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Deutsche Konjugation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die deutsche Konjugation (von {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=la |SCRIPTING=Latn |SERVICE=lateinisch}}) ist die Änderung der Wortform (Flexion, Beugung) von Verben in der deutschen Grammatik. Sie erfolgt durch das Anfügen von Endungen, durch Änderungen im Verbstamm und durch die Zusammensetzung mit Hilfsverbformen. Wie in allen germanischen Sprachen ist dabei der Unterschied zwischen schwachen Verben und starken Verben bedeutsam. Letztere werden der Einfachheit halber häufig – vor allem in Schulgrammatiken – zu den unregelmäßigen Verben gezählt,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> weisen aber bestimmte Regelmäßigkeiten in ihrer Konjugation auf.

Das Deutsche unterscheidet bei der Konjugation der Verben drei Personen (1. Person, 2. Person und 3. Person) und zwei Numeri (Singular und Plural). Das Verb steht in PN-Kongruenz zum Subjekt des Satzes, d. h. Verb und Subjekt stimmen hinsichtlich ihrer grammatischen Merkmale regelhaft überein. Neben Person und Numerus sind Tempus, Modus (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ) und Diathese (Aktiv, Passiv) die Merkmale der deutschen Konjugation.

Im gesprochenen Deutsch zeigt sich die Tendenz, den Gebrauch von Hilfsverben gegenüber der synthetischen Flexion vorzuziehen. Während dies beim Passiv und dem Futur regelgerecht ist, vermuten manche das langsame Aussterben der Konjunktive oder sogar des Präteritums.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Verbformen

Infinite Verformen

Infinite (unbestimmte) Verbformen geben keine Person, Zahl, Zeit und keinen Modus an:

  • Infinitiv (Nennform): laufen, tanzen, essen, gehen, nennen, gucken …
  • Partizip I: laufend, tanzend, essend, gehend, nennend, guckend …
  • Partizip II: gelaufen, getanzt, gegessen, gegangen, genannt, geguckt …

Das Partizip I, auch Partizip Präsens, wird durch Anhängen der Endung -end an den Wortstamm des Infinitivs gebildet. Bei deutschstämmigen Verben, deren Stamm auf -r oder auf -l endet, wird die Endung -end meist zu -nd gekürzt, ebenso wie das -en des Infinitivs zu -n gekürzt wird: lächel-nd, trauer-nd. Verben mit Stamm auf -ier behalten hingegen die vollständige Endung: polierend (nicht poliernd), schmierend (nicht schmiernd).

Das Partizip II, auch Partizip Perfekt, erhält normalerweise die Vorsilbe ge- und die Endung -t oder -et, bei starken Verben die Endung -en. Bei einigen starken und unregelmäßigen Verben ändert sich zudem der Verbstamm: trinken → getrunken, gehen → gegangen, sein → gewesen. Das Präfix ge- entfällt bei allen Verben, die nicht auf der ersten Silbe betont werden, z. B. bei vielen Verben auf -ieren und allen, die bereits ein Präfix haben: polieren → poliert, zerlegen → zerlegt, gewinnen → gewonnen. Eine betonte, abtrennbare Vorsilbe (Verbpartikel) bleibt als solche erhalten, steht also außerhalb der Partizipbildung: vor-sagen → vor-gesagt, ein-ziehen → ein-gezogen, ein-beziehen → ein-bezogen, zu-gestehen → zu-gestanden.

Finite Verformen

Finite (bestimmte) Verbformen geben Person, Zahl, Zeit und Modus an. Dazu ändert sich die Endung des Verbs, bei starken und unregelmäßigen Verben in vielen Formen auch der Verbstamm, beispielsweise:

  • machen → mache (1. Person Singular, Indikativ Präsens Aktiv)
  • gehen → gingst (2. Person Singular, Indikativ Präteritum Aktiv)
  • kommen → kämen (1. oder 3. Person Plural, Konjunktiv II (Gleichzeitigkeit) Aktiv)

Die Bezeichnung „konjugiertes Verb“ wird oft im Sinne von „finites Verb“ verwendet, obwohl auch die Partizipbildung als Konjugation aufgefasst werden kann. Die Bildung finiter Verbformen wird in den folgenden Abschnitten näher beschrieben.

