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Dorfkirche Bollersdorf

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Feldsteinkirche Bollersdorf im April 2011.

Die Dorfkirche Bollersdorf ist die evangelische Kirche von Bollersdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Oberbarnim im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg. Das Dorf liegt im Naturpark Märkische Schweiz. Die Kirche gehört zum Kirchenkreis Oderland-Spree der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Die Feldsteinkirche stammt angeblich aus der Zeit der Anlage Bollersdorfs, das erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. erwähnt wurde.<ref>Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission. be.bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, ISSN 1860-2436, S. 30.</ref> Für Vermutungen, Bollersdorf sei bereits um 1124 im Zuge der Deutschen Ostsiedlung gegründet worden,<ref>Märkische Schweiz.com.: Region/Chronik Bollersdorf: Bollersdorf, um 1224.</ref> gibt es keine Belege. Den heutigen Kirchenbau datiert Matthias Friske auf das 15. oder beginnende 16. Jahrhundert.<ref name="Friske108" /> Die einschiffige Saalkirche mit Chor am Ostschluss erhielt ihr heutiges Gesicht vor allem mit dem neuen Westturm von 1861 und dem Wiederaufbau nach einem Brand im Jahr 1951. Das Bauwerk steht mitsamt der Kirchhofeinfriedung unter Denkmalschutz.<ref>Denkmalliste des Landes Brandenburg: Landkreis Märkisch-Oderland (PDF). Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum</ref>

Zugehörigkeit, Gemeinde und heutige Nutzung

Wahrscheinlich im 13. oder 14. Jahrhundert im Zuge der Dorfgründung angelegt, besaßen die ursprüngliche Kirche 1375 einen und die Pfarre fünf Hufen.<ref>Siehe Literatur: Rudolf Schmidt, S. 203.</ref> 1486 erwarb das Zisterzienserinnen-Kloster Friedland Bollersdorf und übernahm das Kirchenpatronat. Allerdings kam die Kirche nicht wie die übrigen Patronatskirchen des Klosters zur Sedes Friedland,<ref>Gustav Abb: Das Zisterziensernonnenkloster in Alt-Friedland. In: Germania Sacra. Erste Abteilung: Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg. Erster Band: Das Bistum Brandenburg. Erster Teil. Bearbeitet von Gustav Abb, Gottfried Wentz. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin 1929. Fotomechanischer Nachdruck 1963, S. 351, 357.</ref> sondern 1495 zur Sedes Strausberg. Die Klostergüter gingen nach der Säkularisation 1540/46 an die nachfolgende Herrschaft Friedland. Nach einem Zwischenspiel in der Sedes Prädikow kam die Kirche 1561 durch einen von Kurfürst Joachim II. verordneten Rezess zur Sedes Buckow.<ref>Siehe Literatur: Rudolf Schmidt, S. 204 f.</ref> Heute ist die Kirchengemeinde Teil des „Pfarrsprengels Märkische Schweiz“<ref>Kirche Buckow.de/EKB.: Visitenkarte. Pfarrsprengel Märkische Schweiz. Kirchen in Buckow (Märkische Schweiz).</ref> im Kirchenkreis Fürstenwalde-Strausberg der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Neben regelmäßigen Gottesdiensten finden in der Kirche Konzerte im Rahmen des Musiksommers Märkische Schweiz Feldstein und Musik statt.<ref>Musiksommer. Feldstein und Musik., In: Amt Märkische Schweiz.</ref> Die Kirche liegt zudem auf der Oberbarnimer Feldsteinroute.

Baugeschichte und Architektur

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Chor.

Theodor Fontane schrieb 1863 in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg: „Dorf Bollersdorf, dessen kleine gotische Kirche dem kahlen Plateau einen malerischen Reiz verleiht, ist ohne Bedeutung.“<ref>Vorlage:FontaneWanderungen</ref> Der einfache, einschiffige Saalbau verfügt über einen Chor am Ostschluss und einen wuchtigen, quadratischen Westturm mit einem Pyramidendach aus dem Jahr 1861. Das Kirchenschiff ist von einem steilen Satteldach gedeckt. Die Gesamtlänge beträgt laut Friske (ohne Turm) 15 Meter.

Mythos Wehrkirche

Über den ursprünglichen Kirchenbau ist nichts bekannt. Laut der „Lokalen Aktionsgruppe Märkische Schweiz e. V.“ und Thomas Worch ist der mittelalterliche gotische Bau „wahrscheinlich als Wehrkirche errichtet“ worden.<ref>Feldsteinkirche Bollersdorf. Lokale Aktionsgruppe Märkische Schweiz e. V.</ref><ref name="Worch">Thomas Worch: Oderbruch: Natur und Kultur im östlichen Brandenburg. 2. akt. und erw. Auflage. Trescher Verlag, Berlin 2008, ISBN 3-89794-133-3, S. 109; books.google.de</ref> Die jüngere wissenschaftliche Diskussion wie auf der Leipziger Dorfkirchen-Tagung 2005 kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass der Begriff Wehrkirche auf keine einzige Brandenburger Kirche anwendbar ist.<ref>Siehe insbesondere Kapitel von Ernst Badstübner: Funktion und Bedeutung der Quertürme aus der Zeit askanischer Herrschaft in der Mark Brandenburg. In: Dirk Höhne, Christine Kratzke (Hrsg.): Die mittelalterliche Dorfkirche in den Neuen Bundesländern II. Funktion, Form, Bedeutung. In: Hallesche Beiträge zur Kunstgeschichte. Hrsg. Martin-Luther-Universität, 8, Halle (Saale) 2006, ISBN 3-86010-867-0.</ref> Auch Engeser/Stehr stellen fest:

„Die Wuchtigkeit der Westtürme hat den brandenburgischen Dorfkirchen oft das Attribut ‚Wehrkirchen‘ eingebracht. Vor allem in der Zeit des Dritten Reiches war dies eine beliebte Interpretation. In der letzten Zeit wurde die Funktion der mittelalterlichen Feldsteinkirchen als ‚Wehrkirchen‘ etwas abgeschwächt. Man gesteht ihnen aber immer noch eine Schutzfunktion (‚Schutzkirche‘) zu. Zumindest das Attribut ‚Wehrkirche‘ muß wohl für die meisten Kirchen definitiv ins Reich der Fabulierkunst verwiesen werden, […].“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Theo Engeser, Konstanze Stehr: Mittelalterliche Dorfkirchen in Brandenburg. 1999/2004.<ref>Theo Engeser, Konstanze Stehr: Mittelalterliche Dorfkirchen in Brandenburg. 1999/2004.Userpage.FU-Berlin.de/~Engeser</ref>

Zerstörungen und Instandsetzungen im 17./18. Jahrhundert

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Bleiverglastes Fenster aus dem Umbau 1861.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde die Kirche so stark beschädigt, dass sie anschließend für längere Zeit unbenutzt blieb. 1748 wurde die gesprungene Glocke repariert beziehungsweise umgegossen. Der Glockengießer Johann Friedrich Thiele aus Berlin erhielt für diese Arbeit 37 Taler und 3 Groschen. Die heutige mittelalterliche Glocke gelangte wahrscheinlich 1952 in die Kirche, woher, ist nicht bekannt.<ref name="Friske108">Siehe Literatur: Matthias Friske, S. 108.</ref>

1754 wurden aus Friedland dreißig Maulbeerbäume bezogen und um die Kirche eine Plantage zur Seidenraupenzucht angelegt. 1757 führte der Wriezener Zimmermeister Christoph Seiffert für 205 Taler einen Turmneubau aus. Der Kirchturm hatte nur einige Jahrzehnte Bestand, denn 1792 beschädigte ein starker Sturm ihn derart, dass er einzustürzen drohte. Die Gutsherrin Helene Charlotte von Friedland, die als „Frau von Friedland“ bekannt wurde, ließ ihn daraufhin abtragen.<ref name="Schmidt206">Siehe Literatur: Rudolf Schmidt, S. 206</ref> Eine Urkunde vom 25. September 1793, die in einer Zeitkapsel im Knopf des 1793 neuerbauten schlichten Holzturms gefunden wurde, gibt über dieses Ereignis Auskunft:

„Der am 19. Dezember 1792 in hiesigen Gegenden gewütete große Sturm, welcher viele Gebäude beschädigt und selbst ganze Waldungen verheeret, erschütterte auch den Thurm der hiesigen Kirche, mit solcher Heftigkeit, daß derselbe bey seinem drohenden Einsturze, auch für die daran stehende Kirchengebäude, und selbst für Menschen, lebensgefährlich hätte werden können. Dies bewog die jetzige Herrschaft, diesen Thurm im September 1793 abtragen zu lassen. Der Knopf und die Fahne desselben sind beyde beibehalten worden, in deren ersteren sich die wieder hereingelegte blecherne Kapsel, dergestalt vom Rost zerfressen gefunden, daß die darin befindlich gewesene Nachricht verloschen, von Geldstücken aber nichts angetroffen wurde. […] An Münzen sind bey dieser Nachricht in der Büchse gelegt, die so des jetzt regierenden Königs Majestät Friedrich Wilhelm des 2ten in diesem Jahre prägen lassen, nehmlich Ein Thaler Stück, Ein Achtgroschen Stück und Ein Pfennig Stück.“

Cunersdorff, den 25. September 1793<ref>Turmknopfurkunde vom 25. September 1793, zitiert nach Rudolf Schmidt, S. 206 f.</ref>

Die Urkunde trägt die Zeichnung: „Cunersdorff, den 25. September 1793. Charlotte Helene von Friedland, geborene von Lestwitz, Friedrich Krahmer, dirigirender und Justitz Bürgermeister zu Müncheberg. Justitiario des Amtes Friedland“. Darüber hinaus berichtet die Urkunde über die Besitzverhältnisse und informiert darüber, dass die Gutsherrin Helene Charlotte von Friedland in Kunersdorf wohnt. Anschließend gibt sie einen kurzen Überblick über das Leben der Gutsherrin in diesen Jahren und führt die Namen des seinerzeitigen Predigers, Schulhalters, Dorfschulzen und Gerichtsmanns an.

1861 erfolgten unter dem Kirchenpatron und Gutsherrn der Grafen und Gräfinnen von Itzenplitz erneut umfangreiche Um- und Neubauten, die mit neugotischen Elementen vorgenommen wurden. Neben einem Westturm erhielt die Kirche spitzbogige, bleiverglaste Fenster. Aktiv wurde hier die Gräfin Luise von Itzenplitz (1839–1901) und Gräfin Charlotte von Itzenplitz, die sich auch für die Krankenpflege in der Region Brandenburg einsetzten.<ref>Vgl. Horst-Peter Wolff, Jutta Wolff: Krankenpflege. Einführung in das Studium ihrer Geschichte. 4. Auflage-Online-Ressource, Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2022, ISBN 978-3-86321-717-4, S. 158.</ref> Letzte Kirchenpatrone der Gemeinde Bollersdorf waren Marie-Luise von Oppen, geb. von Arnim (1883–1960), und ihr Ehemann Wilhelm von Oppen (1882–1938). Dessen Mutter war die erwähnte Gräfin Luise von Itzenplatz, der Vater Karl von Oppen wiederum wurde Generalleutnant.<ref>Hans Friedrich von Ehrenkrook, F. W. Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1962. Band VI, Band 29 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1962, S. 289 f.</ref>

Nachdem die Kirche durch Unvorsichtigkeit beim Kochen 1945 in Brand geraten war, begannen 1951 „der Wiederaufbau und die Neugestaltung im Märkischen Stil durch den Baumeister Günzel aus Buckow“.<ref name="Worch" />

Innenausstattung und Kirchenschatz

Der Innenraum der Bollersdorfer Feldsteinkirche hat eine verbretterte Decke mit geschnitzten Balken und einen einseitigen, gleichfalls spitzbogigen Triumphbogen. Auf einer Seite befindet sich eine Empore. Der Chor ist mit einem Sterngewölbe ausgestattet.<ref name="Worch" /> 1778 wurde für acht Taler ein Taufengel angeschafft.<ref name="Schmidt206" /> Allerdings wurde beim Feuer 1945 die gesamte Inneneinrichtung zerstört, darunter ein Schnitzaltar, der 1585 gekauft worden sein soll,<ref name="Friske108" /> und die Orgel. Eine neue Orgel hat das Gotteshaus nicht (Stand 2012).

Erhalten blieb das Schmuckstück des Kirchenschatzes, eine sächsische Kurfürstenbibel<ref>Auch diese Bibelausgabe aus dem Jahr 1618 wird oft als Sächsische Kurfürstenbibel bezeichnet, auch wenn die „eigentliche“ Sächsische Kurfürstenbibel auf einen Auftrag des Herzogs Ernst der Fromme zurückgeht und 1641 erstmals gedruckt wurde. Siehe: Ernst der Fromme und die Kurfürstenbibel. Universität Erfurt, Pressemitteilung Nr.: 153/2011, 9. November 2011.</ref> aus dem Jahr 1618.<ref name="MOZ">Thomas Berger: Bollersdorfs größter Schatz: Die Sächsische Kurfürstenbibel. In: Märkische Oderzeitung (MOZ), 25. Mai 2000.</ref> Die Bibel des Leipziger Buchhändlers Zacharias Schürer († 18. Januar 1629) wurde in Wittenberg bei Johann Richter gedruckt. Sie hat einen reich verzierten Ledereinband und führt den Titel Biblia mit der Angabe:

„Biblia: Das ist Die gantze Heilige Schrifft. Deudsch. M. Luth. Jetzt von newen nach dem letzten von D. Luthero überlesenem Exemplare mit fleiß corrigirt, neben den Summarien Viti Dieterichs, über jede Capitel, nutzliche Zeit-, Historien- und Lehr Register …“

Biblia, Zacharias Schürer, 1618<ref>Biblia – Wittenberg 1618. Deutschsprachige Bibelausgaben 1466–1799.</ref>

Das gewichtige, zwanzig Zentimeter dicke Buch soll zudem auf den ersten Seiten Abbildungen verschiedener sächsischer Kurfürsten enthalten.<ref name="MOZ" />

Literatur

  • Theodor Fontane: Der Große und Kleine Tornow-See. Der Schnitzaltar in der Bollersdorfer Kirche., In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 2: Das Oderland. Barnim. Lebus. Verlag Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung), Berlin 1863, S. 526 f.
  • Theodor Fontane: Bilderaltäre. In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 1: Die Grafschaft Ruppin. „Dörfer und Flecken im Lande Ruppin“ (in der 2. Auflage wieder ausgeschieden). Siehe: Gotthard Erler, Therese Erler (Hrsg.). Aufbau-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-351-02020-1, S. 359 f.
  • Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim. Geschichte – Architektur – Ausstattung. In: Kirchen im ländlichen Raum, Band 1, Lukas Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-67-3.
  • Rudolf Schmidt: Die Herrschaft Friedland: Nachrichten zur Geschichte von Alt- und Neufriedland, Gottesgabe, Carlsdorf, Kleinbarnim, Grube, Sietzing, Wuschewier, Lüdersdorf, Biesdorf, Gersdorf, Batzlow, Ringenwalde, Bollersdorf, Pritzhagen, Cunersdorf, Burgwall, Metzdorf, Horst, Wubrigsberg. In: Oberbarnimer Heimatbücher. Band 7, Hrsg. vom Kreisausschuss Oberbarnim. Bad Freienwalde (Oder) 1928. DNB 362627002

Weblinks

Commons: Dorfkirche Bollersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 34′ 51″ N, 14° 2′ 58″ O

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