Zum Inhalt springen

Eisen(III)-sulfat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
<math>\mathrm{ \ \Biggl[}</math>Eisenion<math>\mathrm{ \ \!\ \Biggr]_2}\mathrm{ \ \Biggl[}</math>Sulfation<math>\mathrm{ \ \!\ \Biggr]_3}</math>
Allgemeines
Name Eisen(III)-sulfat
Andere Namen

Vorlage:INCI

Summenformel Fe2(SO4)3
Kurzbeschreibung

farb- und geruchloses, hygroskopisches, feuchtigkeits- und lichtempfindliches Pulver<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 233-072-9
ECHA-InfoCard 100.030.054
PubChem 24826
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 399,88 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte
  • 3,10 g·cm−3 (Anhydrat)<ref name="CRC_HANDBOOK">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Properties of the Elements and Inorganic Compounds, S. 4-69.</ref>
  • 2,1 g·cm−3 (Nonahydrat)<ref name="CRC_HANDBOOK" />
Schmelzpunkt
  • 480 °C (Zersetzung zu Schwefel- und Eisenoxiden)<ref name="GESTIS" />
  • Abspaltung des Kristallwassers des Nonahydrates bei 175 °C<ref name="GESTIS" />
Löslichkeit
  • sehr gut in Wasser (4400 g·l−1, Nonahydrat)<ref name="GESTIS" />
  • schwer in Wasser (wasserfreies Anhydrat)<ref name="GESTIS" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​318
P: 280​‐​301+330+331​‐​302+352​‐​332+313​‐​305+351+338​‐​310<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

500 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />MSDS von MartinBaker (Memento vom 9. Juli 2008 im Internet Archive)</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Eisen(III)-sulfat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Sulfate.

Vorkommen

Eisen(III)-sulfat fällt als Abfallprodukt der chemischen Industrie an.

In der Natur ist Eisen(III)-sulfat in Form verschiedener kristallwasserhaltiger (hydratisierter) Minerale bekannt, die typischerweise durch die Verwitterung von Pyrit entstehen. Reine Fe2(SO4)3-Verbindungen sind dabei Kornelit (Heptahydrat, Fe2(SO4)3·7H2O), Lausenit (Pentahydrat Fe2(SO4)3·5H2O), Paracoquimbit (Nonahydrat, vereinfacht Fe2(SO4)3·9H2O) und Quenstedtit (Hendekahydrat, Fe2(SO4)3·11H2O).

Hinzu kommen weitere Minerale, bei denen ein bis zwei Sulfatmoleküle durch komplexfremde Anionen ersetzt sind, namentlich Amarantit (Fe2O(SO4)2·7H2O), Butlerit (Fe(SO4)(OH)·2H2O), Ferricopiapit (vereinfacht Fe5(SO4)6(OH)2·20H2O), Fibroferrit (Fe(SO4)(OH)·5H2O), Hohmannit (Fe2O(SO4)2·8H2O), Metahohmannit (Fe2O(SO4)2·4H2O), Parabutlerit (Fe(SO4)(OH)·2H2O), Schwertmannit (Fe16O16(OH)9.6(SO4)3.2·10H2O) und Volaschioit (Fe4(SO4)O2(OH)6·2H2O).<ref></ref>

Im weiteren Sinne Eisensulfate, bei denen komplexfremde Kationen ein bis zwei Sulfatkomplexe ersetzen, sind unter anderem Aluminocoquimbit (Al2Fe2(SO4)6(H2O)12·6H2O), Amarillit (NaFe(SO4)2·6H2O) Coquimbit (AlFe3(SO4)6(H2O)12⋅6H2O), Hydroniumjarosit ((H3O)Fe3(SO4)2(OH)6) und Rhomboklas ((H5O2)Fe(SO4)2·2H2O).<ref>Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: May 2022. (PDF; 3,7 MB) In: cnmnc.main.jp. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Mai 2022, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juli 2022; abgerufen am 9. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Gewinnung und Darstellung

Eisen(II)-sulfat-Monohydrat FeSO4·H2O zerfällt bei starkem Erhitzen ab etwa 400 °C zu basischem Eisen(III)-sulfat und Schwefeldioxid. Es entsteht auch bei der Zersetzung von Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat FeSO4·7 H2O an Luft.<ref name="Richard P. Pohanish">Richard P. Pohanish: HazMat Data For First Response, Transportation, Storage, and Security. John Wiley & Sons, 2005, ISBN 0-471-72610-9, S. 549 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Großtechnisch wird Eisen(III)-sulfat durch die Neutralisationsreaktion von Schwefelsäure mit Eisen(III)-oxid gewonnen. Das entstandene Wasser kann dabei vollständig verdampft werden, um das Anhydrat zu gewinnen.<ref name="Holleman/Wiberg" />

<chem>Fe2O3 + 3 H2SO4 -> Fe2(SO4)3 + 3 H2O</chem>

Es entsteht auch als Zwischenprodukt beim Copperas-Prozess.<ref name="Rochelle M. Cornell, Udo Schwertmann">Rochelle M. Cornell, Udo Schwertmann: The Iron Oxides Structure, Properties, Reactions, Occurrences and Uses. John Wiley & Sons, 2003, ISBN 3-527-30274-3, S. 526 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

<chem>6 FeSO4*H2O + 3/2 O2 -> Fe2O3 + 2 Fe2(SO4)3 + 6 H2O</chem>
<chem>2 Fe2(SO4)3 -> 2 Fe2O3 + 6 SO3</chem>

Eigenschaften

In Wasser löst sich Eisen(III)-sulfat unter starker Hydrolyse mit gelbbrauner Farbe (Bildung u. a. von [Fe(OH)(H2O)5]2+). Beim Kochen wässriger Lösungen fallen demgemäß basische Sulfate aus. Bei niedrigen pH-Werten lässt es sich in Form fast farbloser Hydrate (n = 3, 6, 7, 9, 10, 12) auskristallisieren. Mit Alkalisulfaten oder Ammoniumsulfat bildet es Eisenalaune, z. B.: Ammoniumeisen(III)-sulfat (NH4)Fe(SO4)2·12 H2O, welcher in der Argentometrie als Indikator verwendet wird.<ref name="Holleman/Wiberg">Holleman/Wiberg: Band 2: Nebengruppenelemente, Lanthanoide, Actinoide, Transactinoide. In: Anorganische Chemie. 103. Auflage. Band 2. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-049590-4, S. 1958 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Eisen(III)-sulfat ist thermisch nicht stabil und zerfällt beim Erhitzen stufenweise. Moderne Untersuchungen mittels 57Fe-Mössbauer-Spektroskopie zeigen, dass die Desulfonierung nicht durch eine einfache Abspaltung von SO3 erfolgt, sondern über zwei klar unterscheidbare Zwischenstufen verläuft. Die thermische Zersetzung von Eisen(III)-sulfat folgt dabei den in der Studie identifizierten Reaktionsschritten: <ref name="Wang2023">Wei Wang, Yan Fu, Feng Xie, Yongfeng Chang, Yuexin Han: Thermal Decomposition Behavior and Kinetic Analysis of Ammonium Jarosite. In: Metals. Band 13, Nr. 2, 2023, S. 261, doi:10.3390/met13020261.</ref>

<chem>2Fe2(SO4)3 -> Fe2O3 + Fe2O(SO4)2 + 4SO3</chem>

<chem>Fe2O(SO4)2 -> Fe2O3 + 2SO3</chem>

Die beiden endothermen Peaks bei etwa 510 °C und 541 °C (DTA/DTG) entsprechen diesen zwei Desulfonierungsstufen. Es entsteht bei der Zersetzung immer auch SO2 und O2, welche mit SO3 im Gleichgewicht stehen.

Verwendung

Eisen(III)-sulfat wird in Großkläranlagen<ref>Patent DE60002011T2: Verfahren zur Herstellung einer wässrigen Eisen(III)-Sulfat-Lösung und ihre Verwendung als Wasserbehandlungsreagenz. Angemeldet am 20. Juni 2000, veröffentlicht am 29. Januar 2004, Anmelder: Taki Chemical Co. Ltd, Erfinder: Toshihiko Kakio, Tatsuo Tsukamoto.</ref> zur Deodorierung und zur Ausfällung von Phosphat (u. a. bei der Trinkwasseraufbereitung und der Industriewasserentsorgung als Flockungsmittel)<ref name="Holleman/Wiberg" /> sowie in der Hüttenindustrie als Beizmittel (z. B. für Aluminium und Stahl) eingesetzt. In der Medizin ist eine blutstillende und adstringierende Wirkung bekannt.

Sicherheitshinweise

Eisen(III)-sulfat wurde 2015 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Eisen(III)-sulfat waren die Besorgnisse bezüglich Verbraucherverwendung, Exposition von Arbeitnehmern, hoher (aggregierter) Tonnage und weit verbreiteter Verwendung sowie der möglichen Gefahr durch sensibilisierende Eigenschaften. Die Neubewertung sollte von Litauen durchgeführt werden, jedoch wurde die Neubewertung des Stoffs 2019 zurückgezogen, weil die Gefahren als gering eingeschätzt wurden.<ref>Community Rolling Action Plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Vorlage:Linktext-CheckVorlage:AbrufdatumVorlage:CoRAP-Status/- </ref><ref>ECHA: Withdrawal, 19. März 2019.</ref>

Einzelnachweise

<references />