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Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Ch. L. Fonrobert - Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde, Berlin (1).jpg
Grabmal für Ch. L. Fonrobert

Der Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde befindet sich in der Liesenstraße 7 in Berlin-Mitte. Dort befindet sich auch das Grab von Theodor Fontane.

Geschichte

1835 eröffnete die Berliner französisch-reformierte Gemeinde einen neuen Friedhof unmittelbar an der nordöstlichen Stadtgrenze, dessen Gelände sie für 1000 Thaler erworben hatte.<ref>Eduard Muret, Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen, Berlin 1885, S. 76, mit Summe von 1000 Thlr, ungenau datiert zu 1830, was wahrscheinlich zu früh warm vgl. auch S. 178 (zu 1876) </ref><ref>Etzold, 2001, S. 97, mit kurzen Angaben zur Geschichte </ref> Er befand sich direkt neben den kurz zuvor eröffneten Begräbnisstätten der deutschen evangelischen Domgemeinde und der katholischen St. Hedwigs-Gemeinde. Er sollte den bisherigen französisch-reformierten Friedhof in der Chausseestraße ersetzen, auf dem es kaum noch Plätze für neue Bestattungen gab, da dort die meisten älteren Gräber bestehen blieben. Es wurde eine Kapelle und ein Friedhofswärterhaus errichtet. 1872 wurde ein dritter Friedhof in der nahegelegenen Wollankstraße erworben, der bisherige blieb aber bestehen.

1961 wurde im nordwestlichen Teil des Friedhofs die Berliner Mauer und ein etwa vierzig Meter breiter Grenzstreifen angelegt, in dem alle Grabanlagen, sowie die Kapelle und das Haus des Friedhofswärters eingeebnet wurden. Nahe Angehörige konnten die Gräber ihrer Familie mit einer Sondergenehmigung durch einen kleinen Eingang in der Wöhlertstraße besuchen, ebenso war dieses in Ausnahmefällen zum Grab von Theodor Fontane möglich.

1990 wurden die Grenzanlagen beseitigt und das gesamte Gelände der französisch-reformierten Gemeinde zurückgegeben. Seitdem können dort auch Personen bestattet werden, die nicht zur Gemeinde gehören.

Anlage und Gräber

Der gesamte Friedhof steht wegen seiner historisch bedeutsamen Anlage unter Denkmalschutz.<ref>Friedhof II der frannzosisch-reformierten Gemrinde Denkmaldatebbank, mit Erläuterungen </ref> Dort befindet sich auch die Verwaltung aller drei Kirchhöfe der französisch-reformierten Gemeinde in Berlin und eine Theodor-Fontane-Sonderausstellung.<ref>Kirchhöfe Französische Kirche zu Berlin, die Eigenbezeichnung ist Kirchhof II, was aber missverständlich ist, da sich in der Liesenstraße nicht einmal mehr eine genutzte Kapelle befindet </ref><ref>Dauerausstellung Theodor Fontane Visit Berlin, seit 2012 in der ehemaligen Kapelle </ref> Im Zentrum des Friedhofs steht ein Ehrenmal für die gefallenen Mitglieder der Gemeinde in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71, auf das die Hauptalleen von allen vier Seiten führen. Außerdem gibt es eine Gedenkplatte für die Toten des Ersten Weltkriegs.

Auf dem Friedhof wurden viele Nachkommen hugenottischer Einwanderer nach Preußen bestattet.

Erhaltene Grabstätten

Ehrengräber
Datei:Berlin Französischer Friedhof II Grab Theodor Fontane 2022 sc.jpg
Grab von Theodor und Emilie Fontane, 2022
Datei:Franzfriedhofberlin kurt guiard.jpg
Familiengrab Guiard

Die bekannteste Grabstelle ist die des Dichters Theodor Fontane (1819–1898) und seiner Frau Emilie (1824–1902), die mehrere Male neu gestaltet wurde. Die erste Anlage mit schlichten Fußsteinen wurde 1945 zerstört und danach durch einen großen schwarzen Granittstein ersetzt. Nach 1990 wurde die Grabstätte neu gestaltet. 2012 wurden zwei kleinere rundbogigen Granitstelen nach historischen Fotografien rekonstruiert und mit einer Eisenpfosten-Ketten-Einfassung umgeben.

Ein weiteres Ehrengrab erhielt der Pelzwarenhändler Paul Michelet (1835–1926), der auch Stadtverordneter und Ehrenbürger der Stadt war.

Weitere Gräber

Das Grab von Leopold Arends (1817–1882), Erfinder eines stenographischen Systems, ist mit einer hohen Granitstele mit Bildnisbüste versehen, die durch Alexander Calandrelli angefertigt wurde. Diese wurde kurz nach 1990 gestohlen, bald danach auf einem Trödelmarkt wiederentdeckt und dann einige Zeit im Berliner Hugenottenmuseum gezeigt.

Weitere erhaltene Grabstellen sind<ref>Etzold, 2001, S. 97–102, mit einigen wichtigen Grabstellen </ref>

  • Hermann Abeking (1882–1939), Gebrauchsgrafiker
  • Heinz Bergschicker (1930–1989), Schriftsteller
  • Kurt Guiard (1894–1917), Bronzerelief, das sein Leben und seinen Tod darstellt
  • Peter Hacks (1928–2003), Schriftsteller
  • Manfred Hodapp (1951–1999), Bildhauer, modernes Grabmal aus Stahl mit blauem Aufsatz
  • Will McBride (1931–2015), US-amerikanischer Fotograf und Künstler

Nicht erhaltene Grabstätten

Literatur

  • Hella Hagen, Dietrich Sankowski, Leander Zoff: Die Friedhöfe der französisch-reformierten Gemeinde in Berlin. Berlin 1996. S. 71ff., Typoskript
  • Alfred Etzold: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Die Begräbnisstätten an der Berliner Chausseestraße. Ch. Links, Berlin 2001. S. 97–102, mit kurzer Geschichte und Beschreibung einiger Grabstellen

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>