Dietrich von Weyer
Dietrich oder Theodor von Weyer (auch: Weier, Wyer, Wier, Wierus) (* um 1540/42 in Grave an der Maas;<ref name="Brief_1566" /> † 8. Juni 1604 vermutlich in Heppenheim an der Wiese) war ein niederländisch-deutscher Jurist, kurfürstlicher Rat sowie Gesandter und Truppen-Inspekteur der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Er war ein entschiedener Parteigänger Wilhelms I. von Oranien im Achtzigjährigen Krieg und wurde mehrfach der Korruption verdächtigt.
Leben
Dietrich Weyer war der Sohn des Arztes und Gegners der Hexenverfolgung Johann Weyer (1516–1588) und dessen erster Frau Judith Wintgens († 1572). Sein Vater war ab 1545 Stadtarzt in Arnheim und wurde 1550 als Leibarzt an den Klever Hof berufen.
Studium
Dietrich Weyer studierte 1559<ref>Eine angebliche Immatrikulation in Köln am 18. Mai 1556 findet sich nicht in der Matrikel, sondern beruht auf einem Lesefehler der späteren Einschreibung; vgl. Lotte Kosthorst: Gelehrte Mediziner am Niederrhein. Das Italienstudium der Ärzte am Hof Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg (1539–1592). In: Kaspar Gubler, Rainer Christoph Schwinges (Hrsg.): Gelehrte Lebenswelten im 15. und 16. Jahrhundert. (RAG. Forschungen 2), Hochschulverlag, Zürich 2018, S. 129–156, bes. S. 150 Anm. 155.</ref> zusammen mit seinem Bruder Heinrich (um 1545–1591), dem späteren Leibarzt der Trierer Kurfürsten Jakob III. von Eltz (1510–1581) und Johann von Schönenberg (1525–1599), an der neugegründeten Académie de Genève (immatrikuliert als Theodorus Wierus Clivanus). 1560 hörten beide Brüder den Gräzisten Adrien Turnèbe (1512–1565) am Collegium Trilingue in Paris. In Bourges wohnte Dietrich Weyer im Haus des Professors für Rechtswissenschaft Hugo Donellus (1527–1591),<ref>Vgl. die Widmung an Dietrich Weyer in Hugo Donellus: Ad legem Ivstiniani, De sententijs quae pro eo, quod interest, proferuntur siue, de eo, quod interest, Liber, 2. Aufl. Nikolaus Basse / Matthäus Harnisch, Frankfurt am Main / Neustadt an der Haardt 1574.</ref><ref>Peter Arnold Heuser: Zur Bedeutung der Vor- und Nachkarrieren von Reichskammergerichts-Juristen des 16. Jahrhunderts für das Studium ihrer Rechtsauffassungen Eine Fallstudie. In: Albrecht Cordes (Hrsg.): Juristische Argumentation, Argumente der Juristen. (Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich 49). Böhlau, Köln Weimar 2006, S. 153–218, bes. S. 204 Anm. 115 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)</ref> anschließend wechselte er nach Orléans. 1561 schrieb er sich als Theodoricus Wierius Clivensis in Padua ein, wechselte später nach Bologna. Am 17. Mai 1564 wurde er in Pisa als Theodorus Wierus Sicamber, f[ilius] Joannis doctor zum Dr. jur. utr. promoviert.<ref>Vgl. Fritz Weigle: Deutsche Studenten in Pisa. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 39 (1959), S. 173–221, bes. S. 220.</ref> Als promovierter Jurist schrieb er sich 1566 an der Universität Köln ein.
Von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (1516–1592) und dem Münsteraner Bischof Bernhard von Raesfeld (1508–1574; reg. 1557–1566) wurde er als Assessor am Reichskammergericht nominiert.<ref name="Brief_1566" /> 1566 versuchte Dietrich Weyer mit Unterstützung des Statthalters Charles de Brimeu (* um 1525; † 1572), Graf von Meghen,<ref group="A">Seit 1559 Statthalter von Gelderland.</ref> Nachfolger von Jheronimus Lettin († 1566) als Rat am Hof von Geldern in Arnheim zu werden. Da seine Eltern jedoch der lutherischen Ketzerei verdächtig waren, scheitert die Bewerbung, obwohl er offenbar bereit war, einen Eid auf den katholischen Glauben abzulegen.<ref>Vgl. Gelders Archief Arnheim (Brieven uit en aan het Hof, Nr. 1966 und 1986)</ref><ref name="Brief_1566">Brief von Kanzler Adrian Marius Everard († 1568) und Räten des Hofes von Gelderland an Statthalterin Margarethe von Parma vom 11. Oktober 1566. In: Isaak Anne Nijhoff: Onuitgegeven Stukken. In: Bijdragen voor vaderlandsche geschiedenis en oudheidkunde 6 (1848), S. 264–270, bes. S. 266–270.</ref> Jheronimus Lettin wurde schließlich am 2. August 1567 durch Willem van Gent († 1603) aus Nijmegen ersetzt.<ref>Isaak Anne Nijhoff: Onuitgegeven Stukken. In: Bijdragen voor vaderlandsche geschiedenis en oudheidkunde 6 (1848), S. 264–270, bes. S. 266 Anm. 2 (Google-Books).</ref>
1568 korrespondierte Dietrich Weyer mit Graf Wilhelm IV. von dem Bergh-’s-Heerenberg (1537–1586).<ref>Brief vom 22. Februar 1568 aus Köln; Archief Huis Bergh (Regest Nr. 5927).</ref>
Pfalz-Zweibrücken
1568 trat Weyer als Rat für auswärtige Geschäfte in den Dienst Herzog Wolfgangs von Pfalz-Zweibrücken (1526–1569). Durch die Zusicherung der Vermittlung eines Kredites von angeblich 240.000 Gulden, von denen sein eigener Vater 2.000 Gulden beitragen wollte,<ref name="CodexWolff">Vgl. Johann Heinrich Bachmann: Herzog Wolfgangs zu Zweybrüken Kriegs-Verrichtungen gröstentheils aus Archivial-Nachrichten beschrieben, Akademische Schriften, Mannheim 1769, S. 25–31 und 53f (Google-Books).</ref> half er dem hugenottischen Gesandten Gervais le Barbier (Gervasius Barberius), Sieur de Francourt (um 1512–1572) dabei, Herzog Wolfgang zum Abschluss eines Unterstützungs-Vertrages mit Louis I. de Bourbon, prince de Condé (1530–1569), zu bewegen.<ref>Vgl. Friedrich Wilhelm Ebeling: Archivalische Beiträge zur Geschichte Frankreichs unter Carl IX., Im. Tr. Wöller, Leipzig 1872, S. 246f (Google-Books).</ref> Die Prinzen von Condé waren Anführer der Protestanten während der Hugenottenkriege. Der Vertrag wurde am 18. September 1568 in Zweibrücken abgeschlossen und am 29. Oktober mit einem Notariatsinstrument versehen. Herzog Wolfgang verpflichtete sich, 17.000 Soldaten auszurüsten.
Die von Weyer zugesicherte Summe, für die die Straßburger Bankiers Ingold,<ref group="A">Hans und Georg d. Ä. Ingolt.</ref> Wolff, Prechter,<ref group="A">Vermutlich die Erben des Wilhelm (von) Prechter († 1563).</ref> Wicker und Israel Minckel (um 1525–1569) unter der Bürgschaft von Georg Olbrecht (1500–1569) einstehen sollten,<ref name="CodexWolff" /> scheint ausgeblieben zu sein. Am 11. Oktober appellierte ein Abgesandter Herzog Wolfgangs (Weyer?) vergeblich an den Straßburger Rat, ein 5-%-Darlehen über 20.000 Gulden zu gewähren.<ref>Vgl. Alkuin Holländer: Wilhelm von Oranien und Straßburg 1568 und 1569. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 60 (1906), S. 50–98, bes. S. 59f.</ref> Am 21. Oktober verbürgten sich in Straßburg schließlich African d'Haussonville († 1603), Olry du Châtelet († 1569) und Claude Antoine de Vienne (1534–1588), seigneur de Clervant et de Coppet,<ref>Seine Tochter Louise de Vienne Clervant war mit Dietrich (Dietz; Thierry) von Schönberg (Schomberg) († 1590) verheiratet, der 1569 auf Seite der Hugenotten kämpfte und von Zweibrücken mit Gütern in Bischwiller belehnt war; Archives Tronchin du Musée historique de la Réformation in der Bibliothèque de Genève (Arch. Tronchin 3/62, f. 171).</ref> für die Kosten einzustehen.
