Dichlofluanid
Dichlofluanid ist eine organische chemische Verbindung, die als Wirkstoff in Fungiziden für den Obst- und Pflanzenanbau und in Holzschutzmitteln enthalten ist.
Geschichte
Dichlofluanid wurde von der Bayer AG entwickelt und 1965 in den Markt gebracht.<ref name="Römpp"/> Bis zum Jahr 2003 wurde vom Hersteller keine neue Zulassung gemäß Richtlinie 91/414/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaft beantragt, so dass der Wirkstoff damit praktisch vom Markt genommen wurde.<ref>Vorlage:EUR-Lex-Rechtsakt</ref><ref>Vorlage:Webarchiv.</ref>
Darstellung und Gewinnung
Die Synthese der Verbindung erfolgt durch die Umsetzung von Anilinodimethylaminosulfon mit Dichlorfluormethansulfenylchlorid in Gegenwart von Triethylamin.<ref>Patent BE609868, Farbenfabriken Bayer A. G. 1963.</ref>
Dichlorfluormethylsulfenylchlorid kann durch einen Chlor-Fluor-Austausch aus Trichlormethansulfenylchlorid mittels Quecksilber(II)-fluorid oder Silber(I)-fluorid erhalten werden.<ref>Kober, E.: A New Class of Sulfenyl Derivatives; Perhalogenated Aliphatic Sulfenyl Fluorides in J. Am. Chem. Soc. 81 (1959) 4810–4812, Vorlage:DOI.</ref><ref>Ham, N.S.: Dichlorofluoromethanesulfenyl chloride in J. Am. Chem. Soc. 83 (1961) 751–752, Vorlage:DOI.</ref>
Eigenschaften
Die Verbindung bildet farblose Kristalle, die bei 105 °C schmelzen. Ein Siedepunkt konnte nicht beobachtet werden. Oberhalb von 120 °C wird eine Sublimation beobachtet.<ref name="EC report"/> Die Verbindung ist in Wasser nur sehr schwer löslich. Sie beträgt bei pH4 0,92 mg·l−1 bei 10 °C, 1,58 mg·l−1 bei 20 °C sowie 2,69 mg·l−1 bei 30 °C.<ref name="EC report"/> Die Löslichkeit hängt im Bereich von pH 4–9 nicht vom pH-Wert ab.<ref name="EC report"/> Bei höheren pH-Werten erfolgt die Hydrolyse.<ref name="EC report"/> In organischen Lösungsmitteln wird eine wesentlich bessere Löslichkeit beobachtet. Diese beträgt in Xylol 81,2 g·l−1, in 2-Methyl-2,4-pentandiol 20,7 g·l−1 und in Propylenglycoldimethylether 86,4 g·l−1.<ref name="EC report"/> Als Metabolit des Fungizids entsteht Dimethylsulfamid.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Verwendung
Der Wirkstoff wurde unter dem Handelsnamen Euparen im Zierpflanzenbau gegen Grauschimmelfäule, gegen Rosenmehltau, gegen die Blattfallkrankheit, gegen die Kraut- und Braunfäule an Tomaten sowie bei der Gurke gegen Echten Mehltau eingesetzt.
Zulassung
Dichlofluanid ist in der Europäischen Union kein zulässiger Wirkstoff von Pflanzenschutzmitteln.<ref>Verordnung (EG) Nr. 2076/2002 der Kommission vom 20. November 2002 Vorlage:EUR-Lex-Rechtsakt.</ref> In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Dichlofluanid in keinem zugelassenen Pflanzenschutzmittel enthalten.<ref name="PSM">Vorlage:PSM-Verz</ref>
Es hat eine Biozid-Zulassung in der EEA und Schweiz als Antifoulingmittel bis 31. Dezember 2025.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Das Europäische Arzneibuch legt als Grenzwert für Dichlofluanid-Rückstände in pflanzlichen Drogen 0,1 mg·kg−1 fest.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Weblinks
- Directive 98/8/EC concerning the placing of biocidal products on the market, Assessment Report Dichlofluanid
- dichlofluanid (fluoridealert)
Einzelnachweise
<references />