernst bezeichnet)</ref> Am 25. April 1945 wurde er während der Schlacht um Berlin zusammen mit anderen politischen Häftlingen entlassen.<ref>Johannes Tuchel, 2014: "... und ihrer aller wartete der Strick": Das Zellengefängnis Lehrter Strasse 3 nach dem 20. Juli 1944, S. 269 bis 271</ref>

Bundesrepublik

Nach dem Krieg war Ernst als Leiter der Berliner Währungskommission 1948 maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Währungsreform beteiligt. Von 1949 bis 1957 war er Vorsitzender des Verwaltungsrates der Berliner Zentralbank. Auf die Bitte von Konrad Adenauer übernahm er 1951 vorübergehend die Geschäftsführung im Kabinettsausschuss für Wirtschaft. Diese Einrichtung wird heute als Wirtschaftsnebenregierung im Bundeskanzleramt betrachtet.

Von 1952 bis 1958 war er Vorsitzender des Forschungsbeirates für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands. Jede Berufung eines Mitglieds bedurfte seiner Zustimmung als Vorsitzendem. Am 21. Juni 1954 trat bei der Bank deutscher Länder erstmals ein kleiner Währungskreis zusammen, dessen Sitzungen Ernst leitete und über dessen Zusammensetzung er entschied. Die Aufgabe dieser Einrichtung bestand darin, für den Tag einer Wiedervereinigung einen Maßnahmenkatalog einschließlich eines Vorschlags für eine Währungsumstellung zu entwerfen. Die DDR-Bürgerrechtlerin Daniela Dahn berichtet, dass ein auf diesen Vorschlägen basierender Plan 13 Tage nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 auf einer Sitzung des Zentralbankrats vorgelegt worden sei. Er habe die Einführung der D-Mark in der DDR vorgesehen.<ref>Daniela Dahn: Wir sind der Staat! Reinbek b. Hamburg 2013, S. 105.</ref>

Von 1950 bis 1960 gehörte Ernst als Vorsitzender dem Aufsichtsrat der AEG an. In den 1950er-Jahren hatte er Wohnsitze in Hamburg in der Wentzelstraße 10 und in Berlin in Nikolassee, Grunewald und Dahlem.

Datei:Kirchhof nikolassee berlin 2018-04-01 (55).jpg
Grabstätte (rechte Seite)

Er verstarb nach einem Schlaganfall auf einer Dienstreise und ist auf dem Evangelischen Kirchhof Nikolassee bestattet.

Auszeichnungen

  • Dezember 1951: Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes<ref>Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. {{#expr:{{#titleparts:250/1951|1|2}}-1948}}, Nr. {{#titleparts:250/1951|1}}, {{#switch:250/1951
| 250/1951 = 29. Dezember 1951
| 2/1952 = 4. Januar 1952
| 236/1952 = 5. Dezember 1952
| 46/1953 = 4. März 1953
| 103/1953 = 30. Mai 1953
| 126/1953 = 30. Juni 1953
| 172/1953 = 4. September 1953
| 214/1953 = 31. Oktober 1953
| 235/1953 = 30. November 1953
| 2/1954 = 31. Dezember 1953
| 25/1954 = 31. Januar 1954
| 45/1954 = 28. Februar 1954
| 66/1954 = 31. März 1954
| 87/1954 = 30. April 1954
| 107/1954 = 31. Mai 1954
| 125/1954 = 30. Juni 1954
| 146/1954 = 31. Juli 1954
| 170/1954 = 31. August 1954
| 191/1954 = 30. September 1954
| 214/1954 = 31. Oktober 1954
| 234/1954 = 30. November 1954
| 3/1955 = 31. Dezember 1954
| 46/1956 = 6. März 1956
| 88/1956 = 8. Mai 1956
| 110/1958 = 12. Juni 1958
| 12/1968 = 18. Januar 1968
| 54/1968 = 16. März 1968
| 63/1968 = 29. März 1968
| 83/1968 = 3. Mai 1968
| 98/1968 = 28. Mai 1968
| 103/1968 = 5. Juni 1968
| 129/1968 = 16. Juli 1968
| 157/1968 = 23. August 1968
| 174/1968 = 17. September 1968
| 168/1968 = 15. Oktober 1968
| 218/1968 = 22. November 1968
| 239/1968 = 21. Dezember 1968
| 238/1972 = 20. Dezember 1972
| 43/1973 = 9. März 1973
| 71/1973 = 11. April 1973
| 85/1973 = 8. Mai 1973
| 103/1973 = 5. Juni 1973
| 111/1973 = 16. Juni 1973
| 139/1973 = 28. Juli 1973
| 159/1973 = 25. August 1973
| 190/1973 = 9. Oktober 1973
| 66/1974 = 4. April 1974
| 172/1978 = 13. September 1978
| 194/1978 = 13. Oktober 1978
| 219/1978 = 21. November 1978
| 5/1979 = 9. Januar 1979
| 19/1979 = 27. Januar 1979
| 45/1979 = 6. März 1979
| 121/1982 = 7. Juli 1982
| 18/1986 = 28. Januar 1986
| 105/1987 = 10. Juni 1987
| 9/2012 = 17. Januar 2012
| 28/2012 = 17. Februar 2012
|#default = unbekannte Ausgabe

}}.{{#if: 1

| 
| [[Kategorie:{{#switch: GrVK
 | SoGK = Träger des Bundesverdienstkreuzes (Sonderstufe des Großkreuzes)
 | GKbA = Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz in besonderer Ausführung)
 | GK = Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz)
 | GrVKStSb = Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband
 | GrVKSt = Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern
 | GrVK = Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
 | VK1 = Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
 | VKB = Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande
 | VM = Träger des Bundesverdienstkreuzes (Verdienstmedaille)
 |#default = Träger des Bundesverdienstkreuzes (Ausprägung unbekannt)
 | ??? = Bundesverdienstkreuz zurückgegeben
}}]]

}}</ref>

  • 1956: Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern
  • Anlässlich seines 70. Geburtstages am 9. Juni 1959 Verleihung der Ernst-Reuter-Plakette für seine Verdienste um Berlin

Siehe auch

Literatur

  • Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Berlin 1955
  • Ralph Hartmann: Die Liquidatoren – Der Reichskommissar und das wiedergewonnene Vaterland. 3. Ausgabe, Berlin 2008
  • [{{#switch: {{#invoke:Str|left|00000004167|2}}

|00 |01 |02=https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/_/{{#invoke:Str%7Cleft%7C00000004167%7C2}}/{{#invoke:Str%7Ccropleft%7C00000004167%7C2}} |16=https://www.munzinger.de/register/portrait/klg/_/{{#invoke:Str%7Cleft%7C00000004167%7C2}}/{{#invoke:Str%7Ccropleft%7C00000004167%7C2}} |17=https://www.munzinger.de/register/portrait/kdg/_/{{#invoke:Str%7Cleft%7C00000004167%7C2}}/{{#invoke:Str%7Ccropleft%7C00000004167%7C2}} |18=https://www.munzinger.de/register/portrait/klfg/_/{{#invoke:Str%7Cleft%7C00000004167%7C2}}/{{#invoke:Str%7Ccropleft%7C00000004167%7C2}} |#default=https://online.munzinger.de/document/00000004167 }} {{#if:00000004167| {{#if: Friedrich Ernst | Friedrich Ernst | {{#invoke:WLink|getArticleBase}} }}]{{#if: in: Internationales Biographisches Archiv, 06/1961, 30. Januar 1961 | in: Internationales Biographisches Archiv, 06/1961, 30. Januar 1961, | }} im Munzinger-Archiv{{#if: |, abgerufen am {{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}} | }} | }} {{#switch: {{#invoke:Str|left|00000004167|2}} |00 |01 |02=(Artikelanfang frei abrufbar) |16 |17 |18=(Artikelanfang frei abrufbar) |#default=(Zugriff für angemeldete Benutzer) }}|Parameter 1 fehlt}}

  • Vorlage:LuiseBMS
  • Archiv der Deutschen Bundesbank, Bestandsbezeichnung BSG1 lfd. Nr. 432,433

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:Category:{{#if:Friedrich Ernst|Friedrich Ernst|Friedrich Ernst (Bankier)}}|uselang=de}} Commons: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:Friedrich Ernst|Friedrich Ernst|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if:

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default= – }}{{#if: Friedrich Ernst

   | {{#ifeq: {{#invoke:Str|left|friedrich ernst|9}} 
       | category: 
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}

Vorlage:Wikidata-Registrierung

Einzelnachweise

<references />

{{#ifeq: p | p | | {{#if: 133323951256144782987359828569 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 133323951 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 133323951 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 256144782987359828569 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 256144782987359828569 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung

{{#if: Ernst, Friedrich | {{#if: Ernst, Friedrich Franz Georg (vollständiger Name) | {{#if: deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter, Bankier und Politiker | {{#if: 9. Juni 1889 | {{#if: Berlin | {{#if: 28. November 1960 | {{#if: Diepholz |

Vorlage:Wikidata-Registrierung