Etazismus
Unter Etazismus versteht man ein Aussprachesystem der altgriechischen Sprache. Namensgebend war der Umstand, dass diesem System folgend der griechische Buchstabe Eta (Vorlage:Grek) als langes, offenes ē ausgesprochen wird.
Der Etazismus geht zurück auf eine Forderung des Erasmus von Rotterdam, die er in seiner 1528 erschienenen Schrift {{#invoke:Vorlage:lang|flat}} darlegte. Er hielt es für unwahrscheinlich, dass die altgriechische Sprache, wie sie zu seiner Zeit gesprochen wurde, sechs unterschiedlich geschriebene I-Laute hatte: Vorlage:Grek, die alle als i ausgesprochen wurden. Zudem forderte Erasmus, dass das griechische Beta (Vorlage:Grek), das bis zu Erasmus wie im Neugriechischen als w ausgesprochen wurde, zu einem b werde. Ohne diese Anpassungen hätten die Schafe in der griechischen Komödie bei Kratinos „wi, wi“ statt „bä, bä“ ({{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) geblökt.<ref>Hans Poeschel: Die griechische Sprache. Heimeran, München 1950, S. 31.</ref>
Der Etazismus hat sich im Altgriechischunterricht in Deutschland und international – außer in Griechenland – durchgesetzt. Vertreter der bis zu Erasmus gültigen, von Johannes Reuchlin und Philipp Melanchthon verteidigten und noch lange gepflegten Aussprache aller genannten Vokallaute als i werden Itazisten genannt. Altgriechische Texte mit etazistischer Aussprache klingen dem Neugriechischen deutlich weniger verwandt.
Literatur
- Ernst Vogt: Griechische Philologie in der Neuzeit. In: Heinz-Günther Nesselrath (Hrsg.): Einleitung in die griechische Philologie. Springer, Wiesbaden 1997, S. 117–134, hier S. 120.
Anmerkungen
<references />