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Fliegerbombe

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Datei:Boeing B-52 dropping bombs.jpg
B-52 wirft M117-Bomben im Vietnamkrieg ab

Eine Fliegerbombe (auch Abwurfkampfmittel bzw. Abwurfmunition) ist eine Bombe, die aus einem Luftfahrzeug abgeworfen wird und, je nach Zündsystem, beim Aufprall, in geringer Höhe über der Erdoberfläche, nach Durchschlag eines Zieles oder verzögert im Erdreich explodiert.

Beschreibung & Technik

Fliegerbomben zeichnen sich durch eine enorme Vielfalt und Komplexität ihrer Bauarten aus. Dazu gehören ungelenkte Freifallbomben, Präzisionsbomben, Gleitbomben, Streubomben usw. Sie werden dazu verwendet, um Menschen zu töten und zu verletzen oder Material, Fahrzeuge sowie Gebäude zu zerstören. Dies mit Wirkung von Druckwelle, Splitter, Feuer oder Ionisierende Strahlung. Fliegerbomben werden im Einzelabwurf oder Flächenbombardement eingesetzt. Sie werden zur Bekämpfung von taktischen, strategischen wie auch zivilen Zielen verwendet. Fliegerbomben werden aus großer, mittlerer Flughöhe, aus dem Tiefflug, im Horizontalflug oder Sturzflug abgeworfen.

Eine konventionelle, freifallende Fliegerbombe besteht in der Regel aus mehreren Bauteilen: Dem Bombenkörper (auch Bombenhülle bezeichnet). Dieser ist vielfach aus Stahl gefertigt und hohl ausgebildet. Der Bombenkörper ist mit Sprengstoff, Brandkampfstoff o. Ä. befüllt. Vorne, hinten oder auch seitlich werden in den Bombenkörper Zünder eingesetzt. verwendete werden Aufschlagzünder, Näherungszünder, Verzögerungszünder sowie Zeitzünder. Hinten am Bombenkörper ist das Heckteil aufgesetzt. Dieses besteht in der Regel aus mehreren Stabilisierungsflügeln (Heckflossen) um die manchmal ein Ringleitwerk montiert ist.

Fliegerbomben lassen sich aufgrund ihrer Wirkung sowie dem Verwendungszweck in verschiedenen Kategorien einteilen:

  • Sprengbomben die ihre Wirkung durch die Detonation von Sprengstoffen erzeugen. Die Wirkung der Bomben beruht auf einer starken Detonationswelle, Splitter durch Zerlegung des Bombenkörpers und kurzzeitigen, starker Hitzeentwicklung.
    • Mehrzweckbomben (auch Splitter-Sprengbomben) sind gegen eine Vielzahl von Zielen einsetzbar. Die Masse des Sprengstoffs in der Bombe beträgt 25–45 % ihres Gewichts.
    • Splitterbomben sind auf das Erzeugen einer großen Anzahl Splitter ausgelegt. Die dickwandigen Bombenkörper sind an der Innenseite mit Kerben oder sägezahnförmigen Längs- und Querrillen versehen, welche für eine optimale Splitterbildung sorgen. Daneben kann auch zusätzliches Splittermaterial im Bombenkörper verbaut werden. Splitterbomben besitzen einen geringeren Sprengstoffanteil (10–20 %) und auch eine geringere Sprengkraft.
    • Panzersprengbomben sind ebenfalls dickwandig, bestehen aber aus besonders gehärtetem Stahl, um Fels oder dicke Betondecken durchschlagen zu können. Ausgestattet sind sie mit Bodenzündern mit Verzögerung, damit die Explosion erst im Inneren des Zieles erfolgt. Panzersprengbomben besitzen einen geringeren Sprengstoffanteil (10–20 %) und auch eine geringere Sprengkraft.
    • Minenbomben „Luftminen“ sind auf das Erzeugen großer Sprengwirkung ausgelegt. Die Masse des Sprengstoffs in der dünnwandigen Bombe beträgt bis über 80 % ihres Gewichts.
  • Streubomben sind Abwurfbehälter, die mit einer Anzahl explosive Submunition (Bomblets, Kleinbomben) beladen sind, die über dem Ziel verstreut werden. Streubomben haben einen großen, räumlichen Wirkungsradius. Aufgrund der großen Blindgängerzahl und den daraus resultierenden häufigen Unfällen sind sie humanitär und ethisch umstritten.
  • Brandbomben wirken durch Feuer; man kann unterscheiden zwischen
  • Splitter-Brandbomben sind eine Kombination aus einer Spreng- oder Splitterbombe sowie einer Brandbombe in einem Körper.
  • Aerosolbomben oder FAE-Bomben – „Fuel Air Explosive“ enthalten einen brennbaren Stoff, der durch eine Zerlegeladung fein als Aerosol verteilt und dann entzündet wird. Bei der Deflagration entstehen eine sehr große Hitze und eine langanhaltende Detonationswelle.
  • Bomben mit thermobarer Wirkung sind Sprengbomben mit einem dicken Mantel aus brennbaren Stoffen (z. B. Aluminiumpulver), um die Hitzewirkung zu steigern und eine stärkere Druckwelle zu erreichen.
  • Betonbomben sind Bomben die zu Teilen oder als ganzes aus Beton bestehen.
  • Wasserbomben werden bei der Bekämpfung von U-Booten verwendet. Sie haben normalerweise einen berührungslosen Zünder (Zeitzünder, barometrischer Zünder, Magnetzünder).
  • Blitzlichtbomben enthalten Blitzlichtpulver und wurden bei nächtlichen Aufklärungsflügen für Fotos verwendet.
  • {{#invoke:Vorlage:Anker|f |errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Anker |errHide=1}} Leuchtbomben enthalten einen Leuchtsatz und werden meist am Fallschirm abgeworfen. Sie werden zur Gefechtsfeldbeleuchtung oder zur Markierung eines Ziels verwendet. In Deutschland wurden sie während des Zweiten Weltkriegs umgangssprachlich als „Christbäume“ bezeichnet.<ref>Vgl. etwa Wolfgang Leydhecker: Eine Jugend im Dritten Reich. Nicht wie die anderen. Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1992, ISBN 3-7929-0198-6, S. 123.</ref>
  • Bomben mit CBNR-Wirkung, also

Geschichte

Datei:German aviator dropping a bomb somewhere on the western front., ca. 1919 - ca. 1919 - NARA - 533184.tif
Bombenabwurf einer 12,5-kg-P&W-Bombe aus einem Flugzeug (Zeit des Ersten Weltkrieges)
Datei:Dunkerque eglise saint-eloi-ww1.jpg
Erster Weltkrieg: Zerstörungen in der Kirche Saint-Éloi in Dünkirchen nach Bombenangriffen aus deutschen Zeppelinen und Flugzeugen; Bild vom 1. Februar 1918
Datei:DeHavilland DH-9 (4681142717).jpg
AIRCO DH 9a mit Fliegerbomben
Datei:Gotha Bomben.jpg
P&W-Bomben von 12,5 – 300 kg vor einer Gotha G V

Vorläufer der Fliegerbomben waren die Ballonbomben. Es handelte sich dabei um Luftballons, die Sprengkörper über eine feindliche Festung tragen und auf sie niederfallen lassen sollten. Dieser Gedanke wurde erstmals 1849 von der österreichischen Belagerungsarmee vor Venedig verwirklicht, doch war der Erfolg gering.<ref>Johann Werfring: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20160719111118

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  }} in: Wiener Zeitung, 18. März 2010, Beilage "ProgrammPunkte" S. 7.</ref>

Die Fortschritte der Luftschifffahrt und der Sprengstofftechnik veranlassten dann zum Ende des 19. Jahrhunderts das erneute Aufgreifen dieser Idee. In Frankreich entwickelte man das System Gower, in den USA stellte der General Russel Thayer einen Dynamitballon her. Der deutsche Ingenieur und Aeronaut Georg Rodeck beschäftigte sich seit 1882 mit den Aerobomben und entwarf elektrische Lufttreibtorpedokolonnen und Lufttreibtorpedos mit einer Zeitschaltuhr zur Auslösung der Explosion. Bei den Torpedokolonnen führte ein Passagierballon vier Torpedoballons, deren jeder etwa 50 bis 75 Kilogramm Nitrat in einem metallenen Kasten trug, über die Festung, und die Sprengkästen konnten über die elektrische Leitung entweder gleichzeitig oder nacheinander ausgelöst werden. Beim Niederfallen barsten die Kästen und schleuderten etwa 100 Dynamitpatronen in einem Bogen nach allen Richtungen fort.<ref>Aërobomben, in: Brockhaus’ Konversationslexikon, Verlag F. A. Brockhaus, 14. Auflage, 1894–1896, S. 163.</ref>

