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Eintagsküken

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Eintagsküken

Eintagsküken sind Küken in der Geflügelzucht oder -produktion, die nicht älter als einen Tag sind.<ref>Duden | Eintagsküken | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 5. Juli 2024.</ref>

Aufgrund des nahrhaften Dottersackes können Küken nach dem Schlüpfen etwa 72 Stunden ohne Nahrungssuche überleben. Darum werden sie in der Geflügelproduktion in dieser Zeit gehandelt, transportiert, separiert, untersucht und geimpft.

Männliche Eintagsküken von auf Legeleistung gezüchteten Tieren werden sehr oft aufgrund mangelnder Rentabilität der Mast separiert und getötet. Das Töten von Eintagsküken ist nur in wenigen Ländern verboten; es gibt aber Überlegungen und Pläne mehrerer Staaten, die Praxis einzuschränken oder ebenfalls zu verbieten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tierschutzverstöße in Brütereien? (Memento vom 10. April 2018 im Internet Archive) In: ZDF WISO, 9. April 2018, abgerufen am 9. April 2018.</ref>

Geschlechtsbestimmung und Versorgung

Datei:Küken Eintag.jpg
Weibliches Eintagsküken

In der Regel wird die Geschlechtsbestimmung von Küken, das Sexen, bereits am ersten Lebenstag durchgeführt. Dies ist möglich durch die Inspektion der Genitalien, jedoch bei kommerziellen Zuchtlinien einfacher durch bewusst gezüchtete phänotypische Geschlechtsunterschiede (zum Beispiel unterschiedliche Federlänge an den Flügeln). Die männlichen Küken werden als Bruderhähne oder Bruderküken bezeichnet.

Auf natürliche Weise ausgebrütete Küken werden sofort von der Glucke betreut, müssen jedoch selber Futter finden. Bei Kunstbrut wird die sofortige Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung ab Schlupf empfohlen. Da Küken aufgrund von Körperreserven etwa 72 Stunden ohne Nahrung überleben können, wird in der kommerziellen Aufzucht Nahrung und Wasser häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung gestellt.<ref>Journal of Applied Poultry Research | ScienceDirect.com by Elsevier. Abgerufen am 5. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Schutzimpfung gegen die Marek-Krankheit wird im Idealfall am ersten Lebenstag durchgeführt. Außerhalb Europas bekommen die weiblichen Küken für die Mast oftmals eine Injektion mit Wachstumshormonen, damit die Tiere innerhalb von 40 Tagen ihr Schlachtgewicht erreichen.<ref name="focus" /> In der Europäischen Union ist der Einsatz von Hormonen als wachstumsfördernde Substanzen jedoch verboten.<ref>Richtlinie 96/22/EG des Rates vom 29. April 1996 über das Verbot der Verwendung bestimmter Stoffe mit hormonaler bzw. thyreostatischer Wirkung und von β-Agonisten in der tierischen Erzeugung und zur Aufhebung der Richtlinien 81/602/EWG, 88/146/EWG und 88/299/EWG in der konsolidierten Fassung vom 18. Dezember 2008Vorlage:Abrufdatum</ref><ref>Richtlinie 2003/74/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 zur Änderung der Richtlinie 96/22/EG des Rates über das Verbot der Verwendung bestimmter Stoffe mit hormonaler bzw. thyreostatischer Wirkung und von β-Agonisten in der tierischen ErzeugungVorlage:Abrufdatum</ref><ref>Richtlinie 2008/97/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. November 2008 zur Änderung der Richtlinie 96/22/EG des Rates über das Verbot der Verwendung bestimmter Stoffe mit hormonaler oder thyreostatischer Wirkung und von beta-Agonisten in der tierischen ErzeugungVorlage:Abrufdatum</ref>

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Tötung männlicher Eintagsküken

Gründe

In der Geflügelproduktion werden die männlichen Küken von Lege-Hybridhühnern aus ökonomischen Gründen aussortiert.<ref>Agrarmarkt Austria: Woher kommen unsere Legehennen?</ref> Die weiblichen Küken dieser Zuchtlinien für hohe Legeleistung werden als Legehennen aufgezogen, die männlichen Küken dieser Zuchtlinien setzen weniger Brustfleisch an als Hühnerrassen, die für die Broilermast optimiert sind. Ihre Aufzucht als Masthähnchen ist daher weniger rentabel.<ref name="Hessen" /> Seit dem 1. Januar 2022 ist es in Deutschland praktisch verboten, Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus (das heißt alle Haushühner) zu töten (Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes – Verbot des Kükentötens vom 18. Juni 2021).<ref>BGBl. 2021 I S. 1826 (PDF; 27 kB). Abgerufen am 2. Januar 2022.</ref>

Umfang

In Deutschland wurden jährlich 45 Millionen Eintagsküken geschreddert oder vergast; das waren über 126.000 Tiere täglich.<ref>Gegen Kükenschreddern. „Kein Mensch will Tiere am ersten Tag töten“. Tagesspiegel, 31. März 2015.</ref><ref>Markus Balser: Kükenschreddern – Flauschig, süß, tot. In: sueddeutsche.de. 29. März 2018, abgerufen am 9. April 2019.</ref> In der Schweiz wurden jedes Jahr rund 3 Millionen männliche Küken getötet, fast ein Viertel davon Bioküken.<ref name="srf">Dani Müller: Eier-Produktion – Sinnloses Kükentöten: Ist nun endlich Schluss damit? In: srf.ch. 16. April 2019, abgerufen am 16. April 2019.</ref><ref>Magazin Bioaktuell. In: bioaktuell.ch. März 2021, abgerufen am 17. März 2021.</ref> In der Europäischen Union waren es 2014 330 Millionen getötete Eintagsküken.<ref>Jörg Göbel, Christian Rohde <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vergast fürs Frühstücksei – Der Millionentod der Eintagsküken (Memento vom 1. Mai 2014 im Internet Archive) (PDF). ZDF, 22. April 2014.</ref> Weltweit sind es jährlich etwa 2,5 Milliarden Küken.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tötung männlicher Küken. (Memento vom 13. Februar 2016 im Internet Archive) Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING), Universität Vechta.</ref> Das sind fast 7 Millionen Eintagsküken täglich.

Tötungsverfahren

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Eintagsküken, geschreddert

Das Töten der männlichen Eintagsküken (Androzid) erfolgt üblicherweise durch Ersticken oder durch Zerschreddern. Beim Ersticken wird CO2 in Behälter mit einigen hundert Küken eingeleitet. Innerhalb von Sekunden tritt Bewusstlosigkeit ein und der Tod erfolgt innerhalb von wenigen Minuten durch Sauerstoffarmut im Blut. Medizinisch ist dieser Vorgang durch den Bohr- bzw. den Haldane-Effekt charakterisiert.

In der Europäischen Union dürfen die Tiere nur nach Betäubung getötet werden, wobei die Zerkleinerung durch unmittelbare, sofort tötende Zerstückelung des gesamten Körpers als statthaftes und dann gefordertes Betäubungsverfahren bei bis zu 72 Stunden alten (Dreitages-)Küken gilt. Der Apparat ist mit schnell rotierenden, mechanisch angetriebenen Messern oder Polystyrennoppen auszustatten und muss die Kapazität haben, eine große Zahl „unverzüglich“ zu töten.<ref>Artikel 4 Verordnung (EU) Nr. 1099/2009 des Rates vom 24. September 2009 über den Schutz der Tiere zum Zeitpunkt der Tötung, mit Anhang I Kapitel I Tabelle 1 Ziff.4 und Kapitel II Nr. 2</ref> Bei Betäubung mit Kohlendioxid muss die Konzentration mindestens 40 % CO2 betragen.

In der Schweiz ist das Töten, bei dem Küken lebendig übereinander gestapelt werden, untersagt, was einem praktischen Verbot der CO2-Erstickung gleichkommt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tierschutzrecht – Schweiz (Memento vom 26. Oktober 2012 im Internet Archive) (mit Kommentar) der Stiftung für das Tier im Recht</ref> Jedoch werden nach wie vor die meisten Küken vergast. Im März 2019 hat der Nationalrat für ein Verbot des Zerschredderns von lebendigen Küken gestimmt.<ref>Matthias Bärlocher: Gegen geschredderte Küken: Das sind die Lösungsansätze der Bauern. In: nau.ch. 22. März 2019, abgerufen am 11. April 2019.</ref> Der Ständerat stimmte im September 2019 für das Verbot. Mit dem Verbot wurde ein Anliegen aus einer Petition der Veganen Gesellschaft Schweiz aufgenommen.<ref>Das Schreddern lebender Küken wird verboten. In: bernerzeitung.ch. 19. September 2019, abgerufen am 19. September 2019.</ref>

In der Massenproduktion in den Vereinigten Staaten erfolgt nach einem Video der Tierschutzorganisation Animal Equality die Tötung unter anderem auch durch das Abschneiden des Kopfes.<ref name="focus">So brutal werden männliche Küken aussortiert und getötet. Abgerufen am 19. Januar 2023.</ref>

Möglichkeiten der Vermeidung

Zweinutzungsrassen

Tierschützer fordern eine Rückkehr zum Zweinutzungshuhn, bei dem weibliche Tiere als Legehennen aufgezogen und männliche Küken für eine spätere Fleischnutzung gemästet werden können.<ref>Wirtschaft: Männliche Küken werden in Deutschland erstickt, vergast und zerschreddert. In: Der Tagesspiegel Online. (tagesspiegel.de [abgerufen am 19. Januar 2023]).</ref> Legeleistung und Fleischansatz korrelieren jedoch negativ miteinander, weshalb solche Rassen uneffektiver wären.<ref name="schusser">Durchbruch bei Suche nach Alternative zum Kükentöten. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. April 2019; abgerufen am 19. Januar 2023.</ref> In der Schweiz dürfen die Eierproduzenten von Bio Suisse ab dem 1. Januar 2026 keine männlichen Eintagsküken mehr töten, sie wollen neben der Bruderhahnaufzucht auf Zweinutzungsrassen setzen.<ref name="srf20251125">Oliver Fueter: Eierproduktion in der Schweiz - Ab Neujahr ist es vorbei mit dem Kükentöten. In: srf.ch. 25. November 2025, abgerufen am 25. November 2025.</ref>

Geschlechtsbestimmung im Ei

Vermeiden lässt sich die Tötung, indem die Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei erfolgt und männliche Küken nicht ausgebrütet werden (Ovo-Geschlechtsbestimmung). Ein praxistaugliches Verfahren hat die Firma Seleggt entwickelt. Allerdings kann die Geschlechterbestimmung erst am achten Tag, an dem die Entwicklung des Embryos schon relativ weit ist, mit einer hohen Trefferquote erfolgen. Die Eier wurden 2019 von rund 380 Rewe- und Penny-Filialen vertrieben.<ref name="srf" />

Untersuchte Methoden, bei denen das angebrütete Ei geöffnet werden muss, sind eine Streulichtmethode zur Untersuchung der Blutgefäße des Embryos und eine Hormonmethode, die entnommenen Urin untersucht.<ref>Besserer Tierschutz fürs Geflügel: Schon bald Alternativen zum Küken-Töten | Startseite | MARKTCHECK | SWR.de. 19. Oktober 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Oktober 2018; abgerufen am 19. Januar 2023.</ref> Eine Methode, die das Ei unversehrt lässt, beruht auf der Bildauswertung einer Magnetresonanztomografie (MRT) des bereits angebrüteten Eies.<ref name="schusser" /> Dabei gilt eine Sortierungsmethode bis zum siebten Entwicklungstag des Embryos als erstrebenswert, wobei noch nicht endgültig geklärt ist, ab wann der Embryo Schmerzempfinden hat. Mit Hilfe der Lichtscheibenmikroskopie konnte die Nervenbahn eines siebentägigen Hühnerembryos graphisch dargestellt werden.<ref>Robert Gast: Mikroskopie: Nervenbahnen eines Hühnerembryos. In: spektrum.de. 25. September 2019, abgerufen am 25. September 2019.</ref> Die Bio-Anbauverbände Bioland und Demeter lehnen die Geschlechtsbestimmung im Ei mit einer anschließenden Embryonentötung ab.<ref>Alfons Deter: Bioland und Demeter erteilen Geschlechtsbestimmung im Ei eine Absage. In: topagrar.com. 12. April 2020, abgerufen am 12. April 2020.</ref> Auch Biokreis und Naturland lehnen eine In-Ovo-Selektion ab.<ref>Foodwatch verklagt Aldi wegen Kükentöten-Kampagne. In: biohandel.de. 2. Dezember 2020, abgerufen am 3. Dezember 2020.</ref>

In Deutschland ist es seit dem 1. Januar 2024 ab dem 13. Bebrütungstag<ref>Bundesgesetzblatt Teil I - Gesetz zur Änderung des Öko-Landbaugesetzes, des Öko-Kennzeichengesetzes und des Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes – Verbot des Kükentötens - Bundesgesetzblatt. Abgerufen am 23. August 2023.</ref> verboten, bei oder nach der Anwendung eines Verfahrens zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei durch Eingriff an einem Hühnerei oder Abbruch des Brutvorgangs den Tod des Hühnerembryos herbeizuführen (§ 4c Absatz 3 Tierschutzgesetz); 2021 war beschlossen worden, dass das Verbot schon ab dem 7. Bebrütungstag<ref>Bundesgesetzblatt BGBl. Online-Archiv 1949–2022 | Bundesanzeiger Verlag. Abgerufen am 23. August 2023.</ref> gelten sollte, die Regelung wurde jedoch schon vor ihrem Inkrafttreten geändert (siehe oben). In der Schweiz wollen die konventionellen Eierproduzenten ab dem 1. Januar 2026 keine männlichen Eintagsküken mehr töten und auf die Geschlechtsbestimmung im Ei setzen, was rund 12 Tage nach dem Legen mittels MRT geschehen soll.<ref name="srf20251125" />

Mit der CRISPR/Cas-Methode wurden Hühner so verändert, dass männliche Embryos automatisch absterben.<ref>Eier von Gentech-Hühner verpönt. In: schweizerbauer.ch. 18. April 2022, abgerufen am 19. April 2022.</ref>

Bruderhahnaufzucht

Deutschland

  • Unter der Marke Alnatura und in den Märkten der Basic-AG werden nur noch Eier aus der Bruderküken-Initiative angeboten.<ref>Alnatura Eier. In: alnatura.de. Abgerufen am 17. Dezember 2018.</ref>
  • Neben verschiedenen anderen Bio-Initiativen mit eigenem Label bieten als Erste im konventionellen Bereich seit Februar 2017 Rewe und dessen Discounter Penny Eier des Hybridhuhns „Lohmann Sandy“ an, wobei auch die Hähne bis zur Schlachtreife aufgezogen und gemästet werden.<ref>Dirk Fisser: Eier-Verkauf: Penny und Rewe setzen Zeichen gegen | NOZ. 27. Januar 2017, abgerufen am 5. Juli 2024.</ref>

Österreich

  • Die Bio-Branche in Österreich hat 2016 beschlossen, keine männlichen Küken mehr zu töten. Um die unrentable Mast der Hähne zu unterstützen, zahlen die Konsumenten für Bio-Eier ein paar Cent mehr.<ref name="srf" />

Schweiz

Verwertung und Entsorgung

Getötete Eintagsküken werden zum Teil als Tierfutter für Greifvögel und Reptilien verwendet und von Großhändlern tiefgefroren angeboten.<ref>Ein viel zu kurzes Leben, Stuttgarter Zeitung vom 27. Dezember 2015.</ref> Laut einem Bericht des Spiegels 2011 werden jedoch teilweise Tottiere von den Brütereien in den Hausmüll entsorgt, was auch der Prämisse des Tierschutzgesetzes Tötung ohne Grund widerspräche. Kritisiert wurde diesbezüglich, dass tierische Kadaver in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt werden müssten.<ref>Im Akkord zur Schlachtreife, Der Spiegel vom 14. Februar 2011.</ref> Das hessische Umweltministerium verlautbarte 2014, dass in Hessen „inzwischen sämtliche männliche Küken nicht mehr geschreddert und entsorgt, sondern mit Gas getötet und komplett als Tierfutter genutzt werden.“ So sollen sie etwa auch an Tierparks oder an Halter von Greifvögeln und Schlangen gehen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zwölf Millionen getötete Küken in Hessen (Memento vom 21. Mai 2016 im Internet Archive), hessenschau.de vom 24. Februar 2016.</ref> Ebenso wird von Vertretern des sogenannten BARFing die Verfütterung von Eintagsküken an junge Hunde und Katzen empfohlen.<ref>Susanne Reinerth: Natural Dog Food: Rohfütterung für Hunde – Ein praktischer Leitfaden. S. 55 (2005) online in Google Bücher</ref> In der Schweiz gelten aus kommerziellen Gründen getötete Eintagsküken als tierische Nebenprodukte der Kategorie 3.<ref>Art. 7 Tierische Nebenprodukte der Kategorie 3. In: SR 916.441.22 Verordnung vom 25. Mai 2011 über tierische Nebenprodukte (VTNP). 1. Juni 2018, abgerufen am 5. Januar 2020.</ref> Die entsprechende Kategorie findet etwa Verwertung als Tierfutter oder in Biogas- und Kompostierungsanlagen.<ref>Art. 24 Entsorgen von tierischen Nebenprodukten der Kategorie 3. In: SR 916.441.22 Verordnung vom 25. Mai 2011 über tierische Nebenprodukte (VTNP). 1. Juni 2018, abgerufen am 5. Januar 2020.</ref>

Kontroverse

Vorlage:Hinweisbaustein

Debatte und Verbot in Deutschland

Datei:Chick culling laws world map.svg
Heutige Rechtsstatus von Eintagskükentötung in der Geflügelindustrie nach Land.
  • Verbot aller Kükentötung
  • Kükenschreddern verboten, Kükenvergasung legal
  • Geplantes Verbot aller Kükentötung
  • Kükentötung legal, kein geplantes Verbot
  • Keine Daten
  • Datei:Chick culling laws Europe map.svg
    Heutige Rechtsstatus von Eintagskükentötung in der Geflügelindustrie in Europa.
  • Verbot aller Kükentötung
  • Kükenschreddern verboten, Kükenvergasung legal
  • Geplantes Verbot aller Kükentötung
  • Kükentötung legal, kein geplantes Verbot
  • Keine Daten
  • Am 20. Mai 2021 verabschiedete der Bundestag ein gesetzliches Verbot von Töten von Hühnerküken (§ 4 c Tierschutzgesetz,<ref>Bundestag:Bundestag verbietet das Töten von Hühnerküken</ref> Inkrafttreten 1. Januar 2022), nachdem im Juni 2019 das Bundesverwaltungsgericht entschieden hatte, dass das Töten männlicher Küken nur noch übergangsweise erlaubt sei (siehe unten).

    Verschiedene juristische Kommentare kommen zu dem Schluss, dass die massenhafte Tötung direkt nach dem Schlüpfen aus rein wirtschaftlichen Gründen schwer mit dem Tierschutzrecht zu vereinbaren ist.<ref name="Hessen">Landestierschutzbeauftragte Hessen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Millionenfache Tötung von männlichen Eintagsküken (Memento vom 25. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref>

    Bis 2021 waren Nordrhein-Westfalen und Hessen die einzigen deutschen Bundesländer, in denen das Töten männlicher Eintagsküken durch das Verbraucherschutzministerium per Erlass als tierschutzwidrig untersagt wurde.<ref>Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW, Ministerium untersagt massenhaftes Töten männlicher Eintagsküken von Legehennenrassen, 26. September 2013</ref><ref>Tierschutz: Hessen verbietet Kükentötung. In: Frankfurter Rundschau. Online-Seiten vom 4. September 2014, abgerufen am 5. September 2014.</ref> In Nordrhein-Westfalen wurde der entsprechende Erlass jedoch im Januar 2015 durch das Verwaltungsgericht Minden für unwirksam erklärt (Verwaltungsgericht Minden, Urteile vom 30. Januar 2015, Az. 2 K 80/14 und 2 K 83/14).<ref>Verwaltungsgericht Minden, Urteil vom 30. Januar 2015 – 2 K 80/14 und 2 K 83/14.</ref><ref>Verwaltungsgericht Minden: Tierschutzgesetz bietet keine ausreichende Grundlage für ein behördliches Tötungsverbot hinsichtlich sog. Eintagsküken. Justizportal Nordrhein-Westfalen, 6. Februar 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Mai 2016; abgerufen am 21. Mai 2016.</ref> NRW hatte den Brütereien eine Übergangsfrist bis Anfang 2015 eingeräumt, was vom Gericht als unangemessen kurz bewertet worden war.<ref>Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V.: Eintagsküken. Das Töten von männlichen Eintagsküken aus Legelinien von Juli 2015, abgerufen am 15. Februar 2016.</ref>

    2013 erstattete PETA gegen das Unternehmen Brinkschulte, Senden, Strafanzeige. Das Landgericht Münster hat eine Anklage der Staatsanwaltschaft jedoch am 9. März 2016 abgelehnt; das Unternehmen habe sich nicht strafbar gemacht.<ref>Eintagsküken dürfen getötet werden, Legal Tribune Online, abgerufen am 10. März 2016.</ref> Eine weitere Strafanzeige richtet sich gegen Lohmann in Cuxhaven.<ref>Geheime Dokumente führen zum Strafermittlungsverfahren gegen den weltgrößten Geflügelproduzenten. Pressemitteilung PETA, Februar 2016.</ref><ref> Tierschutz: Staatsanwaltschaft geht gegen das Töten von Küken vor. Spiegel, 13. Februar 2016.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Staatsanwälte aktiv: Ist das das Ende der Kükenvernichtung? (Memento vom 14. Februar 2016 im Internet Archive) WAZ, 13. Februar 2016.</ref><ref>Erstmals Anklage gegen Brüterei, weil sie massenhaft Küken tötet. Süddeutsche Zeitung, 13. Februar 2016.</ref><ref>Tötungspraxis bei männlichen Eintagsküken beenden. Pressemeldung SPD-Bundestagsfraktion, 15. Februar 2016.</ref>

    Das Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen verbot im September 2013 mit Bezug auf das Tierschutzgesetz (TierSchG) das Töten der Eintagsküken, nachdem die Staatsanwaltschaft Münster das Töten von männlichen Küken als tierschutzgesetzwidrig eingeschätzt hatte.<ref>Pressemitteilung vom 26. September 2013 aus dem Pressearchiv des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 10. Juni 2018.</ref>

    Nordrhein-Westfalen legte 2015 einen Gesetzesentwurf zur Präzisierung des Tierschutzgesetzes gegen die massenhafte Tötung männlicher Küken beim Bundesrat vor.<ref>Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes. Drucksache 18/6663, 11. November 2015</ref> Die Länderkammer verabschiedete im September 2015 einen entsprechenden Gesetzentwurf, der eine Frist bis Mitte 2017 bis zur Einstellung vorsah.<ref>Gesetzentwurf: Bundesrat will Massentötung männlicher Küken verbieten. Spiegel, 25. September 2015.</ref><ref>Bundesrat will Tötung von Eintagsküken verbieten. In: Zeit Online. 25. September 2015. Abgerufen am 21. Mai 2016.</ref> Der Bundestag lehnte den Antrag im März 2016 ab.<ref>Bundestagsbeschluss vom 17. Mai 2016, abgerufen am 10. Juni 2018.</ref>

    Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen entschied am 20. Mai 2016, dass das Töten männlicher Eintagsküken aus Legehennenrassen in Brütereien nicht gegen das Tierschutzgesetz verstößt.<ref name="vz">Bericht der Verbraucherzentrale vom 28. März 2018 auf verbraucherzentrale.de: Tötung von Eintagsküken: Diese Alternativen gibt es, abgerufen am 10. Juni 2018.</ref> Das Tierschutzgesetz erlaube das Töten von Tieren, wenn dafür ein vernünftiger Grund im Sinne des Gesetzes vorliege. Für die von den Kreisen untersagte Tötung männlicher Küken bestehe ein solcher Grund.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Töten von Eintagsküken ist mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. (Memento vom 20. Mai 2016 im Internet Archive) Pressemitteilung des OVG NRW. Abgerufen am 20. Mai 2016.</ref> Im Januar 2017 ließ das Bundesverwaltungsgericht die Revision gegen dieses Urteil zu.<ref name="vz" />

    Am 13. Juni 2019 erklärte das Bundesverwaltungsgericht die Praxis für eine Übergangsperiode für zulässig. Zwar seien die wirtschaftlichen Interessen von Brütereien allein kein vernünftiger Grund, bis zur Einführung von Verfahren, die eine Geschlechtsbestimmung bereits im Hühnerei ermöglichen, bleibe es aber erlaubt.<ref>Töten von männlichen Küken bleibt übergangsweise erlaubt. Spiegel Online, 13. Juni 2019, abgerufen am selben Tage.</ref> Das Urteil sorgte für Kritik bei Tierschutzorganisationen, Politikern sowie dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.<ref>Tierschützer enttäuscht über Urteil zum Kükentöten, abgerufen am 22. August 2019 in Zeit.de.</ref>

    Die ersten breiten Diskussionen über die Richtigkeit des Kükentötens datieren vom ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.

    2009 vertrat der damalige Bioland-Vorsitzende Thomas Dorsch die Meinung, dass in wenigen Jahren für biologisch erzeugte Eier keine männliche Küken getötet werden müssten.<ref>Dr. Katharina Reuter, Kükentöten – Was tun?, Vortrag im Rahmen der Tagung „Zweinutzungshuhn“ – wie kann es gehen? am 2. Juni 2010 in Frankfurt am Main</ref>

    Niedersachsen hatte beabsichtigt, die massenhafte Tötung männlicher Küken Ende 2017 abzuschaffen.<ref>Denise Snieguole Wachter: Massentöten männlicher Küken. Kükenschreddern wird Ende 2017 verboten. Warum nicht sofort? In: Stern. 23. Februar 2016, abgerufen am 21. Mai 2016.</ref><ref>Dirk Fisser: Meyer will Ausnahmegenehmigung beenden Küken-Töten: Nächstes Jahr soll in Niedersachsen Schluss sein. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 23. Februar 2016, abgerufen am 21. Mai 2016.</ref>

    Bio-Branchenlösung in Österreich

    In Österreich ist ab 2023 das „sinnlose“ Töten von männlichen Küken verboten. Diese sollen stattdessen als Futter für Zoos Verwendung finden.<ref>„Sinnloses“ Töten von Kücken verboten. In: orf.at. Abgerufen am 4. Mai 2022.</ref> Die Bio-Branche hat sich darauf geeinigt, männliche Küken zu mästen. Es wird weiterhin eine Legehennen-Hybridlinie verwendet, deren Brüder wenig Fleisch ansetzen und eine vergleichsweise schlechte Futterverwertungsrate haben. Die Kosten für die Mast der Bruderhähne decken die Bio-Eier, die dadurch wenige Cent mehr kosten.<ref>Ökologische Aspekte: Töten oder Mästen männlicher Küken. In: LandSchafftLeben.at. Abgerufen am 10. Januar 2019.</ref>

    Weblinks

    Commons: Eintagsküken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise

    <references />