Elizebeth Friedman
Elizebeth Smith Friedman (* 26. August 1892 in Huntington, Indiana; † 31. Oktober 1980 in Plainfield, New Jersey)<ref>The Elizebeth Smith Friedman Collection – Biographical Sketch PDF 3,6 MB Abgerufen: 31. August 2016.</ref> war eine US-amerikanische Kryptoanalytikerin.
Leben
Studium
Elizebeth Smith wurde im Jahr 1892 als jüngstes von neun Kindern ihrer Eltern John M. Smith, eines Bankiers und Politikers,<ref>Rudolf Kippenhahn: Verschlüsselte Botschaften, Geheimschrift, Enigma und Chipkarte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 45. ISBN 3-499-60807-3</ref> der der Religionsgemeinschaft der Quäker angehörte, und Sopha Strock Smith, im US-Bundesstaat Indiana in der Stadt Huntington geboren. Den etwas ungewöhnlichen Vornamen Elizebeth, im Gegensatz zur üblichen Schreibweise Elizabeth, hatte ihr ihre Mutter mit Bedacht gegeben, um zu verhindern, dass ihre Tochter jemals Eliza genannt werden würde. Nachdem Elizebeth zunächst das College of Wooster in Ohio besucht hatte, erzielte sie ihren akademischen Abschluss in Anglistik auf dem Hillsdale College in Michigan. Ihr Interesse galt insbesondere der englischen Literatur, speziell den Werken Shakespeares. Darüber hinaus studierte diese vielseitige junge Frau auch Fremdsprachen, wie Latein, Griechisch und Deutsch.
Riverbank-Labor
Nachdem Miss Smith die Hochschule verlassen hatte, fand sie ihre erste Anstellung bei der Newberry Research Library, einer nicht zuletzt wegen eines Originals von Shakespeares Folio bekannten Bibliothek in Chicago. Von dort wurde sie im Jahr 1916 durch den reichen Textilkaufmann George Fabyan (1867–1936) abgeworben (siehe Foto unter Weblinks), der sie in die amerikanische Stadt Geneva holte, die nicht weit von Chicago ebenfalls in Illinois liegt, wo er eine private Forschungseinrichtung mit Namen Riverbank gegründet hatte. Durch Fabyan finanziert, wohnten und arbeiteten in seiner Denkfabrik (engl.: Think tank) ein gutes Dutzend Forscher, die sich mit höchst unterschiedlichen Themen aus den Bereichen der Natur- und Ingenieur-Wissenschaften sowie den Geisteswissenschaften befassten. Dazu gehörten Arbeitsgebiete wie Akustik, Chemie, Genetik, und – was damals neu war – die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Kryptologie.<ref>Rudolf Kippenhahn: Verschlüsselte Botschaften, Geheimschrift, Enigma und Chipkarte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 43. ISBN 3-499-60807-3</ref>
Elizebeth Smith bekam von Fabyan die Aufgabe gestellt, nach von ihm vermuteten verschlüsselten Geheimbotschaften in Shakespeares Werken zu suchen, um eine angenommene fremde Urheberschaft aufzuklären. Statt Shakespeare selbst, sollte nach Fabyan der Lordkanzler der britischen Königin Elisabeth I., Sir Francis Bacon, der mögliche Autor sein.<ref>Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, S. 32.</ref><ref>Rudolf Kippenhahn: Verschlüsselte Botschaften, Geheimschrift, Enigma und Chipkarte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 44. ISBN 3-499-60807-3</ref>
Bei der Aufbereitung der in Frage kommenden elisabethanischen Texte half ihr ein junger Kollege aus dem Genetiklabor namens William Friedman, kryptische Stellen der alten Dokumente zu vergrößern und zu untersuchen. Die beiden jungen Forscher harmonierten nicht nur beruflich besonders gut, sondern kamen sich auch privat näher und heirateten schließlich im Mai 1917. Aus Miss Smith wurde Mrs. Elizebeth Friedman.
Abgesehen von einer kriegsbedingten einjährigen Abwesenheit Williams, während der er amerikanische Offiziere in Kryptologie ausbildete, arbeitete das frisch vermählte Paar noch vier weitere Jahre in den Riverbank-Laboratorien. Nach einem Streit mit Fabyan zogen sie im Jahr 1921 in die US-amerikanische Hauptstadt Washington, um dort für das US-Kriegsministerium als Kryptoanalytiker zu arbeiten.
Zeit der Prohibition
Etwas später, während der Zeit der Prohibition, wechselte Elizebeth zur US-amerikanischen Küstenwache, zu deren Aufgaben es gehörte, den damals illegalen Alkoholschmuggel von Schiffen über See zu verhindern. Die Schmuggler verständigten sich mithilfe der damals neu aufgekommenen Funktechnik und verschlüsselten ihre Funksprüche, um ihre Kommunikation geheim zu halten. Dabei benutzten sie neben relativ einfachen Substitutions- und Transpositionsverfahren auch kompliziertere Codes. Als Leiterin der United States Coast Guard Unit 387 (USCG Unit 387) gelang es Elizebeth Friedman, eine Vielzahl (mehr als 12.000)<ref name="Elizebeth Friedman">Elizebeth Friedman in der Hall of Honor der NSA. Abgerufen: 9. Juli 2010.</ref> dieser Nachrichten zu entziffern, und so entscheidend zur Aufdeckung der illegalen Schmuggelaktionen sowie zur Verurteilung der Täter und sogar ganzer Schmuggelringe wie der Consolidated Exporters Company beizutragen.<ref>Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, S. 257.</ref>
Nach Abschaffung der Prohibition im Jahr 1933 arbeitete Elizebeth Friedman als Kryptoanalytikerin für das US-Schatzamt und trat mehrfach bei wichtigen Gerichtsprozessen als Sachverständige auf. Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs wirkte sie als Code Girl für verschiedene kryptanalytische Dienste der Armee und der Marine der Vereinigten Staaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie auch als Beraterin für den Internationalen Währungsfonds (IWF), für den sie ein sicheres Kryptosystem auf der Basis des One Time Pad (Einmalschlüssel) entwickelte.
Shakespeare-Analysen
Im Jahr 1957 veröffentlichten William und Elizebeth Friedman zusammen das Buch The Shakespearian ciphers examined (deutsch: Untersuchung der Shakespeare-Chiffren). Im Widerspruch zum Titel, den der Verlag so gewünscht hatte, wiesen sie nach, dass es in Shakespeares Werk keine verschlüsselten Botschaften gibt, die auf eine fremde Urheberschaft hindeuten.<ref>Fred B. Wrixon: Codes, Chiffren & andere Geheimsprachen – Von den ägyptischen Hieroglyphen bis zur Computerkryptologie. Könemann, Köln 2000, S. 598. ISBN 3-8290-3888-7</ref>
Nach dem Tod ihres Mannes William im Jahr 1969 zog sich Elizebeth Friedman nach einer mehr als 50-jährigen Laufbahn als Kryptologin ins Privatleben zurück. Sie sichtete und ordnete den reichhaltigen wissenschaftlichen Nachlass ihres Mannes. Diese vielleicht weltweit umfangreichste Privatsammlung kryptographischen Materials fand schließlich ihren Platz in der nach George C. Marshall, dem Urheber des Marshallplans, benannten Bibliothek der Stadt Lexington in Virginia.
Elizebeth Friedman gilt als eine der bedeutendsten Kryptoanalytikerinnen. Ein berühmter Ausspruch, der ihr zugeschrieben wird, ist: „Our office doesn’t make ’em, we only break ’em“ (deutsch: „Unser Büro macht s’e nicht, wir brechen s’e nur“).<ref name="Elizebeth Friedman"/> Sie starb 1980 im Alter von 88 Jahren.
Postume Ehrungen
Im Jahr 1999 wurde Elizebeth Friedman in die Hall of Honor (deutsch: Ehrenhalle) der National Security Agency (NSA) aufgenommen. Die Besonderheit dieser postumen Auszeichnung wird durch die Tatsache unterstrichen, dass sie als erste Frau in dieser Form geehrt wurde.
Im Jahr 2002, anlässlich der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der NSA, wurde das Gebäude OPS1 offiziell als das „William and Elizebeth Friedman Building“ benannt.
Werke
- William Friedman und Elizebeth Friedman: The Shakespearian ciphers examined. Cambridge University Press, 1957.
Literatur
- Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse. Methoden und Maximen der Kryptologie. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-540-67931-6.
- David Kahn: The Code Breakers – The Story of Secret Writing. Macmillan USA, Reissue 1974. ISBN 0-02-560460-0
- Rudolf Kippenhahn: Verschlüsselte Botschaften, Geheimschrift, Enigma und Chipkarte. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999. ISBN 3-499-60807-3
- G. Stuart Smith: Elizebeth Friedman’s security and career concerns prior to World War II, Cryptologia, 2017. doi:10.1080/01611194.2016.1257523
- Fred B. Wrixon: Codes, Chiffren & andere Geheimsprachen – Von den ägyptischen Hieroglyphen bis zur Computerkryptologie. Könemann, Köln 2000, S. 596ff. ISBN 3-8290-3888-7
Weblinks
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- Familienfotos der Friedmans bei der George C. Marshall Foundation.
- Foto von Elizebeth Smith mit George Fabyan im Sommer 1916 auf dem Gelände der Riverbank Laboratories.
- Die Codebrecherin. Dokumentarfilm über sie (52′53″) bei Arte.
- Hall of Honor der NSA.
- Shakespeares Folio.
- WorldCat The Shakespearean ciphers examined; an analysis of cryptographic systems used as evidence that some author other than William Shakespeare wrote the plays commonly attributed to him (englisch) von William Frederick Friedman und Elizebeth Friedman.
Einzelnachweise
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2000: Louis W. Tordella | Joseph J. Rochefort | Agnes Meyer Driscoll
2001: Howard C. Barlow | Mahlon E. Doyle | Sydney Jaffe | John E. Morrison
2002: Thomas H. Dyer | Norman Wild | Richard A. Leibler | Mitford M. Mathews | Charles C. Tevis | Julia Ward
2003: Lambros D. Callimahos | Lowell K. Frazer | Juanita Moody | Howard E. Rosenblum
2004: Dorothy T. Blum | James R. Chiles | Meredith Gardner | John Tiltman
2005: William Blankinship | Francis Raven | Arthur Salemme | Joseph N. Wenger
2006: Bernard Ardisana | Edward A. Everett | Cecil J. Phillips | James W. Pryde | Thomas E. Tremain
2007: Jacob Gurin | Robert J. Hermann | Samuel S. Snyder | Milton Zaslow
2008: Benson K. Buffman | Chareles L. Gandy | Alfred M. Gray | Oliver R. Kirby | Donald M. Showers
2009: Richard A. Day | Minnie M. Kenny | Doyle E. Larson | Arthur J. Levenson
2010: Joseph Amato | David Boak | Genevieve Grotjan Feinstein | Leo Rosen
2011: William D. Coffee | Joseph Desch | Parker Hitt | Laura Holmes
2012: Ann Caracristi | Robert Drake | Ronald Hunt | Juliana Mickwitz
2013: Vera Ruth Filby | Richard Proto | Washington Wong | Native American Code Talkers
2014: Frank Austin | Walter Deeley | Howard Ehret | Marian Rejewski | Alan Turing
2015: Ralph W. Adams, Jr. | Charles R. Lord | William O. Marks | Robert J. McNelis | Virginia Jenkins Riley
2016: Gerald Hale | Leonard T. Jones
2017: Mary H. Budenbach | Dennis M. Chiari | Frank E. Herrelko | Bobby R. Inman | Floyd L. Weakley
2018: Hilda Faust Mathieu | Michael J. Jacobs | Richard L. Bernard | Seymour R. Cray | Whitney E. Reed | Hilda Faust Mathieu
2019: Edward M. Drake | Harry Kidder | Alva Bryan Lasswell | Kenneth A. Minihan
2020: George R. Cotter | David Kahn | Barbara A. McNamara | Whitfield Diffie | Lester K. Myers
2021: Jack C. Mortick | Joseph E. Gilligan, Jr. | Clifford Cocks, James Ellis und Malcolm Williamson
2022: Eunice Russell Willson Rice | Youn P. Kim | Richard George | Robert Orestes Ferner
2023: Evelyn Akeley | James Lovell | Joseph Mauborgne | James Radford | Harry Rashbaum
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2006: Bernard Ardisana | Edward A. Everett | Cecil J. Phillips | James W. Pryde | Thomas E. Tremain
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- Person (Klassische Kryptologie)
- US-Amerikaner
- Geboren 1892
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