Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338 Aramäische Sprachen – WikipediaZum Inhalt springen
Außerdem in der aramäischen Diaspora in Europa, Amerika und Australien |
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Die aramäischen Sprachen bilden eine genetische Untereinheit der semitischen Sprachen, die selbst ein Zweig des Afroasiatischen sind. Aramäisch und Kanaanäisch (dazu gehören z. B. Hebräisch und Phönizisch) sind die Hauptzweige des Nordwestsemitischen. Die Trennung des Aramäischen vom Kanaanäischen fand im Laufe der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. statt. Alle aramäischen Sprachen gehen auf das Altaramäische zurück, das seit Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends belegt ist.
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}}</ref> Diese haben etwa 550.000<ref name="ethnologue" /> bis 850.000<ref name="sabar" /> Sprecher meist jüdischen, christlichen oder mandäischen, selten muslimischen Glaubens.
Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete liegen im heutigen Irak, in Iran, Israel, im Libanon, Syrien und in der Türkei; in der autonomen kurdischen Region Rojava in Syrien ist es eine der Amtssprachen. Durch Migrationsprozesse (Flucht, Umsiedlung, Auswanderung) gelangten Sprecher aramäischer Sprachen zunächst nach Russland, in jüngerer Zeit vor allem nach Nord-, West- und Mitteleuropa, Nord- und Südamerika sowie Australien.
Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Sprachgruppe wird von der Aramaistik betrieben, die an Hochschulen oft als Teil der Semitistik angesiedelt ist. Klassisches westliches Aramäisch war die Muttersprache Jesu von Nazaret.
Klassifikation der aramäischen Sprachen
Zur Position des Aramäischen innerhalb des Semitischen siehe den Artikel semitische Sprachen.
Turoyo (62.000)<ref>Schätzung bei Ethnologue, die Differenz zur „ethnic population“ von 50.000 sind wohl kurdische Sprecher.</ref>
Mlahso †<ref>Angabe bei Ethnologue, letzter Muttersprachler starb 1998, eine fast taube Frau hatte außerdem Kenntnisse, aber kaum Sprachmöglichkeit.</ref>
Assyrisch-Neuaramäisch (Nestorianisch-Neuaramäisch; Dialekte: Urmia, Nord-Hakkari und Zentral-Hakkari – Letzteres manchmal noch in Zentral- und West-Hakkari geteilt und in den Sapna-Dialekt im Gouvernement Dohuk/Nordirak) (232.300)<ref>Schätzung bei Ethnologue.</ref>
Chaldäisch-Neuaramäisch (Kaldaya) (206.000)<ref>Schätzung bei Ethnologue.</ref>
Umstritten ist vor allem die Einteilung des Neuaramäischen.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications25">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Es ist zu beachten, dass die Grenzen der Sprachen Chaldäisch und Assyrisch (Letzteres ist nicht zu verwechseln mit der antiken Sprache Assyrisch, die nicht aramäisch, sondern ein Zweig des Akkadischen war) nicht exakt den Grenzen der Chaldäischen Kirche und Assyrischen Kirche entsprechen. Es gibt auch Dörfer der einen Kirche mit der jeweils anderen Sprache. In den südlicheren Ebenen sind viele chaldäische, assyrische, jakobitische, maronitische und andere Christen sowie Juden, Muslime und Mandäer teilweise schon seit Jahrhunderten zur arabischen Alltagssprache übergegangen (arabische Christen, arabische Juden usw.), nördlicher auch zu anderen Sprachen wie dem Kurdischen. Das gesprochene Neuaramäisch zog sich eher in die entlegeneren Gebirgsregionen zurück.
In der Literatur finden sich teilweise auch andere Einteilungen der neuaramäischen Sprachgruppen nach Regionen als in der obigen Liste, zum Beispiel in der Karte oben: Südost-Aramäisch (Senaya), Süd-Aramäisch (Koi-Sanjaq), Südwest-Aramäisch (Chaldäisch), Zentral-Aramäisch (Zentral-Hakkari) und Nord-Aramäisch (Nord-Hakkari).
Vorlage:Hinweisbaustein
Als Periode des Altaramäischen gilt die Zeit vom elften bis zum frühen siebten Jahrhundert v. Chr.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die ältesten bisher bekannten Dialekte des Aramäischen stammen aus dem 10. oder 9. Jahrhundert v. Chr. Es sind dies das Samʼalische von Zincirli,<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications28">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications31">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> der Dialekt der Inschrift von Tell Fekheriye,<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications31" /> die Dialekte des zentralsyrischen Raumes und der Dialekt von Tel Deir ‘Alla.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications28" /><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications32">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Dabei wird das Sam’alische mitunter nicht als altaramäischer Dialekt bewertet.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications28" /> Das Altaramäische lässt sich in vier Dialektgruppen einteilen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Bereits in assyrischer Zeit kam dem Aramäischen als internationaler Handels- und Diplomatensprache große Bedeutung zu.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications32" /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> In dieser Zeit entstand aus den altaramäischen Dialekten das Reichsaramäische.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications32" /> Neuassyrische Reliefs zeigen nebeneinander Schreiber, die mit einem Griffel auf Tontafeln schreiben, sich also vermutlich der akkadischen Sprache bedienten (in Keilschrift), und Schreiber mit Schriftrollen, die aramäische Texte verfassen. Aramäische Inschriften des 7. Jahrhunderts v. Chr. sind zum Beispiel aus Zincirli und Nerab in Nordsyrien/Südostanatolien bekannt. Eine aramäische Inschrift aus Tappeh Qalayci bei Bukan in Westiran zeigt, wie weit nördlich die Sprache bereits im 8. oder 7. Jahrhundert verbreitet war. Weiter im Osten tragen noch einige sogenannte Luristan-Bronzen aramäische Inschriften.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Sie stammen vielleicht aus dem 8. Jahrhundert,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> die Datierung ist jedoch ohne stratifizierbare Funde schwierig.
Reichs- und Mittelaramäisch
Datei:AsokaKandahar.jpgInschrift eines der Edikte des Ashoka aus der Nähe von Kandahar in griechischer Sprache und Schrift (oben) und reichsaramäischer Sprache und Schrift (unten). Nachdem das indische Maurya-Reich Ostteile des früheren Perserreiches erobert hatte, verwendete es das seit dem Perserreich etablierte Reichsaramäisch und das seit dem Hellenismus verbreitete Griechisch als regionale Schriftsprachen weiter.
Im mehrsprachigen Perserreich wurde Aramäisch unter der Herrschaft der Achämeniden zu einer der überregionalen Reichssprachen (Kanzleisprachen des Königshofes und der Verwaltung des achämenidischen Großkönigs),<ref name="1707-aramaic-language-among-the-jews">{{#if: | {{{Autor}}}: |{{#if: Richard Gottheil, Wilhelm Bacher | Richard Gottheil, Wilhelm Bacher: }}}}{{#if: Aramaic Language Among the Jews | Aramaic Language Among the Jews. In: Isidore Singer (Hrsg.):| Eintrag] in der}} Jewish Encyclopedia. {{#if: | Band {{{Band}}}, Funk and Wagnalls, New York|}} {{#if:|{{#switch: {{{Band}}}.
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Während die meisten Papyri auf Reichsaramäisch heute nicht mehr erhalten sind (bis auf die Elephantine-Papyri und einige weitere Beispiele aus dem trockenen Wüstenklima Oberägyptens), sind Inschriften auf Reichsaramäisch aus dem gesamten Gebiet des Achämenidenreiches von Kleinasien und Ägypten bis zum Indus bis in nachachämenidische Zeit verbreitet.<ref>F. Rosenthal, J.C. Greenfield, Shaul Shaked: Aramaic in: Encyclopædia Iranica.</ref>
Das hohe Ansehen des Reichsaramäischen als Reichssprache und seine Bekanntheit als Verkehrssprache beschleunigte wahrscheinlich den Prozess, in dem Aramäisch ältere Sprachen des Fruchtbaren Halbmondes, besonders Hebräisch, Phönizisch und Babylonisch verdrängte und schließlich ganz ersetzte. Die Phase des Reichsaramäischen vom 5. bis 3. Jahrhundert v. Chr. war auch die besonders schriftsprachlich am stärksten vereinheitlichte Entwicklungsstufe des Aramäischen. In den folgenden 2200 Jahren bilden sich in mittel- und klassisch-aramäischer Zeit wieder zunehmende dialektale Unterschiede, die sich in neuaramäischer Zeit so weit auseinanderentwickelten, dass sie teilweise gegenseitig kaum verständlich oder unverständlich werden und deshalb in der Linguistik als separate Sprachen klassifiziert werden.
Seine Bedeutung spiegelt sich auch im Tanach, der hebräischen Bibel, wider, wo einige spät entstandene Textpassagen in aramäischer Sprache verfasst sind. Die mittelaramäischen Passagen der Bücher Daniel und Esra sind jedoch nicht im selben Dialekt gehalten,<ref name="thetargumss9">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> weshalb biblisches Aramäisch (früher auch als Chaldäisch bezeichnet<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>) von Paul V. M. Flesher und Bruce D. Chilton als Fehlbezeichnung kritisiert wird.<ref name="thetargumss9" /> Holger Gzella hingegen schreibt, die aramäischsprachigen Teile des Tanachs böten „ihrer sprachlichen Gestalt nach ein größtenteils einheitliches Bild: Die Gemeinsamkeiten zwischen Daniel und Esra wiegen schwerer als die durchaus vorhandenen Differenzen“. Das biblisch-aramäische Korpus stehe „dem Reichsaramäischen nahe genug, um eine Behandlung zusammen mit ihm zu rechtfertigen“, unterscheide sich aber deutlich genug von diesem, „um ihm nicht gänzlich subsumiert zu werden“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Da das Hebräische in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. die Schriftzeichen des Aramäischen übernommen hat („Quadratschrift“), werden im Judentum beide Sprachen in derselben Schrift aus 22 Konsonantenzeichen geschrieben, und diese alte Form des aramäischen Alphabets wird gemeinhin als hebräische Schrift bezeichnet. Auch wird das Aramäische neben dem Hebräischen als Sprache der jüdischen Tradition empfunden; so sind die beiden Talmudim in jüdisch-aramäischen Dialekten niedergeschrieben. Andere Dialekte des Aramäischen wie das Palmyrenische, Nabatäische, Syrische etc. entwickelten eigene Schriftformen (siehe Nabatäische Schrift, Syrisches Alphabet).
Aus Tayma in Arabien sind aramäische Inschriften bekannt, die um 500 v. Chr. datieren. Auch im Gebiet der Nabatäer wurden zahlreiche aramäische Inschriften gefunden, ebenso auf dem Sinai. Aus parthischer Zeit stammen zahlreiche Ostraka in aramäischer Sprache aus Nisa in Turkmenistan. Dabei handelt es sich vor allem um Wirtschaftstexte, Bestellungen der Palastküche.
In Palästina verdrängte das Aramäische das Hebräische.<ref name="1707-aramaic-language-among-the-jews" /><ref>{{#if: | {{{Autor}}}: |{{#if: Crawford Howell Toy, Richard Gottheil | Crawford Howell Toy, Richard Gottheil: }}}}{{#if: Bible Translations | Bible Translations. In: Isidore Singer (Hrsg.):| Eintrag] in der}} Jewish Encyclopedia. {{#if: | Band {{{Band}}}, Funk and Wagnalls, New York|}} {{#if:|{{#switch: {{{Band}}}.
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}}</ref> Zur Zeit Jesu wurde dort überwiegend Aramäisch gesprochen, und Aramaismen im griechischen Neuen Testament, zum Beispiel Abba, Golgota und Maranatha,<ref name="missick">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> zeigen, dass Aramäisch wahrscheinlich auch die Sprache Jesu und seiner Gemeinde war. Auch zahlreiche Texte, die in Qumran gefunden wurden, sind, wie oben erwähnt, in aramäischer Sprache verfasst. Um die Zeitenwende war Aramäisch neben der griechischen Koine die allgemein gebrauchte Verkehrssprache des Nahen Ostens.
Die ab dem zweiten oder dritten Jahrhundert nachweisbaren späteren Targumim<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> (jüdische Bibel-Übersetzungen ins Aramäische für den Synagogalgebrauch) und der Jerusalemer Talmud (palästinischer Talmud) dokumentieren das jüdisch-palästinische Aramäisch (galiläisches Aramäisch). Dieses Aramäisch gehört wie das christlich-palästinische und das Samaritanische zum westaramäischen Sprachzweig.
Daneben steht das Ostaramäische, das in folgenden Sprachformen belegt ist:
Syrisch, das zu den am besten dokumentierten Formen des Aramäischen zählt,<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Beispiele sind die Peschitta (christlich-aramäische Bibelübersetzung) und Schriften der syrischen Kirchenväter
Ein Merkmal des östlichen Zweiges ist beispielsweise das Präfix der 3. Person Maskulinum (Singular und Plural), l- beziehungsweise n- statt y-.<ref>Zum Jüdisch-Babylonischen Aramäisch {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Mandäischen und Syrischen ist es ausschließlich n-, im Jüdisch-Babylonischen alternieren beide Varianten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>Helen Younansardaroud: Lehrbuch Klassisch-Syrisch (= Semitica et Hamitosemitica. Band 15). Aachen 2015, S. 53–55.</ref> Im Jüdisch-Palästinischen Aramäisch hingegen tritt n- statt y- nur im Plural Maskulinum auf, im Singular hat sich das ältere y- erhalten.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
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}}</ref> Vom Ende der Zeit der Geonim bis zur „Wiederentdeckung“ des gesprochenen Aramäisch durch Europäer, die im 17. Jahrhundert Kurdistan bereisten, gibt es jedoch nur wenige Zeugnisse.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Während das gesprochene Aramäisch besonders in westlichen und südlichen Gebieten seit dem Mittelalter immer weiter zurückgedrängt wurde, blieben im Syrischen Christentum aramäische Sprachformen noch lange die Sakralsprache und die Schriftsprache (siehe auch Aramäische Diglossie). Mit der Zeit wurde das Aramäische auch als Schriftsprache seltener. Später wurde es als Sakralsprache in einigen westlichen Kirchen neben das Arabische gestellt.<ref>Siehe kurzen Überblickstext des Aramaisten Shabo Talay: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20150925054644
Die Verfolgung der christlichen Suroye/Suraye (auch bekannt als Assyrer, Aramäer oder Chaldäer) und die demographische Ausdünnung der aramäischen Sprachinseln im Osmanischen Reich durch Auswanderung, teils durch Flucht oder aus politischen Gründen, teils aus wirtschaftlichen, setzte bereits im 19. Jahrhundert ein. Aramäischsprachige Christen emigrierten zuerst nach Russland,<ref>siehe z. B. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20150925075639
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Die heutigen neuaramäischen Sprachen und Dialekte sind hauptsächlich in Kurdistan, also im Südosten der Türkei, dem nördlichen Irak und dem Nordosten Syriens erhalten, außerdem wird Aramäisch auch von Juden und Assyrern im westlichen Iran gesprochen.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications25" /><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications40">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Im Gegensatz zu den Juden, von denen einige sich in Israel neu etablieren konnten, ist einem Großteil der Assyrer der Erhalt ihrer Kultur, Geschichte und Sprache in der über viele Länder verteilten Diaspora erschwert.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Eine dieser ostaramäischen Sprachen ist Turoyo.<ref>Siehe Sprachgebiet des Turoyo bei Linguarium (russisch) südöstlich von Diyarbakır. Beide Farbtöne: Ende 19. Jahrhundert, dunkleres ocker: Ende der 1960er Jahre.</ref> Doch scheint diese Schätzung infolge der Umwälzungen im Irak und der repressiven Religions- und Minderheitenpolitik in der Türkei, den Hauptsiedlungsgebieten der Assyrer (auch bekannt als Aramäer oder Chaldäer), zu hoch gegriffen. Eine letzte Enklave des gesprochenen Neuwestaramäischen sind das christliche Dorf Maalula und zwei benachbarte muslimische Dörfer im Antilibanon-Gebirge auf syrischer Seite.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications40" /><ref>Siehe Karte semitischer Sprachen im Nahen Osten (russisch) des Linguarium-Projektes der Moskauer Lomonossow-Universität., rote Dreiecke für Neuwestaramäisch.</ref>
Die jüdischen Sprecher des Aramäischen sind fast alle nach Israel ausgewandert.<ref>Siehe Karte der historischen Judäo-Neuaramäischen Dörfer und Sprachformen bei Linguarium (englisch) (vor der Auswanderung). Auf dieser Karte sind die Namen „Hulaula, Persian Kurdistani“ und „Lishan Didan, Persian Azerbaijani“ aber versehentlich verkehrt herum eingezeichnet. Die ehem. Sprecherorte des Hulaula: Kerend und Sanandaj (s. a. Alternativname oben) und Saqiz, Suleimaniya (s. folgende Fußnote) sind aber bei 5 eingezeichnet, das also Hulaula ist; die ehem. Sprachorte Urmiyah (s. Alternativname) und Salmas, Mahabad (s. folgende Fußnote) dagegen bei 4, das also Lishan Didan/Urmiyah ist (liegt ja auch in der Nähe des Urmiasees).</ref> In Israel gibt es einige Siedlungen und Stadtviertel, in denen Aramäisch noch Umgangssprache jüdischer Gruppen aus Kurdistan (Nordirak) ist, nach Ethnologue einige Viertel im Raum Tel Aviv und Jerusalem (darunter auch in der Nähe der Hebräischen Universität) und in Mewasseret Zion.<ref>Siehe Ethnologue-Angaben zu Hulaulá, Barzani-Jüdisches Aramäisch, Lishana Deni, Lishán Didán und Lishanid Noshan.</ref> Jeschiwa-Schülern jedoch wird meist keine Grammatik und kein Wortschatz beigebracht, stattdessen lernen sie Aramäisch meist nur noch im talmudischen Kontext auswendig, weshalb sie laut eines Experiments in Cambridge den Talmud nicht eigenständig lesen können.<ref name="ekurd" />
Von einigen Regionen im Nahen Osten<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> abgesehen, werden die neuaramäischen Sprachen heute wohl vor allem von Menschen gesprochen, die in der Diaspora in Australien, den USA, Europa und der ehemaligen Sowjetunion leben.<ref name="ekurd" /><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications40" /> Mindestens 100.000 aramäischsprachige Christen sollen seit dem Zusammenbruch des Regimes Saddam Husseins aus dem Irak emigriert und nach Jordanien, West- und Mitteleuropa sowie Amerika geflohen sein. Das moderne Aramäisch gilt als vom Aussterben bedroht<ref name="ekurd" /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>Vgl. {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> unter anderem aufgrund der sprachlichen Assimilation sowohl aus dem Nahen Osten auswandernder<ref name="ekurd" /> als auch sich sprachlich dem Umland anpassender<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Familien, der oft fehlenden Vermittlung der Sprachen an die Nachkommen<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> sowie des syrischen Bürgerkriegs.<ref name="foreignpolicy" />
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Vorlage:Hinweisbaustein
Die ursprüngliche aramäische Schrift ist eine von rechts nach links geschriebene Konsonantenschrift. Vokale werden an einigen Stellen durch matres lectionis angezeigt, also Buchstaben, die mitunter nicht als Konsonanten, sondern als ihnen phonetisch ähnliche Vokale zu lesen sind.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Für einige Schriften aramäischen Ursprungs wurden Vokalisationssysteme entwickelt.
Die Quadratschrift, die vermutlich seit dem babylonischen Exil<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> von Juden anstelle der althebräischen Schrift genutzt wird, findet nicht nur bei hebräischen und jüdisch-aramäischen Texten Verwendung, sondern allgemein bei jüdischen Sprachen. Texte in Quadratschrift werden gelegentlich nach dem durch den masoretischen Text bekannten tiberiensischen beziehungsweise tiberischen System, das sich gegenüber dem palästinischen und dem Babylonischen Vokalisationssystem durchsetzte, vokalisiert, meist wird diese Schrift jedoch ohne Vokalzeichen geschrieben. Für das samaritanische Aramäisch fand die auf der althebräischen basierende samaritanische Schrift Verwendung.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|Vorlage:FormatDate/Wartung/Error}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Samaritan Aramaic|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Samaritan Aramaic}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:http://www.ethnologue.com/language/sam%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Samaritan Aramaic}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=http://www.ethnologue.com/language/sam}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Samaritan Aramaic}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Ethnologue{{#if: 2015-10-08 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
Weitere aramäische Schriften sind die nabatäische (aus der die arabische hervorging), die palmyrenische, die hatranische, die edessenische (aus der das syrische Alphabet hervorging) und die bis heute verwendete mandäische Schrift.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die syrische Kursive, also im syrischen Christentum verwendete Weiterentwicklungen des syrischen Alphabets, existiert in drei verschiedenen Formen: die westsyrische Esṭrangelā und Serṭō und einer dritten, mit der Assyrischen Kirche des Ostens assoziierten Form, die ostsyrische oder nestorianische Schrift.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Bei einem Großteil der Konsonanten hängt die Form von ihrer Position (unverbunden, Wortanfang, -mitte oder -ende) ab. Es existieren zwei Vokalisationssysteme.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die syrische Schrift wird heute auch für christliche neuaramäische Sprachen verwandt, die nicht zwingend direkte Nachfolger der syrischen Sprache sind.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Aramaistik
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Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte die Aramaistik auf.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Zu den wichtigsten Funden dieser Zeit zählt die Trilingue vom Letoon, eine in aramäischer, altgriechischer und lykischer Sprache beschriftete Stele, die erheblich zum Verständnis des Reichsaramäischen beitrug.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Aramäisch in der Populärkultur
Von Sprechern und Wissenschaftlern abgesehen, wird Aramäisch oft fälschlich den toten Sprachen zugeordnet<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> oder ist Menschen außerhalb dieser Kreise völlig unbekannt.<ref name="missick" />
Mit dem Aramäischen kamen viele Nichtsprecher durch Mel Gibsons Spielfilm Die Passion Christi von 2004 in Kontakt.<ref name="missick" /> Der Film wurde unter anderem für die Verwendung des Lateinischen statt des Griechischen als lokale Sprache<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und die negative Darstellung der Juden<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> sowie das im Film gesprochene Aramäisch und die verfälschenden Untertitel<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> kritisiert. Das Gemisch, aus dem das im Film gesprochene Aramäisch besteht, enthält diverse Grammatikfehler.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Klaus Beyer: Einleitung. In: Klaus Beyer: Die aramäischen Texte vom Toten Meer. Aramaistische Einleitung, Text, Übersetzung, Deutung, Grammatik/Wörterbuch, deutsch-aramäische Wortliste, Register. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1984, ISBN 3-525-53571-6, S. 20–153 (Abriss der Sprachgeschichte von der Antike bis zur Moderne, geschrieben von einem der führenden Semitisten der Gegenwart).
Stuart Creason: Aramaic. In: Roger D. Woodard (Hrsg.): The Cambridge Encyclopedia of the World’s Ancient Languages. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2004, ISBN 0-521-56256-2, S. 391–426.
Joseph A. Fitzmyer, Stephen A. Kaufman (Hrsg.): An Aramaic Bibliography. Band 1: Old, Official and Biblical Aramaic. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1992, ISBN 0-8018-4312-X.
Holger Gzella, Margaretha L. Folmer (Hrsg.): Aramaic in its Historical and Linguistic Setting (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Veröffentlichungen der Orientalischen Kommission. Bd. 50). Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05787-5.
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Holger Gzella: Aramäisch. Weltsprache des Altertums. Eine Kulturgeschichte von den neuassyrischen Königen bis zur Entstehung des Islams. C.H. Beck, München 2023, ISBN 978-3-406-79348-6, Rezension.<ref>Michael P. Streck: Zweiundzwanzig Buchstaben als Wettbewerbsvorteil. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 104, 5. Mai 2023, S. 12.</ref>
Klaus Beyer: Die aramäischen Inschriften aus Assur, Hatra und dem übrigen Ostmesopotamien. (Datiert 44 v. Chr. bis 238 n. Chr.). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-53645-3.
Rainer Degen: Altaramäische Grammatik der Inschriften des 10.–8. Jh. v. Chr. (= Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes 38, 3, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0567-4980|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
Volker Hug: Altaramäische Grammatik der Texte des 7. und 6. Jh.s v. Chr. (= Heidelberger Studien zum alten Orient. Bd. 4). Heidelberger Orientverlag, Heidelberg 1993, ISBN 3-927552-03-8 (Zugleich: Heidelberg, Universität, Dissertation, 1990).
Rudolf Macuch: Grammatik des samaritanischen Aramäisch (= Studia Samaritana. Bd. 4). de Gruyter, Berlin u. a. 1982, ISBN 3-11-008376-0.
Christa Müller-Kessler: Grammatik des Christlich-Palästinisch-Aramäischen. Band 1: Schriftlehre, Lautlehre, Formenlehre (= Texte und Studien zur Orientalistik. Bd. 6, 1). G. Olms, Hildesheim u. a. 1991, ISBN 3-487-09479-7 (= Freie Universität Berlin, Dissertation, 1988).
Theodor Nöldeke: Kurzgefaßte syrische Grammatik. Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1898 mit Anhang von Anton Schall. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1977, ISBN 3-534-00434-5.
Theodor Nöldeke: Mandäische Grammatik. Nachdruck der Ausgabe Halle an der Saale 1875 mit Anhang von Anton Schall. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964.
Stanislav Segert: Altaramäische Grammatik. 4., unveränd. Auflag. Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1990, ISBN 3-324-00123-4.
Michael Waltisberg: Syntax des Ṭuroyo (= Semitica Viva 55). Harrassowitz, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-447-10731-0.
Harald Haarmann: Aisor. (Sammelbegriff für in Osteuropa/Sowjetunion verbreitete Nordost-neuaramäische Sprachformen, meist Neuassyrisch und Bohtan) (PDF). In Miloš Okuka (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Klagenfurt 2002. (= Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens 10).
Achemenet – von Pierre Briant betreute Webseite mit Informationen zu reichsaramäischen Inschriften der Achämenidenzeit