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Erblicher Ring

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In der Mathematik liefert die Länge einer projektiven Auflösung eines Moduls über einem Ring <math>R</math> in einem gewissen Sinne ein Maß dafür, wie „kompliziert“ der Modul ist.

Ein Ring <math>R</math> heißt erblich, wenn jeder Untermodul eines projektiven <math>R</math>-Moduls projektiv ist.<ref>Louis D. Tarmin: Lineare Algebra Moduln 2, Tschampel BuchMat 4.B (2008), ISBN 3-934-67151-9, Definition 1.134.1</ref> Das heißt, jede minimale projektive Auflösung eines Moduls stoppt bereits nach zwei Schritten.

Bei nicht-kommutativen Ringen unterscheidet man zwischen Links- und Rechtserblichkeit: Ein Ring <math>R</math> heißt links-erblich, wenn jeder Untermodul eines projektiven <math>R</math>-Linksmoduls projektiv ist.<ref>Louis H. Rowen: Ring Theory. Band 1. Academic Press Inc., Boston u. a. 1988, ISBN 0-125-99841-4 (Pure and Applied Mathematics 127), Definition 2.8.11</ref> Entsprechend heißt ein Ring <math>R</math> rechts-erblich, wenn jeder Untermodul eines projektiven <math>R</math>-Rechtsmoduls projektiv ist. Es gibt Ringe, die links- aber nicht rechts-erblich sind, und umgekehrt (s. u.).

Beispiele

  • Jeder Körper <math>K</math> ist erblich, da alle <math>K</math>-Moduln (= <math>K</math>-Vektorräume) frei und damit projektiv sind.
  • Jeder halbeinfache Ring ist erblich, da jeder Modul über dem Ring projektiv ist.
  • Jeder Hauptidealring ist erblich, da hier projektive Moduln frei sind und Untermoduln freier Moduln ebenfalls frei sind.
  • <math>\begin{pmatrix} \Q & \Q \\ 0 & \Z \end{pmatrix} := \left\{ \begin{pmatrix} a_{1,1} & a_{1,2} \\ 0 & a_{2,2} \end{pmatrix} \in \operatorname{Mat}(2,\Q) \mid a_{2,2} \in \Z \right\}</math> ist links-erblich, aber nicht rechts-erblich.<ref>Louis H. Rowen: Ring Theory. Band 1. Academic Press Inc., Boston u. a. 1988, ISBN 0-125-99841-4 (Pure and Applied Mathematics 127), Aufgabe 2.8.5</ref>
  • Jede Wegealgebra eines Köchers ist erblich.

Einzelnachweise

<references />