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Das Märchen (Schnitzler)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Theaterdruck Das-Märchen.png
Bühnendruck, Dezember 1891
Daten
Titel: Das Märchen
Gattung: Schauspiel in drei Aufzügen
Originalsprache: Deutsch
Autor: Arthur Schnitzler
Erscheinungsjahr: 1891
Uraufführung: 1. Dezember 1893
Ort der Uraufführung: Deutsches Volkstheater, Wien
Ort und Zeit der Handlung: Wien, Gegenwart
Personen
  • Fedor Denner
  • Doktor Leo Mildner
  • Robert Well
  • Doktor Friedrich Witte
  • August Witte
  • Emerich Berger
  • Adalbert Wandel
  • Moritzki
  • Frau Theren
  • Klara Theren
  • Fanny Theren
  • Agathe Müller
  • Ninetta (im Text: Ninette)
  • Emmi Werner
Datei:TitelblattDasMärchen1894.jpg
Erstausgabe bei E. Pierson, 1894

Das Märchen ist ein Schauspiel in drei Aufzügen von Arthur Schnitzler. Es wurde am 1. Dezember 1893 am Deutschen Volkstheater in Wien uraufgeführt.<ref>Neue Freie Presse. 1. Dezember 1893, abgerufen am 10. Januar 2017.</ref><ref>Martin Anton Müller, Laura Untner: Uraufführung von Das Märchen, 1.12.1893. In: Arthur Schnitzler. Kulturveranstaltungen. Konzert-, Theater-, Kinobesuche, Lesungen, Proben- und weitere Veranstaltungsteilnahmen. 1876–1931. September 2025, abgerufen am 30. Januar 2026.</ref> Der Text erschien zuerst als Bühnendruck 1891<ref name=":0" /> und, in einer zweiten Fassung, nach der ersten Aufführung 1894 im Verlag E. Pierson.<ref>Arthur Schnitzler: Das Märchen: Schauspiel in drei Aufzügen. E. Pierson, Dresden 1894 (hathitrust.org [abgerufen am 30. Januar 2026]).</ref> 1896 übernahm S. Fischer in Berlin die Restexemplare. 1902 brachte derselbe Verlag eine „2. Auflage“ heraus, diesmal mit einer dritten Fassung des Endes.

Der Protagonist Fedor Denner kommt nicht darüber weg, dass die Schauspielerin Fanny Theren, mit der er liiert ist, bereits vor ihm sexuell aktiv war (eine ‚gefallene’ Frau ist).

Titel

An mehreren Stellen wird im Text auf das „Märchen von den Gefallenen“<ref>Thomas Eicher: Märchen und Moderne</ref> angespielt, womit gemeint ist, dass, wenn eine unverheiratete Frau bereits eine sexuelle Beziehung gehabt hat, sie niemals mehr zum Heiraten taugt. Das wird von der Hauptfigur – zuerst – als „Märchen“ abgetan.

Inhalt

Der 30-jährige Schriftsteller Fedor Denner liebt Fanny. Er erfährt, dass sie die Geliebte seines Freundes Dr. Friedrich Witte war. Trotzdem bringt Fedor gegenüber anderen Männern – zum Beispiel gegenüber Fannys künftigem Schwager, einem Beamten, seine Meinung zum Ausdruck: Die Verachtung eines Weibes, das schon geliebt hat, sei gedankenlos und anmaßend. Die Freunde aber raten ihm von einer Ehe mit Fanny ab. Also meidet Fedor fortan das Haus Theren. Fanny sucht Fedor in seiner Wohnung auf und gesteht ihm ihre Liebe. Als Fedor von Dr. Witte besucht wird, wirft er dem Gast mangelhafte Moral vor. Dr. Witte aber beharrt auf seinen Ansichten, den Umgang mit Schauspielerinnen, Dienstmädchen et cetera betreffend. Fanny gibt nicht auf. Sie gesteht Fedor ihre Verfehlung. Fanny will von Fedor nicht als Verlorene angesehen werden. Fedor lenkt ein. Am Ende des zweiten Aufzuges hofft der Zuschauer auf sein Happyend.

Das kommt leider nicht. Fedor hält Fanny ihre verjährte Liebschaft vor. Fanny hält an ihrer Liebe zu Fedor fest. „Bis ans Ende der Welt“ will sie mit dem Geliebten gehen. Doch Fedor kann das Geschehene nicht vergessen: „Was war, ist!“ artikuliert er seine Überzeugung und fragt: „Am Ende der Welt, bist du da eine andere?“ Er verneint seine Frage und steigert sich in Hasstiraden. Fanny verlässt sowohl Fedor als auch ihre Familie, der sie sowieso ein Klotz am Bein ist. Die Schauspielerin folgt einem Ruf an eine Petersburger Bühne.

Adele Sandrock

Die Premiere des Stücks war ein Misserfolg für Schnitzler und ein Erfolg für Adele Sandrock, die 30-jährige Darstellerin der Fanny Theren. Einen Tag nach der Premiere gingen Schnitzler und Sandrock eine Beziehung ein, die bis zum Februar 1895 hielt.

Selbstzeugnis

Schnitzler schrieb im November 1890 in sein Tagebuch, er habe in Das Märchen „Psychologisches aus“ seinem „Verhältnis mit Mz.“ (Marie Glümer) eingebracht.<ref>Arthur Schnitzler: Tagebuch. Digitale Edition, Sonntag, 30. November 1890, [1]https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1890-11-30.html (Stand 29. Oktober 2020) PID: [2]https://arche.acdh.oeaw.ac.at/api/113646</ref>

Rezeption

  • Georg Brandes schrieb am 26. Mai 1894 an Schnitzler: „Die Frauengestalten sind alle sehr fein und richtig gezeichnet, und die Handlung des Stücks ist gut und logisch geführt.“<ref>Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 26. 5. 1894. In: Arthur Schnitzler: Briefwechsel mit Autorinnen und Autoren. Martin Anton Müller, Gerd-Hermann Susen, Laura Untner, 26. Mai 1894, abgerufen am 12. Mai 2023.</ref>
  • Otto Brahm schrieb im Frühsommer desselben Jahres: „Dem Urteil des Herrn Georg Brandes kann ich wohl zustimmen, wenn ich das Werk nicht als Drama betrachte; für die Bühne jedoch hat es meines Erachtens zuviel Psychologie und zuwenig Anschauung, zuviel Tendenz und zuwenig Gestalt.“<ref>Otto Brahm an Arthur Schnitzler, 6. Juni 1894. In: Oskar Seidlin (Hrsg.): Der Briefwechsel Arthur Schnitzler – Otto Brahm. Vollständige Ausgabe. Max Niemeyer, Tübingen 1975, S. 3.</ref>
  • Für Perlmann wird das „Märchen“, anfangs als solches abgetan, gewinnt aber mit der Zeit die Macht über Fedor.<ref>Perlmann, S. 63, 11. Z.v.o.</ref>
  • Sprengel hebt das Zwiespältige in Fedors Charakter hervor: Dieser Schriftsteller wisse, dass er etwas falsch macht, könne aber nicht über seinen Schatten springen.<ref>Sprengel, S. 472 Mitte</ref>
  • Le Rider bespricht die „archaische Rollenungleichheit von Mann und Frau“, in der sich „die glückliche Beziehung“ als unmöglich herausstelle.<ref>Le Rider, S. 110 Mitte bis S. 111 Mitte</ref>

Verfilmung

Literatur

Ausgaben

Erstdruck

Erstausgabe

Weitere Ausgaben

  • Arthur Schnitzler: Das Märchen. Schauspiel in drei Aufzügen. Berlin, S. Fischer Verlag 1896 (Druck der Erstausgabe, mit neuem Titelblatt?)
  • Arthur Schnitzler: Das Märchen. Schauspiel in drei Aufzügen. 2. Auflage. Berlin, S. Fischer Verlag 1902 (neues Ende)
  • Arthur Schnitzler: Das Märchen. Schauspiel in drei Aufzügen. 3. Auflage. Berlin, S. Fischer Verlag 1910
  • Arthur Schnitzler: Das Märchen. Schauspiel in drei Aufzügen. 4. Auflage. Berlin, S. Fischer Verlag 1923
  • Arthur Schnitzler: Das Märchen. Schauspiel in drei Aufzügen S. 7 bis 96 in Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler: Der einsame Weg. Zeitstücke 1891 - 1908. Mit einem Nachwort von Hermann Korte. S. Fischer, Frankfurt am Main 1961 (Ausgabe 2001). 525 Seiten, ISBN 3-10-073558-7

Sekundärliteratur

  • Zeitungsausschnitte zu Das Märchen in: Arthur Schnitzler – Archiv der Zeitungsausschnitte, online
  • Stephanie Catani: Das Märchen. In: Schnitzler-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart: J.B. Metzler 2022, S. 79–82.
  • Achim Aurnhammer: Arthur Schnitzlers Schlüsse. In: Hofmannsthal-Jahrbuch, Bd. 29, 2021, S. 317–334. (erstmals erschienen 2014)
  • Hanna Klessinger: Die Diva wird tragische Heldin. Schauspielerinnenstücke der Jahrhundertwende. In: Interférences littéraires, Jg. 22 (2018), S. 117–130.
  • Catherine Mainland: Dora and her Sisters. Control and Rebellion in Hermann and Schnitzler. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller 2007, ISBN 978-3-8364-2769-2.
  • Julia Danielczyk: Künstlerbeziehungen zwischen Wahrheit und Liebesverrat. In: Die Tatsachen der Seele. Arthur Schnitzler und der Film. Hrsg. Thomas Ballhausen. Wien, Filmarchiv Austria 2006, S. 295–316, ISBN 978-3-902531-13-1.
  • Karl Zieger: Arthur Schnitzler et le naturalisme. „Das Märchen“ à l’épreuve de la dramaturgie naturaliste. In: Franck Bauer, Guy Ducrey [Hrsg.]: Le théâtre incarné. Etudes en hommage à Monique Dubar. Villeneuve-d’Ascq: Université Charles-de-Gaulle 2003, S. 65–76, ISBN 978-2-84467-048-9.
  • Eicher, Thomas: „In Spiralen hinaufgeringelt [...], hinabzustürzen ins Leere“. Märchenbegriff und Märchenstruktur bei Arthur Schnitzler. In: Märchen und Moderne. Fallbeispiele einer intertextuellen Relation. Hrsg. Thomas Eicher. Münster, Lit 1996, S. 49–68 (Literatur im Kontext, 2), ISBN 3-8258-2844-1.
  • Jens Rieckmann: Also spielen wir Theater. Einakter, Einakterzyklen und Dramen Schnitzlers und Hofmannsthals. In: Aufbruch in die Moderne. Die Anfänge des Jungen Wien. Österreichische Literatur und Kritik im Fin de Siècle. Königstein im Taunus, Athenaeum 1985, S. 145–167, ISBN 978-3-7610-8314-7.
  • Timothy Farley: Arthur Schnitzler's Sociopolitical Märchen. In: Petrus Tax und Richard Lawson, Hrsg.: Arthur Schnitzler and His Age. Bonn: Bouvier, 1984, S. 104–119.

Allgemein zu Schnitzler

  • Michaela L. Perlmann: Arthur Schnitzler. Sammlung Metzler, Bd. 239. Stuttgart 1987. 195 Seiten, ISBN 3-476-10239-4
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870–1900. Von der Reichsgründung bis zur Jahrhundertwende. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44104-1
  • Jacques Le Rider: Arthur Schnitzler oder Die Wiener Belle Époque. Aus dem Französischen von Christian Winterhalter. Passagen Verlag Wien 2007. 242 Seiten, ISBN 978-3-85165-767-8

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

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Romane
Frau Bertha Garlan | Der Weg ins Freie | Therese. Chronik eines Frauenlebens | Roman-Fragment (Theaterroman)

Erzählungen
Welch eine Melodie | Er wartet auf den vazierenden Gott | Amerika | Erbschaft | Der Fürst ist im Hause | Mein Freund Ypsilon | Der Andere | Reichtum | Die drei Elixire | Die Braut | Sterben | Der Sohn | Die Komödiantinnen | Die kleine Komödie | Spaziergang | Blumen | Später Ruhm | Der Witwer | Der Empfindsame | Der Andere. Aus dem Tagebuch eines Hinterbliebenen | Ein Abschied | Die Frau des Weisen | Der Ehrentag | Die Toten schweigen | Die Nächste | Um eine Stunde | Ein Erfolg | Legende | Lieutenant Gustl | Der blinde Geronimo und sein Bruder | Wohltaten, still und rein gegeben | Andreas Thameyers letzter Brief | Die grüne Krawatte | Boxeraufstand | Die griechische Tänzerin | Die Fremde | Exzentrik | Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg | Die Weissagung | Abendspaziergang | Das neue Lied | Der Tod des Junggesellen | Der tote Gabriel | Geschichte eines Genies | Das Tagebuch der Redegonda | Der Mörder | Die dreifache Warnung | Die Hirtenflöte | Frau Beate und ihr Sohn | Flucht in die Finsternis | Doktor Gräsler, Badearzt | Der letzte Brief eines Literaten | Ich | Casanovas Heimfahrt | Fräulein Else | Die Frau des Richters | Traumnovelle | Spiel im Morgengrauen | Abenteurernovelle | Der Sekundant

Theaterstücke
Das Abenteuer seines Lebens | Alkandi’s Lied | Das Märchen | Anatol | Die überspannte Person | Halbzwei | Liebelei | Freiwild | Reigen. Zehn Dialoge | Das Vermächtnis | Paracelsus | Der grüne Kakadu | Die Gefährtin | Der Schleier der Beatrice | Sylvesternacht | Lebendige Stunden (Einakterzyklus): Lebendige Stunden (Einakter), Die Frau mit dem Dolche, Die letzten Masken, Literatur | Der einsame Weg | Der Puppenspieler | Der tapfere Cassian | Zum großen Wurstel | Das Haus Delorme | Zwischenspiel | Der Ruf des Lebens | Komtesse Mizzi oder Der Familientag | Die Verwandlungen des Pierrot | Der tapfere Kassian | Der junge Medardus | Das weite Land | Professor Bernhardi | Komödie der Worte | Fink und Fliederbusch | Die Schwestern oder Casanova in Spa | Der Gang zum Weiher | Komödie der Verführung | Im Spiel der Sommerlüfte | Das Wort | Zug der Schatten | Ritterlichkeit

Aphorismen
Buch der Sprüche und Bedenken | Der Geist im Wort und Der Geist in der Tat

Autobiografisches
Jugend in Wien | Tagebuch | Korrespondenz | Nachlass

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