Ordnung eines Gruppenelementes
Im mathematischen Teilgebiet der Gruppentheorie versteht man unter der Ordnung eines Gruppenelementes oder Elementordnung eines Elements <math>g</math> einer Gruppe <math>(G, \cdot)</math> die kleinste natürliche Zahl <math>n > 0</math>, für die <math>g^n = e</math> gilt, wobei <math>e</math> das neutrale Element der Gruppe ist. Gibt es keine derartige Zahl, so sagt man, <math>g</math> habe unendliche Ordnung. In Formeln:
- <math>\operatorname{Ord}(g)= \inf\{n\in \mathbb{N}^+:g^n =e\}</math>
mit der Konvention <math>\inf(\emptyset) = +\infty</math>. Elemente endlicher Ordnung werden auch Torsionselemente genannt. Die Ordnung wird manchmal mit <math>\operatorname{ord}(g)</math> oder <math>\operatorname{o}(g)</math> bezeichnet.
Die Potenz <math>g^n</math> eines Gruppenelementes <math>g</math> ist dabei für natürliche Exponenten <math>n \ge 0</math> induktiv definiert:
- <math>g^0 := e</math>
- <math>g^{k+1} := g^k \cdot g</math> für alle natürlichen <math>k \ge 0</math>
Die Zahl <math>\exp(G) := \operatorname{kgV}\left\{\operatorname{ord}(g)\,|\,g\in G\right\}</math> wird, wenn sie endlich ist, Gruppenexponent genannt.
Eigenschaften
- Nach dem Satz von Lagrange haben alle Elemente einer endlichen Gruppe eine endliche Ordnung, und diese ist ein Teiler der Gruppenordnung, d. h. der Anzahl der Elemente der Gruppe.
- Umgekehrt existiert in einer endlichen Gruppe nach dem Satz von Cauchy zu jedem Primteiler <math>p</math> der Gruppenordnung ein Element, das die Ordnung <math>p</math> hat. Für zusammengesetzte Teiler ist keine allgemeine Aussage möglich (während zum trivialen Teiler 1 das neutrale Element <math>e=e^1</math> gehört).
- Die Ordnung eines Elementes ist gleich der Ordnung der Untergruppe, die von diesem Element erzeugt wird.
- Es gilt <math>g^d = e</math> genau dann, wenn <math>d</math> ein Vielfaches der Ordnung <math>\operatorname{ord}(g)</math> des Elements <math>g</math> ist.
- Für jedes <math>g \in G</math>, welches nicht das neutrale Element <math>e</math> ist, gilt: <math>g</math> hat genau dann Ordnung 2, wenn es sein eigenes Inverses ist.
- In abelschen Gruppen ist die Ordnung des Produktes <math>g\cdot h</math> ein Teiler des kleinsten gemeinsamen Vielfachen der Ordnungen von <math>g</math> und <math>h</math>. In nichtabelschen Gruppen ist keine derartige Aussage möglich; beispielsweise hat das Element <math>\left[\!\begin{smallmatrix}1 & 1\\
0 & 1\end{smallmatrix}\!\right]</math> der Gruppe SL2(Z) unendliche Ordnung, obwohl es das Produkt der Elemente <math>\left[\!\begin{smallmatrix}0 & 1\\ -1 & 0\end{smallmatrix}\!\right]</math> mit der Ordnung 4 und <math>\left[\!\begin{smallmatrix}0 & -1\\ 1 & 1\end{smallmatrix}\!\right]</math> mit der Ordnung 6 ist.
Literatur
- J. C. Jantzen, J. Schwermer: Algebra. Springer, Berlin/Heidelberg 2006, ISBN 3-540-21380-5.