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Cavallino-Treporti

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Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien

Cavallino-Treporti ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) in der Metropolitanstadt Venedig, Region Venetien.

Geographie

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Satellitenbild

Die 1999 gegründete Streugemeinde liegt auf einer 15 km langen Landzunge zwischen der Lagune von Venedig und der Adria. An der Adriaseite befindet sich ein etwa 12 km langer, intensiv touristisch genutzter Sandstrand. Gegenüber dem Südende der Landzunge befindet sich die Insel Sant’Erasmo. Im Nordosten führt nur eine Brücke über den Sile, der in die Adria mündet, auf das angrenzende Festland. Daher gilt die Landzunge auch als Insel. Zusammen mit dem südlich gelegenen Lido di Venezia, an den sich Pellestrina anschließt, und schließlich Sottomarina, bildet die Landzunge eine langgestreckte Dünenkette, die die Lagune von Venedig gegen die Adria abgrenzt.

Die Gemeinde besteht aus zwölf Fraktionen, nämlich (von Südwest nach Nordost) Punta Sabbioni, Lio Grando, Treporti, Ca’ Savio (Sitz der Kommune), Ca’ Vio, Ca’ Pasquali, Ca’ Ballarin, Ca’ di Valle, Cavallino, auf westlich vorgelagerten Laguneninseln Lio Piccolo, Saccagnana und Mesole. Sie reihen sich also auf der langen Sandbank auf, die die Halbinsel im Kern bildet, allerdings mit Ausnahme der Fraktionen jenseits des Canale Pordelio, also Saccagnana, Lio Piccolo und Mesole, die schon im Inneren der Lagune liegen. Die Gemeinde ist durchsetzt von Wasserwegen, im Nordwesten den Canali Portosecco und Saccagnana, sowie einer Reihe von Valli da pesca.

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Barene zwischen Prà und Lio Piccolo

Die Lagune von Venedig, an deren äußerstem Nordostrand Cavallino-Treporti liegt, umfasst eine Fläche von ca. 550 km². Sie ist ein von vier langgestreckten Inseln weitgehend von der Adria abgetrennter Meerbusen. Zwischen diesen langen Sandbänken bestehen drei Durchfahrten, durch die die Gezeiten der Adria auf die Lagune einwirken. Dabei ist die venezianische Lagune wiederum nur eine in einer Lagunenkette, die sich vom Raum Ravenna im Süden bis zur Lagune von Grado im Nordosten erstreckt. Diese Lagunen entstanden durch Ablagerungen der Brenta und anderer Flüsse, vor allem von Tagliamento, Sile und Piave. Die Lagune von Venedig entstand vor rund 6000 Jahren, nachdem der steigende Meeresspiegel nach dem Ende der letzten Eiszeit die Adria weiter nordwärts ausgedehnt hatte, und während küstenparallele Strömungen die Ablagerungen der Flüsse auf fünf bis sieben Meter hohen Strandwällen aufhäuften. Der Rand der Lagune wanderte immer weiter in die Adria, wobei die Nehrung an acht Stellen durch Durchfahrten unterbrochen war.

2012 stellte sich heraus, dass die Regionen des Gebietes mit unterschiedlicher Geschwindigkeit absinken. Demnach sinkt der Untergrund im nördlichen Teil der Lagune um 2 mm pro Jahr, hingegen doppelt so schnell im südlichen Bereich. Zugleich kippt die Region ein wenig nach Osten, was die Abwärtsbewegung für den Ostrand der Lagune verstärkt. Die Adriaplatte, auf der die gesamte Lagunenlandschaft ruht, taucht unter dem Apennin unter die Eurasische Platte.<ref>Daniel Lingenhöhl: Venedig versinkt weiter, in: Spektrum, 21. März 2012.</ref>

Insgesamt besteht die Landzunge von Cavallino-Treporti aus besagten sandigen Dünen entlang der Adria mit ihren Kiefernwäldern (pinete) und Gärten sowie einer Lagunenlandschaft, durchsetzt von besagten Valli da pesca und Barene, den für die Lagune von Venedig typischen Marschlandschaften. Dabei stellen die sogenannten tegnùe eine riffartige Sonderform dar, die ansonsten in der sandigen und schlammigen Lagune nicht vorkommen. Diese Strukturen, an denen die Fischer häufig ihre Netze einbüßten, sind die Tegnùa d’Ancona, die Tegnùa Cavallino Lontano und Cavallino Vicino. Diese beinahe felsigen Untergründe brachten ein von der übrigen Lagune stark abweichendes, sehr artenreiches Ökosystem hervor, zumal sie von ungewöhnlicher Stabilität sind und daher vergleichsweise dauerhafte ökologische Nischen bieten.<ref>Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021, S. 25 f.</ref> Sie gehen auf kalkhaltige Sedimente mit einer Höhe von 15 bis 40 m zurück, die vor 3000 bis 4000 Jahren durch Kalkalgen entstanden.<ref>Federica Filippi: Biblioteche come centri propulsori di cultura. Caso: Biblioteca di Cavallino-Treporti, Laurea magistrale, Universität Venedig 2014, S. 1 f.</ref>

Flora und Fauna

Datei:Shouting seagull in Ca Savio, Italy.jpg
Seemöwe in Ca‘Savio

Im Norden der Adria, die einen relativ flachen Golf bildet, entstand ein Gebiet zwischen den verschiedenen Mittelmeerregionen, mit ausgeprägten zentraleuropäischen Einflüssen und solchen von der Balkanhalbinsel, vor allem aber menschlichen Eingriffen in das Ökosystem, wodurch Pflanzengesellschaften entstanden, die nur selten anzutreffen sind.

Dabei sind die naturräumlichen Grundlagen zwischen der Adriaseite und der nördlichen Lagune von Venedig (die zum Teil zum Gemeindegebiet gehört) vollkommen unterschiedlich. Zudem ist der Teil der Gemeinde innerhalb der Lagune nur noch äußerst dünn besiedelt, während der größte Teil der Bevölkerung südostwärts davon lebt, dort, wo der Badetourismus dominiert. Die Valli da pesca dienen dabei der Fischproduktion. Aber auch innerhalb des Gebiets, das eher von Sanddünen und der Adria geprägt ist, unterscheiden sich die naturräumlichen Gegebenheiten zwischen den dem Tidengang ausgesetzten Stränden über die grauen Dünen, die nur selten unter Wasser liegen, bis hinauf zu den Wäldern sehr stark, erst recht im Gebiet menschlicher Besiedlung, wo Gärten vorherrschen. So finden sich sowohl zahlreiche Schnecken, Floharten und Seeohrwürmer als auch Säugetiere, wie Wildkaninchen.

Neben der für die Lagune von Venedig typischen Flora, die Raum für eine entsprechende Fauna bietet, ist sie auch für die etwa 350 nachgewiesenen Vogelarten, darunter Flamingo, Silberreiher, Eisvogel und Kormoran, in den Gewässern leben verschiedene Fischarten, dazu Mollusken und Krebstiere, aber auch Amphibien und Reptilien, wie Seeschlangen. Die Kiefernwälder sind wegen ihrer Fauna zum Teil streng geschützt und dürfen nicht genutzt werden, um die dort lebenden Arten zu schützen.<ref>Athena Smerghetto: La sostenibilità nel settore turistico: il caso studio di Cavallino-Treporti, Tesi di Laurea, Universität Venedig, 2023, S. 38–42.</ref>

Wirtschaft

Datei:Sea level in Cavallino-Treporti 2025 (Italy) 21.jpg
Touristische Strandnutzung, fotografiert 2025

Die Ortschaften leben von verschiedene ökonomischen Aktivitäten, darunter die traditionellen der zahlreichen kleinen bäuerlichen Gemüsegärten in der Lagune; dazu diejenigen der Fischer in den seragie, deren Netzlabyrinthe vielfache geometrische Spuren in den flachen Gewässern der Lagune zeichnen.

Wichtigster und gleichzeitig labilster und lange umstrittenster Wirtschaftsfaktor ist der als jüngste Wirtschaftsform entwickelte Tourismus, der sich auf Campingplätze und Hotels an der Küste stützt, nebst der für diesen Wirtschaftszweig typischen Infrastruktur. Die Landzunge zwischen Caorle und Cavallino-Treporti mit ihren Dünen erreichen jährlich 6 Millionen Touristen. Diese Ballung erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 2019 mit 6.269.451 Ankünften (bei 781.692 Übernachtungsgästen), hinzu kam Bibione mit 5.851.482 und Jesolo mit 5.438.519 Besuchern.<ref>Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021, S. 13 f.</ref>

Allerdings kommen diese Gäste fast ausschließlich im Sommer, hier zwischen Juni und August, stark rückläufig bereits im September. 17 % dieser Gäste waren Italiener (meist aus Nord- und Nordostitalien), 83 % kamen aus dem Ausland, die meisten bleiben mehr als neun Tage, die Italiener eher 6 bis 7 Tage.<ref>Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021, S. 18 f.</ref> Dabei nimmt der Campingurlaub insbesondere auf der Adriaseite stark zu, der erste Campingplatz wurde 1955 eröffnet, zehn weitere folgten bis 1964, elf weitere bis 1980. 2019 kamen 62 % der Touristen aus Österreich, nur 3 % aus Deutschland.<ref>Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021, S. 37.</ref>

Nach 2000 nahm der „sanfte Tourismus“ einen erheblichen Aufschwung, was sich zum einen in der veränderten Wegeerschließung auswirkte (Rad- und Wanderwege), aber auch in Forderungen nach stärkerem Natur- und Klimaschutz und allgemein nach Dauerhaftigkeit und Regionalität. 2011 verschrieb sich die Kommune gemeinsam mit Nachbargemeinden diesen Zielen im Zusammenhang mit dem gesamten Lagunenraum Norditaliens und erreichte eine entsprechende Zertifizierung (EMAS).<ref>Certificazione EMAS, Website der Kommune.</ref> Seit 2006 erhält die Landzunge jährlich eine entsprechende Auszeichnung,<ref>Blue & Green Community, Website der Kommune.</ref> 2021 schaffte die Kommune Elektroautos an.<ref>Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021, S. 63.</ref>

Geschichte

Die Fraktionen der Streugemeinde Cavallino-Treporti waren bis 1999 Stadtteile von Venedig und wurden am 2. April 1999 ausgemeindet und zur Gemeinde Cavallino-Treporti zusammengeschlossen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Der Name „Cavallino“ – der Ort trägt erst sei 1905 diesen Namen – geht möglicherweise auf dort grasende Pferde zurück, während „Treporti“ (drei Häfen) an die Mündungen der Canali di Burano, di San Felice und di Saccagnana erinnert.

Bronzezeit, römisches Reich

Die Geschichte einiger Ortsteile reicht mindestens bis in die Bronzezeit zurück. Die ältesten Funde auf Lio Piccolo stammen aus dem 12. bis 11. Jahrhundert v. Chr. In römischer Zeit stellte die Insel noch einen Teil des Ostrandes der Lagune dar, der sich langsam ostwärts verschob, lag also am Meer. Aus dieser Zeit stammt eine punische Amphore aus dem 2. Jahrhundert v. Chr.

Obwohl Lio Piccolo heute ein rein landwirtschaftlicher und dünn besiedelter Ort ist, weisen archäologische Funde den Ort dementsprechend als einen Handelshafen der römischen Kaiserzeit aus, der nicht nur mit Lio Maggiore verbunden war, sondern vor allem mit der Stadt Altinum am Westrand der Lagune. Von dort aus dürften wohl die Initiativen zur Nutzung des Küstensaumes ausgegangen sein, vielleicht auch die unmittelbare Steuerung durch kaiserliche Beauftragte, die die Aufgabe hatten, auf diese Art zur Versorgung der verhältnismäßig großen Stadt Altinum zu sorgen. Dabei war die Lagune zu dieser Zeit wohl eher ein Golf.

Im Treporti-Kanal wurden 1985 und 2020 Überreste einer römischen Straße belegt. Nachweisen ließ sich damit, dass zu dieser Zeit der Kanal den Küstensaum zur Adria darstellte, über den eine Straße geführt wurde. Die Verlagerung des spätantik-frühmittelalterlichen Küstensaums ostwärts gilt ausschließlich für die nördliche Lagune, während der südlichere Küstenverlauf vergleichsweise stabil blieb. Das Absinken des Wasserspiegels beendete eine Phase der Stabilität von ca. 100 v. bis 200 n. Chr. Einige Zeit davor und danach verband die Straße von Süden über Chioggia kommend den Westrand der Adria mit Aquileia im Norden und Altinum am Westrand der heutigen Lagune.

Nach dieser Zeit wich die Küste zunächst bis an den Ostrand von Sant’Erasmo westwärts zurück.

Von der Spätantike bis zum Ende der Besiedlung von Lio Piccolo

In der Spätantike und im Frühmittelalter kamen zahlreiche Flüchtlinge in die Lagune, die aus dem Raum der bedeutendsten römischen Stadt am westlichen Lagunenrand kamen, nämlich Altinum. Doch das Gebiet war nicht nur von der im ganzen Mittelmeerraum und im nördlichen Europa grassierenden Justinianischen Pest, sondern auch von der Malaria betroffen.

Vom 11. bis 13. Jahrhundert befand sich auf Lio Piccolo ein Kloster, eine Pfarrkirche, die San Salvatore, und eine weitere Kirche, die Santa Maria gewidmet war. 1241 wurde dort, wo sich allein sieben Kirchen befanden, ein Podestà eingesetzt, der auch für Lio Piccolo zuständig war. Ähnlich wie Torcello und die anderen Zentren der nördlichen Lagune begann Lio Piccolo im Laufe des 14. Jahrhunderts erneut zu verfallen, was auf den steigenden Meeresspiegel zurückzuführen ist, aber auch darauf, dass der Ostrand der Lagune sich weiter in die Adria verlagerte.

1424 bestimmte der Podestà von Lio Maggiore keinen Nachfolger mehr, da auch diese Insel ihre Bevölkerung weitgehend einbüßte. 1443 und 1455 erging für Lio Maggiore die Erlaubnis, die Kirchen ihres Schmuckes zu berauben und den Palazzo Pretorio abzureißen. Vom 15. bis weit ins 16. Jahrhundert gibt es keine Hinweise auf Besiedlung, wohl weil der Ort aufgegeben worden war.

Wiederbesiedlung bis Ende der Republik Venedig (1797), Kirchenbauten

Datei:Lio Piccolo - Borgo.jpg
Der Platz vor Santa Maria della Neve nebst Glockenturm auf der Insel Lio Piccolo, fotografiert im Jahr 2009

Ende des 16. Jahrhunderts dürften auf den Inseln Saccagnana, Mesole (dort entstand spätestens 1380 ein Nonnenkloster), Lio Piccolo, Cavallino und Lio Maggiore wieder einige hundert Menschen gelebt haben. In der Zeit der Republik Venedig waren es vorrangig Siedlungszentren im Gebiet von Saccagnana, Mesole, Lio Piccolo und Treporti, zu dieser Zeit noch Isola della Chiesa genannt, die für die Sicherung der Lagune eine Rolle spielten. Der Ostteil der Landzunge entstand erst sehr viel später durch Sedimente der in die Lagune mündenden Flüsse sowie durch Aufspülung von der Adriaseite.

Zwischen 1545 und 1563 wurde der Casson-Kanal gegraben, der allerdings erst 1632 auf Betreiben eines Kaufmanns namens Daniel Niys für die allgemeine Schifffahrt geöffnet wurde. Dieser Flame wollte damit den Fluss Piave mit der Lagune verbinden, womit im Zusammenhang mit der Erweiterung der Handelsrouten nach Nordosten auch die Handelswege in den Alpenraum und damit ins Reich verbessert wurden.

Die Siedlung Cavallino geht auf das 16. Jahrhundert zurück, Treporti auf das Ende des 17. Jahrhunderts. Die Küste bewohnten Ende des 17. Jahrhunderts vielleicht hundert Einwohner. Unter diesen war Matteo Alberti in Cavallino. Auf seine Initiative ging der Bau einer ersten Kirche zurück, die 1696 in eine Pfarrkirche umgewandelt wurde. Alberti erhielt vom Bischof das Patronatsrecht, das es ihm gestattete, den von ihm gewählten Kandidaten als Pfarrer dem Bischof vorzustellen. Dank der Ansiedlung von Bauern und Fischern gelang es um diese Zeit, das Gebiet für den Anbau und die Ausfuhr der dortigen Produkte, wie Obst, Gemüse und Fisch, nutzbar zu machen. Diese trugen zur besseren Versorgung der Stadt Venedig bei.

Datei:Cavallino - Chiesa di Santa Maria Elisabetta.JPG
Santa Maria Elisabetta

Ähnlich entwickelte sich die Situation in Treporti. Dort wurde 1681 die Kirche SS. Trinità errichtet, drei Jahre später geweiht. Sie wurde 1763 erweitert und bildet seither mit dem dort entstandenen Hauptplatz den Kern der Gemeinde. 1744 erfolgte der Bau der Kirche Santa Maria Elisabetta in Cavallino durch den holländischen Konsul in Venedig, Giacomo Feitema, damals Eigentümer der Ländereien um Cavallino. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut.<ref>Laura Pavan: Das Land des Östlichen Venedigs. Touristen- und Kulturführer, Ediciclo Editore, 2007, S. 27.</ref> Die Kirche von Lio Piccolo wurde erst 1791 errichtet. Der Campanile entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Veranlassung des damaligen Eigentümers der Insel, der Gemeinschaft der armenischen Mechitaristen.

Im selben Jahr markierte die Republik die Grenzen der Lagune mit Grenzsteinen aus istrischem Marmor, die den Löwen des Evangelisten Markus trugen sowie eine Inschrift, die „Margine di Conterminazione Lagunare“ lautete. Sechs von diesen marmornen Grenzsteinen sind im Abstand von je zwei Kilometern noch heute zu finden.<ref>Antonio Padovan: Il litorale del Cavallino, in: Camillo Semenzato (Hrsg.): Storia e arte: le isole e il litorale dal Cavallino a Pellestrina, Corbo e Fiore, Venedig 1992, S. 280.</ref>

Lio Piccolo ist in einer Karte von 1692 verzeichnet, in der Grundbesitz des Klosters San Giovanni Battista zu Murano zu erkennen ist. 1696 erfolgte der Bau einer der Madonna della Neve geweihten Kirche, die auf den Ruinen der Vorgängerkirche Santa Maria errichtet wurde. Die Kirche, die später dem Rosenkranz, dem hl. Dominikus und dem hl. Franziskus geweiht wurde, besuchte 1711 der Bischof von Torcello Marco Giustinian. Noch in der Karte von 1763, die Angelo Emo anfertigte, lag der Ostrand der Lagune immer noch weiter westwärts, dort, wo sich der Canale Pordelio befindet. Mit der Eröffnung der Saline von San Felice erlebte die Insel eine gewisse Blüte, und auch der Fischfang in den Valli da pesca trug weiterhin zur lokalen Wirtschaft bei. Dabei führte die Verlegung des Sile, eines der Flüsse, die in die Lagune mündeten, zu einer Stabilisierung der Inseln.

Österreichische Zeit (bis 1866), Entstehung der Landzunge (um 1900)

Datei:Cavallino Treporti, Lio Piccolo.jpg
Lio Piccolo, Luftbild

Unter österreichischem Regiment entstand in den Jahren 1845 bis 1851 die Forte di Treporti, auch Forte Vecchio genannt, am Lungomare di San Felice. Dabei handelte es sich um eine militärische Verteidigungsanlage, die während des Ersten Weltkriegs als Kaserne diente. Mit der Ricevitoria entstand zudem ein Gebäude, das um 1850 im westlichen Teil der Insel Saccagnana als Zollstelle diente.

Auch die kirchliche Organisation wurde geändert. 1818 kam das Gebiet, das zuvor zum Bistum Torcello gehörte, unter die Autorität der Insel Burano. Erst 1924 kam es an Venedig.

1848 bis 1849 kam es in Venedig zu einem Aufstand gegen die österreichische Herrschaft und zur Gründung der Repubblica di San Marco. Diese verteidigte sich mit Waffengewalt auch im Raum Cavallino. Dabei gelang es dem späteren General Trajan Doda, von Cava Zuccherina mit 40 Mann kommend, am 6. November eine venezianische Abheilung von 40 bis 50 Mann in Cavallino gefangen zu nehmen und ihr ein Schiff abzujagen.<ref>Johann Svoboda: Die Theresianische Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge von der Gründung der Anstalt bis auf unsere Tage, Bd. 2, Wien 1894, S. 342 (Digitalisat).</ref>

1872 begannen die Arbeiten an der Hafenmündung auf San Lio, die das Wasser des Sile von San Nicolò di Lido, Sant’Erasmo und Treporti in einer einzigen Mündung in die Adria kanalisieren sollten. Die heutige Situation durch die Verlegung des Piave nordwärts, womit der Fluss nicht mehr in die Lagune mündete (1882 und 1910). Zudem wurde ein neuer Ausgang zur Adria geschaffen, wodurch ein neuer, langer Strandrücken um Treporti-Punta Sabbioni entstand. Durch die Wassermassen aus der Adria, die den Treporti-Kanal erheblich vertieften, gelangte viel mehr Salzwasser in diesen Teil der Lagune, die Römerstraßen und -gebäude wurden verschüttet, partiell aber auch durch den enormen Wasserdruck wieder freigespült.<ref>Fantina Madricardo, Maddalena Bassani, Giuseppe D’Acunto, Antonio Calandriello, Federica Foglini: New evidence of a Roman road in the Venice Lagoon (Italy) based on high resolution seafloor reconstruction, Sci Rep 11, 13985 (2021). https://doi.org/10.1038/s41598-021-92939-w abgerufen am 26. März 2025.</ref>

Bonifikationen, Militärbauten der Weltkriegszeiten

Datei:Batteria Amalfi-pjt 02.jpg
Die Batteria Amalfi di Punta Sabbioni, ab 14. Mai 1917 bereitgestellt; mit zwei Kanonen bestückt, konnte sie 381-mm-Granaten rund 20 km weit schießen. Sie trug zum Schutz Venedigs, später zur Rückeroberung des Gebietes nördlich der Lagune wesentlich bei.<ref>Zu dieser Batterie vgl. Furio Lazzarini: La batteria amalfi nella grande guerra / Die Batterie Amalfi im Ersten Weltkrieg / The Amalfi Battery during the Great War, Forti e Musei della Costa, 2006.</ref>
Datei:Cavallino - Monumento ai caduti 01.jpg
Kriegerdenkmal in Cavallino

Von 1919 bis 1942 kam es zu weitreichenden Umwandlungen der abgelegenen und schwer zu erreichenden Gebiete, die Bebauung glich zunehmend der heutigen. Es entstanden aber zunächst Militäranlagen zur Sicherung der Küste in den Jahren 1905 bis 1918, als die Halbinsel einem Militärstatus unterworfen war. Dabei diente die Landzunge letztlich dem Schutz des militärisch bedeutenden Arsenals in Venedig, des Kriegshafens in der nördlichen Adria. Dazu entstand ein Netzwerk von Verteidigungsanlagen und vier Artilleriebatterien, die miteinander, und zugleich durch ein Schmalspurgleis mit dem in Ca'Vio gelegenen Pulvermagazin verbunden waren. Die Batterien hießen Amalfi (1915–1916), Pisani (1912), Radaelli (1909–1914) und San Marco (etwa 1909–1914).

Bereits 1909 hatte der Ausbau der Fortifikationen begonnen, bis 1914 waren die Batterie Vettori Pisani, San Marco und Radaell fertiggestellt worden. Neben den eigentlichen Festungsanlagen entstanden Kasernen, Wachhäuser und Lager, dazu – wegen des unübersichtlichen Geländes – bis zu siebengeschossige Beobachtungstürme.<ref>Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021, S. 8 f.</ref> Diese insgesamt 14 über das gesamte Gebiet verteilten Beobachtungstürme hießen torri telemetriche.<ref>Torri telemetriche.</ref> Dies war von umso größerer Dringlichkeit als die österreichischen und deutschen Einheiten bis Jesolo vorgerückt waren.

Die Bonifikationen setzten verstärkt ab 1930 ein, als sich die lokalen Grundbesitzer in einem Konsortium zusammenfanden. Dazu diente auch der Ausbau der Straße vom Ponte di Treporti nach Cavallino (das bis 1905 Lido di Equilio hieß), ebenso wie Trockenlegungen von „Sümpfen“, der Bau von Brücken und die Vertiefung von Kanälen. Mehrere Sturmfluten mit ihren Schäden machten es notwendig, den Damm zu verstärken, indem man ihn mit einer Mauer am Piave-Leuchtturm (Faro Piave) verstärkte. Nach der schweren Sturmflut von 1966 wurde ein zweiter Schutzwall in Höhe der Batteria Radaelli gebaut. Ähnliches galt für die 1972 erbaute Wasserleitung (aquedotto).

Tourismus auf der Landzunge, Bevölkerungseinbruch auf den westlichen Inseln

Ab den 1930er Jahren erfolgte wieder eine Konzentration auf die Herstellung von Agrarprodukten, ab den 1950er Jahren rückte der aufkommende Massentourismus in den Mittelpunkt. Doch die westlichen Inseln, allen voran San Lio, verloren im Zuge der massenhaften Auswanderung aus Italien in den 1950er und 1960er Jahren einen großen Teil ihrer Bewohner. Selbst die Armenier gaben die Insel schließlich auf, heute leben dort kaum mehr 20 Menschen. 2004 wurde die Insel wieder Teil der Gemeinde Treporti.

Selbstständige Gemeinde Cavallino-Treporti (seit 1999), Zuwanderung

1978 erhielten die kleinen Gemeinden einen gewissen Grad von Mitspracherecht. Das Verwaltungsgebiet wurde nämlich in 18 Fraktionen aufgeteilt, die die Consigli di quartiere bildeten. 1999 zählte die schnell wachsende Gemeinde bereits 11.890 Einwohner, im Jahr 2005 waren es 12.814, 2010 bereits 13.496.<ref>Federica Filippi: Biblioteche come centri propulsori di cultura. Caso: Biblioteca di Cavallino-Treporti, Laurea magistrale, Universität Venedig 2014, S. 17.</ref> Zum Anwachsen der Gemeinde trug der Geburtenüberschuss bei, vor allem aber die Zuwanderung aus dem meist europäischen Ausland. 2013 waren 8,35 % der Bevölkerung von dort zugewandert, das entsprach 1.131 Bewohnern. Diese stammten aus Rumänien (344 oder 30,42 %), Albanien (135 oder 11,94), Moldawien (69 oder 6,1 %), dem Kosovo (61 oder 5,39 %), der Ukraine (57 oder 5,04 %) sowie Marokko (54 oder 4,77 %).<ref>Federica Filippi: Biblioteche come centri propulsori di cultura. Caso: Biblioteca di Cavallino-Treporti, Laurea magistrale, Universität Venedig 2014, S. 20.</ref>

Verkehr

Datei:First look at the island Murano 02.jpg
Anlegestelle Punta Sabbioni
Datei:Pista ciclabile Pordelio.jpg
Radweg zwischen Punta Sabbioni und Cavallino

Die Straßenbrücke über den Fluss Sile ist die einzige Landverbindung zum übrigen Festland und führt in die Nachbargemeinde Jesolo. Die Via Fausta durchzieht die Landzunge in ihrer gesamten Länge.

Punta Sabbioni, ein Punkt am westlichen Ende der Halbinsel, ist an das Wasserbus-System der Vaporetti in Venedig angeschlossen. Die Linie 14 führt zum Lido, von wo aus die Schiffe der Linie 1 durch den Canal Grande fahren. Die Linie 12 hingegen hat einen längeren Weg und erschließt zahlreiche Inseln in der Lagune, ihr Endpunkt liegt am östlichen Rand von Venedig. Auf dem Landweg fahren lokale Busse vom Punta Sabbioni zum Busbahnhof von Jesolo. Eine weitere Vaporetto-Station in der Gemeinde ist Treporti, sie befindet sich in abgelegener Lage am Yachthafen Marina Fiorita.

Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind auf dem Landweg San Donà di Piave-Jesolo in San Donà di Piave und der mittels Vaporetti auf dem Wasserweg erreichbare Venezia Santa Lucia in Venedig. Der nächste internationale Flughafen ist Venedig Marco Polo.

Politik

Bürgermeisterin (Sindaco) von Cavallino-Treporti ist Roberta Nesto.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Athena Smerghetto: La sostenibilità nel settore turistico: il caso studio di Cavallino-Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2023, S. 38–42. (online)
  • Martina Rui: Dal campeggio al territorio: turismo sostenibile e conoscenza dei luoghi lungo il litorale di Cavallino – Treporti, tesi di laurea, Universität Venedig, 2021. (online)
  • Jessica Memo: Turismo e sostenibilità ambientale: il caso di studio di Cavallino-Treporti, Laurea magistrale, Universität Venedig 2014. (online)
  • Federica Filippi: Biblioteche come centri propulsori di cultura. Caso: Biblioteca di Cavallino-Treporti, Laurea magistrale, Universität Venedig 2014. (online)
  • Furio Lazzarini: Cavallino - Treporti nella Grande Guerra, Storia, itinerari e luoghi di interesse, Grafiche Nardin, Cavallino Treporti 2014.
  • Giuseppe Bozzato, Michele Busarello, Piero Santostefano: Cavallino Treporti: Atlante delle trasformazioni di un territorio tra mare Adriatico e laguna di Venezia: 1552–2010, Associazione Culturale Tra mar e laguna, Cavallino Treporti 2014.
  • Lorenzo Bonometto: Un ambiente naturale unico – le spiagge e le dune della penisola del Cavallino, Comune di Venezia, Ripartizione Servizi Educativi, Centro di Educazione Naturalistica-Ambientale, Venedig 1992.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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