Zum Inhalt springen

Ernst Rodenwaldt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:COLLECTIE TROPENMUSEUM Professor Ernst Rodenwaldt tijdens onderzoekswerkzaamheden in het Geneeskundig Laboratorium te Weltevreden Batavia. TMnr 60047756.jpg
Ernst Rodenwaldt im Gesundheitslabor von Weltevreden

Ernst Robert Carl Rodenwaldt (* 5. August 1878 in Berlin; † 4. Juni 1965 in Ruhpolding) war ein deutscher Hygieniker, Sanitätsoffizier, Autor u. a. rassenhygienischer Schriften und zuletzt Generalarzt der Wehrmacht. Er gilt als einer der bekanntesten Tropenmediziner Deutschlands und war seinerzeit ein weltweit führender Malariaexperte.

Leben

Rodenwaldt war der Sohn eines Gymnasialprofessors und Bruder von Gerhart Rodenwaldt, einem der bedeutendsten Archäologen des 20. Jahrhunderts. Nach dem Abitur am Köllnischen Gymnasium diente er 1897/98 als Einjährig-Freiwilliger im Garde-Füsilier-Regiment. Zugleich begann er sein Medizinstudium an der Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin, wo er am 30. Januar 1903 sein Staatsexamen bestand. Die Friedrichs-Universität Halle promovierte ihn 1904 zum Dr. med.<ref>WorldCat</ref><ref>Dissertation: Aufnahmen des geistigen Inventars Gesunder als Maßstab für Defektprüfungen bei Kranken.</ref> Von 1909 bis 1913 wirkte Rodenwaldt als Kolonialarzt in Togo, wo er neben der Pocken- und Malariabekämpfung auch die Geburtshilfe reformierte.<ref name="kiminus">Manuela Kiminus: Ernst Rodenwaldt – Leben und Werk</ref> Während des Ersten Weltkriegs war er als Stabsarzt in Kleinasien für das verbündete Osmanische Reich tätig. Auf den dortigen Kriegsschauplätzen konnte er große Erfolge bei der Bekämpfung von Malaria, Fleckfieber, Cholera und Typhus erzielen.<ref name="ndb">Kutzer, Michael: Rodenwaldt, Ernst Robert Karl. In: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 697/698 [Onlinefassung]</ref> Im Winter 1916/1917 hatte das Fleckfieber fast die ganze Stadt Smyrna ergriffen, was Rodenwaldt vor eine große Herausforderung stellte.<ref>Wolfgang U. Eckart: Medizin und Krieg. Deutschland 1914-1924, Ferdinand-Schöningh-Verlag Paderborn 2014, S. 320–323, ISBN 978-3-506-75677-0.</ref> In Jerusalem beaufsichtigte Rodenwaldt Kriegslazarette der deutschen Borromäerinnen in Rephaim und der Kaiserswerther Diakonissen in ihrem Jerusalemer Krankenhaus. Nach dem Krieg habilitierte er sich 1919 in Heidelberg mit seinen Studien zur Malariaforschung.<ref>Habilitationsschrift: Zur Frage der Chininresistenz der Plasmodien der menschlichen Malaria.</ref> In Heidelberg wurde Rodenwaldt Mitglied der Verbindung Rupertia. Zwischen 1921 und 1934 war er in Ostindien tätig, wo ihm schon nach einem Jahr die Malariabekämpfung für den gesamten Archipel übertragen wurde. 1928 wurde er dort zum Inspekteur des Volksgesundheitsdienstes berufen und war ab 1932 der Leiter des Gesundheitslabor in Weltevreden. Aufgrund seiner Erfolge bei der Seuchenbekämpfung und seiner zahlreichen Veröffentlichungen galt er zu jener Zeit als weltweit führender Malariaexperte.<ref name="kiminus" />

Zum 1. März 1932 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 914.994),<ref>Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/17081098</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> die er zum 25. Februar 1933 verließ. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berief ihn 1934 auf den Lehrstuhl für Hygiene. 1935 wechselte er auf den Lehrstuhl der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. In dieser Funktion hielt er Pflichtvorlesungen über Rassenhygiene<ref>Wolfgang U. Eckart: Die Heidelberger Anatomie im Nationalsozialismus, in: Sara Doll, Joachim Kirsch, Wolfgang U. Eckart (Hrsg.): Wenn der Tod dem Leben dient - Der Mensch als Lehrmittel, Springer Deutschland 2017, S. 77. {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}</ref> und warb auch außerhalb des universitären Umfelds für die „Reinheit“ deutschen Blutes.<ref>Ernst Rodenwaldt: Wie bewahrt der Deutsche die Reinheit seines Blutes in Ländern mit farbiger Bevölkerung? In: Jahrbuch für auslandsdeutsche Sippenkunde. Jg. 1, 1936, S. 62–68.</ref> Als ausdrücklicher Befürworter der südafrikanischen Apartheid-Gesetzgebung wie der Nürnberger Gesetze verkörperte er – so die Einschätzung neuerer Forschungen – „die Persönlichkeit des intellektuellen, militaristischen Fanatikers der Rassentrennung“.<ref>Wolfgang U. Eckart, Volker Sellin, Eike Wolgast (Hrsg.): Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-21442-9, S. 705.</ref>

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er wieder in den militärärztlichen Dienst berufen. 1940 wurde er Leiter des Instituts für Tropenmedizin und Tropenhygiene der Militärärztlichen Akademie und Beratender Tropenmediziner beim Chef des Sanitätswesens des Heeres. Er war an der wissenschaftlichen Auswertung der „Menschenversuche der Wehrmacht“ beteiligt. Berufungen an den Münchner Lehrstuhl für Rassenhygiene oder das Berliner Reichsinstitut für Erbforschung lehnte er jedoch ab.<ref name="kiminus" /> 1943 wurde er zum Generalarzt ernannt. Rodenwaldts Einsätze führten ihn nach Frankreich, wo ihm ein Kolonialmedizinisches Sonderlazarett bei Bordeaux unterstand, in die Niederlande und nach Belgien, nach Italien, auf den Balkan und nach Nordafrika. Besonderes Augenmerk wurde 1943/1944 den malariaverseuchten Regionen um die Abtei Montecassino zuteil.

Zu Kriegsende kam er in ein Kriegsgefangenenlager ins englische Windermere (Cumbria). Dort wurde er nach wenigen Monaten Chefarzt eines deutschen Gefangenenlazaretts. Anfang 1946 erfolgte auf Betreiben seiner englischen Kollegen die Freilassung nach Deutschland, wo er erfuhr, dass er schon Ende 1945 von der amerikanischen Militärregierung wegen nationalsozialistischer Belastung als Ordinarius für Hygiene entlassen worden war. Nachdem er im Rahmen der Entnazifizierung in erster Instanz als „Minderbelasteter“ eingestuft wurde, erfolgte in einem zweiten Verfahren 1948 ein endgültiger Freispruch.<ref name="kiminus" />

Nach dem Freispruch erhielt er noch im selben Jahr einen Lehrauftrag an der Universität Heidelberg. Nach seiner Emeritierung wurde er 1951 Leiter der geomedizinischen Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Bis zu seinem Tod war er noch als Berater für verschiedene Organisationen tätig. Er hatte Einfluss auf den Sanitätsdienst der Bundeswehr, war Beirat im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und engagierte sich in der Entwicklungshilfe.<ref name="ndb" />

Werke

Rodenwaldt verfasste u. a. rassistische Schriften für das "Neues Volk. Blätter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP"<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>. Daneben verfasste er unzählige Schriften im Bereich der Tropenmedizin. Von 1952 bis 1961 wurde unter seiner Leitung ein dreibändiger Weltseuchenatlas erstellt und herausgegeben, der als geomedizinisches Standardwerk galt.<ref name="ndb" /> Darüber hinaus forschte er auch im Bereich der Geomorphologie und bildete zusammen mit der Seuchengeographie das neue Forschungsfach der Geomedizin heraus.<ref name="ndb" /> 1941 war er Verfasser einer Tornisterschrift des Oberkommandos der Wehrmacht mit dem Titel „Der Islam“, die heute als interessantes Werk für die damalige Denkweise der Nationalsozialisten über den Islam gilt. Dieser wird in dem Buch so positiv dargestellt und mit heute noch bestehenden Vorurteilen aufgeräumt, dass der Islamwissenschaftler Stefan Weidner urteilte: „So vieles ist selbst aus gegenwärtiger Sicht an dieser Propagandaschrift sachlich und psychologisch korrekt, dass einem fast ein wenig unwohl zumute wird“.<ref>Stefan Weidner am 13. Mai 2013 in cicero.de: Das Multikulti-Bekenntnis der Wehrmacht</ref>

Traditionspflege

Rodenwaldt wurde als Koryphäe der deutschen Tropenmedizin gefeiert und geehrt. Er war Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Zu seinem 85. Geburtstag wurde ihm von der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen die Ehrendoktorwürde verliehen. Am 15. Dezember 1967 wurde dem Institut für Wehrmedizin und Hygiene der Bundeswehr in Koblenz der Name „Ernst-Rodenwaldt-Institut“ verliehen. Bereits am 30. November 1967 war das nationale Hygiene-Institut der Republik Togo nach Ernst Rodenwaldt benannt worden. Am 5. August 1978 wurde in Lomé ein Rodenwaldt-Relief enthüllt. Nachdem sich jedoch der Verdacht bestätigte, Rodenwaldt habe Kenntnis von den Menschenversuchen in der Zeit des Nationalsozialismus gehabt, wurde am 24. März 1998 der Traditionsname „Ernst-Rodenwaldt-Institut“ entfernt. Im Oktober 1998 wurde das Rodenwaldt-Institut in Togo in „Institut National d’Hygiène“ umbenannt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • mit Heinz Zeiss: Einführung in die Hygiene und Seuchenlehre, zwischen 1936 und 1943 insgesamt fünf Auflagen, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart.
  • Die Mestizen von Kisar. Hrsg. durch die Mededeelingen van den Dienst der Volksgezondheit in Nederlandsch-Indiï, 2 Bände, Batavia 1927.
  • Tropenhygiene. Stuttgart 1938.
  • Ein Tropenarzt erzählt sein Leben. Stuttgart 1957.

Literatur

  • Wolfgang U. Eckart: Generalarzt Ernst Rodenwaldt; in: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. Von den Anfängen des Regimes bis Kriegsbeginn Bd. 1, Primus-Verlag, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-083-2, Seite 210–222.
  • Wolfgang U. Eckart, Christoph Gradmann: Hygiene. In: Wolfgang U. Eckart, Volker Sellin, Eike Wolgast (Hrsg.): Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-21442-7, S. 697–719; hier: S. 701–718 (Ernst Robert Carl Rodenwaldt – Ausbildung und deutscher Kolonialdienst).
  • Wolfgang U. Eckart: Rodenwaldt, Ernst. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1256 f.
  • Manuela Kiminus: Ernst Rodenwaldt. Leben und Werk. Diss. med. Univ. Heidelberg 2002.
  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0
   | {{#if: 697
       |
       | Vorlage:NDB – bitte Seitenzahl(en) angeben
     }}{{#if: 116579277
         | {{#if: {{#invoke:URIutil|isDNBvalid|116579277}}
             | {{#if: 
                 | Vorlage:NDB – Wenn GND dann kein SFZ angeben
               }}
             | Vorlage:NDB – GND unzulässig
           }}
         | {{#if: 
             | {{#if: 
                 | {{#ifeq: 939317 | 4526413
                     |
                     | Vorlage:NDB7= ist obsolet, jetzt SFZ=
                   }}
               }}
             | {{#ifeq:  | 1
                 | 
                 | 
               }}
           }}
     }}{{#if: 
         | {{#ifeq: 939317 | 11376103
             |
             | Vorlage:NDBWerktitel= war ein Irrtum, jetzt Werkliste=
           }}
       }}

}}{{#if:

   | {{#if: 
       |
       | 
     }}

}}

  • Wolfgang U. Eckart: Von Kommissaren und Kamelen. Heinrich Zeiss – Arzt und Kundschafter in der Sowjetunion 1921–1931. Schöningh, Paderborn 2016, Seiten 28, 46, 49, 64, 69. ISBN 978-3-506-78584-8.

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:Category:{{#if:|{{{1}}}|Ernst Rodenwaldt}}|uselang=de}} Commons: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if: 00

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|0}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|0}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default= – }}{{#if:

   | {{#ifeq: {{#invoke:Str|left||9}} 
       | category: 
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}

Vorlage:Wikidata-Registrierung

| {{#if: 
    | Vorlage:DNB-Portal – veraltete Parametrisierung 3=
  }}

}}

Einzelnachweise

<references />

{{#ifeq: p | p | | {{#if: 116579277n8581642837670812 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 116579277 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 116579277 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n85816428 | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n85816428 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 37670812 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 37670812 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung

{{#if: Rodenwaldt, Ernst | {{#if: Ernst Robert Carl Rodenwaldt (vollständiger Name) | {{#if: deutscher Tropenmediziner | {{#if: 5. August 1878 | {{#if: Berlin | {{#if: 4. Juni 1965 | {{#if: Ruhpolding |

Vorlage:Wikidata-Registrierung