In der Haager Friedenskonferenz von 1899 hatten sich die konstruierenden Staaten für die Dauer von fünf Jahren (also bis zum 28. Juli 1904) verpflichtet, das Abwerfen von Sprengstoffen von Ballons oder ähnlich konstruierten Luftfahrzeugen zu verbieten. Der Vertrag wurde erneuert auf der zweiten Konferenz durch die Konvention vom 18. Oktober 1907, doch wurde sie von verschiedenen Staaten nicht unterzeichnet.

Die Idee der eigentlichen Fliegerbombe wurde dann 1910 vom Briten R. P. Hearne in Airships in Peace and War erdacht, um Strafexpeditionen kostengünstiger durchführen zu können. Das Konzept des Luftkriegs fand schnell in militärischen Kreisen Zuspruch.

Der erste Bombenabwurf einer Fliegerbombe in der Geschichte fand am 1. November 1911 im Rahmen des Italienisch-Türkischen Kriegs statt. Giulio Gavotti warf aus einer Etrich-Taube vier knapp anderthalb Kilogramm schwere Bomben per Hand über Libyen ab.<ref>20 Minuten vom 13./14. Mai 2011: Beschreibung des ersten Bombenabwurfs</ref>

Der bulgarische Pilot Simeon Petrow entwickelte 1912 im Ersten Balkankrieg die erste Fliegerbombe mit Heckflosse und Zünder. Diese etwa 6-Kg schwere Fliegerbombe wurde bei einem Angriff auf den türkischen Bahnhof in der Nähe von Karaağaç zum ersten Mal eingesetzt. Die Pläne für diese Bombe wurden später an Deutschland verkauft.<ref>Bulgarian Aviation in the Great War (englisch) abgerufen am 5. April 2018</ref>

1912 startete Frankreich das erste größere Bombardement in Marokko, wobei große Ziele wie Dörfer gewählt wurden. Im Jahr darauf eroberte Spanien einen anderen Teil Marokkos auch mit Hilfe von Splitterbomben aus deutscher Produktion.

Im Ersten Weltkrieg wurden erstmals Bomber eingesetzt, bei denen die Fliegerbomben nicht mehr aus dem Beobachtungsstand herausgeworfen, sondern vom Rumpf oder dem unteren Flügel ausgeklinkt wurden.

Die ersten Fliegerbomben des Krieges waren sehr improvisiert und hatten keine guten Falleigenschaften.

Als „P. u. W. Bombe“ wurde eine 1916 von der Prüfanstalt und Werft (P. u. W.) der Fliegertruppe (später Flugzeugmeisterei) in Berlin-Johannisthal gemeinsam mit der Firma Goerz in Berlin-Friedenau entwickelte Fliegerbombe bezeichnet, die ab 1917 von der Firma Goerz produziert wurde. Neben einer 12,5 kg schweren dickwandigen Splitterbombe waren die übrigen Modelle mit 50, 100, 300 und 1000 kg dünnwandige Bomben mit hohem Sprengstoffanteil. Die P&W Modelle waren die ersten modernen Fliegerbomben überhaupt. Im Gegensatz zu den früheren birnenförmigen Carbonit-Bomben mit Ringleitwerk waren die P&W-Bomben tropfenförmig und schlank und am Heck befand sich ein dreiflügliges Leitwerk, dessen Flossen verschränkt waren und dadurch die Bombe in Rotation versetzten. Die ballistischen Eigenschaften waren deutlich besser als die der frühen Carbonit-Modelle. Soweit bekannt wurde das 1000-kg-Modell nur einmal von einer Zeppelin-Staaken R VI über London abgeworfen, wohingegen die Modelle mit 50, 100 und 300 kg bei den G-Flugzeugen verwendet wurden. Das kleinste Modell wurde oftmals von Hand abgeworfen, während alle anderen Modelle an Bombenschlössern getragen wurden.

1919 setzte die sozialdemokratische Regierung im Stadtgebiet von Berlin Fliegerbomben zur Niederschlagung des Spartakusaufstandes ein, so gegen das Redaktionsgebäude der SPD-Zeitung „Vorwärts“ und die Schultheiss-Brauerei, in denen sich hunderte Aufständische verschanzt hatten.

Bereits damals war das Hauptproblem von Bomben die mangelnde Zielgenauigkeit. Winston Churchill war 1920 nach dem Lesen eines Berichts über ein Bombardement Bagdads, in dem auch die Zivilbevölkerung schwer getroffen wurde, so schockiert, dass er weitere Berichte solcher Art verbot. Allerdings war es auch Churchill, der zuvor die Bombardierung von irakischen Aufständischen mit Giftgas gefordert hatte. Oft traten Offiziere, die die Folgen solcher Angriffe sahen und diese als Massaker bezeichneten, von ihren Posten in den Kolonien zurück und gingen lieber nach England zurück.

Im Rifkrieg zwischen Spanien und Marokko wurden am 29. Juni 1924 bei Tétouan sechshundert Bomben abgeworfen und die Zivilbevölkerung schwer getroffen.

Im Spanischen Bürgerkrieg benutzte die deutsche Wehrmacht ihre Waffenhilfe für Francos Truppen dazu, die Bombardierung ganzer Städte zu üben und zu perfektionieren. Die kleine baskische Stadt Guernica wurde am 26. April 1937 von der Legion Condor der deutschen Luftwaffe angegriffen und weitgehend zerstört. Die Weltöffentlichkeit reagierte mit Bestürzung, während man sich in deutschen Militärkreisen zufrieden zeigte. Pablo Picasso widmete diesem Schrecken sein Guernica-Bild.

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Nach einem französischen Angriff auf das Moslemviertel von Damaskus (Syrien) kamen große Diskussionen auf, ob solche Angriffe völkerrechtlich vertretbar sind. Es kam darauf die Theorie auf, dass die Menschheit in Zivilisierte, Barbaren und Wilde zu unterteilen sei und nur Angriffe auf zivilisierte Völker gegen das Völkerrecht verstoßen. Damit wurde der Angriff auf Syrien legitimiert und es wurde sogar behauptet, Frankreich handle im Auftrag des Völkerbundes in Syrien.

Anders hingegen verlief der Fall Äthiopiens, welches unabhängig und Mitglied des Völkerbunds war und 1935 von Italien angegriffen wurde. Im Abessinienkrieg (1935–1936) führte die italienische Luftwaffe massive Bombardements durch und setzte dabei auch Senfgas-Bomben ein. Diese Angriffe wurde als Verstoß gegen das Völkerrecht angesehen. Die italienische Annexion Äthiopiens wurde jedoch vom Völkerbund anerkannt.

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden von allen Kriegsparteien Bombardierungen auf Städte in großem Umfang durchgeführt. Den ersten größeren Bombenangriff dieser Art flog die deutsche Luftwaffe im September 1939 auf Warschau, um den Widerstand der in die Stadt geflohenen Verbände zu schwächen und die polnische Regierung zur Kapitulation zu bewegen. Während der Luftschlacht um England 1940–1941 wurde vor allem London schwer getroffen, mehr als 30.000 Menschen starben während der als The Blitz bekannt gewordenen Angriffe. Traurige Berühmtheit erlangte im November 1940 auch die Industriestadt Coventry, die im Verlauf der Operation Mondscheinsonate von der Luftwaffe schwer bombardiert wurde, 568 Menschen fanden hierbei den Tod. Am 8. April 1941 wurde Coventry noch einmal das Ziel eines Angriffs der Luftwaffe, wobei die Zahl der Opfer in Coventry auf über 1000 stieg. Aufgrund des relativ hohen Zerstörungsgrades der Stadt (75 % der Industrieanlagen waren zerstört, unter anderem das Rolls-Royce-Flugzeugmotorenwerk) wurde der Angriff von der deutschen Propaganda als außerordentlicher Erfolg gefeiert. Propagandaminister Joseph Goebbels prägte den Ausdruck „Coventrieren“ für einen derart zerstörerischen Angriff aus der Luft. Besonders viele Opfer forderten auch die Angriffe auf die „Straße des Lebens“, einen Versorgungsweg über den zugefrorenen Ladogasee während der Leningrader Blockade vom 8. September 1941 bis 18. Januar 1944. Infolge der Angriffe der deutschen Luftwaffe starben 16.470 Zivilisten durch direkte Bombeneinwirkung, mehr als 100.000 Leningrader erfroren oder verhungerten, da besonders Lebensmittel- und Kohlenlager Ziel der Luftangriffe waren.

Datei:AN M57 (250 lb).jpg
US-amerikanische Fliegerbombe vom Typ AN M57 (250 Pfund, umgerechnet 113,4 kg), abgeworfen während des Zweiten Weltkrieges über Wiener Neustadt (Österreich)
Datei:141003-Hatten-22.jpg
Deutsche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg (ausgestellt im Großunterstandsmuseum in Hatten)
Datei:British Grand Slam bomb.jpg
10-Tonnen-Fliegerbombe „Grand Slam“

Anfang 1942 trugen zunächst Einheiten der britischen Royal Air Force unter dem Kommando von Luftwaffenmarschall Arthur Harris („Bomber Harris“) den Luftkrieg in das Deutsche Reich. Das RAF Bomber Command und ab 1943 auch die United States Army Air Forces führten massive Bombardierungen deutscher Großstädte durch, wie die als Operation Gomorrha bezeichneten Angriffe auf Hamburg vom 24. Juli 1943 bis zum 3. August 1943. Da der Großteil der über Hamburg abgeworfenen Bomben aus Brandbomben bestand, kam es während und nach der Operation Gomorrha zu massiven Bränden im gesamten Hamburger Stadtgebiet (siehe auch: Feuersturm). Mehr als 34.000 Menschen starben, über 125.000 wurden verletzt. Obwohl der Zweite Weltkrieg in Europa bereits vor seinem Ende stand, wurden 1945 weiter Bomben auf deutsche Städte abgeworfen. Teilweise, um die verbleibenden Verbände der Wehrmacht zu schwächen, aber auch, um die Zivilbevölkerung gezielt zu demoralisieren. Dresden wurde vom 13. bis 15. Februar 1945 von der RAF nachts und der USAAF bei Tag bombardiert. Da sich zum Zeitpunkt der Luftangriffe auf Dresden viele Flüchtlinge aus Ostpreußen und aus anderen deutschen Großstädten in der Stadt befanden, kam es zu einer hohen Anzahl von Opfern. Die anfänglichen Schätzungen lagen bei 40.000 Toten und gingen vereinzelt auch in den sechsstelligen Bereich; heute gilt eine Zahl von mindestens 22.700 und höchstens 25.000 Opfern als wahrscheinlich. Die deutsche Propaganda von Joseph Goebbels nannte etwa die zehnfache Zahl, man wollte die Katastrophe benutzen, um die sogenannte Anti-Hitler-Koalition international zu diskreditieren. Der erste Nachkriegsbürgermeister von Dresden Walter Weidauer bezeichnete 1946 die Angriffe noch als notwendiges Übel, im Verlauf des Kalten Krieges behauptete die DDR, der Angriff habe nur deswegen stattgefunden, um der zu der Zeit anrückenden Roten Armee nur ein verbranntes Ostdeutschland zu überlassen.

Insgesamt warfen alleine die Alliierten im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs in Europa 2,67 Millionen Tonnen Bomben ab.<ref>Jochen Gartz: Vom griechischen Feuer zum Dynamit: Eine Kulturgeschichte der Explosivstoffe. E.S. Mittler & Sohn, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8132-0867-2.</ref>

Ihren Höhepunkt erreichten die Bombenangriffe jedoch nicht in Europa, sondern in Japan mit den verheerenden Brandbombenangriffen auf Tokio und weitere Großstädte, wobei ab Anfang 1945 innerhalb weniger Monate Hunderttausende von japanischen Zivilisten getötet wurden. Ein neues Zeitalter leitete der Abwurf der Atombombe Little Boy am 6. August 1945 durch den B-29-(Superfortress)-Bomber Enola Gay über der Hafenstadt Hiroshima ein. 600 Meter über dem Ziel explodierte Little Boy und tötete über 140.000 Menschen sofort. Da sich Japan nach dem Bombenabwurf immer noch nicht ergab, wurde drei Tage nach dem Hiroshima-Abwurf der B-29-Bomber Bockscar nach Nagasaki gesandt, um dort die Atombombe Fat Man abzuwerfen. Aufgrund schlechter Sicht über dem Zielgebiet verfehlte die Bombe ihr Ziel um fast zwei Kilometer, trotzdem starben mehr als 50.000 Menschen bei der Explosion. Die Zahlenangaben für die Spätopfer dieser beiden Atomexplosionen schwanken beträchtlich von 300.000 bis zu 700.000 Menschen.

Über Jahre fortgesetzte US-Luftangriffe im Koreakrieg (1950–1953) und Vietnamkrieg (1964–1975) (dort wurde mehr Munition abgeworfen als im gesamten Zweiten Weltkrieg) forderten eine siebenstellige Zahl an Todesopfern unter der Zivilbevölkerung und ließen flächendeckende Verwüstungen zurück.

Die schwerste konventionelle Fliegerbombe, die in Serie produziert wurde, ist die US-amerikanische T-12 Cloudmaker mit einem Gewicht von knapp 19,8 Tonnen. Die schwerste bei einem Kampfeinsatz abgeworfene Fliegerbombe ist mit etwa 13,6 Tonnen Gewicht die US-amerikanische GBU-57 Massive Ordnance Penetrator. Die in Bezug auf die Sprengkraft stärkste bekannte nicht-nukleare Fliegerbombe ist die russische ODAB-9000.

Kampfmittelaltlasten

Nicht explodierte Fliegerbomben, auch Blindgänger genannt, sind auch nach Jahrzehnten eine Gefahr, da sich der in ihnen enthaltene Sprengstoff unberechenbar verhalten kann. Auch die langfristige Wirkung der von Bomben stammenden Gifte ist nicht zu unterschätzen.

Bombenfunde in Deutschland

Datei:FliegerbombensprengungMuenchen2012.ogv
Kontrollierte Sprengung einer Fliegerbombe im August 2012 in Schwabing, München

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehören Bombenfunde in Deutschland zum Alltag. Die meist bei Bauarbeiten oder vorab bei Absicherungsarbeiten durch Fachfirmen entdeckten Blindgänger müssen beseitigt werden. Dies geschieht im Idealfall durch Entschärfung am Fundort, Abtransport und anschließende fachmännische Vernichtung. Ist dies nicht möglich, muss unentschärft transportiert oder im Extremfall unter entsprechenden Sicherungsmaßnahmen auch vor Ort vernichtet, ggf. sogar gesprengt werden.

Die Blindgänger stellen weiterhin eine Gefahr dar, da Zünder und Sprengmasse in der Regel noch funktionstüchtig sind und die Empfindlichkeit bestimmter Explosivstoffe in Zünder und Sprengstofffüllung durch die Alterung sogar noch zunehmen kann. Die Kampfmittelräumung, die heute weitgehend gewerblich erfolgt, wird bei der Menge der auf Deutschland abgeworfenen Bomben und einer durchschnittlichen Blindgängerquote von ca. 20 Prozent, die in absoluten Zahlen mehr als 250.000 Bomben entspricht, mit dieser Arbeit noch Jahrzehnte beschäftigt sein.

Man geht von etwa 100.000 noch unentdeckten Blindgängern aus.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20161230141137

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Beispiele für Funde und Vorfälle

  • Am 1. Juni 2010 detonierte auf dem Schützenplatzgelände von Göttingen eine Fliegerbombe bei den Vorbereitungen zur Entschärfung. Dabei kamen drei Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes zu Tode, weitere sechs Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Die Bombe soll einen chemisch-mechanischen Langzeitzünder („Säurezünder“) gehabt haben.<ref>Göttinger Tageblatt vom 1. Juni 2010: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20100604052327
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  }}</ref><ref>Deutsche Welle vom 1. Juni 2010: Weltkriegsbombe tötet drei Entschärfer</ref> 

Bombenfunde in Österreich

Auch Österreich war Ziel zahlreicher Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg.

Im Februar 2015 hat die Stadt Graz den Bombenblindgängerkataster neu erstellt und als Übersichtskarte auf ihrer Website veröffentlicht. 4,8 % der Fläche des Stadtgebiets sind darauf rot markierte Zonen, in denen mit dem Vorhandensein von Kampfmitteln gerechnet werden muss.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20160830094405

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            }} 
       }}
  }} Magistrat der Stadt Graz, ohne Jahr, abgerufen am 30. August 2016.</ref>

Beispiele für Funde und Vorfälle

  • 1965 explodierte in Salzburg eine Fliegerbombe unter einer Tankstelle, ein Mann wurde dabei getötet.<ref name="derstandard1363637"/>
  • Im Juli 2003 wurden zwei Beamte des Entminungsdienstes beim Versuch, eine 250 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe in der Nähe des Salzburger Hauptbahnhofes zu entschärfen, getötet, zwei weitere Beamte wurden verletzt.<ref name="derstandard1363637">derStandard.at: Warum die Bombe in Salzburg explodierte?. Artikel vom 20. Juli 2003, abgerufen am 21. September 2017.</ref>
  • Im März 2011 wurde bei Bauarbeiten östlich des Hauptbahnhofs von Graz eine 250-kg-Bombe gefunden, die einen Langzeitzünder aufwies und deshalb nicht entschärft werden konnte. Es erfolgte eine Evakuierung von Bahnhof und Gebäuden im Umkreis. Der Versuch, das in der Baugrube liegende Kriegsrelikt mit einer Längsschneidladung zu öffnen, scheiterte am dicken Mantel. Im zweiten Versuch des Entminungsdienstes erfolgte eine Vollsprengung unter einer gewissen Verdämmung, wobei zahlreiche Glasscheiben in der Umgebung (Hotel Daniel, Hotel Europa) und die renovierte denkmalgeschützte Uhr mit Leuchtzeigern am Abfahrtsgebäude zu Bruch gingen. Ein Stück flog 1,1 km weit bis zum Lendplatz.<ref>Bombenalarm: Flieberbombe legte Graz lahm kleinezeitung.at, 26. März 2011, abgerufen am 30. August 2016.</ref>
  • Am 29. August 2016 wurde von jungen Männern, die per Metalldetektor nach Münzen suchten, eine 250-kg-Fliegerbombe in den rechtsufrigen Auen der Traun im Linzer Stadtteil Ebelsberg gefunden. Sie wurde nach Verdämmung mit Erdreich und Sandsäcken am Vormittag des 30. August gesprengt. Ein Umkreis von 200 m Radius wurde völlig gesperrt, im Radius von 1000 m empfahl die Polizei den Aufenthalt in geschlossenen Gebäuden.<ref>Fliegerbombe wird in Linz gesprengt orf.at, 30. August 2016, abgerufen am 30. August 2016. – Bild von der Sprengwolke.</ref><ref>Sprengung einer 250kg-Fliegerbombe in Linz-Ebelsberg laumat.at, Matthias Lauber, 30. August 2016, abgerufen am 30. August 2016.</ref>
  • Am 6. August 2023 explodierte in Vals, Tirol eine geschätzt zumindest 250 kg schwere Bombe in einem Feld. Es entstand ein Krater von etwa 10 m Durchmesser und 3 m Tiefe. Im 2. Weltkrieg ist hier die Brennerbahn von Flugzeugen aus bombardiert worden. Ein Langzeitzünder könnte durch Hangbewegung infolge starken Regens aktiviert worden sein.<ref>Vals: Alte Fliegerbombe explodierte orf.at, 6. August 2023, abgerufen am 6. August 2023.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Bill Gunston, Horst W. Laumanns: Die illustrierte Enzyklopädie der Flugzeugbewaffnung. Alles über Rohrwaffen, Raketen, Flugkörper, Bomben, Torpedos und Minen. Verlag Motorbuch u. a., Stuttgart u. a. 1988, ISBN 3-7276-7078-9.
  • Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004, ISBN 978-1-8578-0188-0.
  • Karl R. Pawlas: Munitions-Lexikon. Band 3: Deutsche Bomben. 2. Auflage. Journal-Verlag, Deutschland, 1992.
  • Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
  • Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. 4., aktualisierte Auflage. Walhalla Fachverlag, Regensburg 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 369 ff.
  • Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, Deutschland, 2003, ISBN 3-613-02286-9.
  • Wolfgang Thamm: Fliegerbomben. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2003, ISBN 3-7637-6228-0.
  • SPRE Basalt: Unguided Air Bombs. Offizieller Produktekatalog der Federal State Unitary Enterprise Basalt, Moskau, Russland, 2008.
  • Vorschrift L.Dv. 764, H.Dv. 412, M.Dv.Nr. 872 Beseitigung von Blindgängern feindlicher Fliegerbomben. 1939, ISBN 978-3-7557-0751-6.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />