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Distinktives Merkmal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ein distinktives Merkmal ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=en|SCRIPTING=Latn|SERVICE=englisch}}) ist eine bedeutungsunterscheidende Eigenschaft von sprachlichen Objekten.

Der Begriff wurde ursprünglich in der Phonologie entwickelt, dann in der Linguistik allgemein fruchtbar gemacht und wird unter anderem auch in der Computerlinguistik verwendet.

Das distinktive Merkmal in der Phonologie

Begriff

Ein phonologisches distinktives Merkmal wird definiert als artikulatorische Eigenschaft eines Lautes<ref name="meib" details="87, 350">Jörg Meibauer: Einführung in die germanistische Linguistik. 2. Auflage. 2007.</ref><ref name="gadl" details="59 f.">Gadler: Praktische Linguistik. 3. Auflage. 1998.</ref>(Phons) oder des davon abstrahierten Phonems,<ref name="ernst" details="92">Peter Ernst: Germanistische Sprachwissenschaft. WUV, Wien 2008 (UTB; 2541)</ref><ref>Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002, Distinktives Merkmal: {{

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}}.</ref> die innerhalb des lautlichen Systems einer Einzelsprache für die Bedeutungsdifferenzierung mitverantwortlich ist.

Für Bedeutungsunterschiede nicht verantwortliche Merkmale werden redundante Merkmale genannt.<ref name="ernst" details="92 "/>

Beispiele

  1. Für das Phonem Vorlage:IPA-Phonem des Deutschen ist folgende Bündelung von distinktiven Eigenschaften möglich:<ref name="meib" details="82 "/>
    a) stimmlos (im Gegensatz zu Vorlage:IPA-Phonem)
    b) an den Lippen gebildet (im Gegensatz zu Vorlage:IPA-Phonem und Vorlage:IPA-Phonem)
    c) Plosiv/Verschlusslaut (im Gegensatz zu Vorlage:IPA-Phonem als Frikativ)
    d) oraler Laut (im Gegensatz zu Vorlage:IPA-Phonem, einem Nasallaut, der mit gesenktem Velum produziert wird).
  2. In Bezug auf das Merkmal Stimmhaftigkeit ist der Laut Vorlage:IPA-Phon merkmalhaltig (auch merkmalhaft), während der Laut Vorlage:IPA-Phon merkmallos ist.
  3. Betrachtet man ein Minimalpaar, d. h. ein Wortpaar, das sich bei unterschiedlicher Bedeutung und gleicher Lautzahl nur in einem Laut unterscheidet wie Beet [<templatestyles src="IPA/styles.css" />beːt] – Bett [<templatestyles src="IPA/styles.css" />bɛt], so beruht ihr Unterschied nur in den Lauten Vorlage:IPA-Phon und Vorlage:IPA-Phon. Diese Laute weisen folgende artikulatorischen Merkmale auf:
    • [<templatestyles src="IPA/styles.css" />]: mittelhoch, vorne, ungerundet, lang
    • [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ɛ]: mittelhoch, vorne, ungerundet, kurz
Sie unterscheiden sich also nur in dem Merkmal kurzlang. Dieser Merkmalsgegensatz allein ist aber in der Lage, die beiden Wörter für Sprecher und Hörer erkennbar zu unterscheiden, d. h., sie haben eine distinktive (unterscheidende) Funktion. Solche Merkmale werden daher distinktive Merkmale genannt. Damit ist klar, dass die beiden Laute auch Repräsentanten verschiedener Phoneme sind.

Bedeutung

Der Begriff distinktives Merkmal wurde ursprünglich von Roman Jakobson für phonologische Einheiten eingeführt.

Da distinktive Merkmale die wesentlichen Eigenschaften der Phoneme sind, werden Phoneme auch als „Bündel distinktiver Merkmale“ definiert.<ref name="meib" details="82 "/>

Dies veranlasst in manchen phonologischen Theorien, nur die distinktiven Merkmale und nicht die Phoneme für entscheidend zu halten.

Jakobson stellte in der Phonologie ein System von binären Merkmalen auf, mit denen jeder Sprachlaut beschreibbar ist. Die Zweiwertigkeit phonologischer distinktiver Merkmale ermöglicht die Erstellung einer Merkmalmatrix.<ref name="ernst" details="97 "/>

Die Merkmalsanalyse von Phonemen erlaubt es, artikulatorische Veränderungen bei einem Sprachwandel als Prozesse zu erklären und in einer Sprache sogenannte reguläre Oppositionsverhältnisse (Korrelationen) festzustellen (Beispiel im Deutschen: Lenis/Fortis – /b/:/p/; /g/:/k/).

Teilweise wird vertreten, dass phonologische distinktive Merkmale universellen Charakter haben.<ref>Ritter: Phonetik und Phonologie. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft. 5. Auflage. 2005, S. 82.</ref>

Das Phoneminventar einer Sprache lässt sich auf die phonologischen distinktiven Merkmale reduzieren. Nach Jakobson (1951) bedarf es nur 12 Merkmale. Wiese (1996) geht fürs Deutsche von 37 Phonemen und 22 distinktiven Merkmalen aus.<ref>Richard Wiese: The Phonology of German. Clarendon Press, Oxford 1996 (20002).</ref>

Das distinktive Merkmal in der Linguistik allgemein

Der Begriff des Merkmals wurde von der Phonologie auf die Morphologie und Lexikologie übertragen.<ref>Tscheu: Merkmal. In: André Martinet (Hrsg.): Linguistik. 1973, S. 176 (178).</ref>

Allgemein gesprochen ist ein distinktives Merkmal die bedeutungsunterscheidende Eigenschaft einer sprachlichen Einheit, die durch Vergleich mit einer anderen sprachlichen Einheit, die bis auf das distinktive Merkmal mit ihr übereinstimmt, festgestellt wird.<ref>Ulrich: Linguistische Grundbegriffe. 5. Auflage. 2002, distinktives Merkmal.</ref>

Das distinktive Merkmal in der Computerlinguistik

Der Begriff Merkmal ist in der Computerlinguistik mehrdeutig, neben distinktiven Merkmalen gibt es auch sprachliche Merkmale in den sog. Merkmalstrukturen.

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3, Distinktives Merkmal. (nur Phonologie).
  • Hadumod Bußmann (Hrsg.) unter Mitarbeit von Hartmut Lauffer: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4., durchgesehene und bibliographisch ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-45204-7, Distinktives Merkmal.
  • Duden: Die Grammatik. 8. Auflage, 2009, ISBN 3-411-04048-3, S. 32f.
  • Theodor Lewandowski: Linguistisches Wörterbuch 1. 4. neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1984, ISBN 3-494-02020-5, distinktive Merkmale.
  • Richard Wiese: The Phonology of German. Clarendon Press, Oxford 1996 (2000).

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />