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Cornelius Johnson (Leichtathlet)

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Datei:Cornelius Johnson jumping.jpg
Cornelius Johnson

Cornelius Cooper „Corny“ Johnson (* 21. August 1913 in Los Angeles, Kalifornien; † 15. Februar 1946 in San Francisco) war ein US-amerikanischer Hochspringer und Olympiasieger der Spiele von Berlin (1936). Er gewann am 2. August 1936 mit olympischem Rekord Gold vor seinen Landsleuten Dave Albritton (Silber) und Delos Thurber (Bronze).<ref name="theroot" />

Leben

Johnson wuchs in Los Angeles auf und galt bereits an der Los Angeles High School als eines der größten Hochsprungtalente Kaliforniens.<ref name="theroot" /> Bei den US-Olympiaausscheidungen 1932 in Los Angeles egalisierte er als Junior die Bestleistung und gewann das anschließende Stechen, belegte bei den Olympischen Spielen 1932 nach einem weiteren Stechen jedoch Rang vier.<ref name="theroot" /> Obwohl die beiden Medaillengewinner von 1932 an der nahegelegenen University of Southern California studierten, erhielt Johnson aufgrund der damals „lily-white“ besetzten Trojan-Mannschaft keine Einladung an die USC und wechselte stattdessen an das Compton (Calif.) Junior College, wo er als Freshman den AAU-Freilufttitel gewann.<ref name="theroot" />

Bei den US-Trials 1936 stellte Johnson als erster afroamerikanischer Hochspringer einen Weltrekord auf (2,07 m), den Dave Albritton Minuten später einstellte.<ref name="theroot" /> Im olympischen Finale am 2. August 1936 blieb Johnson ruhig und sicher, übersprang alle Höhen ohne Fehlversuch und siegte mit neuem olympischen Rekord von 2,03 m.<ref name="theroot" /> Sein olympischer Rekord hielt bis 1952; sein Freiluft-Weltrekord bestand bis 1941.<ref name="theroot" /> Nach den Spielen flachte Johnsons sportliche Karriere ab; 1937 und 1938 verpasste er nationale Titel, arbeitete anschließend als Briefträger in Los Angeles und später als Bäcker in der United States Merchant Marine.<ref name="theroot" />

Er starb 1946 im Alter von nur 32 Jahren an einer Lungenentzündung, nachdem er in „aufgewühltem Zustand“ von Bord geholt worden war; Anzeichen für ein Fremdverschulden gab es laut zeitgenössischen Berichten nicht.<ref name="theroot" /> 1994 wurde Johnson in die National Track & Field Hall of Fame aufgenommen.<ref name="theroot" />

Wirken

Am Eröffnungstag der Leichtathletik-Wettbewerbe 1936 empfing Adolf Hitler zunächst die Medaillengewinner der ersten Disziplinen in seiner Loge, verließ das Stadion jedoch unmittelbar vor der Siegerehrung des Hochsprungs mit den drei US-Amerikanern Johnson, Albritton und Thurber.<ref name="theroot" /> Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Henri de Baillet-Latour, rügte daraufhin den Bruch der Protokollregeln und verlangte, Hitler müsse entweder alle Medaillengewinner oder niemanden mehr persönlich beglückwünschen; Hitler entschied sich für Letzteres.<ref name="theroot" /> Als Reaktion zeigten Johnson und seine Teamkollegen auf dem Podium den damals in den Vereinigten Staaten üblichen Bellamy-Gruß zur Fahne – mit nach oben geöffneter Handfläche –, was sich in der offiziellen Fotodokumentation erhalten hat und als bewusster, gemeinsamer Akt verstanden wurde.<ref name="theroot" /> Die vollständige Hochsprung-Zeremonie taucht in Leni Riefenstahls Propagandafilm Olympia – Fest der Völker nicht auf.<ref name="theroot" />

Im selben Sommer erhielten alle Olympiasieger – so auch Johnson – einen getopften Eichensetzling („Deutsche Eiche“), den Johnson nach seiner Rückkehr in den USA am Elternhaus 1156 S Hobart Blvd in Los Angeles einpflanzte.<ref name="taz" /> Die Eiche wuchs zu einem markanten Solitär im heutigen Koreatown heran und wurde über Jahrzehnte Teil des Alltags der später dort lebenden Familie Tomas.<ref name="taz" /> Der österreichische Künstler Christian Kosmas Mayer stieß 2014 in Los Angeles auf die Geschichte der Olympia-Eichen, recherchierte Johnsons Baum, dokumentierte ihn filmisch und zog aus seinen Eicheln im Labor Keimlinge, die er – wegen pflanzenschutzrechtlicher Beschränkungen – heimlich nach Europa brachte.<ref name="taz" /> Mayers Arbeit – inklusive der in Nährlösung kultivierten „Eichenkinder“ – wurde zusammen mit historischen Olympiafackeln im Museion in Bolzano/Berlin-Bozen in der Ausstellung What We Carry gezeigt (Laufzeit bis 29. März 2026).<ref name="taz" /> Als 2019 der Verkauf des Grundstücks und der mögliche Abriss drohten, setzten sich Mayer, die Kuratorin Susan D. Anderson (California African American Museum) und die Huntington Gardens für den Schutz des Ensembles ein; seit 2022 steht das Haus mit der Eiche unter Denkmalschutz der Stadt Los Angeles.<ref name="taz" />

Der Kontext der Preisverleihungen von 1936 spiegelt sich auch in den Reaktionen der Zeit: Während Hitler nach der IOC-Rüge generell auf persönliche Gratulationen verzichtete, lud US-Präsident Franklin D. Roosevelt später nur weiße Mitglieder des US-Olympiateams ins Weiße Haus ein, was erst Jahrzehnte später symbolisch korrigiert wurde.<ref name="taz" />

Einzelnachweise

<references> <ref name="theroot">Steven J. Niven: Cornelius Johnson and a Forgotten US Protest Against Hitler at the 1936 Olympics. In: The Root, 24. Februar 2016, online.</ref> <ref name="taz">Hilka Dirks: Olympia 1936 – Des Führers Eiche in Koreatown. In: taz – die tageszeitung, 7. Februar 2026, online.</ref> </references>

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