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Projektive Auflösung

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Im mathematischen Gebiet der Kategorientheorie und der homologischen Algebra ist eine projektive Auflösung eine lange exakte Sequenz aus projektiven Objekten, die in einem gegebenen Objekt endet.

Definition

Es seien <math>C</math> eine abelsche Kategorie (oder auch die Kategorie Grp der Gruppen) und <math>A</math> ein Objekt aus <math>C</math>. Dann heißt eine lange exakte Sequenz der Form

<math>\cdots\rightarrow P_2\rightarrow P_1\rightarrow P_0\rightarrow A\rightarrow 0</math>

projektive Auflösung von <math>A</math>, wenn sämtliche <math>P_i</math> projektiv sind.<ref>Ernst Kunz: Einführung in die kommutative Algebra und algebraische Geometrie, Vieweg (1980), ISBN 3-528-07246-6, Kapitel VII, Projektive Auflösungen</ref><ref>P. J. Hilton: Lectures in Homological Algebra, American Mathematical Society (1971), ISBN 0821816578, Definition 2.5</ref>

Sind alle <math>P_j</math> sogar frei, so spricht man von einer freien Auflösung.

Existenz

Ist in der abelschen Kategorie <math>C</math> jedes Objekt Quotient eines projektiven Objektes, d. h. gibt es zu jedem Objekt <math>X\in \operatorname{Ob}(C)</math> einen Epimorphismus <math>P\rightarrow X</math>, in dem <math>P</math> projektiv ist, so sagt man auch, <math>C</math> besitze genügend viele projektive Objekte.

Unter diesen Bedingungen gibt es auch zu jedem Objekt <math>A</math> eine projektive Auflösung. Zunächst existiert nämlich nach Voraussetzung ein Epimorphismus <math>p_0\colon P_0\rightarrow A</math>, dann weiter ein Epimorphismus <math>p_1\colon P_1\rightarrow \operatorname{ker}(p_0)</math> auf den Kern dieses Morphismus und dann per Induktion jeweils weiter <math>p_{n+1}\colon P_{n+1}\rightarrow \operatorname{ker}(p_n)</math>.

Die wichtigste Kategorie mit genügend vielen projektiven Objekten ist die Kategorie <math>\mathrm{Mod}_R</math> der (Links-)Moduln über einem Ring <math>R</math>. Ist <math>A</math> ein solcher Modul und ist <math>(a_i)_{i\in I}</math> ein Erzeugendensystem, so hat man einen surjektiven Homomorphismus <math>R^I\rightarrow A</math>, indem man das <math>i</math>-te Basiselement des freien Moduls <math>R^I</math> auf <math>a_i</math> abbildet. Da freie Moduln projektiv sind, ist <math>A</math> Quotient eines projektiven Moduls und damit hat <math>\mathrm{Mod}_R</math> genügend viele projektive Objekte.<ref>P. J. Hilton: Lectures in Homological Algebra, American Mathematical Society (1971), ISBN 0821816578, Satz 2.7</ref>

Eigenschaften

Ist

<math>\cdots\rightarrow P_2\rightarrow P_1\rightarrow P_0\rightarrow A\rightarrow 0</math>

eine projektive Auflösung und

<math>\cdots\rightarrow A'_2\rightarrow A'_1\rightarrow A'_0\rightarrow A'\rightarrow 0</math>

exakt, so lässt sich jeder <math>C</math>-Homomorphismus <math>f\colon A\rightarrow A'</math> (nicht notwendigerweise eindeutig) zu einem kommutativen Diagramm

<math>\begin{matrix}

\cdots\rightarrow & P_2 & \rightarrow & P_1 & \rightarrow & P_0 & \rightarrow & A & \rightarrow 0 \\

\cdots & \downarrow & & \downarrow & & \downarrow & & \downarrow \\

\cdots\rightarrow & A'_2 & \rightarrow & A'_1 & \rightarrow & A'_0 & \rightarrow & A' & \rightarrow 0

 \end{matrix}
</math>

ergänzen.<ref>P. J. Hilton: Lectures in Homological Algebra, American Mathematical Society (1971), ISBN 0821816578, Lemma 2.8 + anschließende Bemerkung</ref>

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

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