Datei:Portomarin Bruecke Sept2005.jpg Hydrologische Dürre des Belesar-Stausees bei Portomarín, die älteren Brücken sind nur wegen des niedrigen Wasserstandes des Belesar-Stausees während der Trockenheit in Spanien im Sommer 2005 zu sehenDatei:Duerre.jpgBoden eines ausgetrockneten Sees
Dürre (wie mittelhochdeutsch dürre, ‚Trockenheit‘, auch ‚trocken‘<ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 386 (dürre).</ref> und ‚dürr‘, von althochdeutsch durri und älter thurri ‚dürr‘, ‚trocken‘, verwandt mit „Durst“<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 149 (dürr).</ref>) ist ein extremer, über einen längeren Zeitraum vorherrschender Zustand, in dem weniger Wasser oder Niederschlag verfügbar ist als erforderlich. Dürre ist nicht nur ein physikalisches Phänomen, sondern auch ein Wechselspiel zwischen der Verfügbarkeit und dem Wasserbedarf von Organismen. Dürre tritt oft in Gegenden auf, wo Kontinentalklima herrscht.
Im Allgemeinen werden vier Typen von Bedingungen als Dürre bezeichnet:
<ref name="CZ sucho">Eine übersichtliche gut illustrierte Erläuterung zur Unterscheidung klimatischer Trockenheit, Bodentrockenheit, und hydrographischer Trockenheit (Niedrigwasser) siehe etwa <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sucho (Memento vom 16. Oktober 2015 im Internet Archive), Tschechisches Hydrometeorologisches Institut (chmi.cz, auf Tschechisch).</ref>
Meteorologische Dürre respektive klimatologische Trockenheit entsteht, wenn Niederschlag über einen längeren Zeitraum unterdurchschnittlich fällt.
Hydrologische Dürre ist zu verzeichnen, wenn die Wasserstände der Gewässer unter einen Normalwert fallen (Niedrigwasser) und die Wasserreserven in den Seen, Wasserreservoirs oder Wasserspeichern unter den statistischen Durchschnitt fallen. Die Form ist die langfristigere Folge der meteorologischen Dürre.
Bodentrockenheit und in Folge Landwirtschaftliche Dürre ist gegeben, wenn ein Wassermangel in der Wurzelschicht des Bodenprofils herrscht, und es zu wenig Wasser für eine durchschnittliche landwirtschaftliche Produktion von Nutzpflanzen gibt. Das kann an langedauernd zu wenig Niederschlag liegen, aber auch andere Gründe für absinkenden Grundwasserspiegel haben (wie zu hohe Entnahme, Verlagerung von Grundwasserströmen), aber auch ein prinzipielles bodenkundliches Charakteristikum eines Bodens oder Landstrichs sein (siehe auch Turgeszenz, Turgor; Welke).
Sozio-ökonomische Dürre herrscht schließlich, wenn durch Wassermangel in Flüssen o. ä. Warentransportketten oder Energieversorgung eingeschränkt werden.<ref>Was verursacht Dürren und was kann man dagegen tun?. In: Deutsche Welle, 27. August 2022. Abgerufen am 28. August 2022.</ref>
Zur Quantifizierung von Dürren gibt es verschiedene Systeme, etwa den Palmer-Dürre-Index.
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Als Blitzdürre (flash drought) werden abrupt auftretende, schwer prognostizierbare Dürren bezeichnet, die durch eine Überschneidung mehrerer Extremwetterereignisse (z. B. hohe Temperaturen, kein Niederschlag, starke Winde) auftreten können.<ref>Xing Yuan, Yumiao Wang, Peng Ji, Peili Wu, Justin Sheffield, Jason A. Otkin: A global transition to flash droughts under climate change. In: Science. Band380, Nr.6641, 14. April 2023, ISSN0036-8075, S.187–191, doi:10.1126/science.abn6301 (science.org [abgerufen am 15. April 2023]).</ref><ref>Antonia Hadjimichael: What is a flash drought? An earth scientist explains. In: The Conversation. 10. November 2022, abgerufen am 15. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Benjamin von Brackel: Klimakrise: Der Trend geht zur Blitzdürre. In: Süddeutsche Zeitung. 13. April 2023, abgerufen am 15. April 2023.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Als Megadürre bezeichnet man eine über einen Zeitraum von mindestens einem Jahrzehnt anhaltende Dürre oder, allgemeiner, besonders intensive oder lang anhaltende Dürren.<ref>John A. Matthews: megadrought. In: Encyclopedia of Environmental Change. Band3, 2014, S.684, doi:10.4135/9781446247501.n2421.</ref>
Das analysierte Dürreszenario erstreckt sich über sechs Jahre und leitet sich aus der extremen Dürreperiode in Deutschland in den Jahren 1971 bis 1976 ab. Für dieses Ereignis wurde eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit von etwa 450 Jahren abgeschätzt. Aufgrund von Hitzewelle und Kälteperiode wurde eine erhöhte Mortalität ermittelt. Die untersuchten Auswirkungen des Dürreszenarios auf kritische Infrastrukturen in Deutschland erbrachten eine Vielzahl von Hinweisen auf erkannte Defizite und Verbesserungsvorschlägen.
Historische Dürren
Liste historischer Katastrophen
Zeitraum
Beschreibung
Folgen und Anmerkungen
22. Jahrhundert v. Chr.
Katastrophale Dürre im östlichen Nordafrika und Teilen des mittleren Orients.<ref>Michael Marshall: Die Megadürre, die vielleicht keine war. In: spektrum.de. 10. Februar 2022, abgerufen am 12. Februar 2022 (der Artikel bestätigt Dürre-Erignisse in erwähntem Zeitraum und Region und stellt nur in Frage, ob diese global waren).</ref>
Untergang des Alten Reiches in Ägypten und des Akkadischen Reiches in Mesopotamien.<ref name="Schwanke">Karsten Schwanke, Nadja Podbregar, Dieter Lohmann, Harald Frater: Naturkatastrophen. Wirbelstürme, Beben, Vulkanausbrüche – Entfesselte Gewalten und ihre Folgen, Springer-Verlag Berlin und Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88684-6, S. 193 (Auflistung „historisch bedeutsamer Dürren“ ohne detailliertere Information und ohne Quellenangaben).</ref>
Drei Millionen Menschen starben an Unterernährung, ebenfalls drei Millionen an Cholera. 36 Millionen Menschen waren insgesamt von der Katastrophe betroffen.<ref name="Schwanke" />
1930–1938
Drei Dürrejahre (1930, 1935, 1937) innerhalb eines Jahrzehnts in Nordamerika, die als Dust Bowl bezeichnet werden.
Missernten, Entvölkerung einiger Landstriche im Mittleren Westen.<ref name="Schwanke" />
1973–1983
Sahelzone
Hungersnot in der Sahelzone – 2 Millionen Menschen starben an den Folgen von Unterernährung und Krankheiten.<ref>Andrew Robinson: Erdgewalten Erdbeben, Unwetter und andere Katastrophen. vgs Verlagsgesellschaft, Köln 1994, ISBN 3-8025-1280-4, S. 203–206.</ref>
2018–2020
Großflächigste Dürre in Europa mit der größten positiven Temperaturanomalie seit Mitte des 18. Jahrhunderts.<ref>Oldrich Rakovec, Luis Samaniego, Vittal Hari, Yannis Markonis, Vojtěch Moravec, Stephan Thober, Martin Hanel, Rohini Kumar: The 2018–2020 Multi-Year Drought Sets a New Benchmark in Europe. In: Earth’s Future. 15. März 2022, doi:10.1029/2021EF002394.</ref><ref>Neue Dürre-Benchmark für Europa.Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, 16. Mai 2022, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref>
1473 gab es eine 14 Monate lang dauernde Dürre in West-, Mittel- und Osteuropa (Dürre in Europa 1473).<ref>Chantal Camenisch, Rudolf Brázdil, Andrea Kiss, Christian Pfister, Oliver Wetter, Christian Rohr, Antonio Contino, Dag Retsö: Extreme heat and drought in 1473 and their impacts in Europe in the context of the early 1470s. In: Regional Environmental Change. Band20, Nr.1, 10. Februar 2020, ISSN1436-378X, S.19, doi:10.1007/s10113-020-01601-0.</ref>
Die Dürre von 1540 wird von einigen Autoren als „die schlimmste Dürre des Jahrtausends in Deutschland“ beschrieben, von anderen wird diese These allerdings bezweifelt.<ref name="FAZ 2018-08-03" /><ref></ref> Eine Untersuchung ergab, dass es in dieser Zeit über 11 Monate kaum regnete, ein Ereignis, das durch heutige Klimamodelle nicht simuliert werden kann.<ref>Oliver Wetter, Christian Pfister, Johannes P. Werner et al.: The year-long unprecedented European heat and drought of 1540 – a worst case. In: Climatic Change. Band125, Nr.3–4, August 2014, S.349–363, doi:10.1007/s10584-014-1184-2.</ref> Die Temperaturen sollen fünf bis sieben Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts gelegen haben.<ref>Andreas Frey: Elf Monate ohne Regen: Die Angst vor der Megadürre des Jahres 1540 geht um. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. August 2018, abgerufen am 6. August 2018.</ref>
Im 20. Jahrhundert gab es mehrere Jahre mit außergewöhnlich niedrigen Niederschlägen. Lt. den Wetterstatistiken war im Jahr 1911 der trockenste Sommer (mit 124,0 mm) und 1959 war das trockenste Jahr (mit 551,6 mm)<ref>Sylke Tempel und Tobias Kaufmann "Die Tagesschau - Das große Deutschlandbuch" Rowohlt Berlin, ISBN 978-3-87134-687-3, Seite 268</ref>. Daneben gab es noch zwei weitere Jahre, in denen es wegen zu geringer Niederschläge erhebliche Ernteausfälle gab: 1947 und 1976<ref>Stephanie Hänsel, Andreas Hoy, Christoph Brendel, Maurizio Maugeri: Record summers in Europe: Variations in drought and heavy precipitation during 1901–2018. In: International Journal of Climatology. Oktober 2021, doi:10.1002/joc.7587</ref>.
„Mit 10,1 Grad Celsius zweitwärmstes Frühjahr seit 1881“ („2,4 Grad höher als der Klimawert von 7,7 °C“)
„der sonnigste Frühling seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahr 1951.“ (699 Stunden - gut 50 Prozent über dem langjährigen Mittel von 459 Stunden)
„Extreme Trockenheit, besonders in der Mitte Deutschlands“
„Mit im Mittel spärlichen 88 Litern pro Quadratmeter (l/m²) - im Durchschnitt fallen sonst 186 l/m² - erlebte Deutschland den zweittrockensten Frühling seit Beginn der Messungen vor 130 Jahren. Den meisten Regen erhielten noch die Gebiete am unmittelbaren Alpenrand. … Am trockensten war es im südlichen Rheinland-Pfalz, im nördlichen Baden-Württemberg, in Hessen, in Unterfranken und im südlichen Thüringen. … Vor allem die Landwirtschaft litt unter der großen Dürre. So waren die Wiesen zwar früh schnittreif, die Erträge an Heu und Gras-Silage aber nur gering. Das Getreide blieb im Wuchs zurück und zeigte Ende Mai deutliche Anzeichen der Notreife. Im Mai waren die Pegel der meisten deutschen Flüsse so niedrig wie seit etwa 100 Jahren nicht mehr zu dieser Jahreszeit.“
Eine weitere Trockenheit gab es im Herbst 2011. September und Oktober brachten unterdurchschnittliche Niederschläge; der November war gebietsweise der trockenste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Im Jahr 2018 kam es zu der Dürre und Hitze in Europa 2018, die u. a. in Deutschland großflächig schwere gesellschaftliche Folgen verursachte. Es kam zu großen Ernteausfällen, Niedrigwasser samt Transportproblemen über Wasserstraßen und zu zahlreichen Waldbränden. In Teilen Deutschlands, insbesondere Teilen von Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Frankens, setzte sich diese Dürre bis mindestens Sommer 2022 fort. In anderen Landesteilen löste sich die 2018 begonnene Dürre im Laufe des niederschlagsreichen Jahres 2021 auf. Dort bildete sich ab dem deutlich zu trockenen und zu warmen Winter 2021/22 eine neue Dürre aus.<ref>Was hilft gegen die Dürre? "Das Beste wären fünf Grad und Nieselregen" – über ein halbes Jahr. In: Stern, 27. August 2022. Abgerufen am 28. August 2022.</ref>
Mittelmeerländer
Von lang andauernden Trockenzeiten, die über das durchschnittliche Maß hinausgehen, sind in Europa vor allem die Mittelmeerländer betroffen.
2007 kam es in Griechenland, Spanien und Portugal zu monatelangen Dürren und zahlreichen Waldbränden. Stellenweise fiel fast der gesamte Wald den Flammen zum Opfer, was teilweise auf Brandlegungen der Bodenspekulation zurückgeht. Neue Gesetze für ein langjähriges Bauverbot sollen dies verhindern.
In weiten Teilen Spaniens herrschte von Frühjahr 2007 bis 2010 extreme Dürre – in einigen Provinzen regnete es 18 Monate lang nicht. Der Niederschlag war 2007/08 regional sehr unterschiedlich verteilt: während am Mittelmeer die 1½-jährige Dürre herrschte, gab es im April 2008 Überschwemmungen in Andalusien und in den spanischen Nordprovinzen.
Die regionalen Behörden bekämpften den Trinkwassermangel an der Küste mit Entsalzungsanlagen, was allerdings für die Bewässerung der Kulturen nicht ausreichte. Ab Beginn 2008 wurde daher der Einsatz von Tankschiffen geplant und an die EU-Solidarität appelliert. Die wasserreicheren Nordprovinzen lehnten einen Wassertransport in den Süden ab.<ref>Daniel Lingenhöhl: Durstige Stadt. In: Die Zeit. 22. Juni 2009, abgerufen am 4. August 2018.</ref>
Tim Smedley: Die große Trockenheit: Hitze, Dürre, Wassernot: Was kann die Welt noch vor dem Verdursten retten? Wilhelm Ludwig Verl., München 2023, ISBN 978-3-453-28158-5.
Ute Scheub, Stefan Schwarzer: Aufbäumen gegen die Dürre: Wie uns die Natur helfen kann, den Wassernotstand zu beenden: Alles über regenerative Landwirtschaft, Schwammstädte, Klimalandschaften & Co. oekom Verl., München 2023, ISBN 978-3-98726-020-9.
Robert K. Booth u. a.: A severe centennial-scale drought in midcontinental North America 4200 years ago and apparent global linkages. In: The Holocene. Band 15, 2005, S. 321–328 (doi:10.1191/0959683605hl825ft).
John McK. Camp II: A Drought in the Late Eighth Century B. C. In: Hesperia. Band 48, 1979, S. 397–411 (doi:10.2307/147843).
Benjamin I. Cook: Drought - An Interdisciplinary Perspective. Columbia University Press, New York 2019, ISBN 978-0-231-17689-7.
Tuyen Ha Van, Juliane Huth, Felix Bachofer, Claudia Kuenzer: A Review of Earth Observation-Based Drought Studies in Southeast Asia. Remote Sensing, 14 (15), 2022, S. 3763–3794, doi:10.3390/rs14153763, ISSN 2072-4292.