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Der Dichter und der Komponist

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Hinweisbaustein Der Dichter und der Komponist ist eine Dialogerzählung über das Wesen der romantischen Oper<ref>Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Zweiter Teil: Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege und der Restauration. 1806–1830 (= Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, hrsg. von Helmut de Boor und Richard Newald, Band 7/2). München 1989, S. 437, 7. Z.v.o.
E. T. A. Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Hrsg. von Wulf Segebrecht. Frankfurt am Main 2008, S. 103, 28. Z.v.o.</ref> von E. T. A. Hoffmann, die im Frühherbst 1813 geschrieben und im Dezember desselben Jahres in der Allgemeinen musikalischen Zeitung anonym vorabgedruckt wurde.<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder, Frankfurt am Main 2008, S. 1297, 7. Z.v.u.</ref> 1819 erschien der Text im ersten Abschnitt des ersten Bandes der Sammlung Die Serapionsbrüder bei G. Reimer in Berlin.<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1221, 4. Z.v.o. und S. 1681 oben.</ref>

Form

Der Serapionsbruder Theodor<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 94, 24. Z.v.o.</ref> rührt seine zuhörenden Mitbrüder Lothar, Ottmar und Cyprian zu Tränen: Abschließend singen die vier Herren aus „Golo und Genovefa“ im Chor.<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 121, 28. Z.v.o. und S. 1305, 8. Z.v.o.</ref>

In einem Gespräch über Kunstdinge, wie in diesem, passiert nicht viel. Allerdings ist es im Herbst 1813 in Dresden unter dem Eindruck einer Schlacht aufgeschrieben. Also wundern wir uns nicht über den Rahmen. Zwei Freunde treffen sich für kurze Zeit nur. In den beschaulichen Tag des Komponisten Ludwig kommt der Dichter Ferdinand unversehens eingeritten. Der Reiter kann keine großen Worte machen. Denn nach dem überschaubaren Dialog muss er gleich wieder aufs Pferd. Bald wird er dem Feind erneut die Stirn bieten.

Zwar erscheint Ferdinand als Freiheitskämpfer und Ludwig als Stubenhocker in ärmlichen<ref>Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. Zweite Auflage. Frankfurt am Main 2001, S. 284, 5. Z.v.o.</ref> Verhältnissen, aber im Dialog trumpft der Komponist Ludwig auf und der Dichter Ferdinand lässt sich sagen, wie ein Opernlibretto gebaut werden müsse: „Es ist, mit einem Wort, die Zauberkraft der poetischen Wahrheit, welche dem, das Wunderbare darstellenden Dichter zu Gebote stehen muß, denn nur diese kann uns hinreißen.“<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 104, 8. Z.v.o.</ref>

Zitat

Zur Aufgabe des Librettisten: „Der Dichter rüste sich zum kühnen Fluge in das ferne Reich der Romantik; dort findet er das Wundervolle, das er in das Leben tragen soll, lebendig und in frischen Farben erglänzend, so daß man willig daran glaubt, ja daß man, wie in einem beseligenden Traume, selbst dem dürftigen, alltäglichen Leben entrückt, in den Blumengängen des romantischen Landes wandelt, und nur seine Sprache, das in Musik ertönende Wort versteht.“<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 103, 16. Z.v.o.</ref>

Datei:Hoffmann Hippel.png
Zeichnung Hoffmanns anno 1803:
Hoffmann und Hippel als Söhne des Zeus

Hintergrund

Im Sommer 1813 hatte E. T. A. Hoffmann an seiner Oper „Undine“ komponiert.<ref>Safranski: E. T. A. Hoffmann. Frankfurt am Main 2001, S. 283, 17. Z.v.o.</ref> Also könnte der Dialog als operntheoretische Schrift mit verteilten Rollen begriffen werden. Der Autor vorliegender Erzählung spaltet sich gleichsam auf als Dichter und Komponist. Ferdinand und Ludwig wären danach bloße Sprachrohre E. T. A. Hoffmanns. Safranski<ref>Safranski: E. T. A. Hoffmann. Frankfurt am Main 2001, S. 280, 13. Z.v.u. und S. 283, 4. Z.v.u.</ref> legt eine weitere begründbare Spielart nahe. Der Komponist Ludwig ist kein anderer als E. T. A. Hoffmann und bei dem Dichter Ferdinand handelt es sich um seinen patriotischen Freund Hippel, den Verfasser des Aufrufs „An Mein Volk“. Nach Allroggen<ref>Detlef Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. Berlin 2009, S. 415, 3. Z.v.u.</ref> trafen sich die Freunde Ende April 1813 in Dresden.

Rezeption

  • Seinerzeit wechselte in Dresden die Präsenz von Freund und Feind (Napoleon) immer einmal. Dementsprechend hätte die Meinung E. T. A. Hoffmanns zum Krieg geschwankt. Safranski äußert, ein großer Patriot - wie Hippel – sei E. T. A. Hoffmann vermutlich nicht gewesen.<ref>Safranski: E. T. A. Hoffmann. Frankfurt am Main 2001, S. 284, 2. Z.v.u. und S. 104, 11. Z.v.u.</ref> Er habe vielmehr den Krieg nicht als Befreiung, sondern als dämonisch-zerstörende Kraft gesehen.<ref>Hans-Georg Werner: E. T. A. Hoffmann. Weimar 1962, S. 35, 18. Z.v.u.</ref>
  • Details finden sich bei Segebrecht<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1297–1305.</ref>. Er nennt zudem Arbeiten von Gerhard Allrogen („Die Opern-Ästhetik E. T. A. Hoffmanns“, Regensburg 1969), Maurice M. Raraty (1972), Aubrey S. Garlington (1979), Judith Rohr („E. T. A. Hoffmanns Theorie des musikalischen Dramas“ Baden-Baden 1985), Steven Paul Scher (Berlin 1998) und Hartmut Steinecke (Berlin 1998).<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1667, 2. Z.v.u.</ref> Kaiser nennt noch Georg Wellenberger (1986)<ref>Gerhard R. Kaiser: E. T. A. Hoffmann. Stuttgart 1988, S. 82.</ref>.
  • E. T. A. Hoffmann sei ein musikästhetischer Vorreiter gewesen<ref>Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Zweiter Teil· 1806–1830. München 1989, S. 258, 5. Z.v.u.</ref>. Die beiden Freunde hätten eine Frage besprochen: „Was sind der Musik zusagende Gedichte?“<ref>Kremer (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann. Leben – Werk – Wirkung. Berlin 2009, S. 416, 16. Z.v.o.</ref>
  • Werner beobachtet bei E. T. A. Hoffmann eine „Romantisierung der Wirklichkeit“<ref>Werner: E. T. A. Hoffmann. Weimar 1962, S. 40, 19. Z.v.u.</ref>.
  • Laut Safranski kreist jenes Gespräch um das „Primat des musikalischen Geistes über das Wort“<ref>Safranski: E. T. A. Hoffmann. Frankfurt am Main 2001, S. 284, 8. Z.v.o.</ref>.

Ausgaben

  • Erstdruck in: Die Serapionsbrüder. Gesammelte Erzählungen und Mährchen. Herausgegeben von E. T. A. Hoffmann. Erster Band. Berlin 1819. Bei G. Reimer. 604 Seiten.<ref>Hoffmann: Die Serapions-Brüder. Frankfurt am Main 2008, S. 1221 oben.</ref>
  • E. T. A. Hoffmann: Sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 4: Die Serapions-Brüder. Hrsg. von Wulf Segebrecht. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-618-60880-2. Taschenbuchausgabe: Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-618-68028-4.

Literatur

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  • Rüdiger Safranski: E. T. A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2001 (1. Aufl. 1984), ISBN 3-596-14301-2.
  • Gerhard R. Kaiser: E. T. A. Hoffmann. Metzler, Stuttgart 1988, ISBN 3-476-10243-2. (Sammlung Metzler; 243; Realien zur Literatur)
  • Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Zweiter Teil: Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege und der Restauration. 1806–1830 (= Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, hrsg. von Helmut de Boor und Richard Newald, Band 7/2). Beck, München 1989, ISBN 3-406-09399-X.
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Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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