Zum Inhalt springen

Emil Rahm (Publizist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Emil Rahm.jpg
Emil Rahm (2004)

Emil Rahm-Sidler (* 24. September 1930<ref name="mp1">Aus dem Leben von Emil Rahm. Selbstdarstellung auf seiner Website memopress.ch. Abgerufen am 15. Juli 2011.</ref> in Hallau;<ref name="nzzas">Urs Tremp: Missionar am rechten Rand. In: NZZ am Sonntag. 15. November 2015 (Nachruf).</ref> † 6. November 2015;<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Erfinder des Werbeslogans «Mit Rimuss stossed alli a» gestorben (Memento vom 17. November 2015 im Internet Archive) Radio Munot, 7. November 2015; abgerufen am 7. November 2015.</ref> heimatberechtigt in Hallau<ref>Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG. Internet-Auszug. Handelsregister des Kantons Schaffhausen, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 16. April 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/sh.powernet.ch (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref>) war ein Schweizer Unternehmer und Publizist.

Leben

Emil Rahm wuchs in einer Weinbauernfamilie in Hallau auf, die einer Chrischona-Gemeinde angehörte,<ref name="pp" /> war dann aber Mitglied der reformierten Landeskirche in Hallau. Zusammen mit seinem Vater Jakob Rahm und Bruder Robert baute er die Rimuss- und Weinkellerei Rahm AG, in der seit 1945 neben Wein auch Traubensaft hergestellt wird, auf. Er bildete sich zum Kaufmann und Weinfachmann aus. 1959 übernahm er die Geschäftsführung der Rebbaugenossenschaft Hallau-Wilchingen.<ref>Gründungspapier Rebbaugenossenschaft. (PDF; 66 kB) eoko.ch; abgerufen am 18. Februar 2012.</ref>

Nach dem Tod des Vaters übernahmen die Brüder 1969 das Unternehmen. Es gehörte der Rimuss-Stiftung, die die Aktien- und Stimmenmehrheit hielt und bei der Emil Rahm bis 2014 Stiftungsrat war. Die Rimuss-Stiftung unterstützt christliche und andere gemeinnützige Organisationen. Rahm starb verwitwet und hatte drei Kinder.<ref name="mp1" />

Publizistik

Zum 25-jährigen sowie zum 50-jährigen Bestehen der Kellerei Rahm in Hallau verfasste Emil Rahm Jubiläumsschriften, die im Selbstverlag der Kellerei 1970 rsp. 1995 publiziert wurden.<ref>Emil Rahm, Grety Renteria: Rimuss-Kellerei Rahm, Hallau 1945–1970. Jubiläumsschrift der Rimuss-Kellerei Rahm + Co., Weinbau. Rimuss-Kellerei Rahm, Hallau 1970. DNB 910537488.</ref><ref>Emil Rahm: 50 Jahre Rimuss-Kellerei Rahm Hallau: rund um den edlen Rebensaft. Rimuss-Kellerei Rahm, Hallau 1995. DNB 947361782.</ref>

Rahm verfasste und verbreitete Leserbriefe und Publikationen politischen und weltanschaulichen Inhalts. Von 1967 bis 1998 publizierte er im Selbstverlag vierteljährlich die Memopress, eine vierseitig im Zeitungsformat A4 erschienene, in Kleinauflagen und in den 1980er und 1990er Jahren z. T. in Grossauflagen von 20'000–40'000 Exemplaren versandte Zeitschrift.<ref name="ds" /><ref>E. Rahm: Memopress: Informationen aus Politik, Wirtschaft, Religion mit Kommentar. E. Rahm, Hallau 1.1967 – 32.1998,4. DNB 550336753.</ref> Memopress liess Sympathien für den Diktator Augusto Pinochet in Chile, für das «weisse» Rhodesien und für die Apartheid in Südafrika erkennen.<ref name="Cantini">Claude Cantini: Les Ultras – Extrême droite et droite extrême en Suisse : les mouvements et la presse de 1921 à 1991. Éditions d’en bas, Lausanne 1992, ISBN 2-8290-0135-4, S. 98 f.</ref> Die 1976 monatlich ebenfalls im Selbstverlag Rahms erschienene Publikation mit dem Titel Hintergrund, die 1977 vierteljährlich erschienenen Ausgaben von Durchblick der Conföderation Organisch Denkender Europäer (CODE) sowie das bis November 1995 im Verlag Diagnosen erschienene Monatsmagazin Code waren in die Memopress aufgegangen.<ref>E. Rahm: Hintergrund: Hintergrund-Information. E. Rahm, Hallau 1976. DNB 550336745.</ref><ref>Durchblick: Auszüge und Zusammenfassungen aus dem Politischen Lexikon von CODE / Conföderation Organisch Denkender Europäer. Vaduz: C.O.D.E. Verlagsanstalt 1977. DNB 550423389.</ref><ref>Ekkehard Franke-Gricksch (Hrsg.): Code: Exclusives aus Politik und Wirtschaft. Verlag Diagnosen, Leonberg. DNB 010625526.</ref><ref>Tamedia: Facts, Ausgabe 1/1996</ref> Seit 1999 erscheint anstelle der Memopress das Blatt Prüfen + Handeln.<ref>E. Rahm: Prüfen + Handeln: Analysen, Informationen, Meinungsäußerungen, Grundlagen für gute Volksentscheide / Aktion Volk + Parlament. E. Rahm, Hallau (1999). DNB 955702437.</ref>

In der Sekundärliteratur wird Rahm gewertet als jemand, der eine «jüdisch-freimaurerisch-bolschewistisch-jesuitische Weltverschwörung» postuliert.<ref>Frischknecht 1979, S. 414.</ref><ref name="ds">Damir Skenderovic: The radical right in Switzerland: Continuity and change, 1945–2000. Berghahn Books, New York 2009, ISBN 978-1-84545-580-4, S. 294; books.google.ch</ref><ref>Fritz May: Israel zwischen Blut und Tränen: Der Leidensweg des jüdischen Volkes. Schulte+Gert, Asslar 1988, ISBN 3-87739-081-1, S. 214; books.google.ch</ref><ref name="spiegel" /><ref name="gra-1997-1-27">Eintrag Hallau SH, 27. Januar 1997 in der Chronologie der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus</ref> Rahm wies solche Einordnungen seiner Weltanschauung dahingehend zurück, dass eher von einer «satanischen Weltverschwörung» die Rede sein müsste.<ref>Emil Rahm: Der Mythos von der geheimen Weltregierung.</ref>

Die NZZ am Sonntag zitiert Rahm folgendermassen: Nein, ein Antisemit sei er nicht – «aber die Frage muss erlaubt sein, ob der Bolschewismus eine jüdische Erfindung ist». Nein, an die Echtheit der «Protokolle der Weisen von Zion» glaube er nicht – «aber ich glaube, dass sich das ereignet, was darin steht, ob nun von abgefallenen Juden oder Christen inspiriert».<ref name="nzzas" /> Einen Artikel der Memopress-Ausgabe Nummer 2 des Jahres 1977 hatte Rahm mit der Frage Ist der Bolschevismus jüdisch?<ref name="Cantini" /> übertitelt.

Wie der Chronologie der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA zu entnehmen ist, stellte die Schweizer Zollverwaltung 1997 einen für Rahm bestimmten Import von Büchern unter anderem von Johannes Rothkranz sicher.<ref name="gra-1997-1-27" /> Wegen der Verbreitung von rund 50 Exemplaren des Buches Geheimgesellschaften von Jan Udo Holey wurde Rahm 1997 vom Untersuchungsrichteramt Schaffhausen wegen Rassendiskriminierung zu einer Busse von 5000 Franken verurteilt.<ref>Straferöffnung. (PDF; 3,7 MB) eoko.ch; abgerufen am 12. Februar 2012.</ref><ref name="gra-1997-1-27" /><ref>Emil Rahm verurteilt. In: Tages-Anzeiger. 21. März 1997.</ref><ref>Eintrag Hallau SH, 25. Juli 1996 in der Chronologie der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.</ref><ref>Eintrag Schaffhausen, 11. März 1997 in der Chronologie der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prozesse (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive), Website der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA); abgerufen am 2. April 2011.</ref><ref>Gutachten Professor Niggli betreffend Verstoss gegen Art. 261 StGB durch Emil Rahm (Schreiben vom 9. September 1996). (PDF; 288 kB) emil.rahm.pro; abgerufen am 18. April 2018.</ref>

Politische Tätigkeit

Rahm war Initiant und Präsident des Schaffhauser Komitees der politisch nicht interessierten Frau, das sich gegen die Vorlage zur Einführung des Frauenstimmrechts von 1971 wandte, weil es Mehrbelastung für Frauen, neurotische Störungen und eine Halbierung der Autorität des Familienvorstandes befürchtete.<ref>Schweizer Illustrierte (Hrsg.): Die Verlierer. Die Frauenstimmrechtsgegner kämpften bis zur letzten Minute. 8. Februar 1971, S. 17 ff.</ref>

Rahm gehörte der Schweizerischen Volkspartei (SVP) an.<ref name="pp">Rolf Strasser: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Protestantische Parteien und evangelisch-konservative Christen: Historische Notizen. (Memento vom 4. Oktober 2018 im Internet Archive) 1996/2001. Abgerufen am 2. April 2011.</ref> Er war ein prominenter Gegner der Rassismus-Strafnorm. Rahm gehörte zu den Gründern der «Aktion für freie Meinungsäusserung – gegen UNO-Bevormundung» AfM, die 47'000 Unterschriften zum Referendum gegen die Einführung der Rassismus-Strafnorm sammelte.<ref name="ds" /><ref name="pp" /><ref name="spiegel">Vereint zuschlagen. Die Volksabstimmung über ein Antirassismus-Gesetz deckt Abgründe von Fremdenhaß auf. In: Der Spiegel. Nr. 38, 1994 (online).</ref> In der Volksabstimmung vom 25. September 1994 wurde das Gesetz schliesslich mit einem Stimmenanteil von 54,6 Prozent gutgeheissen.<ref>Vorlage Nr. 414, Website der Schweizerischen Bundeskanzlei. Abgerufen am 13. April 2011.</ref> Nach dem Referendum reichte Rahm mehrere Petitionen zum neuen Gesetz ein.<ref>97.2028 – Petition Rahm Emil, Hallau. Schutz der freien Meinungsbildung. Nationalrat – Frühjahrssession 1998 – Sechzehnte Sitzung. In: Amtliches Bulletin – Die Wortprotokolle von Nationalrat und Ständerat. 20. März 1998, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2011; abgerufen am 12. April 2011.</ref><ref name="p1">99.2007 – Petition Rahm Emil. Auslegung von Artikel 5 Absatz 4 der neuen Bundesverfassung. Ständerat – Frühjahrssession 2000 – Elfte Sitzung. In: Amtliches Bulletin – Die Wortprotokolle von Nationalrat und Ständerat. 23. März 2000, abgerufen am 12. April 2011.</ref><ref name="p2">00.2012 – Petition Rahm Emil. Artikel 261bis StGB. Rassismus-Strafartikel. Ständerat – Sommersession 2000 – Zwölfte Sitzung. In: Amtliches Bulletin – Die Wortprotokolle von Nationalrat und Ständerat. 22. Juni 2000, abgerufen am 12. April 2011.</ref>

Mit seiner «Aktion Volk und Parlament»<ref name="p1" /><ref name="p2" /> engagierte sich Rahm für das Referendum gegen die Armee XXI.<ref>René Zeller: Das Netzwerk der Lichtscheuen. In: NZZ. 26. Januar 2003, abgerufen am 15. Juli 2011. Im Artikel wird fälschlicherweise von einer «Aktion Volk und Heimat» gesprochen.</ref>

Literatur

  • Jürg Frischknecht: Die unheimlichen Patrioten. Politische Reaktion in der Schweiz – Ein aktuelles Handbuch. 4. Auflage. Limmat, Zürich 1979, ISBN 3-85791-018-6, S. 414–418.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein