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Dianisidinchlorsulfonat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Struktur des o-Dianisidinchlorsulfonat
Allgemeines
Name Dianisidinchlorsulfonat
Andere Namen

3,3′-Dimethoxybenzidinchlorsulfonat

Summenformel C14H18N2O22+ · 2 ClSO3
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer nicht vergeben
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Eigenschaften
Molare Masse 477,34 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.240.826">Nicht explizit in Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Gruppeneintrag Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 350​‐​302
P: ?
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

o-Dianisidinchlorsulfonat (3,3′-Dimethoxybenzidinchlorsulfonat) ist das Chlorsulfonsäuresalz des o-Dianisidins. Der Stoff wurde im Ersten Weltkrieg erfolglos als chemische Waffe eingesetzt.

Für die Verbindung existiert keine CAS-Nummer, sie wurde jedoch in der europäischen Gefahrstoffverordnung mit der Indexnummer 612-037-00-5 versehen.<ref name="GESTIS" />

Verwendung

Dianisidinchlorsulfonat wurde deutscherseits erstmals in der Ni-10,5 cm-Schrapnellgranate der leichten Feldhaubitzen verwendet. Der Sprengsatz enthielt besagtes Dianisidinchlorsulfonat, ein Vorprodukt aus der Herstellung von Farben. Das feinkristalline Pulver reizt die Schleimhäute von Auge und Nase. Der erste Einsatz dieser Granaten erfolgte am 27. September 1914 an der Westfront bei Neuve-Chapelle. Doch der Erfolg blieb aus. Es stellte sich heraus, dass sich die Substanz beim Verschießen aufgrund der Hitzeentwicklung der Sprengladung teilweise zersetzt hatte. Daher konnte beim Feldeinsatz keine ausreichende Konzentration des Wirkstoffs in der Luft erzielt werden. Es wurde nach wirksameren Alternativen gesucht. Man entsann sich des Xylylbromids und entwickelte daraus die 15-cm-12-T-Gasbrisanzgranate, die dann im Januar 1915 an der Ostfront bei Bolimov eingesetzt wurde. Auch diese Munition bewährte sich nicht, da der Wirkstoff in der Luft kristallisierte und dadurch ebenfalls keine ausreichende Konzentration in der Luft erzielt werden konnte.

Literatur

  • Olaf Groehler: Der lautlose Tod. Heyne, 2002, ISBN 978-3-453-86570-9.
  • Rolf-Dieter Müller: Chemische Kriegführung – chemische Abrüstung. Teil 1: Dokumente aus deutschen und amerikanischen Archiven. Spitz, Berlin 1985, ISBN 978-3-87061-265-8.

Einzelnachweise

<references />