Vermutlich gehörte Dietrich Weyer zu den protestantischen Gesandten, die nach der Hinrichtung der Grafen Lamoral von Egmond und Philippe de Montmorency, Graf von Horn, im Anschluss an den rheinischen Kurfürstentag in Bacharach Ende Juli 1568 zu Kaiser Maximilian II. (1527–1576) nach Wien geschickt wurden, um Unterstützung für die Niederlande zu erwirken.<ref>Vgl. Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383–1806). Steiner, Stuttgart 1998, S. 412.</ref> Weyers Anwesenheit in Wien im August 1568 ist durch einen Brief seines Vaters belegt.<ref>Brief von Johann Weyer an Wilhelm IV.von dem Bergh-’s-Heerenberg vom 25. August o. J.; Archief Huis Bergh (Regest Nr. 5971). In dem Brief wird die Selbstverletzung von Antoine II. de Lalaing (1530–1568), Comte de Hoogstraten, in „Bensburch“ – noch vor der Schlacht bei Geldenaken – durch einen Schuss in die linke Hand erwähnt, deren Folgen der Comte am 12. Dezember 1568 erliegen sollte.</ref>
Der Prinz von Condé und Herzog Wolfgang starben im folgenden Jahr 1569 auf dem Feldzug in Frankreich, an dem sich auch Wilhelm von Oranien (1533–1584) mit 1.200 Reitern beteiligte.
Am 4. Juni 1569 befand sich Weyer in Plymouth und bedankte sich bei Staatssekretär William Cecil (1521–1598) brieflich für die englische Unterstützung.<ref>Vgl. auch die Berichte des englischen Diplomaten Henry Killegrew (um 1528–1603) an William Cecil vom 12., 17. und 31. Mai 1569; Elizabeth: May 1569. In: Calendar of State Papers Foreign, Elizabeth 9 (1874), S. 67–82 (British History Online).</ref> Weyer soll jedoch nach Erhalt der Nachricht vom Tod Herzog Wolfgangs († 11. Juni 1569) eine Geldsumme, die er von Königin Elisabeth I. (1533–1603) für den Feldzug erhalten hatte, nur teilweise in La Rochelle an Admiral Gaspard II. de Coligny (1519–1572) abgeliefert haben.<ref name="CodexWolff" /><ref>Vgl. Franz Dominikus Häberlin: Neueste teutsche Reichs-Geschichte, Vom Anfange des Schmalkaldischen Krieges bis auf unsere Zeiten, Bd. VIII, Johann Jakob Gebauer, Halle 1779, S. 4f (Google-Books).</ref> Zu der Unterstützungssumme, die Weyer mit sich führte, gehörte auch ein Betrag in Höhe von 6000 Crowns (coronati), den Johannes Sturm (1507–1589) aus eigenen Mitteln in England zur Verfügung stellte.<ref name="Sturmius">Vgl. Brief von Johannes Sturm an Théodore de Bèze vom 29. Juni 1584 aus Nordheim; Gotha Forschungsbibliothek (Cod. A 405, Blätter 540–563), abgedruckt in: Théodore de Bèze: Correspondance, Bd. XXV 1584. Librairie Droz, Genf 2003, Nr. 1681, S. 121–150, bes. S. 125f und 143f (Google-Books und Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref> Noch vor der Bartholomäusnacht fand eine Zusammenkunft von Claude Antoine, dem Herrn von Clervant, Doktor Weyer und dem Genfer Bankier Balbini<ref>Vermutlich ist Manfred Balbani (1544–1624) gemeint.</ref> mit Sturm statt, auf dem die Rückzahlung versprochen wurde.<ref name="Sturmius"/>
Bergh-s'Heerenberg
Anfang der 1570er Jahre stand Dietrich Weyer im Dienst von Wilhelm IV. von dem Bergh-’s-Heerenberg,<ref>Vgl. Archief Huis Bergh (Regest Nr. 5777, vgl. Nr. 5927).</ref> der die Kritik Johann Weyers an der Hexenverfolgung teilte.<ref>Vgl. Johann Weyer: De praestigiis daemonum et incantationibus ac veneficiis, 2. Aufl. Johann Oporinus Nachfolger, Basel 1577, S. 717f (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).</ref> Im Auftrag Wilhelms IV. kümmerte er sich 1570 um die Ausrüstung von Truppen, die Wilhelm von Oranien bei Niedermörmter gesammelt hatte. Die Waffen wurden von dem Kölner Kaufmann Philipp Palm<ref>„Philippus Palm Coloniensis“ wurde 1551/52 immatrikuliert in Wittenberg, 1553 in Basel.</ref> geliefert.<ref>Vgl. Brief von Dietrich Weyer aus Kleve an Wilhelm IV. von dem Bergh-’s-Heerenberg vom 1. Mai und Notariatsinstrument vom 17. Mai 1570; Archief Huis Bergh (Regesten, Nr. 3133 und 6011, vgl. Nr. 3132 und 3169); Gertrud Susanna Gramulla: Handelsbeziehungen Kölner Kaufleute zwischen 1500 und 1650. (Forschungen zur internationalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 4). Böhlau, Köln 1972, S. 136.</ref> In Worms trug er sich in das Stammbuch des kurpfälzischen Leibarztes Joachim Strupp ein.<ref>Eintrag vom 14. November 1570; Abschrift des Stammbuches von Joachim Strupp, 1578; Universitätsbibliothek Heidelberg (Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 1884, Bl. 54v) (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg).</ref>
1571 bestätigte Weyer die Verpfändung einer Sammlung von Juwelen der Gräfin Maria von dem Bergh (1539–1599), der Frau Wilhelms IV., im Namen ihres Bruders Graf Johann VI. von Nassau (1536–1606) für 1000 Reichstaler an den Kölner Goldschmied Wilhelm Kaaff<ref group="A">Wilhelm Kaff d. J. wurde 1565 Mitglied der Zunft der Goldschmiede.</ref>, Bürger von Köln.<ref>Rijksarchief Gelderland Arnheim (0214 Huis Bergh, Regesten Nr. 3154)</ref>
Dietrich Weyer nahm 1572 in Zutphen von den Waffenschmieden Klaus Bilstein, Martin Schwietering und Hermann Schuffwagen aus Wesel, die 118 Soldaten für 1750 Taler mit Waffen ausgerüstet hatten,<ref>Vgl. Urkunde vom Juli 1572; Archief Huis Bergh; (Regest Nr. 3160); vgl. Eintrag vom 13. Juli 1595; Oud-archief Zutphen (1156a Rekening van overrentmeester Roleffs van Hekeren).</ref> und ihren Lieferanten Geschenke im Wert von 100 Talern entgegen. 1578 fand deswegen in Schloss Ulft eine Untersuchung durch Commissaris Daniel van Renssen († 1584)<ref group="A">Aus der Provinz Overijssel; Sekretär von Harderwijk, 1580 zum Bevollmächtigten (Fiskal, momber) in Geldern ernannt.</ref> und Notar Dederich van den Pavordt († nach 1593), Sekretär der Maria von Nassau, statt.<ref>Vgl. Urkunde vom 16. November 1578 (Zeugnis von Joachim Bilstein, wohl der Sohn); Archief Huis Bergh; (Regest Nr. 3505, vgl. Nr. 3160).</ref> Weyer scheint allerdings nicht weiter belangt worden zu sein, denn er stand auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst in brieflicher Verbindung mit Wilhelm IV.,<ref>Vgl. Brief vom 27. Juni 1581 aus Veldenz; Archief Huis Bergh (Regest Nr. 6943).</ref> der allerdings 1583/84 auf die Seite der Habsburger wechselte.
Pfalz-Lautern und Kurpfalz
Unter Pfalzgraf Johann Kasimir (1543–1592) war Dietrich Weyer bis etwa 1579 Rat von Pfalz-Lautern und nahm auch diplomatische Missionen für Friedrich III. „den Frommen“ von der Pfalz wahr. Um die Jahreswende 1572/73 versuchte Weyer, eine bewaffnete Unterstützung der Kurpfalz für Wilhelm von Oranien zu erreichen. Der französisch-sächsische Diplomat Hubert Languet, der die Hugenotten unterstützte, bat Joachim Camerarius im Mai 1573, einen Brief an Dr. Wier in Heidelberg weiterzuleiten.<ref>Bayerische Staatsbibliothek München (Clm 10364); vgl. Ruger Kuin (Bearb.): The Correspondence of Sir Philip Sidney, Bd. I. University Press, Oxford 2012, S. 1324.</ref> Im Mai und Juni 1573 hielt sich Dietrich Weyer in Wesel bei seinem Vater auf und schrieb von dort an die Grafen Johann VI. (1536–1606) und Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538–1574) über Möglichkeiten, das von den Spaniern belagerte Haarlem zu retten – die Stadt fiel am 13. Juli 1573.
Bereits im Januar 1574 war Weyer in einer diplomatischen Mission bei König Karl IX. (1550–1574) in Frankreich gewesen.<ref>Vgl. August von Kluckhohn: Zwei pfälzische Gesandtschaftsberichte über den französischen Hof und die Hugenotten 1567 und 1574 (Abhandlungen der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften III, Bd. XI/2), Verlag der königlichen Akademie, München 1870, S. 55.</ref> Als 1574 Kanzler Christoph Prob († 1579)<ref>Zu Christoph Prob vgl. Kurt Stuck: Personal der kurpfälzischen Zentralbehörden in Heidelberg 1475–1685 unter besonderer Berücksichtigung der Kanzler (Schriften zur Bevölkerungsgeschichte der pfälzischen Lande), Ludwigshafen 1986, S. 76.</ref> aus Altersgründen ausschied, berief Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz (1515–1576) Christoph Ehem (1528–1592) zum neuen kurpfälzischen Kanzler und Dietrich Weyer zum kurpfälzischen Oberrat.
Nach dem Tod König Karls IX. wurde Weyer am 22. Juli 1574 von Johann Kasimir und Kurfürst Friedrich III. auf eine weitere Reise nach Frankreich geschickt.<ref>Vgl. Akten, 1574; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 4 f Staaten, Frankreich, Nr. 328 und 360).</ref> Er reiste über Metz nach Paris, um zunächst die Mutter des abwesenden Königs Heinrich III. (1551–1589), Caterina de’ Medici (1519–1589), für die protestantische Seite zu gewinnen. Als dieser Versuch erfolglos blieb,<ref>Vgl. auch den Bericht des englischen Gesandten Dr. Valentine Dale († 1589) von einem Treffen mit „Doctor Wyer“; Elizabeth: August 1574. In: Calendar of State Papers Foreign, Elizabeth 10 (1876), S. 537, 553 und 560 (British History Online).</ref> reiste er Heinrich III. über Lyon entgegen. Über den Fortgang der Verhandlungen wurden Henri I. de Bourbon, prince de Condé (1552–1588) und Théodore de Bèze (1519–1605) Ende August in Straßburg von dem kurpfälzischen Rat Liz. jur. Wenzeslaus Zuleger (1530–1596) informiert, der aus Paris eine Depesche von Weyer vor dessen Abreise nach Lyon erhalten hatte.<ref>Vgl. Brief von Théodore de Bèze an Heinrich Bullinger vom 10. September 1574 aus Basel (Staatsarchiv Zürich, MS E II 381, Blätter 1378–1380). In: Hippolyte Aubert, Alain Dufour (Hrsg.): Correspondance de Théodore de Bèze (Travaux d'Humanisme et Renaissance, 254), Bd. XV 1574, Droz, Genf 1991, S. 156–161.</ref>
Auf savoyischem Gebiet wurde Weyer von Heinrich III. empfangen. Als Gegenleistung für die Gewährung freier Religionsausübung für die Hugenotten bot Weyer ein Bündnis der Kurpfalz mit Frankreich an. Heinrich III. antwortete ausweichend und stellte ihm einen endgültigen Bescheid in Lyon in Aussicht. Im September erteilten ihm Caterina de’ Medici und Heinrich III. in Lyon eine Abfuhr. Weyer, der sehr gut Französisch sprach, fand äußerst offene Worte gegen den König, als der Misserfolg der Mission deutlich wurde.<ref>Vgl. August von Kluckhohn: Zwei pfälzische Gesandtschaftsberichte über den französischen Hof und die Hugenotten 1567 und 1574 (Abhandlungen der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften III, Bd. XI/2), Verlag der königlichen Akademie, München 1870, S. 36–53.</ref> Anlässlich dieser Gesandtschaftsreise besuchte Weyer – vermutlich auf der Rückreise Anfang Oktober 1574 – auch die Städte Bern und Basel in der Schweiz.<ref>Vgl. August von Kluckhohn: Zwei pfälzische Gesandtschaftsberichte über den französischen Hof und die Hugenotten 1567 und 1574 (Abhandlungen der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften III, Bd. XI/2), Verlag der königlichen Akademie, München 1870, S. 53.</ref>
1575 war Dietrich Weyer Amtmann der Residenzstadt Kaiserslautern. Im Mai besprach er sich in Köln mit dem französischen Gesandten General Caspar von Schönberg (Schomberg) (1540–1599) und Graf Albrecht VII. von Schwarzburg-Rudolstadt (1537–1605), dem Schwager Wilhelms von Oranien, über den Friedensvertrag von Breda.<ref>Brief von Kurfürst Friedrich III. an Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (1532–1592), datiert Heidelberg 17. Mai 1575. In: Guillaume Groen van Prinsterer (Hrsg.): Archives ou correspondance inédite de la maison d’Orange-Nassau, Band I/5 1575–1577, S. und J. Luchtmans, Leiden 1838, S. 200f (Google-Books).</ref> Anschließend nahm er an der Besprechung zwischen Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (1516–1592) und den Gesandten der Kurpfalz, Hessens und Braunschweig-Wolfenbüttels im Schloss Hambach teil, bei dem nach dem Tod von Karl Friedrich von Jülich-Kleve-Berg (1555–1575) besonders über das weitere Vorgehen im Bistum Münster gesprochen wurde, wenn Bischof Johann Wilhelm (1562–1609) sein Amt als neuer Thronanwärter auf Jülich-Kleve-Berg aufgeben würde.<ref>Max Lossen: Der Kölnische Krieg, Band I Vorgeschichte 1561–1581, Perthes, Gotha 1882, S. 273.</ref>
Im September 1575 schloss Dietrich Weyer für Pfalzgraf Johann Kasimir in Heidelberg einen Vertrag mit Henri I. (Heinrich I.) de Bourbon, prince de Condé, über die Anwerbung eines Heeres von 15.000 Mann. Weyer und der kurpfälzische Rat Dr. Peter Beutterich (um 1545–1587)<ref>Siehe zu Beutterich {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0
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}}</ref> nahmen dafür eine Obligation des Prinzen über 50.000 Escus entgegen.<ref>Kurpfälzische Aktennotiz, datiert Straßburg 25. September 1575 (MS. P.C. 399). In: Guillaume Groen van Prinsterer (Hrsg.): Archives ou correspondance inédite de la maison d’Orange-Nassau, Band I/5 1575–1577, S. und J. Luchtmans, Leiden 1838, S. 317f (Google-Books).</ref> Der Sekretär Heinrichs I. und Gesandte am kurpfälzischen Hof Michel de la Huguerye (um 1545–1616) unterstellte Weyer, sich bei Vertragsabschluss unsauberer Mittel bedient zu haben. Huguerye berief sich dabei auf den Advokaten François d’Averly, Herr von Minay<ref group="A">Auch Franciscus Averlius Minaeus aus den Ardennen; sein mitreisender Bruder George d’Averly war „Pasteur“.</ref>, der in Heidelberg für Charlotte de Bourbon-Montpensier (1546/47–1582), seit Juni 1575 die Ehefrau von Wilhelm I. von Oranien, tätig war.<ref>A. de Ruble (Hrsg.): Mémoires, Bd. I, 1877, S. 350f (OpenLibrary).</ref> 1575/76 nahm Weyer als pfalzgräflicher Rat am zweiten Feldzug Johann Kasimirs nach Frankreich teil.<ref>Brief von Johann Weyer vom 16. August o. J. [1576] (Massaker in Aalst und Tod des Johann Bachoven van Echt erwähnt) aus Dinslaken an „Doctor“ NN. (Matthias Stoius). In: Johannes Geffcken: Dr. Johannes Weyer. Altes und Neues vom ersten Bekämpfer des Hexenwahns. In: Monatshefte der Comenius-Gesellschaft 13 (1904), S. 139–148, bes. S. 144–147 (PDF der Elbląska Biblioteka Cyfrowa / Stadtbibliothek Elbing).</ref>
Nach dem Tod des Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz 1576 erhielten Dietrich Weyer und Peter Beutterich von Johann Kasimir Instruktionen zur Regelung des Religionswesens im Kurfürstentum Pfalz.<ref>Akten, 1576–1577; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 171 Altes Dillenburger Archiv, Pfalz, Kirchensachen, Nr. T 457).</ref> Elisabeth von Sachsen, die lutherische Ehefrau des Pfalzgrafen Johann Kasimir, sah ihren Mann unter einem bestimmenden Einfluss seiner reformierten Räte Dietrich Weier und Wenzeslaus Zuleger und forderte ihren Vater Kurfürst August von Sachsen wiederholt auf, für die Entfernung dieser „bösen Tröpfe“ zu sorgen.<ref>August Kluckhohn: Die Ehe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit Elisabeth von Sachsen. In: Abhandlungen der Historischen Classe der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften 12 (1873), 2. Abteilung, S. 83–165, bes. S. 131f und 138 Anm. 2 (Google-Books).</ref>
Ende April 1577 führte Weyer ein ausführliches Gespräch mit dem lutherischen Herzog Reichard von Pfalz-Simmern (1521–1598) über dessen Erbschaftsstreit mit Johann Kasimir und die Planungen für ein neues Religionsgespräch.<ref>Vgl. Friedrich von Bezold: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. I, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1882–1903, S. 261–266.</ref> Im Mai 1577 hatte Weyer zusammen mit Beutterich und Johann Kasimirs Kämmerer Steuerburg von Löwenstein-Schweinsberg (1552–1619)<ref group="A">Später hessen-kasseler Rat, Oberamtmann, Oberst und Kommandant von Ziegenhain.</ref> in Heidelberg eine Unterredung mit den britischen Gesandten Philip Sidney (1554–1586). Dabei ließ Johann Kasimir für den Fall eines Beitritts von Königin Elisabeth I. zur geplanten protestantischen Union eine Unterstützung der gemeinsamen Sache in Höhe von 100.000 Dollars zusichern. Der Kurfürst beabsichtigte darüber hinaus, als Reaktion auf die lutherische Konkordienformel die Möglichkeiten zu einer gemeinsamen Bekenntnisschrift der reformierten Kirchen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Polen auszuloten und warb um die Beteiligung Englands an dem Projekt.<ref>Vgl. John Casimir's Answer to Sidney's Negotiation vom 8. Mai 1577 in: Elizabeth: May 1577. In: Calendar of State Papers Foreign, Elizabeth 11 (1890), S. 569–587 (British History Online).</ref> Ein entsprechender multinationaler reformierter Konvent in Frankfurt am Main am 27./28. September 1577 konnte sich allerdings nur auf eine Synopse der bereits bestehenden Bekenntnisschriften einigen.<ref>Vgl. Johann Nicolaus Anton: Schriftliche Vorstellung des Gesandten der Königin Elisabeth von England, Robert Belus, an dem Kurfürsten August zu Sachsen gegen das Konkordienbuch. In: Christian Wilhelm Schneider (Hrsg.): Bibliothek der Kirchengeschichte 1.2 (1781), S. 204–219, bes. S. 204–206 (Google-Books); Jan Nicolaas Bakhuisen van den Brink: Het Convent te Frankfort, 27-28 september 1577, en de Harmonia Confessionum. In: Nederlands Archief voor Kerkgeschiedenis 32 (1841), S. 235–280.</ref>
1578 wirkte Weyer mit bei der „brüderlichen Vergleichung“ zwischen dem reformierten Johann Kasimir und dem lutherischen Kurfürsten Ludwig VI. von der Pfalz (1539–1583). 1579 vertrat er Johann Kasimir als Amtmann zu Lautern auf dem Weißenburger Landrettungstag. Danach schied er – möglicherweise in Zusammenhang mit der gleichzeitigen Entlassung des Rates Zuleger – aus dem Dienst von Pfalz-Lautern aus.
Pfalz-Veldenz-Lützelstein
1581/82 bis 1588 wird Dr. Dietrich Weyer als Ober-Amtmann („Archisatrapa“) des Pfalzgrafen Georg Johann I. von Veldenz-Lützelstein (1543–1592) erwähnt,<ref name="Sturmius"/><ref>Vgl. F. von Friedrich von Bezold: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. I, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1882–1903, S. 568.</ref> der in Veldenz, Lützelstein (La Petite-Pierre im Krummen Elsass) und in Lauterecken residierte. Weyer war Verfasser der von Pfalzgraf Georg Johann I. eingeführten Lützelsteiner Lands Ordnung, die den gerichtlichen Prozess in bürgerlichen Sachen der ersten Instanz, Kontrakte und Hantierungen, Testamente, Letzten Willen und dergleichen Geschäfte von Tods wegen und den Erbfall ohne letztwille Verfügung regelte.<ref>Jacques-Henri Heck: La coexistence de deux droits coutumiers dans l'ancienne prévôté de Phalsbourg. In: Les Cahiers Lorrains 38 (1986), S. 47–56 (gallica.bnf.fr)</ref>
1582 schrieb Dietrich Weyer anlässlich einer England-Reise von Georg Gustav von Pfalz-Veldenz (1564–1634), dem Sohn Georg Johanns I., und seinem Bruder, dem pfälzischen Rat Johann Weyer (* um 1555–1610), zweimal an William Cecil, der inzwischen zum Lord High Treasurer (Lordschatzmeister) und 1. Baron Burghley avanciert war, um eine wohlwollende Aufnahme für die beiden vorzubereiten und sich für ihre Gespräche mit Königin Elisabeth und Cecil zu bedanken.<ref>Vgl. John Strype: Annals of the Reformation and the Establishment of Religion … in the Church of England, Bd. III, 2. Aufl. Thomas Edlin, London 1725, Bd. III, S. 87f und 215f; Brief von Georg Gustav von Pfalz-Veldenz an Königin Elisabeth vom 20. September 1584 aus Veldenz („remembering her kindness to him two years ago“); [Elizabeth: September 1584, 11-20]. In: Calendar of State Papers Foreign, Elizabeth 19 (1916), S. 70 (British History Online); Brief von William Cecil an Georg Johann I. von Veldenz-Lützelstein vom 15. September 1582 aus Oatlands Palace (Mm. 1. 43; Baker Manuscripts 32); vgl. A Catalogue of the Manuscripts Preserved in the Library of the University of Cambridge, Band V, University Press, Cambridge 1867, S. 351.</ref>
Anfang des Jahres 1584 bemühte sich Weyer in Verhandlungen mit Heinrich IV. von Navarra (1553–1610) – damals noch Anführer der hugenottischen Partei –, Georg Gustav von Pfalz-Veldenz einen Bischofsstuhl in Frankreich zu verschaffen.<ref>Vgl. Brief von Zuleger an Johann VI. von Nassau-Dillenburg (1536–1606), datiert Hedesheim 9. März 1584. In: Friedrich von Bezold: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. II, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1882–1903, S. 199f.</ref> Im Sommer 1584 führt er im Auftrag Georg Johanns I. geheime Verhandlungen mit Erzbischof Ernst von Bayern (1554–1612) in Köln, um dessen Rückendeckung gegen den Straßburger Bischof Johann IV. von Manderscheid-Blankenheim (1538–1592, reg. 1568) bei einem geplanten Kriegszug zur Inbesitznahme der Grafschaft Dagsburg zu erhalten.<ref>Vgl. Brief Georg Johanns I. an Ernst von Bayern, datiert Stuttgart 28. September 1584. In: Ebenda, S. 232f.</ref>
Weyer war in zahlreiche Unternehmungen involviert, die der verschuldete Graf Georg Johann I. von Veldenz in diesen Jahren mit Erzherzog Ferdinand II. von Österreich (1529–1595), Herzog Alexander Farnese von Parma (1545–1592), der Stadt Köln und anderen über ein Importmonopol für Steinkohlen-Handel, Kanalbauten und Schiffbarmachungen, Verwertung seiner Erfindungen in der Bergwerkstechnik und andere mögliche Geldquellen anstrengte. Gegenüber Johann Kasimir dementierte Weyer 1586, dass es bei den Gesprächen von Georg Johann I. mit seinem „Vetter“ Wilhelm V. von Bayern (1548–1626) in Mittenwald und Innsbruck um eine mögliche lukrative Heirat gegangen sei.<ref>Vgl. Ebenda, S. 407f.</ref>
1588 verweigerte Weyer die Ratifikation des „Heidelberger Vertrages“ zwischen Georg Johann I., Georg Gustav, Johann Kasimir und anderen Mitglieder des pfälzischen Hauses über die Auslösung des 1584 von Georg Johann I. für 400.000 Gulden an Karl III. von Lothringen (1543–1608) verpfändeten Pfalzburg (Phalsbourg).<ref>Vgl. bereits Brief von Georg Gustav von Pfalz-Veldenz an „seinen Vetter“ Karl III. von Lothringen vom 15. Juli 1587 aus Illkirch („Oberamptmann Weyer“ erwähnt); [Elizabeth: July 1587]. In: Calendar of State Papers Foreign, Elizabeth 21 (1927), S. 328–345 (British History Online)</ref>
Burggraf von Starkenburg (Kurpfalz)
Um 1589 wurde Dietrich Weyer als „Rat und Diener von Haus aus“<ref group="A">Beamter ohne Residenzpflicht, der erst auf besondere Aufforderung Dienst leistet.</ref> (1589, 1591) von Johann Kasimir in die Kurpfalz zurückgeholt.<ref>Vgl. Manfred Krebs: Die kurpfälzischen Dienerbücher 1476–1685, in Registerform bearbeitet. In: Mitteilungen der Oberrheinischen Historischen Kommission 1 (1942), S. 7–168, bes. Nr. 2966, S. 137, und Nr. 3016, S. 139.</ref> Er lotete die Möglichkeit zur Verheiratung des noch minderjährigen Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz (1574–1610) mit einer Tochter der Marie Eleonore von Jülich-Kleve-Berg (1550–1608), Herzogin von Preußen aus.<ref>Vgl. Dieter Cunz: Die Regentschaft des Pfalzgrafen Johann Casimir in der Kurpfalz 1583–1592. (diss. phil.), Frankfurt am Main 1934, S. 34.</ref>
Er wurde als „Diethrich von Weyher“ nobilitiert bzw. erhielt eine Adelsbestätigung<ref>Bereits Dietrichs Vater stammte aus einer adeligen Familie; Heinrich Eschbach: Dr. med. Johannes Wier, der Leibarzt des Herzogs Wilhelm III. von Cleve-Jülich-Berg. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 1 (1886), S. 57–174, bes. S. 169f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).</ref> und war von 1591/92 bis etwa 1596 Burggraf und Amtmann von Starkenburg,<ref name="Freher">Brief von Marquard Freher (Ehemann einer Nichte) an Scipione Gentili in Altdorf vom 4. Februar 1594 aus Heidelberg. In: Marquard Gude, Claude Sarrau: Epistolae. François Halma & Willem van de Water, Utrecht 1697, S. 345–347 (Google-Books).</ref> einem an die Kurpfalz verpfändeten Mainzer Amt in der Nähe von Heidelberg.
1591 reiste Dietrich von Weyer nach Polen, Düsseldorf und Preußen, um Anna von Preußen (1576–1625), mögliche Erbtochter der Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, als Braut für Friedrich IV. zu gewinnen. Er schlug vor, um „schier oder morgen schimpf und herzleid und verweis zu vermeiden“, dass Herzogin Maria Eleonore mit ihren Töchtern Anna und Marie von Preußen (1579–1649) zum Baden nach Ems kommen solle, damit man die mögliche Braut in Augenschein nehmen könne. Man entschied sich dann allerdings 1593 für eine Heirat Friedrich IV. mit Prinzessin Luise Juliana von Oranien-Nassau (1576–1644) und 1594 für eine Heirat Annas mit Johann Sigismund von Brandenburg (1572–1620), dem Sohn des Administrators des Stiftes Magdeburg Joachim Friedrich von Brandenburg (1546–1608).
Nach dem Tod Johann Casimirs wurde Weyer, gegen den sich Johann I. von Pfalz-Zweibrücken (1550–1604) schon im Februar 1592 ausgesprochen hatte, von Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz (1574–1610) als kurpfälzischer Rat entlassen.
Gespräche mit Brandenburg-Preußen
1593 hielt sich der „gewesene Burggraf zu Starkenburg“ in Worms auf.<ref name="Siegel" /> 1594 informierte Weyer den Markgrafen Georg Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach (1539–1603) detailliert über angebliche außereheliche Verhältnisse und Alkoholkonsum der Jakobe von Baden-Baden (1558–1597), der Frau Herzog Johann Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg, und zwar schon einige Monate bevor gegen sie am 29. Januar 1595 durch die Schwester des Herzogs, Sibylle von Jülich-Kleve-Berg (1557–1627), vor den Landständen Anklage wegen Ehebruchs erhoben wurde.<ref>Vgl. Paul Hassel: Ein brandenburgisch-holländisches Bündniß (1594–1595). In: Zeitschrift für preußische Geschichte und Landeskunde 5 (1868), S. 504–541 (Google-Books), bes. S. 521 und 527f (Nachdruck Zeller, Osnabrück 1972); vgl. den Bericht über seinen Vortrag vor dem Bergischen Geschichtsverein. In: ebenda, S. 205–207, bes. das Zitat S. 206 (Google-Books).</ref>
Über die Vorgänge am jülich-kleve-bergischen Hof war Dietrich von Weyer nicht zuletzt deswegen immer gut unterrichtet, weil sein Bruder Galenus Weyer (1547–1619) von 1578 bis 1609 in Düsseldorf als Leibarzt der Herzöge Wilhelm V. und Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg amtierte.
Weyer bemühte sich in dieser Zeit offenbar um eine Bestallung in Brandenburg-Ansbach, die Pfälzer Regierung riet befreundeten Fürsten jedoch von seiner Anstellung ab. Der ansbachische lutherische Rat Stephan Mumm (1532–1601)<ref group="A">Aus Zwolle, Studium in Paris, Mainz, Köln, Basel, 1562 Dr. jur. in Orléans, 1570 Konversion vom Katholizismus zum Luthertum, 1578 kurpfälzischer Hof- und Kirchenrat, seit 1587 zugleich ansbachischer Rat.</ref> – zugleich kurpfälzischer Rat in Amberg – meinte, Weyer sei „ein gefehrlicher man und den corruptionibus etlichermassen underworfen“.<ref name="Press">Vgl. Volker Press: Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559–1619 (Kieler Historische Studien 7), Klett, Stuttgart 1970, S. 389.</ref>
Republik der Sieben Vereinigten Provinzen
1595 bis 1599 war Dietrich Weyer als Nachfolger von Laurentius Myller Agent (Gesandter) der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen im Reich. Im Sommer 1595 wurde er auf eine geheime Mission in das Herzogtum Kleve geschickt,<ref>Vgl. Marinus Lodewijk van Deventer: Gedenkstukken van Johan van Oldenbarnevelt en zijn tijd, Bd. II 1593–1602, Martin Nijhoff, ’s-Gravenhage 1862, S. 135–137.</ref> um eine Zusammenarbeit gegen die Spanischen Niederlande auszuloten.<ref>Vgl. Brief van Wyer uit Kleef aan de Staten-Generaal over samenwerking tegen de koning van Spanje; Nationaal Archief Den Haag (Stukken Verspreide Collecties, 1590–1795, Nr. 5).</ref> In ähnlicher Mission wurde er 1596 zu dem jülisch-klevischen Diplomaten Wirich VI. von Daun-Falkenstein († 1598) entsandt.<ref>Akten, 1576–1577; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 171 Altes Dillenburger Archiv, Jülich-Kleve, Nr. S 972).</ref>
1596 forcierte Weyer den Gedanken eines Bündnisses von Brandenburg-Preußen mit Holland. Auf dem Weg nach Holland wurde Weyer im Mai 1596 bei Wesel von spanischen Reitern des Grafen Hermann von dem Bergh im Dienst von Erzherzog Albrecht VII. von Österreich abgefangen. Instruktionen, die er bei sich trug, ließen angeblich darauf schließen, dass von Brandenburg und Pfalz-Zweibrücken-Neuburg eine Entführung von Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und seiner Schwester Sibylle aus Hambach in die Niederlande geplant worden war. Der brandenburgische Agent und spätere Düsseldorfer Bürgermeister Johann von Megen († 1639) wurde nach Hambach gelockt, als Mitverschwörer zu Weyer ins Gefängnis geworfen<ref>P. A. Jansonius: Mercurius Gallobelgicus, sive Rerum in Gallia et Belgio potissimum. Nr. 4, Buch 16 (1596). Gerhard Grevenbroich, Köln 1596, S. 47f (Google-Books); Johannes Sleidanus, Oseas Schadaeus: Historische Continuation, Bd. III. Rihel / von der Heyden, Straßburg 1621, Sp. 883 (Google-Books).</ref> und vor dem Hauptgericht in Jülich wegen Landesverrat angeklagt.<ref name="Neuburg">Vgl. Ruth Füchtner, Heike Preuss (Bearb.): Das Inventar der Geheimen Kanzlei der Herzöge von Jülich-Berg aus dem Hause Pfalz-Neuburg (1609–1716). (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 61). Droste, Düsseldorf 1994, S. 81.</ref> Von Megen – wie wohl schon vor ihm auch Weyer – wurde im September gegen Kaution freigelassen.<ref>Thomas Beer von Lahr: Original-Denkwürdigkeiten eines Zeitgenossen am Hofe Johann Wilhelm's III., J. H. C. Schreiner, Düsseldorf 1834, S. 52–56 (Google-Books).</ref>
Im Sommer 1596 wurde Weyer von den Generalstaaten nach Kopenhagen zur Krönung von Christian IV. von Dänemark und Norwegen (1577–1648) geschickt.<ref name="Neuburg" /> Die Gesandtschaft erwirkte eine Bestätigung alter Privilegien. Im November erhielt Weyer Instruktionen, mit denen er zusammen mit dem französischen Gesandten in Prag Guillaume d'Ancel († 1625) die deutschen Fürsten zum Eintritt in ein Bündnis gegen Spanien bewegen sollte.<ref name="Japikse">Vgl. Nicolaas Japikse (Bearb.): Resolutiën der Staten-Generaal van 1576 tot 1609, Bd. IX 1596–1597 (Rijks geschiedkundige publicatiën. Grote serie 62), Martinus Nijhoff, ’s-Gravenhage 1926, S. 137, 454, 457, 507, 510 und 561.</ref> 1597 warnte er die Generalstaaten, dass sich die protestantischen Fürsten von den umliegenden katholischen Erzbistümern, in denen spanische Truppen lagen, bedroht fühlten und das Reich auseinanderzubrechen drohe; man solle Bündnisverhandlungen aufnehmen.<ref>Vgl. Missive van Diederich Wijer, agent van de Republiek in Duitsland, namens Saksen, Hessen, Brunswijk, Nassau, Gulik, Kleef en Berg, aan de Staten-Generaal; Nationaal Archief Den Haag (Sammlung Johan van Oldenbarnevelt, Nr. 2562).</ref>
Im Mai 1597 wurde Weyer beauftragt, mit den administrateurs des Stiftes Magdeburg wegen eines Bündnisses zu verhandeln; Administrator war Joachim Friedrich von Brandenburg.<ref>Generaale Index op de Registers der Resolutien van de Heeren Staaten van Holland en Westvriesland … 1591 tot … 1599, o. O. 1771, passim (Google-Books).</ref> Im August wurde Weyer deswegen nach Deutschland geschickt und berichtete im Oktober brieflich aus Halle.<ref name="Japikse" /> Zuvor, im Juli 1597, hatte Weyer den polnischen Gesandten Paweł Działyński (1560–1609) auf seiner Weiterreise von ’s-Gravenhage zur englischen Königin Elisabeth I. mit Kutschen und Kriegsschiffen nach Zeeland begleitet.<ref>Vgl. Emanuel von Meteren: Eigentlich vnd volkomener Historische Beschreibung des Niderlendischen Kriegs. Janssen, Arnheim 1614, S. 987; hier ungenau: „Paul Diabyn“.</ref> 1598 informierte er Johan van Oldenbarnevelt (1547–1619) über die Ansprüche mehrerer deutscher Fürsten auf Jülich-Kleve-Berg, den Stand geplanter Friedensverhandlungen mit Spanien, Überlegungen zum Sundzoll und eine Bedrohung der freien Schifffahrt auf der Nordsee durch die Hansestädte.<ref>Vgl. Memorie houdende aanvullende opmerkingen van Diederik Weijer, agent in Duitsland, op zijn eerder bij de Staten-Generaal ingediende memorie; Nationaal Archief Den Haag (Sammlung Johan van Oldenbarnevelt, Nr. 1512).</ref> Dietrich Weier trug sich als „Gesandter der Generalstaaten im Reich und in Dänemark“ in das Stammbuch des Pfalz-Neuburger Landmarschalls Johann von Leublfing (1578–1624) auf Gansheim ein.<ref>Eintrag von 1598; Bayerische Staatsbibliothek München (Cgm 9066, Bl. 129).</ref>
Am 2. und 14. Januar 1599 wurde auf seinen eigenen Wunsch hin glimpelijck (i. S. v. „einvernehmlich“) beschlossen, den Dienst von Weyer als Agent in Deutschland zu beenden und ihm das Amt eines Monster commissaris (Musterungs-Kommissar, Truppen-Inspekteur) über die Reiter und das Fussvolk zu übertragen.<ref name="Japikse" /> Weyers Nachfolger als Agent der Generalstaaten wurde von 1602 bis 1622 Pieter Cornelisz. van Brederode (1558–1637)<ref group="A">Auch Peter von Brederode aus ’s-Gravenhage, Sohn des Haager Bürgermeisters Cornelis Sybrantsz. van Brederode, verheiratet seit 1595 mit Marie Guerreau (1569–1636), einer Nichte von Dionysius Gothofredus, 1605 im Namen Moritz' von Oraniens Taufpate von Graf Philipp Moritz von Hanau-Münzenberg (1605–1638), erreichte 1618 die Beteiligung von vier Schweizer Städten an der Dordrechter Synode, 1622 Flucht aus dem Reich, danach Gesandter bei der Eidgenossenschaft.</ref><ref>Vgl. Robert Feenstra: Pieter Cornelisz. van Brederode (1558[?]–1637) als rechtsgeleerd schrijver. In: Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis 412 (1959), S. 412–468.</ref>. 1599 ist ein Aufenthalt Weiers in Kitzingen belegt.<ref name="Siegel">Siegelsammlung; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 3036 Gesamtinventar Altes Dillenburger Archiv, Abt. 1015 Nr. 2 Sammlung von Originalsiegeln, Heft 17).</ref>
Möglicherweise hatte Weyer gegen Ende seines Lebens noch eine Nebenbestallung als Rat des streng calvinistischen Grafen Wolfgang Ernst von Ysenburg (1560–1633) in Büdingen.<ref name="Press" />
Grabmal in Heppenheim an der Wiese
1602 wird Junker Dietrich Weier in Heppenheim an der Wiese erwähnt.<ref>Weistum von 1602 im Stadtarchiv Worms (Bestand 50 Gemeindearchiv Heppenheim/Wiese, Nr. 1); vgl. Raimund Schmitt: Heppenheim an der Wiese. Ein Heimatbuch in Text, Bildern und Dokumenten. Reithmayer, Grünstadt 1971, S. 55.</ref> Es gab dort mehrere Freigüter und nördlich des Dorfes Richtung Pfeddersheim eine abgegangene Burg bzw. ein Festes Haus.<ref>Vgl. Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine, Bd. III. s. n., Frankfurt am Main / Leipzig 1787, S. 227–230 (Google-Books); Werner Kropp: Burg Heppenheim an der Wiese – Eine fast vergessene „Burg“ der Herren von Heppenheim (Online bei regionalgeschichte.net)</ref> Heppenheim an der Wiese im Oberamt Alzey gehörte zur Kurpfalz.
Das Grabmal des „Dieterich Weier, U. I. D., der unuirten Herren Staden in Hollandt, Kriegscommissarius ord.<ref group="A">= ordinarius; d. h. „Ordentlicher Kriegskommissar“.</ref>,“ aus rotem Sandstein befindet sich im Chorraum der Evangelischen Pfarrkirche von Worms-Heppenheim hinter der Kanzel in der Wand eingemauert.<ref>Vgl. Ernst Wörner: Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen. Provinz Rheinhessen. Kreis Worms. Arnold Bergsträßer, Darmstadt 1887, S. 60.</ref><ref name="Grab">Vgl. Rüdiger Fuchs: Die Inschriften der Stadt Worms. (Deutsche Inschriften. Mainzer Reihe 2). Reichert, Wiesbaden 1991, Nr. 609, S. 434f, vgl. S. 397; Deutsche Inschriften 29, Worms, Nr. 609 (Rüdiger Fuchs), online. In: www.inschriften.net.</ref> Die Grabplatte nennt in Beischriften die Familien der Vorfahren „Weier, Wintgen, Bocksmer“ und „Denholt“ und trägt ihre Wappen.<ref name="Grab" />
Wappen
- Das Wappen Weier ist ein durch ein goldenes Schrägkreuz gevierter blauer Schild, begleitet von je zwei silbernen Adlern und steigenden, sich zugewendeten silbernen gekrönten Aalen oder eher Schlangen,<ref>Jan Gruter (Hrsg.): Epithalamia Marquardi Freheri Marq[uardi] f[ilii] Hieron[ymi] n[epotis] et Catharinae Wierae Henr[ici] f[iliae] Johan[nis] n[eptis]. Heidelberg 1593, Titelblatt; vgl. auch Richard Pick: Miscellen 10. Zur Verehrung des h. Apollinaris in Düsseldorf. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 26/27 (1874), S. 414–416, bes. S. 415f (Google-Books).</ref>
- das Wappen Wintgen(s) trägt einen Schräglinksbalken, darauf ein springender Hund (Windhund),
- das Wappen Bocksmer (Boxmeer) einen steigenden Löwen, begleitet von Steinen (Schindeln<ref>Vgl. Julius und Albert Erbstein: Ein Albus des Grafen Hermann Friedrich von Berg ('s Heerenberg) zu Stevensweerd. In: Blätter für Münzfreunde 17 (1881), Sp. 821–825, bes. Sp. 823.</ref>),
- das Wappen Denholt (ten Holt) zeigt sieben Ringe (3:3:1).<ref>Vgl. zu den Wappen Rüdiger Fuchs: Die Inschriften der Stadt Worms. (Deutsche Inschriften. Mainzer Reihe 2). Reichert, Wiesbaden 1991, Nr. 609, S. 574 und 577; hier werden Weier möglicherweise auch zwei gestürzte Büffelhörner auf dem Grabmal zugeordnet.</ref><ref>Ähnlich (abweichend Denholt: 3 Schwanenhälse) Stammbuch des Wilhelm Weyer, 1603–1627; Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (Sign. S 1945; Digitalisat).</ref>
Familie
Dietrich Weyer war verheiratet mit Dorothea Waldhofen.<ref name="Eych" /> Eine Tochter Amalie Weyer († 1623) heiratete Hans Conrad von Eych (1566–1635), fürstlich-badischer Truchsess zu Kirchberg und Amtmann auf Koppenstein, Sohn von Johann II. von Eych (* 1530; † um 1602/03) und Margarethe von Senheim (1543–1622) aus Zell.<ref name="Eych">Vgl. Andreas Hansert, Herbert Stoyans: Frankfurter Patrizier. o. O. 2012, S. 269.</ref>
Ein Sohn Georg Dietrich Weyer wird 1596 als Stammbucheinträger von Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg (1582–1641)<ref name="Stammbuch">Dietrich Weyer. Joh. Casimir Weyer. Görg Dieterich Weyer. Joh. Ditterich Weyer; vgl. Wilhelm Havemann: Das Stammbuch von Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg. In: Archiv des Historischen Vereins für Niedersachsen (1846), S. 98–129, bes. 125 (Google-Books) (Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen; 8° Cod. Ms. hist. 220 Cim., Bl. 118).</ref> und 1601 (George Diederich Weyer, zoon van den monstercommissaris) als Antragsteller bei den Generalstaaten erwähnt.<ref name="Japikse" /> Auch bei den Stammbucheinträgern (1596) Johann Casimir Weyer und Johann Dietrich (Theodor) Weyer<ref name="Stammbuch"/> dürfte es sich um Söhne Dietrich Weyers gehandelt haben; Johann Casimir Weier war 1604 kurpfälzischer Festungs-Capitain zu Kaiserslautern,<ref>Stammbuch des Wilhelm Weyer, 1603–1627; Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (Sign. S 1945, Bl. 23 und 29; Digitalisat).</ref> Johann Theodor Weyer „de Veldenz“ (Iohannes Theodorus Weyerus Veldentinus stud. iur.)<ref>Vgl. Charles Le Fort, Gustave Revilliod, Édouard Fick: Le Livre du Recteur. Catalogue des Étudiants de l'Académie de Genève de 1559 à 1859. Jules-Guillaume Fick, Genf 1860, S. 37 (Google-Books); Edition: „Vendentinus“.</ref> wurde 1584 an der Genfer Akademie zum Doktor promoviert.<ref>Vgl. Suzanne Stelling-Michaud (Hrsg.): Le livre du Recteur de l'Académie de Genève (1559–1878) (Travaux d'humanisme et Renaissance 33/6), Bd. VI, Droz, Genf 1980, S. 236.</ref>
Quellen
- Brief von Margarethe von Parma aus Brüssel an Karl von Brimeu, Graf von Meghen, vom 4. Oktober 1566. In: Louis Prosper Gachard (Hrsg.): Correspondance de Guillaume le Taciturne, prince d'Orange, Bd. II, Carl Muquardt, Brüssel / Leipzig / Gent 1850, S. 465–468 (Google-Books)
- Kanzelier en Raden des Hofs van Gelderland aan de Aartshertogin Landvoogdes Margareta [Brief von Kanzler und Räten des Hofes von Geldern an Statthalterin Margarethe von Parma vom 11. Oktober 1566]. In: Isaak Anne Nijhoff: Onuitgegeven Stukken. In: Bijdragen voor vaderlandsche geschiedenis en oudheidkunde 6 (1848), S. 264–270, bes. S. 266–270 (Google-Books)
- Briefe von Dietrich Weyer an William Cecil vom 4. Juni 1569 aus „Plimutha“ (Plymouth), vom 26. Juli 1582 aus Veldenz, vom 24. August 1582 o. O. und vom 10. September 1584 [wohl zu korrigieren in: 1582] o. O.<ref>Vgl. den Versteigerungskatalog William Petty Marquis of Lansdowne: Bibliotheca Manuscripta Lansdowniana, Bd. I, Leigh & Sotheby, London 1807, S. 139 und 163; jetzt British Museum London (Bibliotheca Lansdowniana 35,59; 35,61 und 42,28).</ref> [teilweise Auszüge in englischer Übersetzung]. In: John Strype: Annals of the Reformation and the Establishment of Religion … in the Church of England, Bd. I, 2. Aufl. Thomas Edlin, London 1725, S. 86f (Google-Books); Bd. III, Edward Symon, London 1728, S. 87f und S. 215f (Google-Books)
- D. Weyer aux Comtes Jean et Louis de Nassau (31. Mai 1573) und D. Weyer aux Comtes Jean et Louis de Nassau (1. Juni 1573). In: Jacob van Wesenbeeck (Hrsg.): Archives ou correspondance inédite de la maison d’Orange-Nassau, Bd. I/4 1572–1574, S. und J. Luchtmans, Leiden 1837, S. 133–143 (Google-Books) und 143–152 (Google-Books)
- Doctor Dietrich Weyern relation seiner werbung und verrichtung in Frankreich und Doctor Weyers französische Proposition [= Staatsarchiv München, K. bl. 90/1, Blätter 131–145]. In: August von Kluckhohn: Zwei pfälzische Gesandtschaftsberichte über den französischen Hof und die Hugenotten 1567 und 1574 (Abhandlungen der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften III, Bd. XI/2), Verlag der königlichen Akademie, München 1870, S. 36–53 (Google-Books) und 54–60 (Google-Books)
- [Auszug daraus:] Aus dem Bericht des D. Weyer über seine Sendung in Frankreich, 1574, und Brief Dietrich Weyer an Friedrich vom 25. November 1574 aus Heidelberg. In: August von Kluckhohn (Bearb.): Briefe Friedrich des Frommen, Kurfürsten von der Pfalz, Bd. II/2 1567–1572. Schwetschke, Braunschweig 1872, bes. Nr. 782, S. 728–741, und Nr. 790, S. 758f, vgl. S. 624, 680f, 687, 718, 727, 759f und 1017f (Google-Books)
- Dieterich Weyer, docteur ès loix, gouverneur de Keyserlautern, et Pierre Beutterich, docteur ès loix et conseiller de Monseigneur l'électeur Palatin; Bibliothèque nationale de France. Département des manuscrits (MF 21416, Cinq cents de Colbert 399, Lettres originales, pour la plupart adressées au prince de Condé [Henri Ier de Bourbon] et datées de 1575, S. 131, 379)
- Instruktion des Pfalzgrafen Johann Kasimir für Dietrich Weyer und Peter Peuterich, o. D. (um 1576–1577). In: Regelung des Religionswesens im Kurfürstentum Pfalz nach dem Tod des Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz, 1576–1577; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (171 Akten (Altes Dillenburger Archiv), T 457)
- Mémoire de D. Weier et J. de Brankenstein<ref>Gemeint ist vermutlich der kurpfälzische Kämmerling Hans (Johannes) Heinrich von Brandenstein; vgl. Friedrich von Bezold: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. II, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1882–1903, Nr. 228, S. 170f.</ref> en faveur des Protestants, adressé à Henri III au nom du duc Casimir de Bavière; Bibliothèque nationale de France. Département des manuscrits (MF 14876, Cinq cents de Colbert 10, Tome IV Années 1586–1641, Bl. 314)
- Friedrich von Bezold: Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken, Bd. I–III, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1882–1903 (Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
- Abrechnung zwischen dem Obersten Friedrich Kratz von Scharfenstein<ref group="A">Pfalz-Zweibrückischer Amtmann in Lichtenberg, 1565 Ober-Amtmann in Kaiserslautern, 1566 auf dem Augsburger Reichstag, später lothringischer Rat, dann Kommandant der Festung Ehrenbreitstein.</ref> und Dietrich Weyer, 1589 (Landeshauptarchiv Koblenz; W 436/1319)
- Briefe von Graf Philipp von Hohenlohe-Neuenstein (1550–1606) an die Generalstaaten und an Dr. Weyer, den Gesandten der Niederlande in Deutschland (1597–1598; Nationalarchiv Den Haag, 12550.31)
- Brief von Dietrich von Weyer an Christoph von Waldenfels (1565–1633)<ref>Fürstlich brandenburg-bayreuthischer Geheimer Rat zu Kulmbach, galt als Kryptocalvinist, ab etwa 1610 coburgischer Geheimer Rat, Herr zu Lichtenberg, später zu Blankenstein; vgl. Thomas Freller: Stationen einer „weltmännischen“ Erziehung. Eine Rekonstruktion der Italien-, Palästina- und Ägyptenreise des Christoph von Waldenfels in den Jahren zwischen 1582 und 1587. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken (2007), S. 103–121.</ref> aus Meiningen vom 14. Oktober 1599; Burgerbibliothek Bern (Cod. 147 (A) 37, Blätter 176r–178v)
- Korrespondenz von Everard van Reyd (1550–1602), Rat und Sekretär von Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg (1560–1620), mit Diederich Wier (Wyer) (Gelders Archief Arnheim, Heren en graven van Culemborg, Stadhouderlijk archief 808)
- Alphonse de Ruble (Hrsg.): Mémoires inédits de Michel de la Huguerye. Renouard, Paris 1880, Bd. I. 1877, S. 265f, 308, 316–325, 350f, 366; Bd. II. 1878, S. 255; Bd. III. 1880, S. 296–298 (Google-Books, Google-Books und Google-Books; eingeschränkte Vorschau)
Werke
- Lützelsteiner Lands Ordnung.<ref>Handschrift der Bibliothèque de Colmar (ms 499).</ref> In: Gilbert Haufs-Brusberg (Hrsg.): Die Lützelsteiner Lands Ordnung. Das Landrecht des Fürstentums Pfalz-Veldenz von ca. 1580. Verlag für Geschichte und Kultur, Trier 2013, S. 150–348, ISBN 978-3-9815112-0-8
- (Fragmente, in das Französische übersetzt) Paul Kittel,<ref>Paul Kittel (1948–2020), Historiker aus Phalsbourg.</ref> Phalsbourg: Copie de la Coutume de La Petite-Pierre 1764 traduite à partir d'une copie en allemand de 1742,<ref>Vgl. Manuscrits de la bibliothèque de l'ordre des avocats Metz; Auguste Prost (Bearb.): Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques des départements, Bd. V. Metz – Verdun – Charleville. Imprimerie nationale, Paris 1849, S. ci.</ref> Manuscrit Eugène de Monbret<ref>Eugène Coquebert de Montbret (1785–1847), Orientalist, Büchersammlung in der Bibliothèque Municipal de Rouen, seit 2011 Bibliothèques de Rouen – Réseau Municipal.</ref> bibliothèque municipal de Rouen und Supplement inscrit uniquement dans la manuscrit Dayme<ref>Daniel Dayme (* 1683; † nach 1754), um 1713 königlicher Rat, Procureur, Notar und Generalleutnant der Polizei in Phalsbourg.</ref> de Nancy<ref>Bibliothèque Universitaire (Droit) de Nancy, seit 2007 Université de Lorraine.</ref> consistant en 5 paragraphe, 1742. In: Gilbert Haufs-Brusberg (Hrsg.): Die Lützelsteiner Lands Ordnung. Verlag für Geschichte und Kultur, Trier 2013, S. 349–463
- (verschollen) Sammlung von Gedichten und Psalmen-Paraphrasen, „die so glücklich und elegant ausgedrückt sind, dass sie mit den Werken von Buchanan<ref>George Buchanan (Hrsg.): Psalmorvm Davidis Paraphrasis Poëtica. Psalmi Aliqvot In Versus item Graecos nuper a diuersis translati. Joshua Rihel, Straßburg 1566 und weitere Ausgaben.</ref> gefahrlos verglichen werden können“, vor 1594<ref name="Freher" />
Literatur
- Werner Teschenmacher: Handschrift Vitae et elogia virorum, qui familia, nobilitate, doctrina atque virtute inprimis officii dignitate et publicatis ingenii monumentis in theologia, juris utriusque prudentia, medicina et philosophia etc. per Cliviae, Juliae, Montium, Marcae et Ravensburgici, provincias unitas floruerunt, 17. Jahrhundert (Kriegsverlust), S. 213<ref>Erhaltenes Zitat bei Gustav C. Knod: Rheinländische Studenten im 16. und 17. Jahrhundert auf der Universität Padua. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 68 (1899), S. 133–189, bes. S. 148: „Theodoricus ICtus Friderici III Electoris Palatini cognomento Pii Consiliarius et Burggravius arcis Starckenburgicae, multis iisque praeclaris legationibus ad reges Galliae, Angliae, Daniae aliosque principes et respublicas nomine principis sui egregie defunctus (= Der Jurisconsult (Rechtsgelehrte) Dietrich (Weyer) des Kurfürsten Friedrich III. „der Frommen“ von der Pfalz, Rat und Burggraf von Schloss Starkenburg, mit vielen und sehr wichtigen Gesandtschaften im Namen seines Fürsten zu den Königen von Frankreich, England, Dänemark und anderen Fürsten und Staaten (beauftragt), ist hochberühmt gestorben).“</ref>
- August von Kluckhohn: Zwei pfälzische Gesandtschaftsberichte über den französischen Hof und die Hugenotten 1567 und 1574 (Abhandlungen der Königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften III, Bd. XI/2), Verlag der königlichen Akademie, München 1870 (Google-Books)
- Carl Binz: Doktor Johann Weyer, ein rheinischer Arzt, der erste Bekämpfer des Hexenwahns. Ein Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 21 (1885), S. 1–171, bes. S. 167 (OpenLibrary)
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- Gustav C. Knod: Rheinländische Studenten im 16. und 17. Jahrhundert auf der Universität Padua. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 68 (1899), S. 133–189, bes. S. 148 (Google-Books, eingeschränkte Vorschau)
- Manfred Kuhn: Pfalzgraf Johann Casimir von Pfalz-Lautern 1576–1583. (diss. phil. Mainz 1960. Schriften zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern 3). Arbogast, Otterbach 1961, S. 15, 18, 24, 27, 34f, 45, 49 und 52–55
- Volker Press: Calvinismus und Territorialstaat. Regierung und Zentralbehörden der Kurpfalz 1559–1619. (Kieler Historische Studien 7). Klett, Stuttgart 1970, S. 254, 257f, 262, 274–276, 278, 299, 303f, 306–309, 316, 356, 357f, 361f, 388f und 466 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)
- Suzanne Stelling-Michaud (Hrsg.): Le livre du Recteur de l'Académie de Genève (1559–1878) (Travaux d'humanisme et Renaissance 33/6), Bd. VI, Droz, Genf 1980, S. 236 (Google-Books)
- Gilbert Haufs-Brusberg: Die Lützelsteiner Lands Ordnung. Das Landrecht des Fürstentums Pfalz-Veldenz von ca. 1580. Verlag für Geschichte und Kultur, Trier 2013, bes. S. 69f ISBN 978-3-9815112-0-8
- Lotte Kosthorst: Gelehrte Mediziner am Niederrhein. Das Italienstudium der Ärzte am Hof Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg (1539–1592). In: Kaspar Gubler, Rainer Christoph Schwinges (Hrsg.): Gelehrte Lebenswelten im 15. und 16. Jahrhundert. (RAG. Forschungen 2), Hochschulverlag, Zürich 2018, S. 129–156, bes. S. 150 (Digitalisat bei Academia.edu)
Anmerkungen
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Einzelnachweise
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| KURZBESCHREIBUNG | Jurist, kurfürstlicher Rat sowie Gesandter und Truppen-Inspekteur der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen
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