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Eisenbahnunfall von Crush

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Shaking Hands, Views of the Head End Collision at Crush, Texas (cropped).jpg
Die Züge, zwei Stunden vor dem Zusammenstoß
Datei:The Trains Just as They Struck, Views of the Head End Collision at Crush, Texas (cropped).jpg
Der Moment des Aufpralls, fotografisch festgehalten von Jervis C. Deane
Datei:CrashCrushTx.jpg
Die Kollision

Der Eisenbahnunfall von Crush (Texas) war ein am 15. September 1896 für sehr viele Zuschauer inszeniertes Ereignis, bei dem die Missouri-Kansas-Texas Railroad zwei Züge absichtlich frontal zusammenstoßen ließ. Drei Tote waren die Folge.

Vorbereitung

Die Idee für das Spektakel stammte von William George Crush, dem bei der Missouri-Kansas-Texas Railroad für den Personenverkehr insgesamt Verantwortlichen.<ref>Neal Suit: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Anniversary of train wreck observed at Carroll. (Memento vom 25. April 2011 im Internet Archive). Library Baylor University, 18. September 1996.</ref> Die Geschäftsidee dahinter war, dass möglichst viele Schaulustige mit der Missouri-Kansas-Texas Railroad zu dem Ereignis anreisten und die Bahngesellschaft so durch die Fahrkarten Umsatz machte. Eintrittsgeld wurde nicht erhoben, die Fahrkarten kosteten einheitlich aus ganz Texas zwei US-Dollar.

Für das Ereignis wurde an einer Bahnstrecke der Missouri-Kansas-Texas Railroad etwa 5 km südlich des Ortes West im McLennan County vorübergehend eine Zeltstadt, genannt Crush, errichtet. Dazu gehörten zwei Brunnen, die extra angelegt wurden, Zelte des Zirkus Ringling Brothers und eine Tribüne. Parallel zur bestehenden Eisenbahnstrecke wurde eine zweite für das Ereignis gebaut, damit der Verkehr auf der Hauptstrecke nicht gestört wurde.

Die beiden eingesetzten 2’B-Lokomotiven trugen die Nummern 999 (strahlend grün lackiert) und 1001 (knallrot). Beide fuhren Monate vor dem Ereignis durch ganz Texas, um dafür zu werben.

30.000–40.000 Zuschauer reisten zu dem Ereignis an. Das Gedränge war so groß, dass sich der Beginn um eine Stunde verzögerte, bis es der Polizei gelang, die Menschen so weit zurückzudrängen, dass sie davon ausging, dass niemand zu Schaden kommen könne.

Kollision

Um 17 Uhr wurden die beiden Züge an die entgegengesetzten Enden der 6,5 km langen Strecke gefahren.<ref>Hamilton.</ref> Sie bestanden aus den beiden Lokomotiven und alten Güterwagen, die mit Bahnschwellen beladen waren. Die Lokomotivführer setzten die Maschinen in Bewegung, wobei vorher genau festgelegt worden war, wie viel Dampf gegeben wurde, damit die Züge auch mittig auf der Strecke vor der Tribüne aufeinandertrafen. Sobald das geschehen war, sprangen die Lokführer ab. Als sich die beiden Züge trafen, fuhr jeder mit etwa 70 km/h.

Womit die Veranstalter nicht gerechnet hatten: Der Zusammenstoß führte bei beiden Lokomotiven zur Kesselexplosion. Trümmer der Fahrzeuge von zum Teil erheblicher Größe wurden mehrere hundert Meter weit geschleudert.<ref>Hamilton.</ref> Drei Zuschauer wurden tödlich getroffen, zahlreiche wurden verletzt. Der offizielle Fotograf des Ereignisses, Jervis „Joe“ Deane, verlor ein Auge durch einen Bolzen, der ihn traf.<ref name=b_edwards>Bill Edwards: Rags and Pieces by Scott Joplin (1895–1905). Abgerufen am 19. April 2020.</ref>

Nachwirkungen

William George Crush wurde von der Missouri-Kansas-Texas Railroad sofort entlassen. Da aber eine negative Reaktion der Öffentlichkeit auf das Ereignis ausblieb, wurde er am nächsten Tag wieder eingestellt.<ref>Vincent V. Masterson: The Katy Railroad and the Last Frontier. Columbia/London 1988, ISBN 0-8262-0668-9 (S. 267 in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 19. April 2020]).</ref>

Scott Joplin, der sich in der Gegend aufhielt, von dem aber nicht sicher ist, ob er das Ereignis sah, komponierte The Great Crush Collision March,<ref>Vivé Griffith: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Teaching Texas. (Memento vom 18. Oktober 2012 im Internet Archive). University of Texas at Austin.</ref><ref>Scott Joplin: The Great Crush Collision March. Sheet Music (Temple, TX: John R. Fuller, 1896). Abgerufen am 19. April 2020.</ref> der knapp einen Monat nach dem Ereignis erschien. Das Musikstück enthält Spielanweisungen an die Musiker, wie das Kollisionsgeräusch imitiert werden soll.<ref name=b_edwards/><ref>Eric Ames: Scott Joplin’s “Great Crush Collision March” and the Memorialization of a Marketing Spectacle. In: blogs.baylor.edu. 19. April 2012, abgerufen am 19. April 2020.</ref>

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 31° 44′ 42,4″ N, 97° 5′ 58,5″ W

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