Cyanurtriazid
Cyanurtriazid ist eine thermisch instabile Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindung mit einem Stickstoffgehalt von 82,35 %. Nach seinem heterocyclischen Grundkörper gehört es zur Gruppe der 1,3,5-Triazine, ebenso zu den organischen Aziden.
Geschichte
Eine erste, vermeintliche Darstellung wurde schon 1907 von Finger<ref name="Finger">H. Finger: Über Abkömmlinge des Cyanurs. (Vorläufige Mitteilung). In: J. prakt. Chem. 75, 1907, S. 103–104, doi:10.1002/prac.19070750107.</ref> beschrieben. Diese Herstellung konnte allerdings nicht bestätigt werden. Als erste sichere Herstellung gilt die 1921 von Ott<ref name="Ott">E. Ott, E. Ohse: Zur Kenntnis einfacher Cyan- und Cyanurverbindungen. II. Über das Cyanurtriazid (C3N12). In: Chem. Ber. 54, 1921, S. 179–186, doi:10.1002/cber.19210540202.</ref> beschriebene Darstellung aus Cyanurchlorid und Natriumazid, die auch in einige Patenten geschützt wurde.<ref>E. Ott, DE 346 811.</ref><ref>E. Ott, DE 346 812.</ref><ref>E. Ott, DE 343 794.</ref>
Darstellung und Gewinnung
Die heute noch gebräuchliche Synthese von Cyanurtriazid ist die Umsetzung von Cyanurchlorid in einer wässrigen Natriumazid-Lösung.<ref name="Explosivstoffe" />
Datei:Cyanurtriazide Synthesis V.2.svg
Eine weitere vorgeschlagene Synthesevariante durch Umsetzung von Cyanurtrihydrazid mit Natriumnitrit in salzsaurer Lösung ist weniger erfolgreich.<ref name="Ott" />
Eigenschaften
Cyanurtriazid bildet farblose, nadelförmige Kristalle,<ref name="Ott" /> die bei 94 °C mit einer Schmelzenthalpie von 22,2 kJ·mol−1 schmelzen.<ref name="Ye" /><ref name="Korsunskiy" /> Die Sublimationsdruckfunktion ergibt sich nach August entsprechend ln(P) = −A/T+B (P in Pa, T in K) mit A = 10018,76 und B = 14,0.<ref name="Korsunskiy" /> Die Sublimationsenthalpie beträgt 83,3 kJ·mol−1.<ref name="Korsunskiy" /> Erste Kristallstrukturanalysen gingen von einer hexagonalen Symmetrie aus.<ref>I. E. Knaggs: Crystal Structure of Cyanuric Triazide. In: Nature. 135, 1935, S. 268–268, doi:10.1038/135268a0.</ref><ref name="Hughes">E. W. Hughes: The Crystal Structure of Cyanuric Triazide. In: J. Chem. Phys. 3, 1935, S. 1–5, doi:10.1063/1.1749546.</ref> Nach neueren Erkenntnissen kristallisiert die Verbindung im trigonalen Kristallsysten mit Vorlage:Raumgruppe und zwei Molekülen in der Einheitszelle.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Beim Erhitzen neigt die Verbindung ab 170–180 °C zu einer explosionsartigen Zersetzung.<ref name="Ye" /><ref name="Bretherick">P.G. Urben; M.J. Pitt: Bretherick's Handbook of Reactive Chemical Hazards. 8. Edition, Vol. 1, Butterworth/Heinemann 2017, ISBN 978-0-08-100971-0, S. 306.</ref> Die Verbindung ist schlag- und stoßempfindlich.<ref name="Bretherick" />
Wichtige Explosionskennzahlen sind:
Tabelle mit wichtigen explosionsrelevanten Eigenschaften: Sauerstoffbilanz −47 %<ref name="Explosivstoffe" /> Stickstoffgehalt 82,36 %<ref name="Explosivstoffe" /> Bleiblockausbauchung 41,5 cm3·g−1<ref name="Explosivstoffe" /> Detonationsgeschwindigkeit 5500 m·s−1<ref name="Explosivstoffe" /> Verpuffungspunkt 200–205 °C<ref name="Explosivstoffe" />
Verwendung
Die Verbindung kann als wirksamer Initialsprengstoff dienen.<ref name="Explosivstoffe" />
Sicherheit
Die Verbindung ist in der Liste der explosionsgefährlichen Stoffe gemäß §2 Abs. 6 Satz 2 des Sprengstoffgesetzes (Altstoffliste) aufgeführt.<ref>Bekanntmachung der explosionsgefährlichen Stoffe gemäß § 2 Abs. 6 Satz 2 des Sprengstoffgesetzes. In: Bundesanzeiger. Nr. 233a vom 16. Dezember 1986, abgerufen am 7. Februar 2025.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />