Dorotheenstädtischer Friedhof II
Der Dorotheenstädtische Friedhof II ist ein Friedhof in Berlin-Gesundbrunnen an der Liesenstraße 9. Dort sind der Zirkusgründer Paul Busch, der Komponist Otto Nicolai, der Regisseur Christoph Schlingensief und weitere Persönlichkeiten bestattet worden.
Geschichte
1841 kaufte die Dorotheenstädtische Gemeinde aus Berlin-Mitte ein Grundstück direkt hinter der Stadtgrenze von dem Gastwirt Liese, als zweite Begräbnisstätte neben dem bisherigen Friedhof in der Chausseestraße.<ref>Dorotheenstadt II Ev. Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, mit einigen Details zur Geschichte; auch Etzold, 1993, S. 119f. </ref> Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es seit einigen Jahren bereits Friedhöfe von drei anderen Innenstadtgemeinden (Domgemeinde, katholische St. Hedwigsgemeinde, französisch-reformierte Gemeinde). 1842 wurde der Neue Dorotheenstädtische Friedhof eingeweiht, am 12. Januar 1843 fand die erste Bestattung statt. Es konnten dort auch Nichtgemeindeglieder beigesetzt werden. 1844 wurde ein Totengräber- und Leichenhaus errichtet, das 1889 durch eine Friedhofskapelle und 1890/91 das Verwaltungshaus ersetzt wurde. 1912/1913 wurde das große dreiteilige Eingangstor nach Plänen von Friedrich und Wilhelm Hennings gebaut.
1950/1951 wurde eine kostengünstige Notkirche nach Plänen von Otto Bartning an der Stelle der 1945 zerstörten Friedhofskapelle erbaut, die in den ersten Jahren von der Dankesgemeinde in Wedding als Pfarrkirche mitgenutzt wurde.<ref>W. Ernst, Berlin und seine Bauten, Teil B, 1964, S. 111, mit kurzer architektonischer Beschreibung; auch Alfred Etzold, Der Dorotheenstädtische Friedhof, 1993, S. 194, mit kurzer Erwähnung, die Kapelle wurde innerhalb von sechs Monaten mit standardisierten Bauformen errichtet, 1961 erbaute sich die Dankesgemeinde eine neue eigene Kirche </ref> Seit 1961 lag der Neue Dorotheenstädtische Friedhof direkt hinter der Berliner Mauer und konnte von der Gemeinde nicht mehr genutzt werden. Er wurde seitdem von mehreren Kreuzberger Kirchengemeinden betreut und weiter betrieben.
Grabstätten
- Denkmalschutz
Unter Denkmalschutz stehen vier Grabmäler, sowie die Kirche und das Friedhofsverwaltungsgebäude<ref>Dorotheenstadt II Denkmaldatenbank </ref>
- Paul Vincenz Busch (1850–1927), Zirkusdirektor, und Barbara Sidonie Busch (1849–1898), Mausoleum (von Hermann Paulick und Felix Voss, 1898)
- Rudolph Herzog, Mausoleum, 1926, nicht belegt
- Familie Lücke, Wandgrabmal, Bronzerelief von Gustav Willgohs
- Emilie Loeffler
- Ehrengräber
- Eduard Fürstenberg (1827–1885), Gründer des Taubstummenvereins
- August Kundt (1839–1894)
- Otto Nicolai (1810–1849), Komponist
- Julius Carl Raschdorff (1823–1914), Architekt
- Ernst Renz, Zirkusdirektor
- Albert Schumann (1858–1939), Zirkusdirektor
- Sammelgräber für Opfer des Zweiten Weltkriegs
- Weitere Gräber
- Woldemar Behr
- Carl Benda
- Hermann Geitner
- Eberhard Havekost
- Oskar Hanke
- Arthur Heinke
- Rudolph Hertzog (1815–1894), Warenhausgründer
- Prof. Fritz Ihlow
- Johann Georg Kranzler, Gründer des Café Kranzler, und Alfred Kranzler
- Robert Langerhans
- Gerhard Lassar
- Prof. Oscar Lassar
- Gottfried Marquardt
- Hugo Pratzsch
- Ferdinand Robert-Tornow
- Walter Robert-Tornow
- Christoph Schlingensief
- Heinz Schmidt-Berg
- Friedrich Reinhard Stechow, Prediger
- Rudolf Urban
Literatur
- Alfred Etzold: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Die Begräbnisstätten an der Berliner Chausseestraße. Links, Berlin 2002. S. 119–131
Weblinks
- Dorotheenstadt II Ev. Friedhofsverband Berlin Stadtmitte
- Friedhofsverwaltung von Dorotheenstadt II, Notkirche Denkmaldatenbank Berlin
Einzelnachweise
<references/>