ca. 550.000<ref name="ethnologue">Summe der Sprecherschätzungen von Ethnologue für die verschiedenen neuaramäischen Sprachen. (anklicken)</ref> bis 850.000<ref name="sabar">Vgl. Yona Sabar: Mene Mene, Tekel uPharsin (Daniel 5:25). Are the Days of Jewish and Christian Neo-Aramaic Dialects Numbered? In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band23, Nr.2, 2009, S.8f. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) [abgerufen am 25. August 2015]).</ref> (Muttersprachler neuaramäischer Sprachen)<ref>Summe der Schätzungen heute noch fließender Muttersprachler der neuaramäischen Sprachformen. Die Gesamtzahl der zahlreicheren Sprecher klassisch-aramäischer Sakralsprachen, die sie meist als Fremdsprache gelernt haben, ist schon aufgrund der verschiedenen Sprachniveaus schwierig.</ref>
Die aramäischen Sprachen bilden eine genetische Untereinheit der semitischen Sprachen, die selbst ein Zweig des Afroasiatischen sind. Aramäisch und Kanaanäisch (dazu gehören z. B. Hebräisch und Phönizisch) sind die Hauptzweige des Nordwestsemitischen. Die Trennung des Aramäischen vom Kanaanäischen fand im Laufe der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. statt. Alle aramäischen Sprachen gehen auf das Altaramäische zurück, das seit Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends belegt ist.
Aus den klassischen aramäischen Sprachen entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte die etwa siebzehn neuaramäischen Sprachen der Gegenwart.<ref>Paul Younan: Preservation and Advancement of the Aramaic Language in the Internet Age. Nineveh On Line, 2001, abgerufen am 22. Mai 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Aramäisch wird hier als eine einzige Sprache verstanden und in 16 ostaramäische und einen westaramäischen Dialekt eingeteilt.).</ref> Diese haben etwa 550.000<ref name="ethnologue" /> bis 850.000<ref name="sabar" /> Sprecher meist jüdischen, christlichen oder mandäischen, selten muslimischen Glaubens.
Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete liegen im heutigen Irak, in Iran, Israel, im Libanon, Syrien und in der Türkei; in der autonomen kurdischen Region Rojava in Syrien ist es eine der Amtssprachen. Durch Migrationsprozesse (Flucht, Umsiedlung, Auswanderung) gelangten Sprecher aramäischer Sprachen zunächst nach Russland, in jüngerer Zeit vor allem nach Nord-, West- und Mitteleuropa, Nord- und Südamerika sowie Australien.
Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Sprachgruppe wird von der Aramaistik betrieben, die an Hochschulen oft als Teil der Semitistik angesiedelt ist. Klassisches westliches Aramäisch war die Muttersprache Jesu von Nazaret.
Klassifikation der aramäischen Sprachen
Zur Position des Aramäischen innerhalb des Semitischen siehe den Artikel semitische Sprachen.
Turoyo (62.000)<ref>Schätzung bei Ethnologue, die Differenz zur „ethnic population“ von 50.000 sind wohl kurdische Sprecher.</ref>
Mlahso †<ref>Angabe bei Ethnologue, letzter Muttersprachler starb 1998, eine fast taube Frau hatte außerdem Kenntnisse, aber kaum Sprachmöglichkeit.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Nordost (englisch: North-Eastern Neo-Aramaic, Abkürzung NENA)
Assyrisch-Neuaramäisch (Nestorianisch-Neuaramäisch; Dialekte: Urmia, Nord-Hakkari und Zentral-Hakkari – Letzteres manchmal noch in Zentral- und West-Hakkari geteilt und in den Sapna-Dialekt im Gouvernement Dohuk/Nordirak) (232.300)<ref>Schätzung bei Ethnologue.</ref>
Chaldäisch-Neuaramäisch (Kaldaya) (206.000)<ref>Schätzung bei Ethnologue.</ref>
Umstritten ist vor allem die Einteilung des Neuaramäischen.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications25">Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.25 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 23. April 2015]).</ref> Es ist zu beachten, dass die Grenzen der Sprachen Chaldäisch und Assyrisch (Letzteres ist nicht zu verwechseln mit der antiken Sprache Assyrisch, die nicht aramäisch, sondern ein Zweig des Akkadischen war) nicht exakt den Grenzen der Chaldäischen Kirche und Assyrischen Kirche entsprechen. Es gibt auch Dörfer der einen Kirche mit der jeweils anderen Sprache. In den südlicheren Ebenen sind viele chaldäische, assyrische, jakobitische, maronitische und andere Christen sowie Juden, Muslime und Mandäer teilweise schon seit Jahrhunderten zur arabischen Alltagssprache übergegangen (arabische Christen, arabische Juden usw.), nördlicher auch zu anderen Sprachen wie dem Kurdischen. Das gesprochene Neuaramäisch zog sich eher in die entlegeneren Gebirgsregionen zurück.
In der Literatur finden sich teilweise auch andere Einteilungen der neuaramäischen Sprachgruppen nach Regionen als in der obigen Liste, zum Beispiel in der Karte oben: Südost-Aramäisch (Senaya), Süd-Aramäisch (Koi-Sanjaq), Südwest-Aramäisch (Chaldäisch), Zentral-Aramäisch (Zentral-Hakkari) und Nord-Aramäisch (Nord-Hakkari).
Vorlage:Hinweisbaustein
Als Periode des Altaramäischen gilt die Zeit vom elften bis zum frühen siebten Jahrhundert v. Chr.<ref>Paul V. M. Flesher, Bruce D. Chilton: The Targums: A Critical Introduction (= Studies in Aramaic Interpretation of Scripture). Baylor University Press, Waco, Texas 2011, ISBN 978-90-04-21769-0, S.269 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref><ref>Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.27f. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref> Die ältesten bisher bekannten Dialekte des Aramäischen stammen aus dem 10. oder 9. Jahrhundert v. Chr. Es sind dies das Samʼalische von Zincirli,<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications28">Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.28 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications31">Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.31 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref> der Dialekt der Inschrift von Tell Fekheriye,<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications31" /> die Dialekte des zentralsyrischen Raumes und der Dialekt von Tel Deir ‘Alla.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications28" /><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications32">Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.32 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref> Dabei wird das Sam’alische mitunter nicht als altaramäischer Dialekt bewertet.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications28" /> Das Altaramäische lässt sich in vier Dialektgruppen einteilen.<ref>Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.29–32 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref>
Bereits in assyrischer Zeit kam dem Aramäischen als internationaler Handels- und Diplomatensprache große Bedeutung zu.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications32" /><ref>Paul V. M. Flesher, Bruce D. Chilton: The Targums: A Critical Introduction (= Studies in Aramaic Interpretation of Scripture). Baylor University Press, Waco, Texas 2011, ISBN 978-90-04-21769-0, S.267 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> In dieser Zeit entstand aus den altaramäischen Dialekten das Reichsaramäische.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications32" /> Neuassyrische Reliefs zeigen nebeneinander Schreiber, die mit einem Griffel auf Tontafeln schreiben, sich also vermutlich der akkadischen Sprache bedienten (in Keilschrift), und Schreiber mit Schriftrollen, die aramäische Texte verfassen. Aramäische Inschriften des 7. Jahrhunderts v. Chr. sind zum Beispiel aus Zincirli und Nerab in Nordsyrien/Südostanatolien bekannt. Eine aramäische Inschrift aus Tappeh Qalayci bei Bukan in Westiran zeigt, wie weit nördlich die Sprache bereits im 8. oder 7. Jahrhundert verbreitet war. Weiter im Osten tragen noch einige sogenannte Luristan-Bronzen aramäische Inschriften.<ref>Michael Sokoloff: The Old Aramaic Inscription from Bukân: A revised Interpretation. In: Israel Exploration Journal. Band49, Nr.1/2, 1999, ISSN0021-2059, S.106.</ref> Sie stammen vielleicht aus dem 8. Jahrhundert,<ref>John C. L. Gibson: Textbook of Syriac Semitic Inscriptions. Band2: Aramaic Inscriptions Including Inscriptions in the Dialect of Zenjirli. Clarendon Press, Oxford 1975, S.57.</ref> die Datierung ist jedoch ohne stratifizierbare Funde schwierig.
Reichs- und Mittelaramäisch
Datei:AsokaKandahar.jpgInschrift eines der Edikte des Ashoka aus der Nähe von Kandahar in griechischer Sprache und Schrift (oben) und reichsaramäischer Sprache und Schrift (unten). Nachdem das indische Maurya-Reich Ostteile des früheren Perserreiches erobert hatte, verwendete es das seit dem Perserreich etablierte Reichsaramäisch und das seit dem Hellenismus verbreitete Griechisch als regionale Schriftsprachen weiter.
Im mehrsprachigen Perserreich wurde Aramäisch unter der Herrschaft der Achämeniden zu einer der überregionalen Reichssprachen (Kanzleisprachen des Königshofes und der Verwaltung des achämenidischen Großkönigs),<ref name="1707-aramaic-language-among-the-jews">Richard Gottheil, Wilhelm Bacher: Aramaic Language Among the Jews. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Funk and Wagnalls, New York 1901–1906.</ref> neben Altpersisch, Elamisch und Babylonisch, und dabei die einzige der vier Reichssprachen, die nicht mit Keilschrift in Ton geritzt, sondern mit Tinte auf Papyrus oder Pergament geschrieben wurde. Diese besonders standardisierte und vereinheitlichte Variante des Aramäischen wird deshalb Reichsaramäisch genannt.
Während die meisten Papyri auf Reichsaramäisch heute nicht mehr erhalten sind (bis auf die Elephantine-Papyri und einige weitere Beispiele aus dem trockenen Wüstenklima Oberägyptens), sind Inschriften auf Reichsaramäisch aus dem gesamten Gebiet des Achämenidenreiches von Kleinasien und Ägypten bis zum Indus bis in nachachämenidische Zeit verbreitet.<ref>F. Rosenthal, J.C. Greenfield, Shaul Shaked: Aramaic in: Encyclopædia Iranica.</ref>
Das hohe Ansehen des Reichsaramäischen als Reichssprache und seine Bekanntheit als Verkehrssprache beschleunigte wahrscheinlich den Prozess, in dem Aramäisch ältere Sprachen des Fruchtbaren Halbmondes, besonders Hebräisch, Phönizisch und Babylonisch verdrängte und schließlich ganz ersetzte. Die Phase des Reichsaramäischen vom 5. bis 3. Jahrhundert v. Chr. war auch die besonders schriftsprachlich am stärksten vereinheitlichte Entwicklungsstufe des Aramäischen. In den folgenden 2200 Jahren bilden sich in mittel- und klassisch-aramäischer Zeit wieder zunehmende dialektale Unterschiede, die sich in neuaramäischer Zeit so weit auseinanderentwickelten, dass sie teilweise gegenseitig kaum verständlich oder unverständlich werden und deshalb in der Linguistik als separate Sprachen klassifiziert werden.
Seine Bedeutung spiegelt sich auch im Tanach, der hebräischen Bibel, wider, wo einige spät entstandene Textpassagen in aramäischer Sprache verfasst sind. Die mittelaramäischen Passagen der Bücher Daniel und Esra sind jedoch nicht im selben Dialekt gehalten,<ref name="thetargumss9">Paul V. M. Flesher, Bruce D. Chilton: The Targums: A Critical Introduction (= Studies in Aramaic Interpretation of Scripture). Baylor University Press, Waco, Texas 2011, ISBN 978-90-04-21769-0, S.9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015] Für den Dialekt des Buches Daniel sowie mehrerer Schriftrollen vom Toten Meer (Qumran-Texte), einiger späterer Texte wie Megillat Taanit, der Bar-Kochba-Briefe und der älteren Targumim verwenden die Autoren die Bezeichnung Jewish Literary Aramaic, das Aramäisch des Buches Esra wird dem Reichsaramäisch des Persischen Reiches zugeordnet.).</ref> weshalb biblisches Aramäisch (früher auch als Chaldäisch bezeichnet<ref>Holger Gzella: Tempus, Aspekt und Modalität im Reichsaramäischen (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur: Mainz. Veröffentlichungen der Orientalischen Kommission. Band48). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-447-05094-2, S.41, Anm. 157 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 8. April 2015] Die Bezeichnung als Chaldäisch geht auf die Bibelstelle Daniel 2,4 ff. zurück, der zufolge die Chaldäer Aramäisch sprachen; dieser Begriff wurde fälschlich auf das übrige Jüdisch-Aramäische übertragen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Begriff hauptsächlich in der Nachfolge Johann Potkens vorübergehend auch für das Äthiopische gebraucht.).</ref>) von Paul V. M. Flesher und Bruce D. Chilton als Fehlbezeichnung kritisiert wird.<ref name="thetargumss9" /> Holger Gzella hingegen schreibt, die aramäischsprachigen Teile des Tanachs böten „ihrer sprachlichen Gestalt nach ein größtenteils einheitliches Bild: Die Gemeinsamkeiten zwischen Daniel und Esra wiegen schwerer als die durchaus vorhandenen Differenzen“. Das biblisch-aramäische Korpus stehe „dem Reichsaramäischen nahe genug, um eine Behandlung zusammen mit ihm zu rechtfertigen“, unterscheide sich aber deutlich genug von diesem, „um ihm nicht gänzlich subsumiert zu werden“.<ref>Holger Gzella: Tempus, Aspekt und Modalität im Reichsaramäischen (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur: Mainz. Veröffentlichungen der Orientalischen Kommission. Band48). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-447-05094-2, S.42f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 8. April 2015]).</ref>
Da das Hebräische in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. die Schriftzeichen des Aramäischen übernommen hat („Quadratschrift“), werden im Judentum beide Sprachen in derselben Schrift aus 22 Konsonantenzeichen geschrieben, und diese alte Form des aramäischen Alphabets wird gemeinhin als hebräische Schrift bezeichnet. Auch wird das Aramäische neben dem Hebräischen als Sprache der jüdischen Tradition empfunden; so sind die beiden Talmudim in jüdisch-aramäischen Dialekten niedergeschrieben. Andere Dialekte des Aramäischen wie das Palmyrenische, Nabatäische, Syrische etc. entwickelten eigene Schriftformen (siehe Nabatäische Schrift, Syrisches Alphabet).
Aus Tayma in Arabien sind aramäische Inschriften bekannt, die um 500 v. Chr. datieren. Auch im Gebiet der Nabatäer wurden zahlreiche aramäische Inschriften gefunden, ebenso auf dem Sinai. Aus parthischer Zeit stammen zahlreiche Ostraka in aramäischer Sprache aus Nisa in Turkmenistan. Dabei handelt es sich vor allem um Wirtschaftstexte, Bestellungen der Palastküche.
In Palästina verdrängte das Aramäische das Hebräische.<ref name="1707-aramaic-language-among-the-jews" /><ref>Crawford Howell Toy, Richard Gottheil: Bible Translations. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Funk and Wagnalls, New York 1901–1906.</ref><ref name="ekurd">Jay Bushinsky: The passion of Aramaic-Kurdish Jews brought Aramaic to Israel. Ekurd Daily, 15. April 2005, abgerufen am 8. Mai 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zur Zeit Jesu wurde dort überwiegend Aramäisch gesprochen, und Aramaismen im griechischen Neuen Testament, zum Beispiel Abba, Golgota und Maranatha,<ref name="missick">Stephen Andrew Missick: The Words of Jesus in the Original Aramaic: Discovering the Semitic Roots of Christianity. 2006, ISBN 1-60034-107-1, S.XI (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> zeigen, dass Aramäisch wahrscheinlich auch die Sprache Jesu und seiner Gemeinde war. Auch zahlreiche Texte, die in Qumran gefunden wurden, sind, wie oben erwähnt, in aramäischer Sprache verfasst. Um die Zeitenwende war Aramäisch neben der griechischen Koine die allgemein gebrauchte Verkehrssprache des Nahen Ostens.
Die ab dem zweiten oder dritten Jahrhundert nachweisbaren späteren Targumim<ref>Paul V. M. Flesher, Bruce D. Chilton: The Targums: A Critical Introduction (= Studies in Aramaic Interpretation of Scripture). Baylor University Press, Waco, Texas 2011, ISBN 978-90-04-21769-0, S.10 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> (jüdische Bibel-Übersetzungen ins Aramäische für den Synagogalgebrauch) und der Jerusalemer Talmud (palästinischer Talmud) dokumentieren das jüdisch-palästinische Aramäisch (galiläisches Aramäisch). Dieses Aramäisch gehört wie das christlich-palästinische und das Samaritanische zum westaramäischen Sprachzweig.
Daneben steht das Ostaramäische, das in folgenden Sprachformen belegt ist:
Syrisch, das zu den am besten dokumentierten Formen des Aramäischen zählt,<ref>Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.38f. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref><ref></ref> Beispiele sind die Peschitta (christlich-aramäische Bibelübersetzung) und Schriften der syrischen Kirchenväter
Ein Merkmal des östlichen Zweiges ist beispielsweise das Präfix der 3. Person Maskulinum (Singular und Plural), l- beziehungsweise n- statt y-.<ref>Zum Jüdisch-Babylonischen Aramäisch Michael Sokoloff: Jewish Babylonian Aramaic. In: Stefan Weninger (Hrsg.): The Semitic Languages: An International Handbook (= Handbooks of Linguistics and Communication Science). Band36. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-018613-0, ISSN1861-5090, S.665.</ref> Im Mandäischen und Syrischen ist es ausschließlich n-, im Jüdisch-Babylonischen alternieren beide Varianten.<ref>Bogdan Burtea: Mandaic. In: Stefan Weninger (Hrsg.): The Semitic Languages: An International Handbook (= Handbooks of Linguistics and Communication Science). Band36. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-018613-0, ISSN1861-5090, S.678f.</ref><ref>Helen Younansardaroud: Lehrbuch Klassisch-Syrisch (= Semitica et Hamitosemitica. Band 15). Aachen 2015, S. 53–55.</ref> Im Jüdisch-Palästinischen Aramäisch hingegen tritt n- statt y- nur im Plural Maskulinum auf, im Singular hat sich das ältere y- erhalten.<ref>Michael Sokoloff: Jewish Babylonian Aramaic. In: Stefan Weninger (Hrsg.): The Semitic Languages: An International Handbook (= Handbooks of Linguistics and Communication Science). Band36. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-018613-0, ISSN1861-5090, S.615.</ref>
Innerhalb des Judentums wurde Aramäisch in gelehrten Kreisen weiterhin verwendet, unter anderem für Werke wie den Zohar.<ref>Paul V. M. Flesher, Bruce D. Chilton: The Targums: A Critical Introduction (= Studies in Aramaic Interpretation of Scripture). Baylor University Press, Waco, Texas 2011, ISBN 978-90-04-21769-0, S.267f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> Benjamin von Tudela, der Kurdistan im mittleren 12. Jahrhundert bereiste, berichtete, dass die dort ansässigen Juden Aramäisch sprachen.<ref>Edward Lipiński: Semitic Languages: Outline of a Comparative Grammar (= Orientalia Lovaniensia analecta. Band80). 2. Auflage. Peeters, Leuven 2001, ISBN 90-429-0815-7, S.73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref><ref>Kurdish Jewish Community in Israel. Jerusalem Center for Jewish-Christian Relations, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juli 2013; abgerufen am 25. August 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Vom Ende der Zeit der Geonim bis zur „Wiederentdeckung“ des gesprochenen Aramäisch durch Europäer, die im 17. Jahrhundert Kurdistan bereisten, gibt es jedoch nur wenige Zeugnisse.<ref>Steven E. Fassberg: Judeo-Aramaic. In: Lily Kahn, Aaron D. Rubin (Hrsg.): Handbook of Jewish Languages (= Brill’s Handbooks in Linguistics). Band2. Brill, Leiden 2015, ISBN 978-90-04-21733-1, S.73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 29. Dezember 2015]).</ref>
Während das gesprochene Aramäisch besonders in westlichen und südlichen Gebieten seit dem Mittelalter immer weiter zurückgedrängt wurde, blieben im Syrischen Christentum aramäische Sprachformen noch lange die Sakralsprache und die Schriftsprache (siehe auch Aramäische Diglossie). Mit der Zeit wurde das Aramäische auch als Schriftsprache seltener. Später wurde es als Sakralsprache in einigen westlichen Kirchen neben das Arabische gestellt.<ref>Siehe kurzen Überblickstext des Aramaisten Shabo Talay: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Sprache und ihre Stellung bei den Christen im Orient. (Memento vom 25. September 2015 im Internet Archive) in den Mitteilungen des Vereins Mar Gabriel e. V. 2002/03.</ref>
Die Verfolgung der christlichen Suroye/Suraye (auch bekannt als Assyrer, Aramäer oder Chaldäer) und die demographische Ausdünnung der aramäischen Sprachinseln im Osmanischen Reich durch Auswanderung, teils durch Flucht oder aus politischen Gründen, teils aus wirtschaftlichen, setzte bereits im 19. Jahrhundert ein. Aramäischsprachige Christen emigrierten zuerst nach Russland,<ref>siehe z. B. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Tamar Gurdschiani: Die Assyrer in Georgien. (Memento vom 25. September 2015 im Internet Archive) in den Mitteilungen des Mar Gabriel e. V. 2002/03. Es gab weitere Ansiedlungen im heutigen Armenien und Aserbaidschan, aus Grenznähe unter Stalin teilweise auch ins Innere Russlands deportiert.</ref> danach bis in die Gegenwart auch in westliche Länder, den Libanon oder Jordanien. Das Gedankengut nationalistischer Übergriffe lieferte das infolge des Kolonialismus vordringende westliche Konzept vom homogenen Nationalstaat. Sie steigerten sich schließlich in den Völkermord an den Assyrern und Aramäern und den an den Armeniern, von dem vor allem nördliche und östliche aramäische Sprachinseln betroffen waren, weniger die im heutigen Irak. Um 1915 lebten noch weit über 100.000 christliche Assyrer/Aramäer allein in Ostanatolien; heute sind es in der gesamten Türkei wahrscheinlich nur noch einige Tausend. Einzelne Rückwanderungen nach Ende des kurdischen Konfliktes in Südostanatolien werden von der Stabilität und Rechtssicherheit in der Region abhängen. Seit 1997 ist der Unterricht der aramäischen Sprache in der Türkei durch behördlichen Erlass verboten.<ref>Türkei: Zehn Jahre Lehrverbot für Aramäisch. IGFM: Lehrverbot bedingungslos aufheben – UN-Pakt vorbehaltlos ratifizieren. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, 4. Oktober 2007, abgerufen am 23. September 2015.</ref><ref>Türkei: Aramäische Sprache retten! IGFM appelliert zum Kinostart von „Die Passion“. Jesus Christus sprach Aramäisch – Unterschriftenaktion gegen Diskriminierung und Illegalität der aramäischen Sprache in der Türkei. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, 4. Oktober 2007, abgerufen am 23. September 2015.</ref> Durch die Unruhen im Irak und den Bürgerkrieg in Syrien sind in der Gegenwart v. a. die Menschen südlicher aramäischer Sprachinseln wegen der Ausbreitung des IS stark bedroht.<ref name="foreignpolicy">Ross Perlin: Is the Islamic State Exterminating the Language of Jesus?Foreign Policy, 14. August 2014, abgerufen am 25. August 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die heutigen neuaramäischen Sprachen und Dialekte sind hauptsächlich in Kurdistan, also im Südosten der Türkei, dem nördlichen Irak und dem Nordosten Syriens erhalten, außerdem wird Aramäisch auch von Juden und Assyrern im westlichen Iran gesprochen.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications25" /><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications40">Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.40 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 23. April 2015]).</ref> Im Gegensatz zu den Juden, von denen einige sich in Israel neu etablieren konnten, ist einem Großteil der Assyrer der Erhalt ihrer Kultur, Geschichte und Sprache in der über viele Länder verteilten Diaspora erschwert.<ref>Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.25f. (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 23. April 2015]).</ref> Eine dieser ostaramäischen Sprachen ist Turoyo.<ref>Siehe Sprachgebiet des Turoyo bei Linguarium (russisch) südöstlich von Diyarbakır. Beide Farbtöne: Ende 19. Jahrhundert, dunkleres ocker: Ende der 1960er Jahre.</ref> Doch scheint diese Schätzung infolge der Umwälzungen im Irak und der repressiven Religions- und Minderheitenpolitik in der Türkei, den Hauptsiedlungsgebieten der Assyrer (auch bekannt als Aramäer oder Chaldäer), zu hoch gegriffen. Eine letzte Enklave des gesprochenen Neuwestaramäischen sind das christliche Dorf Maalula und zwei benachbarte muslimische Dörfer im Antilibanon-Gebirge auf syrischer Seite.<ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications40" /><ref>Siehe Karte semitischer Sprachen im Nahen Osten (russisch) des Linguarium-Projektes der Moskauer Lomonossow-Universität., rote Dreiecke für Neuwestaramäisch.</ref>
Die jüdischen Sprecher des Aramäischen sind fast alle nach Israel ausgewandert.<ref>Siehe Karte der historischen Judäo-Neuaramäischen Dörfer und Sprachformen bei Linguarium (englisch) (vor der Auswanderung). Auf dieser Karte sind die Namen „Hulaula, Persian Kurdistani“ und „Lishan Didan, Persian Azerbaijani“ aber versehentlich verkehrt herum eingezeichnet. Die ehem. Sprecherorte des Hulaula: Kerend und Sanandaj (s. a. Alternativname oben) und Saqiz, Suleimaniya (s. folgende Fußnote) sind aber bei 5 eingezeichnet, das also Hulaula ist; die ehem. Sprachorte Urmiyah (s. Alternativname) und Salmas, Mahabad (s. folgende Fußnote) dagegen bei 4, das also Lishan Didan/Urmiyah ist (liegt ja auch in der Nähe des Urmiasees).</ref> In Israel gibt es einige Siedlungen und Stadtviertel, in denen Aramäisch noch Umgangssprache jüdischer Gruppen aus Kurdistan (Nordirak) ist, nach Ethnologue einige Viertel im Raum Tel Aviv und Jerusalem (darunter auch in der Nähe der Hebräischen Universität) und in Mewasseret Zion.<ref>Siehe Ethnologue-Angaben zu Hulaulá, Barzani-Jüdisches Aramäisch, Lishana Deni, Lishán Didán und Lishanid Noshan.</ref> Jeschiwa-Schülern jedoch wird meist keine Grammatik und kein Wortschatz beigebracht, stattdessen lernen sie Aramäisch meist nur noch im talmudischen Kontext auswendig, weshalb sie laut eines Experiments in Cambridge den Talmud nicht eigenständig lesen können.<ref name="ekurd" />
Von einigen Regionen im Nahen Osten<ref>Jack Miles: The Art of The Passion. In: Timothy K. Beal, Tod Linafelt (Hrsg.): Mel Gibson’s Bible: Religion, Popular Culture, and The Passion of the Christ. The University of Chicago Press, Chicago/London 2006, ISBN 0-226-03975-7, S.11 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> abgesehen, werden die neuaramäischen Sprachen heute wohl vor allem von Menschen gesprochen, die in der Diaspora in Australien, den USA, Europa und der ehemaligen Sowjetunion leben.<ref name="ekurd" /><ref name="thearamaiclanguageanditsclassifications40" /> Mindestens 100.000 aramäischsprachige Christen sollen seit dem Zusammenbruch des Regimes Saddam Husseins aus dem Irak emigriert und nach Jordanien, West- und Mitteleuropa sowie Amerika geflohen sein. Das moderne Aramäisch gilt als vom Aussterben bedroht<ref name="ekurd" /><ref></ref><ref>Vgl. Yona Sabar: Mene Mene, Tekel uPharsin (Daniel 5:25). Are the Days of Jewish and Christian Neo-Aramaic Dialects Numbered? In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band23, Nr.2, 2009, S.6–17 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) [abgerufen am 25. August 2015]).</ref> unter anderem aufgrund der sprachlichen Assimilation sowohl aus dem Nahen Osten auswandernder<ref name="ekurd" /> als auch sich sprachlich dem Umland anpassender<ref>Yona Sabar: Mene Mene, Tekel uPharsin (Daniel 5:25). Are the Days of Jewish and Christian Neo-Aramaic Dialects Numbered? In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band23, Nr.2, 2009, S.10 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) [abgerufen am 27. August 2015]).</ref> Familien, der oft fehlenden Vermittlung der Sprachen an die Nachkommen<ref>Yona Sabar: Mene Mene, Tekel uPharsin (Daniel 5:25). Are the Days of Jewish and Christian Neo-Aramaic Dialects Numbered? In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band23, Nr.2, 2009, S.12 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) [abgerufen am 27. August 2015]).</ref> sowie des syrischen Bürgerkriegs.<ref name="foreignpolicy" />
Vorlage:Hinweisbaustein
Die ursprüngliche aramäische Schrift ist eine von rechts nach links geschriebene Konsonantenschrift. Vokale werden an einigen Stellen durch matres lectionis angezeigt, also Buchstaben, die mitunter nicht als Konsonanten, sondern als ihnen phonetisch ähnliche Vokale zu lesen sind.<ref>Peter T. Daniels: Scripts of Semitic Languages. In: Robert Hetzron (Hrsg.): The Semitic Languages. Routledge, Abingdon, Oxfordshire / New York 2005, ISBN 0-415-05767-1, S.22 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref> Für einige Schriften aramäischen Ursprungs wurden Vokalisationssysteme entwickelt.
Die Quadratschrift, die vermutlich seit dem babylonischen Exil<ref>Peter T. Daniels: Scripts of Semitic Languages. In: Robert Hetzron (Hrsg.): The Semitic Languages. Routledge, Abingdon, Oxfordshire / New York 2005, ISBN 0-415-05767-1, S.20 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref> von Juden anstelle der althebräischen Schrift genutzt wird, findet nicht nur bei hebräischen und jüdisch-aramäischen Texten Verwendung, sondern allgemein bei jüdischen Sprachen. Texte in Quadratschrift werden gelegentlich nach dem durch den masoretischen Text bekannten tiberiensischen beziehungsweise tiberischen System, das sich gegenüber dem palästinischen und dem Babylonischen Vokalisationssystem durchsetzte, vokalisiert, meist wird diese Schrift jedoch ohne Vokalzeichen geschrieben. Für das samaritanische Aramäisch fand die auf der althebräischen basierende samaritanische Schrift Verwendung.<ref>Samaritan Aramaic. Ethnologue, abgerufen am 8. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Samaritan alphabet. Omniglot, abgerufen am 8. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref></ref><ref>John F. Healey: The Early Alphabet. In: J. T. Hooker (Hrsg.): Reading the Past: Ancient Writing from Cuneiform to the Alphabet (= Reading the Past Series). University of California Press, Berkeley/Los Angeles 1990, ISBN 0-520-07431-9, S.241 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 8. Oktober 2015]).</ref>
Weitere aramäische Schriften sind die nabatäische (aus der die arabische hervorging), die palmyrenische, die hatranische, die edessenische (aus der das syrische Alphabet hervorging) und die bis heute verwendete mandäische Schrift.<ref>Peter T. Daniels: Scripts of Semitic Languages. In: Robert Hetzron (Hrsg.): The Semitic Languages. Routledge, Abingdon, Oxfordshire / New York 2005, ISBN 0-415-05767-1, S.20f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref> Die syrische Kursive, also im syrischen Christentum verwendete Weiterentwicklungen des syrischen Alphabets, existiert in drei verschiedenen Formen: die westsyrische Esṭrangelā und Serṭō und einer dritten, mit der Assyrischen Kirche des Ostens assoziierten Form, die ostsyrische oder nestorianische Schrift.<ref>Peter T. Daniels: Scripts of Semitic Languages. In: Robert Hetzron (Hrsg.): The Semitic Languages. Routledge, Abingdon, Oxfordshire / New York 2005, ISBN 0-415-05767-1, S.21f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref><ref>John F. Healey: Syriac. In: Stefan Weninger (Hrsg.): The Semitic Languages: An International Handbook (= Handbooks of Linguistics and Communication Science). Band36. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-018613-0, ISSN1861-5090, S.639 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref><ref>Peter T. Daniels: Classical Syriac Phonology. In: Alan S. Kaye (Hrsg.): Phonologies of Asia and Africa. Band1. Eisenbrauns, 1997, ISBN 1-57506-017-5, S.131 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref> Bei einem Großteil der Konsonanten hängt die Form von ihrer Position (unverbunden, Wortanfang, -mitte oder -ende) ab. Es existieren zwei Vokalisationssysteme.<ref>Edward Lipiński: Semitic Languages: Outline of a Comparative Grammar (= Orientalia Lovaniensia analecta. Band80). 2. Auflage. Peeters, Leuven 2001, ISBN 90-429-0815-7, S.70 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref> Die syrische Schrift wird heute auch für christliche neuaramäische Sprachen verwandt, die nicht zwingend direkte Nachfolger der syrischen Sprache sind.<ref>Peter T. Daniels: Classical Syriac Phonology. In: Alan S. Kaye (Hrsg.): Phonologies of Asia and Africa. Band1. Eisenbrauns, 1997, ISBN 1-57506-017-5, S.128 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 18. August 2015]).</ref>
Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte die Aramaistik auf.<ref></ref> Zu den wichtigsten Funden dieser Zeit zählt die Trilingue vom Letoon, eine in aramäischer, altgriechischer und lykischer Sprache beschriftete Stele, die erheblich zum Verständnis des Reichsaramäischen beitrug.<ref></ref>
Aramäisch in der Populärkultur
Von Sprechern und Wissenschaftlern abgesehen, wird Aramäisch oft fälschlich den toten Sprachen zugeordnet<ref>Efrem Yildiz: The Aramaic Language and its Classification. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band14, Nr.1, 2000, S.39 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />jaas.org (Memento vom 9. September 2008 im Internet Archive) [abgerufen am 30. April 2015]).</ref> oder ist Menschen außerhalb dieser Kreise völlig unbekannt.<ref name="missick" />
Mit dem Aramäischen kamen viele Nichtsprecher durch Mel Gibsons Spielfilm Die Passion Christi von 2004 in Kontakt.<ref name="missick" /> Der Film wurde unter anderem für die Verwendung des Lateinischen statt des Griechischen als lokale Sprache<ref>Diane M. Bazell, Laurence H. Kant: First-century Christians in the Twenty-first Century: Does Evidence Matter? In: Warren Lewis, Hans Rollmann (Hrsg.): Restoring the First-century Church in the Twenty-first Century: Essays on the Stone-Campbell Restoration Movement. ISBN 0-226-03975-7, S.357 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref><ref>Jack Miles: The Art of The Passion. In: Timothy K. Beal, Tod Linafelt (Hrsg.): Mel Gibson’s Bible: Religion, Popular Culture, and The Passion of the Christ. The University of Chicago Press, Chicago/London 2006, ISBN 0-226-03975-7, S.12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> und die negative Darstellung der Juden<ref>Jack Miles: The Art of The Passion. In: Timothy K. Beal, Tod Linafelt (Hrsg.): Mel Gibson’s Bible: Religion, Popular Culture, and The Passion of the Christ. The University of Chicago Press, Chicago/London 2006, ISBN 0-226-03975-7, S.13f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref><ref>Jack Miles: The Art of The Passion. In: Timothy K. Beal, Tod Linafelt (Hrsg.): Mel Gibson’s Bible: Religion, Popular Culture, and The Passion of the Christ. The University of Chicago Press, Chicago/London 2006, ISBN 0-226-03975-7, S.18f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> sowie das im Film gesprochene Aramäisch und die verfälschenden Untertitel<ref>Louis H. Feldman: Reflections on Mel Gibson’s The Passion of the Christ. In: Zev Garber (Hrsg.): Mel Gibson’s Passion: The Film, the Controversy, and Its Implications (= Shofar Supplements in Jewish Studies). The University of Chicago Press, Chicago/London 2006, ISBN 0-226-03975-7, S.94f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref> kritisiert. Das Gemisch, aus dem das im Film gesprochene Aramäisch besteht, enthält diverse Grammatikfehler.<ref>Jack Miles: The Art of The Passion. In: Timothy K. Beal, Tod Linafelt (Hrsg.): Mel Gibson’s Bible: Religion, Popular Culture, and The Passion of the Christ. The University of Chicago Press, Chicago/London 2006, ISBN 0-226-03975-7, S.56 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 1. April 2015]).</ref>
Im Jahr 2014 brachten in der Schweiz 32 private Radiosender ihren Hörern Aramäisch bei. Diese wurden in den Werbeblocks aufgefordert, sich den Satz Schlomo, aydarbo hat? („Hallo, wie geht es dir?“) zu merken. Im Rahmen der Kampagne, hinter der „das Gros der Schweizer Privatradios und der nationale Radiovermittler swiss radioworld AG“ stecken, wurde Aramäisch „kurzerhand zur fünften Landessprache erklärt“. Hierbei wurde mit der aramäischen Gemeinschaft der Schweiz zusammengearbeitet.<ref>Jessica Wonneberger: Radio macht Aramäisch zur fünften Landessprache. swiss radioworld, 22. Mai 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Mai 2015; abgerufen am 27. September 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Literatur
Sprachübergreifend
Klaus Beyer: Einleitung. In: Klaus Beyer: Die aramäischen Texte vom Toten Meer. Aramaistische Einleitung, Text, Übersetzung, Deutung, Grammatik/Wörterbuch, deutsch-aramäische Wortliste, Register. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1984, ISBN 3-525-53571-6, S. 20–153 (Abriss der Sprachgeschichte von der Antike bis zur Moderne, geschrieben von einem der führenden Semitisten der Gegenwart).
Stuart Creason: Aramaic. In: Roger D. Woodard (Hrsg.): The Cambridge Encyclopedia of the World’s Ancient Languages. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2004, ISBN 0-521-56256-2, S. 391–426.
Joseph A. Fitzmyer, Stephen A. Kaufman (Hrsg.): An Aramaic Bibliography. Band 1: Old, Official and Biblical Aramaic. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1992, ISBN 0-8018-4312-X.
Holger Gzella, Margaretha L. Folmer (Hrsg.): Aramaic in its Historical and Linguistic Setting (= Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Veröffentlichungen der Orientalischen Kommission. Bd. 50). Harrassowitz, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-447-05787-5.
Holger Gzella: Aramäisch. Weltsprache des Altertums. Eine Kulturgeschichte von den neuassyrischen Königen bis zur Entstehung des Islams. C.H. Beck, München 2023, ISBN 978-3-406-79348-6, Rezension.<ref>Michael P. Streck: Zweiundzwanzig Buchstaben als Wettbewerbsvorteil. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 104, 5. Mai 2023, S. 12.</ref>
Klaus Beyer: Die aramäischen Inschriften aus Assur, Hatra und dem übrigen Ostmesopotamien. (Datiert 44 v. Chr. bis 238 n. Chr.). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-53645-3.
Rainer Degen: Altaramäische Grammatik der Inschriften des 10.–8. Jh. v. Chr. (= Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes 38, 3, ISSN0567-4980). Steiner, Wiesbaden 1969.
Volker Hug: Altaramäische Grammatik der Texte des 7. und 6. Jh.s v. Chr. (= Heidelberger Studien zum alten Orient. Bd. 4). Heidelberger Orientverlag, Heidelberg 1993, ISBN 3-927552-03-8 (Zugleich: Heidelberg, Universität, Dissertation, 1990).
Rudolf Macuch: Grammatik des samaritanischen Aramäisch (= Studia Samaritana. Bd. 4). de Gruyter, Berlin u. a. 1982, ISBN 3-11-008376-0.
Christa Müller-Kessler: Grammatik des Christlich-Palästinisch-Aramäischen. Band 1: Schriftlehre, Lautlehre, Formenlehre (= Texte und Studien zur Orientalistik. Bd. 6, 1). G. Olms, Hildesheim u. a. 1991, ISBN 3-487-09479-7 (= Freie Universität Berlin, Dissertation, 1988).
Theodor Nöldeke: Kurzgefaßte syrische Grammatik. Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1898 mit Anhang von Anton Schall. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1977, ISBN 3-534-00434-5.
Theodor Nöldeke: Mandäische Grammatik. Nachdruck der Ausgabe Halle an der Saale 1875 mit Anhang von Anton Schall. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964.
Stanislav Segert: Altaramäische Grammatik. 4., unveränd. Auflag. Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1990, ISBN 3-324-00123-4.
Michael Waltisberg: Syntax des Ṭuroyo (= Semitica Viva 55). Harrassowitz, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-447-10731-0.
Harald Haarmann: Aisor. (Sammelbegriff für in Osteuropa/Sowjetunion verbreitete Nordost-neuaramäische Sprachformen, meist Neuassyrisch und Bohtan) (PDF). In Miloš Okuka (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Klagenfurt 2002. (= Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens 10).
Achemenet – von Pierre Briant betreute Webseite mit Informationen zu reichsaramäischen Inschriften der Achämenidenzeit