Seit 1745 hielt Gellert als akademischer Lehrer in Leipzig Vorlesungen über Poesie, Beredsamkeit und Moral.<ref name="brockhaus" > Brockhaus: Konversationslexikon. Vierzehnte vollständig neubearbeitete Auflage. Brockhaus, Leipzig 1895, Bd. 7, Lemma Gellert, S. 735.</ref> 1751 wurde er zum außerordentlichen Professor für Philosophie ernannt und war seitdem als Hochschullehrer tätig. Seine Vorlesungen über Moral erregten bei den Zeitgenossen großes Aufsehen. So bezeichnete Goethe, der bei ihm als Student Poetikvorlesungen besuchte, seine Morallehre als „Fundament der deutschen sittlichen Kultur“.
In der Sammlung Geistliche Oden und Lieder fasste Gellert 1757 seine Beiträge zu einer zeitgemäßen geistlichen Poesie zusammen.<ref name="Vorrede Geistliche Oden und Lieder">Gellert: Vorrede zu: Geistliche Oden und Lieder. Erster Teil, 1757, im Projekt „Lyriktheorie“ der Bergischen Universität Wuppertal</ref> Die Lieder fanden weite Verbreitung; mehrere wurden von bedeutenden Komponisten vertont, andere sind mit einfacheren Melodien bis heute in kirchlichen Gesangbüchern enthalten.
Seit Ende 1759 erhielt Gellert anonym von Hans Moritz von Brühl, einem seiner Lieblingsschüler, eine jährliche Pension von 150 Talern und aus dem Nachlass von Gottfried Mascov ein Gnadengehalt von 450 Talern.<ref name="brockhaus" /> Doch Gellerts Gesundheit war bereits seit längerer Zeit angeschlagen, hinzu kam eine ausgeprägte Hypochondrie. Weder Kuren noch Ausflüge nach Berlin, Karlsbad und Dresden konnten Gellerts Stimmung bessern. 1761 schlug er aus Sorge um seine Gesundheit einen ordentlichen Lehrstuhl für Philosophie aus.
Noch während der Korrekturarbeiten am Manuskript Moral verschlechterte sich der Gesundheitszustand so entscheidend, dass Christian Fürchtegott Gellert im Alter von 54 Jahren starb. Sein Bruder Friedrich Leberecht Gellert, der Fechtmeister an der Leipziger Universität bzw. Oberpostkomissarius war, verstarb kaum einen Monat nach ihm am 8. Januar 1770 in Leipzig.
Gellert begann mit der Publikation seiner literarischen Werke bereits während seiner Studienzeit. Einen Höhepunkt erreichte sein Schaffen in den Jahren 1740–1750. Zwei Bände mit Fabeln, die in zwei Bänden 1746 und 1748 erschienen, greifen Alltagsepisoden auf und fassen die Moral in „Merksätzen“ zusammen, die teils spitzbübisch-bieder, teils weinerlich-sentimental vorgetragen werden. Seine Sprache war nüchtern, verständlich und kam ohne Metaphern aus. Neben Fabeln, Erzählungen, Abhandlungen, Reden und Vorlesungen veröffentlichte er empfindsame Romane, die den Einfluss von Samuel Richardson zeigen, sowie Komödien. Tugend und Vernunft siegen dabei über Schwäche und Laster.<ref>Hermann Glaser, Jakob Lehmann, Arno Lubos: Wege der deutschen Literatur. Ullstein, 1997, S. 127 f.</ref>
C. F. Gellerts sämmtliche Schriften 1774 (Digitalisat)
Die Betschwester (Lustspiel, 1745). Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2015, ISBN 978-3-8430-9833-5
Das Los in der Lotterie (Lustspiel, 1746)
Die zärtlichen Schwestern (Lustspiel, 1747). Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2015, ISBN 978-3-8430-9835-9
Von den Trostgründen wider ein sieches Leben. Zweyte Auflage, bey Johann Wendler, Leipzig 1748 (Digitalisat RosDok)
Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen (1751). (Digitalisat, Auflage aus dem Jahr 1769).
Geistliche Oden und Lieder (1757)<ref name="Vorrede Geistliche Oden und Lieder"/> (Digitalisat). Vollständige Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2016, ISBN 978-3-8430-1414-4.
Die Biene und die Henne (Fabel, 1769)
C. F. Gellerts Sämmtliche Fabeln und Erzählungen in drey Büchern: mit 13 Kupfern nach Heinrich Ramberg. Leipzig, Hahn Verlag, 1836. Neuausgabe Hofenberg, Berlin 2016, ISBN 978-3-8430-1412-0
Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht (EG 506; GL 463)
Mein erst Gefühl sei Preis und Dank (Morgenlied, EG 451)
Gott ist mein Lied (EG, Regionalausgabe Nordelbien 536)
Rezeption
Gellert war zu seinen Lebzeiten als Professor und als Dichter außerordentlich beliebt (beispielhaft ist der Briefwechsel mit Christiane Karoline Schlegel, geb. Lucius) und kaum irgendwelcher Kritik ausgesetzt. Seine Werke – besonders seine Fabeln – zählten in der Übergangszeit zwischen Aufklärung, Empfindsamkeit und Sturm und Drang zu den meistgelesenen in Deutschland. Christoph Martin Wieland erhob ihn zu seinem „Liebling“, Gotthold Ephraim Lessing lobte besonders den Stil seines Briefwechsels.
Durch seine breite Wirkung trug er zur Bildung eines allgemeinen Lesepublikums in Deutschland bei und ebnete so den Weg für die Dichter der folgenden Generationen. Seine Lustspiele brachten erstmals bürgerliche Figuren und deren Milieu auf die Bühnen; der Roman Leben der schwedischen Gräfin von G*** hatte die Ethik bürgerlicher Moral zum Gegenstand und war Wegbereiter des Romans in Deutschland.<ref>Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim.</ref>
Nach Gellerts Tod setzten ihn die Autoren des Sturm und Drang zu einem „mittelmäßigen“, moralinsauren Dichter „für Landpastorentöchter“ herab, wie sich 1771/1772 Jakob Mauvillon und Ludwig A. Unzer im fiktiven Briefwechsel Über den Werth einiger deutscher Dichter äußerten.<ref>Susanne Paesel: Zur Fabel „Das Pferd und die Bremse“ von Christian Fürchtegott Gellert. Grin-Verlag, 2002, ISBN 3-638-74759-X, S. 4.</ref>
Seit dem Jahr 2012 hat Olaf Graszt aus Wölkau die Patenschaft für das Grab übernommen. Zusammen mit einem neu gegründeten Freundeskreis Gellert ergänzte er die Grabplatte mit einem aufrechten Grabstein, der am 4. Juli 2015, Gellerts 300. Geburtstag, der Stadt Leipzig übergeben und feierlich eingeweiht wurde.<ref>Neu gestaltetes Gellertgrab am 300. Geburtstag feierlich übergeben Leipziger Internet Zeitung, 5. Juli 2015.</ref>
Gedenktag: 13. Dezember im Evangelischen Namenkalender<ref>Frieder Schulz: Das Gedächtnis der Zeugen – Vorgeschichte, Gestaltung und Bedeutung des Evangelischen Namenkalenders, Göttingen 1975, S. 104.</ref>
Alexander Košenina (Hrsg.): Christian Fürchtegott Gellert: Leben der schwedischen Gräfin von G***. Mit Dokumenten und Kommentaren. Reclam, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-15-018610-7.
Friedemann Steiger (Hrsg.): Er lebte, wie er im Sterben gelebt zu haben wünschte! Christian Fürchtegott Gellert. Leipzig 2013, DNB1033691356.
Band 1: Zeittafel, Drehbuch, Erzählungen, Fabeln, Abhandlungen über Briefe; für die Jugend. ISBN 978-3-95488-224-3.
Band 2: Das Leben des Christian Fürchtegott Gellert in Zitaten und Selbstzeugnissen. ISBN 978-3-95488-180-2.
Band 3: Betrachtungen zu einigen Liedern und Oden von Christian Fürchtegott Gellert. ISBN 978-3-95488-248-9.
Band 4: Ein Briefwechsel über die Freundschaft zwischen einer jungen Frau und einem älteren Mann – Christiane Caroline Lucius und Christian Fürchtegott Gellert. ISBN 978-3-95488-402-5.
Band 5: Christian Fürchtegott Gellerts Sprache und Theologie an Hand des Lehrgedichtes „Der Christ“ und anderer Texte. ISBN 978-3-95488-452-0.
Band 6: Sprüche, Aphorismen, Lehrsätze und Zuchtsprüche von Christian Fürchtegott Gellert. ISBN 978-3-95488-525-1.
Band 7: Vermischte Texte über Ehe, Hochzeiten und Liebe. ISBN 978-3-95488-249-6.
Band 8: Die Strohkranzrede – Besondere literarische Kleinode. ISBN 978-3-95488-528-2.
Band 9: Warum Friedemann Steiger diese Reihe über Christian Fürchtegott Gellert für die junge Generation herausgab. ISBN 978-3-95488-683-8.
Band 10: Geistliche Oden und Lieder von C. F. Gellert – Replikat der Ausgabe von 1812 (Weidmannsche Buchhandlung Leipzig). ISBN 978-3-95488-690-6.
Werner Marx (Hrsg.): Christian Fürchtegott Gellert. Der alte Dichter & der junge Criticus, Fabeln Gedichte Briefe. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, Leipzig 2013, ISBN 978-3-374-03732-2.
Volkhard Wels: Christliche Providenz in Gellerts Schwedischer Gräfin. In: Lessing Yearbook 40 (2012/13). (online auf academia)
Sikander Singh: Christian Fürchtegott Gellert. Wehrhahn, Hannover 2010, ISBN 978-3-86525-171-8.
Bernd Witte: Christian Fürchtegott Gellert. Schriftsteller und Universitätslehrer in Sachsens goldenem Zeitalter. In: Denkströme. Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Heft 4, 2010, S. 30–49.
Bernd Witte: Der Dichter und der Kriegsherr. Christian Fürchtegott Gellert im Siebenjährigen Krieg. In: Sibylle Schönborn, Vera Viehöver (Hrsg.): Gellert und die empfindsame Aufklärung: Vermittlungs-, Austausch- und Rezeptionsprozesse in Wissenschaft, Kunst und Kultur. (= Philologische Studien und Quellen. Band 215). Berlin 2009, ISBN 978-3-503-09868-2.
Christian Fürchtegott Gellert. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 6, Metzler, Stuttgart / Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, S. 162–165. (Biogramm, Werkartikel zu Das lyrische Werk von Peter J. Benner/Werner Jung)
Friedemann Steiger: Christian Fürchtegott Gellert. Reflexionen zu den Geistlichen Oden und Lieder von 1757 sowie der Entwurf eines Drehbuchs zu seinem Leben. Leicht übertragen, ergänzt, kommentiert, angefragt, durchgeknetet, erlitten, erklärt, gesungen und gebetet. Leipzig 2006, ISBN 3-86703-062-6.
Rafael Arto-Haumacher: Gellerts Briefpraxis und Brieflehre: der Anfang einer neuen Briefkultur. Wiesbaden 1995, ISBN 3-8244-4179-9.
Friedrich Koch: Christian Fürchtegott Gellert. Poet und Pädagoge der Aufklärung. Weinheim 1992.
Bernd Witte (Hrsg.): Ein Lehrer der ganzen Nation. Leben und Werk Christian Fürchtegott Gellerts. München 1990, ISBN 3-7705-2662-7.
Carsten Schlingmann: Gellert. Eine literaturhistorische Revision. Bad Homburg v. d. H. / Berlin / Zürich 1967, OCLC604519596.
Alessandro Pellegrini: Die Krise der Aufklärung. Das dichterische Werk Christian Fürchtegott Gellerts und die Gesellschaft seiner Zeit. In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch. Neue Folge 7/1966, S. 37 ff.