Personalformen

Die beiden Merkmale Person und Numerus sind in der deutschen Konjugation immer kombiniert. Daraus ergeben sich sechs Personalformen mit – wegen der Übereinstimmung der 3. Person Singular mit der 2. Person Plural sowie der 1. mit der 3. Person Plural – vier verschiedenen Personalendungen:

Person Singular Plural
1. ich lache wir lachen
2. du lachst ihr lacht
3. er lacht sie lachen

Bei einigen starken Verben ändert sich zudem der Stammvokal in der 2. und 3. Person Singular. Der Stammvokal e (ä) wird zu i (ie), dunkle Stammvokale werden oft umgelautet (a → ä, au → äu, o → ö).

Person Singular Plural Singular Plural Singular Plural Singular Plural
1. ich gebe wir geben ich fahre wir fahren ich laufe wir laufen ich stoße wir stoßen
2. du gibst ihr gebt du fährst ihr fahrt du läufst ihr lauft du stößt ihr stoßt
3. er gibt sie geben er fährt sie fahren er läuft sie laufen er stößt sie stoßen

Bei unregelmäßigen Verben unterscheidet sich häufig der Stammvokal im Singular von dem im Plural bzw. Infinitiv. Wenige Verben wie das Hilfsverb sein haben im Indikativ Präsens völlig unregelmäßige Formen.

Person Singular Plural Singular Plural Singular Plural Singular Plural
1. ich darf wir dürfen ich kann wir können ich weiß wir wissen ich bin wir sind
2. du darfst ihr dürft du kannst ihr könnt du weißt ihr wisst du bist ihr seid
3. er darf sie dürfen er kann sie können er weiß sie wissen er ist sie sind

Tempusformen

Bildung der Tempusformen

Das Deutsche kennt nur zwei morphologische Formen (also Wortformen im engen Sinn), nämlich Präsens und Präteritum, mit deren Hilfe sämtliche Tempuskategorien in der Konjugation gebildet werden; allerdings weichen manche Konjunktiv-II-Formen von der eigentlichen Präteritum-Ableitung ab (siehe unten).

Auch bei der Bildung des Präteritums unterscheiden sich schwache und starke Verben. Bei ersteren wird als Tempusmarker -te an den Wortstamm des Infinitivs angehängt, darauf folgt die jeweilige Personalendung. Verben, deren Stamm auf t, d (reden, retten) oder auf einen Verschluss- oder Reibelaut +n/m endet (atmen, öffnen, trocknen), erhalten vor dem Tempusmarker ein e, um die Aussprache zu erleichtern. Starke Verben erfahren einen Ablaut, d. h. einen Wechsel im Stammvokal und erhalten für gewöhnlich keinen Tempusmarker. Eine Ausnahme bilden Verben, bei denen sich nicht nur der Stammvokal, sondern auch der folgende Konsonant ändert (denken → dachte, bringen → brachte). Sie gelten daher als starke Verben mit schwacher Präteritumsendung oder „Mischverben“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die Personalendungen werden, ähnlich wie bei schwachen Verben, nach stets gleichen Regeln hinzugefügt. Da sie bei allen Verben in der 1. und 3. Person Singular entfallen, sind diese beiden Formen im Präteritum – anders als im Präsens – auch im Singular immer gleich.

Pers. + Num. schwach stark
lachen reden atmen fliegen geben denken
1. Singular ich lachte redete atmete flog gab dachte
2. Singular du lachtest redetest atmetest flogst gabst dachtest
3. Singular er/sie/es lachte redete atmete flog gab dachte
1. Plural wir lachten redeten atmeten flogen gaben dachten
2. Plural ihr lachtet redetet atmetet flogt gabt dachtet
3. Plural sie lachten redeten atmeten flogen gaben dachten

Die Formen im Perfekt und im Plusquamperfekt werden mit den Hilfsverben haben oder sein in flektierter Form und dem Partizip II gebildet. Die Formen im Futur I werden mit dem Verb werden (flektiert) und dem Infinitiv, die im Futur II mit werden (flektiert), dem Partizip II und haben/sein (im Infinitiv) gebildet.

Bei Modalverben, die als solche, d. h. in Kombination mit einem weiteren Verb (Vollverb) gebraucht werden, wird in den zusammengesetzten Tempusformen Perfekt, Plusquamperfekt und Futur II statt des Partizips der Infinitiv verwendet.<ref name="IDS-Mod">{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Modalverb|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Modalverb}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://grammis.ids-mannheim.de/terminologie/155%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Modalverb}}}}%7C[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://grammis.ids-mannheim.de/terminologie/155}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Modalverb}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:grammis.ids-mannheim.deLeibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS){{#if: 2026-04-02 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}

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Übersicht

Tempus (Zeit) Aspekt schwach stark unregelmäßig Modalverb
hören schreiben gehen (gehen) müssen
Präsens (Gegenwart) jetzt aktuell ich höre du schreibst er geht ihr müsst (gehen)
Perfekt (vollendete Gegenwart) jetzt vollzogen ich habe gehört du hast geschrieben er ist gegangen ihr habt (gehen) müssen
Präteritum (Vergangenheit) damals aktuell ich hörte du schriebst er ging ihr musstet (gehen)
Plusquamperfekt (vollendete Vergangenheit) damals vollzogen ich hatte gehört du hattest geschrieben er war gegangen ihr hattet (gehen) müssen
Futur I (Zukunft) demnächst aktuell ich werde hören du wirst schreiben er wird gehen ihr werdet (gehen) müssen
Futur II (vollendete Zukunft) demnächst vollzogen ich werde gehört haben du wirst geschrieben haben er wird gegangen sein ihr werdet haben (gehen) müssen

Gebrauch der Tempusformen

Im Deutschen ist das Präteritum die klassische Erzählvergangenheitsform. In literarischen Texten, insbesondere in Romanen, drückt es die Gegenwart innerhalb der erzählten Geschichte aus (episches Präteritum). Vergangene Ereignisse werden mit dem Plusquamperfekt ausgedrückt. Ist die Erzählung im Präsens geschrieben, wird Vergangenes meist ins Perfekt gesetzt. So steht mit dem Plusquamperfekt ein zusätzliches Tempus für eine weitere Zeitebene (das Vorvergangene) zur Verfügung, ohne dass ein kompletter Tempuswechsel innerhalb der Geschichte erforderlich wird.

Im niederdeutschen und Teilen des mitteldeutschen Sprachraums wird das Präteritum häufig auch in der Umgangssprache verwendet, allerdings nimmt das Perfekt im Gebrauch zu. Im Oberdeutschen wird mit Ausnahme einiger Hilfs- und Modalverben auch dort das Perfekt genutzt, wo in Norddeutschland das Präteritum üblich wäre (Oberdeutscher Präteritumschwund). In der österreichischen Umgangssprache werden lediglich die Verben sein und wollen im Präteritum gebraucht, im Bairischen existiert es nur bei zwei Wörtern: wår (war) und woit (wollte). Einige alemannischen Dialekte wie das Schweizerdeutsch kennen bis auf die Präteritalformen von sein gar kein Präteritum.

Im gesamten deutschen Sprachraum kommt umgangssprachlich das doppelte Perfekt (Ich habe ihm geschrieben gehabt.) vor. In einigen, überwiegend süddeutschen Dialekten, die von Präteritumschwund betroffen sind, ersetzt es das Plusquamperfekt; ansonsten wird es verwendet, um einen verstärkenden, betonenden Aspekt hinzuzufügen (Ich habe ihm doch geschrieben gehabt!). Genauso wie das seltener gebrauchte doppelte Plusquamperfekt (Ich hatte ihm geschrieben gehabt.) ist es nicht standardsprachlich.

Wie das Plusquamperfekt werden auch Futur I und Futur II eher selten in der gesprochenen Sprache verwendet. Manche Dialekte kennen diese Tempora nicht. Das Plattdeutsche nutzt dagegen alle sechs Zeitformen, wobei die Futurformen mit sollen (auf Platt: sölen oder schölen [ik sall/schall]) gebildet werden. Das doppelte Futur II (Ich werde ihr geschrieben gehabt haben.) findet selbst in der heutigen Umgangssprache kaum Verwendung und ist ebenso wenig wie die anderen Doppelformen standardsprachlich akzeptiert.

Diathese / Genus verbi

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Das Deutsche unterscheidet zwischen den Handlungsrichtungen (Diathesen) Aktiv und Passiv. Die indogermanische Mittelform, das Mediopassiv, gibt es im Deutschen nicht mehr als eigenständiges Verbgattung (Genus verbi). Allerdings finden sich sinngemäße Entsprechungen, die formal im Aktiv stehen und die Handlungsrichtung mittels Reflexivpronomen verdeutlichen: Ich wasche mich. Das Buch liest sich gut.

Passiv

Das Passiv ist die „täterabgewandte“ Aussageform des Verbs<ref>Die Grammatik (= Duden, Band 4). 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2022, e-ISBN 978-3-411-91447-0, S. 378 / Randnr. 605.</ref>, auch „Leideform“ genannt. Insbesondere im formalen Deutsch ist das Passiv wichtig. Es wird am häufigsten mit dem Hilfsverb werden und dem Partizip Perfekt gebildet und verkehrt die Perspektive des Aktivsatzes. Das Patiens wird Ausgangspunkt, das Agens verliert die Subjektrolle und kann auch wegfallen, so dass der „Täter“ (ohne einen Zusatz wie „durch“ oder „von“) unbekannt bleibt.

Beispiel: Die Frau beobachtete den Unfall.Der Unfall wurde (von der Frau) beobachtet.

Das Deutsche unterscheidet mindestens zwei Passivformen:

  • Vorgangspassiv (VP)
  • Rezipientenpassiv (RP), auch Dativpassiv

Daneben werden in die Kategorie Passiv auch weitere Bildungen einbezogen, vor allem das sog. Zustandspassiv, das oft das Ergebnis einer Handlung bezeichnet (vgl. resultativ) und mit dem Hilfsverb sein statt werden erscheint.

Das Vorgangspassiv mit dem Hilfsverb werden macht ein zugrundeliegendes Akkusativobjekt zum neuen Subjekt oder ergibt, bei Verben ohne Akkusativobjekt, einen Passivsatz ganz ohne Subjekt (unpersönliches Passiv) wie Jetzt wird wieder gelacht.

Das Rezipientenpassiv<ref>So genannt in: Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5. Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02641-5, S. 568.</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> wird mit bekommen, kriegen (umgangssprachlich) oder – seltener – mit erhalten als Hilfsverb gebildet. Da ein zugrundeliegendes Dativobjekt dann die Subjektposition einnimmt, wird es auch als Dativpassiv bezeichnet.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Tempus Vorgangspassiv Zustandspassiv Rezipientenpassiv
Präsens ich werde gesehen die Tür ist geöffnet er bekommt das Buch weggenommen
Präteritum ich wurde gesehen die Tür war geöffnet er bekam das Buch weggenommen
Perfekt ich bin gesehen worden die Tür ist geöffnet gewesen er hat das Buch weggenommen bekommen
Plusquamperfekt ich war gesehen worden die Tür war geöffnet gewesen er hatte das Buch weggenommen bekommen
Futur I ich werde gesehen werden die Tür wird geöffnet sein er wird das Buch weggenommen bekommen
Futur II ich werde gesehen worden sein die Tür wird geöffnet gewesen sein er wird das Buch weggenommen bekommen haben

Modus

Im Deutschen gibt es die folgenden Modi (Aussageformen) als Konjugationsparameter beziehungsweise als grammatische Kategorie von Verben:

  • Indikativ (Wirklichkeitsform): Paul kommt.
  • Imperativ (Befehlsform): Paul, komm!
  • Konjunktiv (Möglichkeitsform): Paul komme. Paul käme. Paul würde kommen.

Imperativ

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Man unterscheidet zwischen Imperativ-Formen ohne Personalpronomen (zum Beispiel Geh! oder Geht!) und Ersatzformen mit Personalpronomen, die anstelle nicht existierender Imperativ-Formen verwendet werden und formal dem Konjunktiv I entsprechen (Gehen wir! oder Gehen Sie!). Außer der 1. Person Plural, die linguistisch einen Adhortativ darstellt, sind alle anderen Formen als Befehl an eine anwesende Person oder Gruppe zu sehen. Auch wenn sich der Imperativ mit der höflichen Anrede „Sie“ syntaktisch an die 3. Person richtet und somit auch als Jussiv interpretiert werden kann, fungiert er de facto als Aufforderung an die 2. Person. Genauso verhält es dich mit der veralteten Form des Imperativs mit der höflichen Anrede „Er/Sie“ im Singular (Gehe Er zum Herzog!).

Im Singular entspricht der flektierte Imperativ im Deutschen der Verbform der 2. Person Singular Präsens ohne Personalpronomen und ohne die Endung -st: du arbeitest → arbeite!, du gibst → gib! Im Plural entspricht er für alle deutschen Verben der 2. Person Plural,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> hier wird nur das Pronomen weggelassen: ihr lernt → lernt!

Bei Verben auf -ern kann im Singular ein -e angefügt werden (du änderst → änder(e)!, du wanderst → wander(e)!); bei den Verben auf -eln kann das e im Wortstamm entfallen, dann muss ein e angefügt werden: du sammelst → sammel! oder sammle!. Bei starken Verben mit Umlaut in der 2. und 3. Person Singular entfällt der Vokalwechsel: du fährst → fahr!, du läufst → lauf! du stößt → stoß!

Ausnahmen sind die Verben haben, sein, werden und wissen, deren Imperativ im Singular dem Infinitiv ohne die Endung -(e)n entspricht: hab(e)!, sei!, werd(e)! und wisse!

Konjunktiv

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Der Konjunktiv dient im Deutschen zur Wiedergabe indirekter Rede oder bezeichnet Unwirkliches wie Wünsche, Vermutungen, Möglichkeiten, Bedingungen und Ähnliches. Man unterscheidet zwei Standardformen, Konjunktiv I und Konjunktiv II, die jeweils in verschiedenen Tempora gebildet werden können, um damit unterschiedliche Zeitverhältnisse (Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit) auszudrücken. Anstelle des Konjunktivs I und II wird – vor allem umgangssprachlich – oft die Konjunktiv-Ersatzform („würde-Form“, „Konditional“<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> oder Konjunktiv III<ref>H. Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 338.</ref>) verwendet, die formal dem Konjunktiv II im Futur I bzw. Futur II des Aktivs entspricht (vgl. Tabelle unten).

Bildung des Konjunktivs

Der Konjunktiv I wird vom Infinitivstamm des Verbs abgeleitet, gefolgt vom Suffix -e- und der jeweiligen Personalendung. Bei der 1. und 3. Person Singular tritt keine Personalendung auf, bei der 1. und 3. Person Plural vereinen sich Suffix und Endung.

Pers. Singular Plural
1. komm + e ich komme komm (+ e) + en wir kommen
2. komm + e + st du kommest komm + e + t ihr kommet
3. komm + e er komme komm (+ e) + en sie kommen

Der Konjunktiv I ist eine durchgehend regelhaft flektierende grammatische Kategorie, d. h. alle Verben – egal, ob stark, schwach oder unregelmäßig – werden nach demselben Muster gebeugt. Die einzige Ausnahme ist sein, bei dem in der 1. und 3. Person Singular die Personalendung -e entfällt (sei statt seie).

Der Konjunktiv II wird vom Indikativ Präteritum des Verbs abgeleitet. Bei schwachen Verben stimmt der Konjunktiv II mit dem Indikativ Präteritum formal überein. Von starken Verben wird er durch die Verbindung des Präteritalstammes des Indikativs ggf. mit dem Suffix -e- und der jeweiligen Personalendung gebildet (mit denselben Ausnahmen und Verschmelzungen wie beim Konjunktiv I), wobei umlautfähige Stammvokale umgelautet werden.

Pers. Singular Plural
1. kam + e (+ Umlaut) ich käme kam (+ e) + en (+ Umlaut) wir kämen
2. kam + e + st (+ Umlaut) du kämest kam + e + t (+ Umlaut) ihr kämet
3. kam + e (+ Umlaut) er käme kam (+ e) + en (+ Umlaut) sie kämen

Bei Gleichklang des Konjunktivs II mit einer anderen Form desselben oder auch eines anderen Verbs kann der Stamm aufgrund der Verwechslungsgefahr verändert werden; diese besonderen Formen halten sich jedoch meist nicht an bestimmte Bildungsregeln. Beispiele hierfür sind:

  • helfen → Präteritum: (ich) half → „eigentlicher“ Konjunktiv II: (ich) hälfe → Gleichklang mit der 1. Pers. Sg. Präsens des Verbs (ich helfe) → Konjunktiv II: (ich) hülfe
  • schelten → Präteritum: (ich) schalt → „eigentlicher“ Konjunktiv II: (ich) schälte → Gleichklang mit Präteritum-Formen (1. und 3. Pers. Sg.) von schälen → Konjunktiv II: (ich) schölte

In einigen Fällen sind zwei Formen möglich, z. B. bei befehlen(ich) befähle oder (ich) beföhle, bei stehen(ich) stände oder (ich) stünde oder bei schwimmen(ich) schwämme oder (ich) schwömme.

Der Konjunktiv I und II der zusammengesetzten Zeitformen (formal dem Indikativ Perfekt bzw. Plusquamperfekt, Futur I und Futur II entsprechend) werden gebildet, indem das Hilfsverb (haben/sein/werden) gemäß der Grundregel (Ableitung vom Infinitiv beim Konjunktiv I bzw. von der Präteritumform beim Konjunktiv II) umgebildet wird. Analog dazu werden die Passivformen gebildet. Nachstehende Tabelle zeigt dies beispielhaft für das Verb malen in der 3. Person Singular.

Konjunktiv I
Aktiv Vorgangspassiv Zustandspassiv
Präsens er male sie werde gemalt es sei gemalt
Perfekt er habe gemalt sie sei gemalt worden es sei gemalt gewesen
Futur I er werde malen sie werde gemalt werden es werde gemalt sein
Futur II er werde gemalt haben sie werde gemalt worden sein es werde gemalt gewesen sein
Konjunktiv II
Aktiv Vorgangspassiv Zustandspassiv
Präteritum er malte sie würde gemalt es wäre gemalt
Plusquamperfekt er hätte gemalt sie wäre gemalt worden es wäre gemalt gewesen
Futur I er würde malen sie würde gemalt werden es würde gemalt sein
Futur II er würde gemalt haben sie würde gemalt worden sein es würde gemalt gewesen sein

Gebrauch des Konjunktivs

Der Konjunktiv I wird vor allem in der Schriftsprache und dort hauptsächlich in der indirekten Rede verwendet. Dabei wird die die Präsens-Form zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit des Geschehens genutzt, die Perfekt-Form zum Ausdruck der Vorzeitigkeit und die Futur-Formen zur Darstellung einer Nachzeitigkeit. Der Bezugspunkt ist dabei der Zeitpunkt der direkten Rede, nicht der Zeitpunkt der indirekten Wiedergabe.

Wenn die Form des Konjunktivs I mit dem Indikativ Präsens identisch ist, wird in der indirekten Rede als Ersatz der Konjunktiv II in der Präteritumform verwendet.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Stimmt dieser wiederum mit dem Indikativ Präteritum überein, wird auch standardsprachlich die Hilfskonstruktion mit würde genutzt, um eine Verwechslung zu vermeiden.

Der Konjunktiv II wird außerdem verwendet, um unmögliche und unwahrscheinliche Bedingungen, Bedingungsfolgen, Vorstellungen oder Wünsche zu benennen und dient darüber hinaus als Höflichkeits- oder Bescheidenheitsform:

  • irreale Bedingung: Hättest du den Text gelesen, könntest du die Frage beantworten.
  • irreale Bedingungsfolge: Niemand ist so klug, als dass er alles wüsste.
  • irrealer Vergleichssatz: Mein Kopf brummt, als hätte ich sämtliche Wikipedia-Artikel gelesen.
  • Wunsch: Wäre doch schon Samstag!
  • Höflichkeitsform: Könnten Sie mich zurückrufen? (anstelle des Indikativs Können Sie mich zurückrufen? oder des Imperativs Rufen Sie mich zurück!)
  • Bescheidenheitsform: Ich hätte gerne ein Wasser. oder Ich möchte gerne ein Wasser. (anstatt Ich will ein Wasser.)

In der gesprochenen Sprache wird der Konjunktiv II wesentlich häufiger eingesetzt als der Konjunktiv I.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Wie beim Indikativ neigen viele Sprecher dazu, für die Zukunft die jeweiligen Präsensformen und gegebenenfalls lexikalische Mittel (morgen, in drei Jahren usw.) zu nutzen. Folglich werden die Futur-Formen des Konjunktivs I in der Umgangssprache kaum verwendet, während die des Konjunktivs II ihre ursprüngliche Bedeutung weitgehend verloren haben und zur Konjunktiv-Ersatzform („würde-Form“) umfunktioniert werden konnten.

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />