Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern
| Produktionsland | USA |
|---|---|
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1938 |
| Länge | 97 Minuten |
| Altersfreigabe |
</ref> |
| Produktionsunternehmen | Warner Bros. |
| Stab | |
| Regie | Michael Curtiz |
| Drehbuch |
|
| Produktion | Samuel Bischoff |
| Musik | Max Steiner |
| Kamera | Sol Polito |
| Schnitt | Owen Marks |
| Besetzung | |
| |
| → Synchronisation | |
Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (Originaltitel Angels with Dirty Faces) ist ein US-amerikanischer Gangsterfilm des Regisseurs Michael Curtiz aus dem Jahr 1938. Die Hauptrollen des Films sind besetzt mit James Cagney, Pat O’Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan und George Bancroft. Das Werk gilt als Klassiker des amerikanischen Gangsterfilms, erhielt drei Oscar-Nominierungen und wurde 2024 in das National Film Registry aufgenommen.
Handlung
Die Freunde William Rocky Sullivan und Jerome Jerry Connelly wachsen als Straßenjungs in einem Chicagoer Armenviertel auf. Im Jahr 1923 wird Rocky bei einem gemeinsamen Einbruch in einen Güterwagon festgenommen, während Jerry durch einen Spurt entkommen kann. Dieses Ereignis wird das Leben der beiden verändern. Rocky kommt in ein Jugendgefängnis, wo er mit Kriminellen in Kontakt gerät und nach der Haft eine Karriere als Gangster beginnt. Er wird in der Prohibition zu einem bekannten Gangster und gerät noch mehrmals in Haft. Connelly läutert sich hingegen, wird ein katholischer Priester und hat sich inzwischen dem Kampf gegen die Jugendkriminalität verschrieben.
Im Jahr 1938 kehrt Sullivan nach der Verbüßung einer dreijährigen Gefängnisstrafe in das Stadtviertel zurück, in dem er aufwuchs, und wo er einst seine kriminelle Karriere startete. Dort trifft er Connelly wieder. Unter Jerrys Obhut befindet sich unter anderem eine Gruppe von Straßenkindern, die er auf den rechten Weg bringen will. Ein Mittel dazu sind Basketballspiele zwischen jugendlichen Gangs, die aber immer wieder daran scheitern, dass sich keiner der Straßenjungs an die Spielregeln halten will – ganz so wie im täglichen Leben auf der Straße, bei dem sich stets das Recht des Stärkeren durchsetzt. Die Jugendlichen befreunden sich mit Rocky, den sie als Idol und Helden verehren. Daher kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den alten Freunden.
Rocky hatte eine Beute in Höhe von 100.000 US-Dollar bei seinem Geschäftspartner, dem korrupten Anwalt James Frazier, hinterlegt. Nach den drei Jahren Haft ist Frazier aber inzwischen Gefolgsmann des Unterwelt-Bosses Keefer geworden und denkt nicht daran, das Geld an Rocky auszuhändigen. Rocky entgeht einem Mordanschlag und entführt Frazier. Er kann die 100.000 US-Dollar erpressen und nimmt auch brisante Akten an sich, die Keefer und Frazier hinter Gitter bringen können. Durch deren Besitz wird er zum Geschäftspartner von Keefer und Frazier, die ihn aber immer noch gerne beseitigen würden. Rocky freundet sich unterdessen mit der Sozialarbeiterin Laurie Ferguson an, die sich in ihn verliebt und an seine gute Seite glaubt.
Einen Teil seiner 100.000 Dollar möchte Rocky an Jerry spenden, der ein Jugendzentrum errichten möchte, doch der lehnt das schmutzige Geld ab. Jerry erkennt, dass Polizei, Staatsanwaltschaft, Presse und Politik der Stadt von Keefers Bande korrumpiert oder zumindest eingeschüchtert sind. Er bezichtigt Keefer, Frazier und auch seinen Jugendfreund Rocky öffentlich Straftaten. Die Informationen hat Jerry aus den Akten von Rocky, die dieser bei dem Priester verwahrt hatte. Da alle Bestechungsversuche nichts nützen, planen Frazier und Keefer die Ermordung des Priesters und wollen dabei auch die Akten an sich nehmen. Rocky, der durch Zufall von dem Komplott erfährt, beschließt, seinem Freund das Leben zu retten. Er erschießt Frazier und Keefer und wird dafür zum Tod auf dem Elektrischen Stuhl verurteilt.
Im Gefängnis wird er von Jerry besucht, der ihn bittet, vor seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl nicht als „harter Mann“, sondern als weinender „Feigling“ aufzutreten. Damit will der Priester verhindern, dass Rocky durch einen heldenhaften Tod für die Straßenkinder zum gefeierten Märtyrer wird und diese denselben Weg wie er gehen wollen. Rocky sträubt sich zwar zunächst, beginnt jedoch kurz vor seiner Hinrichtung, laut um sein Leben zu flehen. Als die Jugendlichen aus der Zeitung davon erfahren, wenden sie sich enttäuscht von ihrem Idol ab. Connelly fordert die Jungs dazu auf, „für einen Jungen zu beten, der nicht so schnell laufen konnte wie er selbst“.
Produktion
Hintergrund
Die Mitglieder der Straßenbande werden von Billy Halop, Bobby Jordan, Leo Gorcey, Gabriel Dell, Huntz Hall und Bernard Punsly gespielt. Diese sechs Jugendlichen waren in den 1930er Jahren als Dead End Kids bekannt und werden auch unter diesem Namen im Vorspann aufgeführt. Von 1935 bis 1939 waren sie in sieben gemeinsamen Filmen und einem Theaterstück zu sehen. Das Theaterstück Dead End gab ihnen den Namen. Die Verfilmung des Stückes eröffnete dann 1937 die Reihe der Filme. Der deutsche Titel dieses ersten Films ist Sackgasse, Regie führte William Wyler.
James Cagney griff für seine Darstellung des Gangsters Rocky auf Erfahrungen zurück, die er als Jugendlicher im New Yorker Viertel Hell’s Kitchen gemacht hatte. Cagney äußerte, er habe sich bei seiner Performance an einem Kerl orientiert, den er als Kind immer gesehen habe, einen Junkie und Zuhälter mit vier Mädchen in seinem Gefolge, ein großer Kerl mit einem teuren Strohhut und einem neonblauen Anzug. Er habe sich an diesen Kerl und seine Eigenheiten erinnert und sie an „Rocky“ Sullivan weitergegeben.<ref name="winnert" /> Andrew Bergman schrieb in seiner Biografie über James Cagney, dass sich die Verbindung von Cagney und O’Brien mit jedem Film zu vervollkommnen schien. Wenn man einen Cagney-Film für die Zukunft aufheben müsste, um seine Anziehungskraft und Bedeutung zu verstehen, könnte es Angels with Dirty Faces sein. Cagney liefere hier nicht unbedingt eine seiner wirklich virtuosen schauspielerischen Leistungen, doch Rocky Sullivan sei der Inbegriff der Anziehungskraft, die Gangster auf das amerikanische Publikum der 30er Jahre gehabt hätten. Cagney habe seine ganzen Kindheitserfahrungen in die Rolle eingebracht. Rocky sei der liebenswerteste Gangster der Filmgeschichte.<ref name="bergman">Andrew Bergman: James Cagney. Seine Filme – Sein Leben.
In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/16. Heyne, München 1980, ISBN 3-453-86016-0, S. 85, 86, 90, 91.</ref>
Alan G. Barbour schrieb in seiner Biografie über Humphrey Bogart, dass dieser seinen dreijährigen Vertrag mit Warner Brothers mit einem seiner denkwürdigsten Filme abgeschlossen habe, nämlich Angels with Dirty Faces, der zu einem der beliebtesten Filme Bogarts geworden sei. Der Film sei unglaublich oft gezeigt worden und habe zahlreichen Satirikern und Impressionisten als erstklassige Materialquelle gedient. Dem Drehbuch von John Wexley und Warren Duff, habe ein Stoff von Roland Brown als Vorlage gedient. Die Story des Films sei hinreichend bekannt und reichlich sentimental. Der an sich seichte Film werde durch einige Vorzüge gerettet. Da sei zunächst die ausgezeichnete Leistung der Hauptdarsteller, dann die geschickte Schnellfeuer-Regie von Michael Curtiz und schließlich eine gute Musik von Max Steiner. Bogart, der Cagneys Anwalt spielt, habe herzlich wenig Neues zu tun. Am Ende werde er für sein doppeltes Spiel wieder einmal erschossen.<ref name="barbour">Alan G. Barbour: Humphrey Bogart. Seine Filme – Sein Leben.
In: Heyne Filmbibliothek Nr. 32/1. 6. Auflage. Heyne, München 1973 (deutsche Erstausgabe 1984); ISBN 3-453-86001-2, S. 78.</ref>
Humphrey Bogart, der in diesem Film eine Art schurkischen Gangster spielt, war zu der Zeit noch kein etablierter Schauspieler und wurde in dem Film an dritter Position geführt. Der große Durchbruch gelang ihm erst in den 40er Jahren. Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern war einer seiner ersten großen Erfolge vor seinem eigentlichen Durchbruch zum Superstar im Jahr 1941 mit Entscheidung in der Sierra. Die Besetzung des blonden James Cagney als good-bad-guy, dem Bösen mit Herz, der durch die Umstände auf die schiefe Bahn geraten war, und des dunkelhaarigen Humphrey Bogart als bad-bad-guy, dem herzlosen „nur-bösen“ Gangster, war ein Besetzungsmodell für mehrere weitere Gangsterfilme. Cagney und Bogart drehten kurz darauf den Gangsterfilm Die wilden Zwanziger und den Western Oklahoma Kid zusammen. Cagney ist zwar vor allem für seine harten Rollen bekannt, konnte aber auch sanftere Charaktere spielen. Pat O’Brien, der heute nicht mehr so bekannt ist wie Cagney oder Bogart war ein großer und bekannter Schauspieler, insbesondere in den 30er und 40er Jahren. Er spielte insgesamt in neun Filmen mit Cagney und fünf mit Bogart, oft an der Seite von Bogart als Hauptdarsteller.<ref name="bobafett" /> Der Film war Cagneys und O’Briens zweiter gemeinsamer Film seit Cagneys Weggang von Warner Bros.<ref name="chananstern" />
Es sei erstaunlich, dass der Film überhaupt gedreht worden sei, schrieb der Kritiker Derek Winnert auf seiner Seite, ganz zu schweigen davon, dass er so großartig geworden sei. Produzent Samuel Bischoffs erstes Urteil über das Drehbuch von John Wexley und Warren Duff lautete nämlich, dass das so ziemlich das Schlimmste sei, was er je gelesen habe. Die amerikanische Zensurbehörde Hays Office unter der Leitung von Joseph Breen habe an das Warner-Studio geschrieben, sie betrachte den Film als das schwerwiegendste Problem, mit dem sie seit Jahren konfrontiert worden sei und strich eine Vielzahl von Wörtern wie „rotzig“, „lausig“, „Weichei“, „Punks“, „Hallo“, „Stink“, „Nigger“ und „Gauner“ aus dem Drehbuch. Zudem ordnete das Hays Office an, dass Schüsse auf ein Minimum beschränkt werden müssten, in den Glücksspielen kein Geld den Besitzer wechseln dürfe, alle Tötungen außerhalb des Bildes stattzufinden hätten, ebenso die Hinrichtungen. Scherzhafte Anspielungen auf Gott und Priester seien zu vermeiden.<ref name="winnert" />
Bis heute ist umstritten, ob Rocky am Ende des Films seine Todesangst und Verzweiflung nur spielt, um seinem Freund einen Gefallen zu tun, oder angesichts des elektrischen Stuhls wirklich Panik bekommt. Cagney sagte einmal in einem Interview, die Interpretation dieser Szene sei jedem selbst überlassen.
Am Drehbuch des Films waren neben den im Vorspann genannten Autoren auch Ben Hecht und Charles MacArthur beteiligt. Zu erwähnen sind auch die Bauten von Robert Hass, die hervorragend gestaltet seien.<ref name="barbour" />
Musik im Film
- In My Merry Oldsmobile, Musik: Gus Edwards, Text: Vincent P. Bryan
- überarbeitete Version, a cappella gesungen von James Cagney and Pat O’Brien
- The Sidewalks of New York, Musik: Charles B. Lawlor, Text: James W. Blake
- gespielt vom Leierkastenmann während des Eröffnungspanoramas
- Shuffle Off to Buffalo, Musik: Harry Warren
- gespielt zu Beginn der Szene im Billardzimmer
- From Me to You, geschrieben von Fabian Andre, Wayne King und Nat Conney
- gespielt ab dem Zeitpunkt als Bim die 3-Kugel in der Ecke versenkt, bis zum Ende der Billardszene
- I've Got a Heartful of Music, Musik: Richard A. Whiting, Text: Johnny Mercer
Im Film erklingt zudem das Lied Angels With Dirty Faces von Fred Fisher und Maurice Spitalny. Des Weiteren ist der Kirchenchor von St. Brendan zu hören.<ref name="barbour" />
Veröffentlichung
Veröffentlicht wurde der Film erstmals am 26. November 1938 in den Vereinigten Staaten und in Polen. Im Vereinigten Königreich erfolgte eine Veröffentlichung am 20. Januar 1939, in Frankreich am 24. Februar 1939. Ebenfalls im Jahr 1939 erfolgte eine erste Veröffentlichung in Argentinien, Australien, Irland, Belgien, auf den Philippinen, in Mexiko, Schweden, in Den Haag in den Niederlanden, in Johannesburg in Südafrika und in Japan. Eine Veröffentlichung in Portugal erfolgte 1942, in der Türkei 1944, in Italien und Ungarn 1946 und in Finnland 1950.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Film erstmals am 7. Mai 1965 veröffentlicht und in Österreich am 21. Mai 1965. Im Vereinigten Königreich lief er im Februar 2017 auf dem Silver Screen Festival und in Taiwan im September 2024 beim Taiwan Film and Audiovisual Institute.
In Deutschland ist der Film auch unter dem Alternativtitel Chikago erschienen. Einige Quellen behaupteten der Film sei in Dänemark, China, Polen, Finnland und Teilen Kanadas und der Schweiz komplett verboten gewesen. Slogan des Films: „Die Saga von Amerikas Kindern mit den schmutzigen Gesichtern … und den Chancen, die ihnen das Leben verwehrt!“<ref name="2500filme" />
Synchronisation
Die deutsche Synchronfassung zu Engel mit schmutzigen Gesichtern entstand in den 1960er-Jahren bei der Berliner Synchron nach einem Dialogbuch von Fritz A. Koeniger unter Synchronregie von Klaus von Wahl.<ref>Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 4. Februar 2018.</ref>
| Rolle | Schauspieler | Dt. Synchronstimme |
|---|---|---|
| William 'Rocky' Sullivan | James Cagney | Wolfgang Draeger |
| Pater Jerry Connolly | Pat O’Brien | Michael Chevalier |
| James Frazier | Humphrey Bogart | Gerd Martienzen |
| Laury Ferguson | Ann Sheridan | Bettina Schön |
| Mac Keefer | George Bancroft | Martin Hirthe |
| Soapy | Billy Halop | Wolfgang Condrus |
| Swing | Bobby Jordan | Uwe Paulsen |
| Bim | Leo Gorcey | Michael Wuschick |
| Crab | Huntz Hall | Andreas Mannkopff |
| Edwards, Gefängniswärter | Edward Pawley | Hans Wiegner |
| Steve, Auftragskiller | Joe Downing | Lothar Köster |
| Rocky als Jugendlicher | Frankie Burke | Arne Elsholtz |
| Jerry als Jugendlicher | William Tracy | Ulli Lommel |
| McMann | Emory Parnell | Gerd Holtenau |
| Bugs | William Pawley | Reinhard Kolldehoff |
| einer von MacKeefers Leuten | N.N. | Otto Czarski |
| Polizist vor dem Revier und Erzähler | N.N. | Gerd Holtenau |
Rezeption
Kritik
Andrew Bergman schrieb in seiner Biografie über James Cagney, dass das feinfühlige Drehbuch von Warren Duff und John Wexley von Michael Curtiz eindrucksvoll verarbeitet worden sei. Curtiz habe die bemerkenswerte Leistung vollbracht, die Darstellungen von Cagney und den Dead End Kids im Gleichgewicht zu halten. Was in einen Grimassen-Wettbewerb der Straßenjungen und dem Urbild eines Großstadtjungen hätte ausarten können, habe sich zu einem echten, bewegenden Verhältnis zwischen einem gefangenen Erwachsenen und den gefangenen Kindern entwickelt. Die Figur des Rocky hätte leicht abgedroschen wirken können, wenn sie nicht so faszinierend von Cagney darstellt worden wäre. Rocky sei ein Knabe, ein ewig Jugendlicher, auf den Zeit und Verbrechen einen freundlichen und verheerenden Einfluss gehabt hätten. Die einzige Last der Erwachsenen, die er zu tragen gehabt habe, sei die Unabwendbarkeit des Todes. In Rockys Verhältnis zu den Dead End Kids verstehe es Cagney, die größten Augenblick heraufzubeschwören, die Warners je in der Realität des Stadtlebens geschildert habe. Angel with Dirty Faces sei ein außergewöhnlicher Film und Cagneys bravouröse Leistung sei mit einer Oscar-Nominierung und dem Preis der New Yorker Filmkritik belohnt worden.<ref name="bergman" />
Tim Dirks befasste sich auf der Seite AMC Filmsite mit dem Werk und führte aus, Angel with Dirty Faces sei ein klassisches Beispiel für ein Warner Bros. Gangster-/Krimi-Melodram der 1930er Jahre – ein raffinierter, actiongeladener, knallharter Studiofilm mit einer Prise sozialem Gewissen. Regisseur Michael Curtiz habe die fesselnde Geschichte mit einer großartigen, toughen Besetzung wunderbarer Charaktere, allen voran der beiden Stars James Cagney und Pat O’Brien, sowie düsteren Schauplätzen und den gewieften Dead End-Kids erschaffen.<ref>Tim Dirks: Angels with Dirty Faces (1938) filmsite.org (englisch). Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Frank Veenstra war auf der Seite BobaFett1138 blogspot.com der Meinung, der Film besteche vor allem durch seine Oscar-nominierte Geschichte. Er sei ein typischer Gangsterfilm der 30er Jahre, nur mit einer menschlicheren und dramatischeren Wendung. Es sei nicht unbedingt Curtiz bester Film, und auch Cagney und Bogart seien nicht in ihren besten oder denkwürdigsten Rollen zu sehen. Dennoch sei es ein großartiger, solider Film, den man nicht so schnell vergesse. Der Film möge zwar sehr moralisierend und belehrend scheinen, Gewalt verurteilen und predigen, man solle lieber in die Kirche gehen, was auch der Kern des Films sei, werde aber glücklicherweise nie moralisierend oder belehrend. Das liege nicht nur an der guten Drehbuchfassung, sondern auch an den Leistungen der Hauptdarsteller, die den Film und seine Geschichte so wirkungsvoll und realistisch wirken ließen. Angels with Dirty Faces sei dramatischer, mitreißender und daher vielleicht auch einprägsamer als der übliche Gangsterfilm der 30er Jahre.<ref name="bobafett">Frank Veenstra: Angels with Dirty Faces (1938) directed by Michael Curtiz bobafett1138.sealteam1138.com (englisch). Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Chanan Stern schrieb bei 1,001 Movies before you Die, dass Scorsese diesem Klassiker mit James Cagney tatsächlich viel hinsichtlich seines Films Departed – Unter Feinden zu verdanken habe. Cagney liefere hier seine klassische weltberühmte Cagney-Darbietung, die allen, die das klassische Kino verfolgen würden, bildhaft sei. Das Ende des Films enthalte eine kraftvolle Aussage, die den Zuschauer darüber rätseln lasse, was wirklich die Wahrheit sei zum Tod des von Cagney gespielten Gangsters.<ref name="chananstern">Chanan Stern: Angeles with Dirty Faces 1001moviescom.wordpress.com (englisch). Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Dave Becker schrieb auf der Seite 2,500 Movies Challenge, dass dieser Film ein echter Klassiker sei. Er überbiete sich in seiner Hollywood-Kreativität, angefangen bei seinem Regisseur Michael Curtiz, der in der Anfangsszene des Films die Kamera gekonnt durch ein New Yorker Viertel der 1920er Jahre bewege und das geschäftige Treiben einer Straße voller Aktivität einfange. Die Geschichte gleite in zügigem Tempo dahin und führe mehrere neue Charaktere ein, die ihren Teil dazu beitragen würden, die Dinge in Bewegung zu halten. Der Film zeige eine Reihe großartiger junger Schauspieler, angefangen mit den Dead End Kids (die später zu den Bowery Boys geworden seien). William Tracy mache seine Sache als jugendlicher Father Connolly gut, aber es sei Frankie Burke, der mit seiner treffsicheren Imitation von James Cagney den Schauplatz der ersten bemerkenswerten Momente schenke. Doch so stark Burke auch sei, der große Ähnlichkeit mit Cagney habe, gehe doch nichts über das Original. Cagney liefere erneut eine herausragende Leistung als Verbrecher ab, den man einfach mögen müsse. Pat O’Brien, Humphrey Bogart und Ann Sheridan seien natürlich auch keine Nieten, aber es sei Cagneys charismatische Art, die dem Film seine Energie verleihe.<ref name="2500filme">Dave Becker: #2,177. Angeles with Dirty Faces (1938) dvdinfatuation.com (englisch), 22. August 2016. Abgerufen am 18. September.</ref>
Andy Kaiser war auf der Seite Andy’s Film Blog der Meinung, der Film habe eines der abgedroschensten und antiquiertesten Settings der Filmgeschichte, sei aber dennoch urkomisch und möglicherweise der beste Gangsterfilm von Warner Brothers. James Cagney sei so charmant und charismatisch wie eh und je und habe einige wundervolle Szenen, Bogart sei in seiner undankbaren Rolle als Bösewicht ebenfalls überzeugend, er (Kaiser) sei aber wirklich beeindruckt gewesen von O’Briens Arbeit in der typisch langweiligen Rolle des seriösen Mannes, einer Rolle, der er Gewicht verleihe und die ein wesentlicher Grund für den Erfolg des Films sei, der sich sogar über sein Genre erhebe und dessen Finale großartig umgesetzt worden sei.<ref>Andy Kaiser: Angels with Dirty Faces filmreviewsnsuch.blogsport.com (englisch), 10. November 2011. Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Tom Gooderson-ACourt stellte bei At The Back fest, Angels with Dirty Faces sei ein Gangsterfilm aus der Hays-Code-Ära mit James Cagney als Rocky Sullivan, einem berüchtigten Gangster mit einer guten Seite. Der Film besteche durch eine großartige Hauptrolle von Cagney sowie ein brillantes Bühnenbild und knackige Dialoge. Zwar wirke er im Vergleich zu früheren Filmen vor dem Hays Code etwas verwässert, aber man bekomme ein Bild von der Welt, in der die Charaktere gelebt hätten. Etwas zweifelhaft seien die Schlussszenen des Films dank der Regeln des Hays Codes, der 1930 eingeführt und einige Jahre später deutlich verschärft worden sei und strenge Richtlinien für den Ablauf von Geschichten enthalten habe.<ref>Tom Gooderson-ACourt: Angels with Dirty Faces attheback.blogspot.com (englisch), 6. Januar 2013. Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Aaron Pinkston schrieb bei Battleship Pretension, Angels with Dirty Faces sei nach der ersten Welle populärer amerikanischer Gangsterfilme (und nach Inkrafttreten des Hays Code) erschienen und handele von der Kriminalität in amerikanischen Großstädten, was schon die erste Einstellung des Films verdeutliche. Der Film zeige den schmalen Grad zwischen Priester und Kriminellen. Dies sei eine weitere brillante Verkörperung der Idee, dass jeder unter den entsprechenden Umständen kriminell werden könne. Die Dynamik zwischen Rocky und dem Priester, die die zentrale Beziehung im Film sei, mache ihn gleichzeitig so fesselnd.<ref>Aaron Pinkston: A Series of Crimes: Angels with Dirty Faces, by Aaron Pinkston battleshippretension.com (englisch), 22. September 2013. Abgerufen am 18. September 2025.</ref>
Bei Watching Classic Movies stellte man sich die Frage, wie der Film wohl ausgesehen hätte, wenn er in der Zeit vor dem Hays Code gedreht worden wäre. Es gebe Momente, in denen er etwas mehr Biss oder Würze vertragen hätte, aber er habe auch eine gewisse Kunstfertigkeit, die mit der Reifung des Kinos entstanden sei. In typischer Warner-Bros.-Manier seien die Nebendarsteller ebenso dynamisch wie die Hauptdarsteller. Die Dead End Kids, die manchmal etwas kitschig rübergekommen seien, seien aber stets lebendig und faszinierend. Auch Ann Sheridan und Humphrey Bogart machten aus weniger auffälligen Rollen viel. Cagney und O’Brien seien großartig in ihren Rollen, weil sie die typischen Erwartungen an die Rollen, die sie spielen, unterlaufen würden. Zum Klassiker sei der Film aufgrund der emotionalen Kraft seines schockierenden Endes geworden, doch hätte dieses Finale ohne die starke Charakterentwicklung und die kunstvolle Filmkunst, die dem vorausgegangen seien, nicht die halbe Wirkung.<ref>Angels with Dirty Faces watchingclassicmovies.com (englisch), 12. Januar 2022. Abgerufen am 22. September 2022.</ref>
Heath Holland kam für Cereal at Midnight zu dem Ergebnis, dass es sich nicht leugnen lasse, dass der kultige Gangsterfilm Engel mit schmutzigen Gesichtern aus dem Jahr 1938 ein Meisterwerk sei. Die Schauspieler Cagney, O’Brien und Bogart verbinde man mit Warner Bros. und Mafiafilmen. Die Talente, die in dem Film aufgeboten werden würden, könnten nicht größer sein, was den Film zu einem der beliebtesten Filme der Gangstergeschichte gemacht habe. Cagney liefere eine beeindruckende Darstellung eines skrupellosen Verbrechers ohne Reue ab und es mache großen Spaß, ihn in der Rolle eines eiskalten Killers zu sehen. Obwohl der Schauspieler nur 1,65 m groß gewesen sei, habe er eine überlebensgroße physische Präsenz. Zu erwähnen seien auch Ann Sheridan, die Cagneys Geliebte spiele, und der legendäre Regisseur Michael Curtiz.<ref>Heath Holland: Review: Angels with Dirty Faces (1938) cerealatmidnight.com (englisch), 4. Januar 2022. Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Matt Medlock schrieb bei Cinecaps Digest, Cagney tue das, was er am besten könne, in Geschichten, die jedem bekannt vorkämen, der Hollywood-Krimimelodramen kenne. Seine explosive Präsenz (einschließlich einer wilden Kehrtwende im zweideutigen Finale), kombiniert mit Curtiz’ harter, aber sparsamer Regie, Max Steiners Filmmusik und Sol Politos Proto-Noir-Fotografie, machten den Film zu einem Klassiker der Warner-Bros.-Tommy-Gunners der späteren Ära.<ref>Matt Medlock: Angels with Dirty Faces (1938) cinecapsdigest.wordpress.com 77/100 (englisch). Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Auch Raymond Benson beschrieb den Film in Cinema Retro als einen der prägendsten Hollywood-Gangsterfilme der 1930er Jahre, der großartig sei unter der Regie des vielseitigen Regisseurs Michael Curtiz und mit dem unnachahmlichen James Cagney in einer Paraderolle. Es sei ein Film, den man nicht verpassen dürfe. Interessanterweise hätte Cagney den Film beinahe nicht gedreht, da er befürchtete, für immer auf die Rolle des harten Kerls festgelegt zu werden, obwohl er sich doch im Grunde seines Herzens als Sänger und Tänzer gesehen habe. Vor allem die Schlussszene habe der Schauspieler als geeignet angesehen, dem Publikum eine weitere Seite von James Cagney zu zeigen – Emotionen und Tränen. Seine Darstellung des Rocky habe dann auch zu einer ersten Oscar-Nominierung für Cagney geführt.<ref>Raymond Benson: Review: Angels with Dirty Faces (1938) cinemaretro.com (englisch), 12. Januar 2022. Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Patricia Smaggel schrieb im Cinemagazine, dass die unangefochtenen Stars des Kriminalfilms in den 1930er Jahren Edward G. Robinson und James Cagney gewesen seien, in deren Nachfolge weitere Schauspieler auf den Plan getreten seien, einer von ihnen Humphrey Bogart. Smaggel tat kund, dass Michael Curtiz vielleicht Hollywoods am meisten unterschätzter Regisseur gewesen sei, auch wenn er fast ununterbrochen Klassiker aller Genres geliefert habe. Sein größtes Manko sei jedoch gewesen, dass ihm eine ausgeprägte persönliche Handschrift, ein Markenzeichen, gefehlt habe. Seine Filme seien alle hervorragend gemacht, aber nichts an ihnen mache sie zu „Curtiz“. Auch Angels with Dirty Faces sei ein weiterer hervorragend inszenierter Film, in dem Curtiz stets die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffe. Überwältigend seien das Charisma und die Persönlichkeit des legendären Schauspielers James Cagney. Auch Pat O’Brien und Humphrey Bogart seien in seinem Schatten in Hochform.<ref>Patricia Smaggel: Angels with Dirty Faces (1938) cinemagazinenl (englisch). Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Alan Bacchus befasste sich für Daily Film Dose mit dem Film und schrieb, dass Michael Curtiz einer seiner Lieblingsregisseure und wohl der vollendete Studioregisseur sei – ein Filmemacher, der schlanke, ausgefeilte und rasante Filme mit wenig Fett oder Überfluss drehe. Und Engel mit schmutizigen Gesichtern sei einer dieser Filme, ein klassischer Warner-Bros.-Gangsterfilm mit Cagney in Höchstform. Er wirke wie ein Magnet in der Rolle des Rocky. Seine Dialoge trage er mit messerscharfer Intensität vor, sei charismatisch und selbstbewusst und für die Jugendlichen ein Vorbild als ehemaliger Straßenjunge. O’Brien spiele seine Figur weniger als einen aus der Bibel zitierenden Priester, sondern als pragmatischen Berater, der sich auf der Straße auskenne. Was Rockys letzte Momente auch so eindringlich mache, dass der gegenseitige Respekt der beiden Figuren stets spürbar sei. Curtiz verleihe dem Film zudem eine große Tragweite. Auch wenn einige Verhaltensweisen aus heutiger Sicht veraltet seien, biete der Film immer noch eine bemerkenswert dramatische Charakterstudie mit einigen grandiosen Action-Elementen. Auch seien die Szenen mit Cagney und Bogart den Eintrittspreis wert – zwei der besten Schauspieler ihrer Zeit.<ref>Alan Bacchus: Angels with Dirty Faces dailyfilmdose.com (englisch), 2. August 2007. Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Derek Winnert rezensierte den Film in seiner Filmkritik 295 und schrieb, dass James Cagney in einer seiner archetypischsten Darstellungen als William „Rocky“ Sullivan glänze. Ann Sheridan sorge als Cagneys Freundin Laury Ferguson für den knallharten Glamour, und es gebe eine große Nebenbesetzung, die hervorragende Arbeit leiste, insbesondere Frankie Burke und William Tracey als die jungen Versionen von Cagney und O’Brien. Michael Curtiz habe den Film auf spannende Weise und mit einem aufmerksamen Auge für Atmosphäre, Spannung und Tempo inszeniert. Ins Auge falle auch die schwarz-weiße Kameraführung von Sol Polito im Noir-Stil. Max Steiners Musik sei ideal für den Film, der eine typische hochwertige Warner-Bros.-Produktion der 30er Jahre mit einer intelligenten künstlerischen Leitung von Robert M. Haas sei.<ref name="winnert">Derek Winnert: Angels with Dirty Faces ***** (1938, James Cagney, Pat O’Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan, Billy Halop, Leo Gorcey, Huntz Hall) – Classic Movie Review 295 derekwinnert.com (englisch), 18. Oktober 2013. Abgerufen am 22. September 2025.</ref>
Das Lexikon des internationalen Films lobte: „Trotz des plump moralisierenden Endes ist die Produktion eines der überzeugendsten Werke des amerikanischen Gangsterfilms. Der gesellschaftliche Hintergrund des Verbrechertums, die Faszination der Kriminalität als Ventil für soziale Frustrationen wird deutlich herausgearbeitet. Sehenswert auch das intensive Spiel James Cagneys und Humphrey Bogarts, die als klassisch gewordenes Kontrahentenpaar auftreten.“<ref>Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.</ref>
Auch im Evangelischen Filmbeobachter war die Bewertung positiv. Dort hieß es: „Hervorragender, schon klassisch gewordener Gangsterfilm aus dem Jahr 1938 über die ungute Entwicklung eines Jungen aus den Slums der großen amerikanischen Stadt bis hin zu seinem Tod auf dem elektrischen Stuhl. Die Sympathien der Hersteller, die sie offensichtlich ihrem negativen Helden entgegenbrachten, überlagern den moralischen (und leider emotional-sentimentalen) Schluß. Deshalb nur etwas für urteilsfähige Freunde dieses harten Genres.“<ref>Evangelischer Filmbeobachter: Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern. Kritik Nr. 217/1965, S. 402.</ref>
Auszeichnungen
Academy Awards
- 1939: Oscar-Nominierung für James Cagney in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“
- 1939: Oscar-Nominierung für Michael Curtiz in der Kategorie „Beste Regie“
- 1939: Oscar-Nominierung für Rowland Brown in der Kategorie „Beste Original-Story“
- 1939: New York Film Critics Circle Award Auszeichnung für James Cagney in der Kategorie „Bester Schauspieler“
- 2024: Aufnahme des Films in das National Film Registry
Photoplay Awards 1939
- Photoplay Award in der Kategorie „Bester Film des Monats Januar“
- Photoplay Award in der Kategorie „Beste schauspielerische Leistungen im Monat Januar“
- für Huntz Hall, Billy Halop, Leo Gorcey, The Dead End Kids, Bernard Punsly, Gabriel Dell, Bobby Jordan*
- Photoplay Award in der Kategorie „Beste schauspielerische Leistung im Monat Januar“ James Cagney
- Photoplay Award in der Kategorie „Beste schauspielerische Leistung im Monat Januar“ Pat O’Brien
Online Film & Television Association 2023
- Gewinner OFTA Film Hall of Fame Motion Picture
DVD-Veröffentlichung
- Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern. Warner Home Video 2005
Weblinks
- Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern bei IMDb
- Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern bei Rotten Tomatoes (englisch)
Einzelnachweise
<references />
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