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Die Woche (1993–2002)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Woche

Datei:Die Woche 10-1993.jpg
Beschreibung Wochenzeitung
Verlag Jahreszeiten Verlag
Hauptsitz Hamburg
Erstausgabe 18. Februar 1993
Einstellung 8. März 2002
Gründer Manfred Bissinger
Erscheinungsweise wöchentlich/donnerstags
Geschäftsführer Klaus Teichmann (ab 2000)<ref name="U.S." />
Weblink <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />woche.de (Memento vom 4. März 2000 im Internet Archive)
ISSN (Print)

Die Woche war eine deutsche Wochenzeitung, die von 1993 bis 2002 von der Ganske-Verlagsgruppe herausgegeben wurde. Die Zeitung hatte eine linksliberale Ausrichtung und sollte ein „Gegenpol“ zum Wochenblatt Die Zeit sein.<ref name="U.S.">Ulrike Simon: „Die Woche“: Schattengewächs. In: Tagesspiegel, 19. Februar 2000.</ref> Für ihre innovative Gestaltung erhielt Die Woche mehrere Preise.

Publikationsgeschichte

Der Journalist und Publizist Manfred Bissinger, der die Zeitung gründete und herausgab, war bis Ende 2000 auch Chefredakteur, gefolgt von Hans-Ulrich Jörges (Januar bis Dezember 2001)<ref name="mm">Clemens von Frentz, Lutz Reiche: Nach neun Jahren kam das Aus. In: manager magazin, 6. März 2002.</ref> und Sabine Rosenbladt<ref>Britta Gansebohm: Sabine Rosenbladt. In: Der Literarische Salon, 2008, aufgerufen am 23. Februar 2022.</ref> (Dezember 2001 bis März 2002). Der Verleger Thomas Ganske unterstützte die Wochenzeitung „als journalistische und verlegerische Krönung seines Hauses“.<ref name="U.S." />

In den letzten drei Jahren hatte Die Woche eine Auflage von rund 130.000 bis 135.000 Exemplaren<ref name="Göbel">Uwe Göbel: Zeitschriftengestaltung im Wandel. In: Publizistik. Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung, 2002, Nr. 3.</ref> und 35.000 Abonnenten. Sie erschien donnerstags mit einem Umfang von 38–42 Seiten und kostete 3,50 DM, im Jahr 2000 3,90 DM<ref>Norbert Küpper: 02. European Newspaper Award (2000) #Die Woche. In: editorial-design.com, S. 34, (englisch), 9. April 2018.</ref>. Vom journalistischen Stil her und durch moderne Optik sollte sie eine jüngere und zeitgemäße Konkurrenz zur anderen Hamburger Wochenzeitung Die Zeit sein. „Gegenüber der ‚Zeit‘ war das Erscheinungsbild der ‚Woche‘ eine kleine Revolution.“<ref name="Göbel" />

Die Redaktion der Woche hatte „immer so um die 50 [...] Journalisten und Kolumnisten“<ref>Manfred Bissinger: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Persönliche Erklärung. Woche-Mitbegründer Manfred Bissinger zur Einstellung der Wochenzeitung. (Memento vom 2. April 2002 im Internet Archive). In: Die Woche, März 2002.</ref> wie Till Briegleb,<ref>Till Briegleb: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Selbstgerechte. Mit beispielloser Rücksichtslosigkeit ramponiert Marcel Reich-Ranicki seinen legendären Ruf als Literatur-Papst. (Memento vom 3. Dezember 2000 im Internet Archive). In: Die Woche, 18. August 2000, Nr. 34.</ref> Frank Nordhausen, Marc Pitzke, Susanne Fischer, Petra Thorbrietz, Anna Mikula, Bernd Gäbler, Oliver Herrgesell und Anne Urbauer. Die Woche verstand sich darüber hinaus „als Autorenblatt und arbeitet[e] fortan mit namhaften Kolumnisten und Autoren wie Manfred Bissinger, Ulrich Wickert, Professor Wilhelm Hankel, Frank Lehmann, Michael Jürgs, Tilman Spengler, Jürgen Flimm.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zur Geschichte der Woche. (Memento vom 2. April 2002 im Internet Archive). In: Die Woche, März 2002.</ref> Weitere Autoren waren unter anderem Horst Stern, Sigrid Löffler, Peter Glotz, Mathias Bröckers, Henryk M. Broder<ref>Dominik Betz, Gregor Haschnik: Der Polemiker. In: Telepolis, 14. Februar 2009, Interview.</ref> (= Sarah Silberstein<ref>Schmidt, Bernhardt 2019, S. 210.</ref>), Wolfgang Storz,<ref>Wolfgang Storz. In: bild-studie.de, aufgerufen am 19. April 2023.</ref> Jürgen Kesting.<ref>Schmidt, Bernhardt 2019, S. 201.</ref> Von Beginn an schrieb der Fernsehmoderator und Publizist Roger Willemsen eine wöchentliche Kolumne.<ref>Manfred Bissinger: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liebe in der Wahrheit. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). In: hundertvierzehn.de – das literarische Online-Magazin des S. Fischer Verlags, 22. Februar 2016.</ref> Bissinger ließ ihm dazu eine absolut freie Hand.<ref>Rosvita Krausz: Erinnerungen an Roger Willemsen. Freigeist und Menschenfreund. In: Deutschlandfunk, Radio-Feature, 12. Mai 2017, 50 Min., Manuskript als PDF; (24 S., 421 kB) und als Audio-Datei.</ref>

Die Woche war die erste durchgängig farbig gestaltete Wochenzeitung Deutschlands und erhielt mehrere Preise für ihr „außergewöhnliches Design“.<ref name="stern" /> Kontrastierende Schriftarten, ein farbiges Orientierungssystem aus Balken und Quadraten, farbige Symbole und reduzierte Zeichen erhöhten die Lesefreundlichkeit.<ref name="Göbel" /> Für die Blattgestaltung waren als Art Director Lo Breier<ref>Markus Weber: ADC-Award: Editorial-Designer Lo Breier ist Chairman der ADC-Jury. In: Werben & Verkaufen (W&V), 26. Februar 2014.</ref> und ab 1997 Dirk Linke<ref>Dirk Linke berät Ganske Verlagsgruppe. In: horizont.net, 16. August 2000.</ref> federführend.

Ein neuer Ansatz war es „angesichts des Mangels an kontroversen öffentlichen Auseinandersetzungen zu Grundsatzfragen“, im Blatt gegensätzliche Meinungen austragen zu lassen, gelegentlich sogar auf der Titelseite. Damit wurde Die Woche „stilbildend für den Zeitungsmarkt“. Außerdem etablierte sie als erste Zeitung eine feste Seite über die Medienbranche.<ref name="Widerworte" /> Die Woche übernahm als erste Zeitung in Deutschland die neuen Rechtschreibregeln. Später bezeichnete Bissinger diese Entscheidung als einen „Irrtum“ und bewertete sie als „voreilig“.<ref name="Widerworte">Statt eines Vorworts. Manfred Bissinger im Gespräch mit Roger Willemsen. In: Lauter Widerworte, ISBN 978-3-455-50206-0, S. 11–28.</ref>

Die Woche hatte von Anfang an eine starke Konkurrenz durch den fast gleichzeitig gegründeten Focus aus dem Burda-Verlag und durch die ehemals ostdeutsche Zeitung Wochenpost, die ab 1991 von Gruner + Jahr bundesweit verbreitet worden war.<ref name="mm" /> Anfang 1997 übernahm Die Woche die Wochenpost, die vorübergehend bis Mai 1997 als Beilage erschien. Verkaufsverhandlungen der Woche im Februar 2002 mit der Essener WAZ-Gruppe scheiterten, weil Verhandlungsführer Bodo Hombach neben der Zeitung auch den Jahreszeiten Verlag kaufen wollte.<ref>Schmidt, Bernhardt 2019, S. 209.</ref> Am 8. März 2002 wurde die Zeitung wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt.<ref name="stern">Wochenzeitung: »Die Woche« wird eingestellt. In: stern.de, 6. März 2002.</ref> Die Abonnenten­datei übernahm der Rheinische Merkur.<ref>Christian Klenk: Plötzlich, aber nicht unerwartet. Der „Rheinische Merkur“ schrumpft zu einer Beilage der „Zeit“. In: Communicatio Socialis, Jg. 43 (2010), S. 389―403, hier S. 394.</ref>

Bissinger ist der Ansicht, dass „mit der Digitalisierung der Medienwelt […] es unwahrscheinlich geworden [ist], dass noch jemals wieder eine Zeitschrift oder Zeitung mit einem umfassenden Themenanspruch außerhalb enger Marktnischen neu gegründet werde.“<ref>dpa: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Manfred Bissinger – ein besonderer Medienmacher. (Memento vom 23. Februar 2022 im Internet Archive). In: Hamburger Abendblatt, 4. Oktober 2015.</ref> Die Woche sei „nicht an zu wenig Lesern gescheitert; es fehlten einfach die Anzeigen.“<ref name="Widerworte" /> Nach Schmidt und Bernhardt lag eine der Ursachen des Scheiterns beim mangelhaften Marketing und unzureichender Akquise­tätigkeit häufig wechselnder Geschäftsführer: „Die Woche hätte eines eigenen Anzeigenteams bedurft, das auf Erfahrungen in der Akquise passender Unternehmen und Institutionen zurückgreifen konnte.“<ref>Schmidt, Bernhardt 2019, S. 201.</ref> Der Jahreszeiten Verlag war auf „Frauen- und Edelmagazine“ spezialisiert und verfügte daher über keine Kontakte und Erfahrungen mit Werbekunden für politische Zeitungen. Am Ende blieb die Zeitungsredaktion ein Fremdkörper im Verlagshaus, „das waren zwei Welten, die nicht miteinander harmonierten.“<ref>Schmidt, Bernhardt 2019, S. 203.</ref>

Auszeichnungen

Literatur

– chronologisch –

  • Jochen Klein: “World's Best-Designed Newspaper”. Entstehung und Karriere der Wochenzeitung Die Woche. (= Bochumer Studien zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Band 87.) Herausgegeben von Heinz-Dietrich Fischer. Brockmeyer Universitätsverlag, Bochum 1997, ISBN 978-3-8196-0539-0, 190 S. mit farbigen und s/w Abb.; 40 S. Anhang: Ausgabe-Register von 200 Wochen Die Woche, Inhaltsverzeichnis. (Monografie und wissenschaftliche Untersuchung zur Wochenzeitung „Die Woche“. Darstellung der Konzeption, Entstehung und Entwicklung der Woche u. a. mittels eigenen Interviews mit den Zeitungsmachern und dem Verleger.)
  • Uwe Göbel: Zeitschriftengestaltung im Wandel. In: Publizistik. Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung, ISSN 0033-4006, Sonderheft 3, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-531-13661-5, S. 219–240, darin: ›Die Woche‹ (1993-2002), S. 231f., doi:10.1007/978-3-663-07749-7.
  • Manfred Bissinger: Jahr der Woche, in: ders., Lauter Widerworte. Essays, Reportagen, Kommentare aus fünf Jahrzehnten. Hoffmann und Campe, Hamburg 2011, ISBN 978-3-455-50206-0, Inhaltsverzeichnis, S. 400–403.
  • Hermann Schmidt, Miriam Bernhardt: Endlich das eigene Haus bauen! Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer „Die Woche“ (1993–2002), in: dies., Manfred Bissinger. Der Meinungsmacher. Eine biografische Spurensuche. Berg & Feierabend, Berlin 2019, ISBN 978-3-948272-01-2, S. 190–211.

Weblinks

Einzelnachweise

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