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Carl Börner (Bildhauer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Carl Paul Börner (* 29. Juni 1828 in Niederwiesa, Schlesien; † 19. April 1905 in Hamburg) war ein deutscher Bildhauer.

Leben

Carl Börner wurde als 8. von 15 Kindern in Greiffenberg/Niederschlesien 1828 geboren. Sein Vater hatte eine Pfarrstelle in Niederwiesa bei Greiffenberg. Börner wuchs in bescheidenen und fürsorglichen Verhältnissen auf. Seinem Wunsch, Malerei zu studieren, konnte er nicht nachgehen. Im Alter von 16 Jahren begann er 1844 in der damaligen Hauptstadt der preußischen Provinz Schlesien Liegnitz eine Ausbildung zum Bauingeieur. Nach Beendigung der Ausbildung verließ Börner 1847 Liegnitz und ließ sich aus finanziellen Gründen in einer Tonwarenfabrik in Steinau an der Oder als Lehrling anstellen, wobei er zu modellieren begann. Nach Ende seiner dreijährigen Ausbildung war er bis 1859 in verschiedenen Tonfabriken Niederschlesiens soweit erfolgreich tätig, dass er ein Teil seiner Familie finanziell unterstützen konnte.

Durch einen Zufall kam Börner mit dem in Berlin tätigen Architekten Friedrich Hitzig in Kontakt, der ihn ermuntert haben soll, sich der Bildhauerei zu zuwenden, und vermittelte ihn an das Atelier des Bildhauers Friedrich Wilhelm Dankberg. Hier traf Börner die Figuristen Julius Lippelt und Louis/Ludwig Drake (1826–1897), dem er sich anschloss, nachdem er sich später selbständig gemacht hatte. Durch diese Verbindung arbeitete Börner zeitweilig auch im Atelier von Drakes bekanntem Bruder Friedrich. Louis Drake und Börner soll eine lange Freundschaft verbunden haben.

Im April 1862 bat Lippelt, der sich zwischenzeitlich in Hamburg niedergelassen hatte, seinen ehemaligen Berliner Kollegen Carl Börner um Hilfe bei der Schaffung des Schiller-Denkmal, da er schwer erkrankt war. Lippelt starb, bevor alle Figuren modelliert waren. Carl Börner vollendete das Schiller-Denkmal nach seinen Skizzen.<ref>Local-Bericht. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 1. September 1864, S. 3, („Die vierte Sockelfigur zum Schiller-Denkmal … ist zur gänzlichen Ausführung einem bisherigen Mitarbeiter und Schüler Lippelt's, Hrn. Börner, übertragen worden.“ Digitalisat. Die mehrfach in Veröffentlichungen zu findende Behauptung, Börner sei Schüler von Lippelt gewesen, beruht ausschließlich auf vorhergehendem Zitat, entbehrt aber jeglichem Nachweis.)</ref> Der Bronzeguss wurde durch die Gießerei von Georg Schultz übernommen.

Börner ließ sich in Hamburg nieder und bezog im November 1867 am Lübecker Tor eine Werkstatt in einem ehemaligen Akzise-Gebäude, das leergestanden hatte.<ref name = "LTor">Otto Ohl: Das Lübecker Thor in Hamburg. In: Hamburger Fremdenblatt. 20. September 1902, [22], (u.a. über die Werkstätten, Digitalisat)</ref> Im Mai 1868 meldet er sich beim Gewerbebüro als Stein-Bildhauer an.<ref>Gewerbe-Anmeldung im Gewerbe-Bureau vom 16. Mai bis ultimo. „Carl Paul Börner, Stein-Bildhauer, beim Lübeckerthor“. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 9. Juni 1868, S. 1, Digitalisat)</ref> Im Laufe der Jahre erhielt er von Architekten Aufträge für Ornamente zur Fassadengestaltung. Seine Stärke lag eher in der Anpassung als in der eigenen Entwicklung neuer Formen, wobei ihm seine Kenntnis historischer Baustile zugute kam. Zusätzlich zu dieser Tätigkeit als Ornamentbildhauer wurde Börner mit Porträtbüsten und -reliefs<ref group="A">U. a. 1885 die Reliefs von Friedrich Schinkel (siehe: Theodor Schultz: Umbau unserer Kunsthalle; II. In: Hamburgischer Correspondent. 8. September 1886, S. 1, Digitalisat), Giovanni Bellini und Andrea Mantegna für die Kunsthalle.</ref> beauftragt. Bis 1875 war er zudem Lehrer für Modellieren an der Gewerbeschule. Bis 1899 schuf Börner zahlreiche Figuren für das Hamburger Rathaus<ref group="A">Joseph II. als eine der 20 Kaiserfiguren an der Rathausfrontseite, zwei Turmwächter, Delphine, Tritone und Wasserspieler, Modelle für die Brautpforte, Uhrenfiguren in der Diele, Reliefs im Kaisersaal, etc.</ref> und zahlreiche Statuen.<ref group="A">Statuen für die St. Johanniskirche in Harvestehude (3 Apostelfiguren), an der Kersten-Miles-Brücke (Kersten Miles), Elefanten am Afrikahaus, Kolumbus als eine der von vier großen Entdecker, etc.</ref>

Nachdem die Gebäude, in denen sich Börners Werkstatt 32 Jahre lang befunden hatte, zum Abriß freigegeben waren, übernahm er im Mai 1899 neue Atelierräume am Schlump.<ref name = "LTor" /> Börner war zeitweilig Mitglied des Verwaltungsrates der Heinrich Schäffer-Stiftung, die junge Künstler förderte.<ref>Staatsarchiv Hamburg, 611-19/148 Heinrich Schäffer-Stiftung</ref> Neben Börner hat auch der Bildhauer Engelbert Peiffer, der 10 Jahre vor ihm verstorben war, zahlreiche Spuren in Hamburg hinterlassen.

Carl Börner heiratete 1868 Marte Krogmann. Er war Mitglied im Hamburger Künstlerverein von 1832.

Werk

Datei:Columbus-Standbild an der Kornhausbrücke (Hamburg).JPG
Columbus-Standbild an der Kornhausbrücke
Datei:Grab Reinhold FriedhofOhlsdorf (9).jpg
Relief „Hammonia“ mit Hamburger Innenstadt, Grab Reinhold, Friedhof Ohlsdorf

Reliefs

  • Linkes Relief („Hammonia“) an Grabmalwand Familie Reinhold von 1898 (Signatur C. Börner), Friedhof Ohlsdorf<ref>Barbara Leisner, Heiko K. L. Schulze, Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Verlag Hans Christians, Hamburg 1990, Seite 51, Kat. 280.</ref>
  • Die Reliefplatte auf der Vorderseite des Denkmal für den Dichter Friedrich von Hagedorn (1708–1754) im Eichenpark zeigt sein Bildnis in voller Figur unter einer Linde sitzend,<ref>Dr. B.: Die Hagedorn-Linde. In: Hamburger Fremdenblatt. 21. Oktober 1897, Zweite Beilage, S. [9], (Digitalisat)</ref> ein Buch in der Hand, Blick Richtung Alster, im Hintergrund Boote. Die Inschrift auf der Rückseite gibt das Datum der Aufstellung und den Namen des Spenders wieder: „Gestiftet vom Pöseldorfer Verein 1897“.

Anderes

  • Silberner Tafelaufsatz für Adolph Godeffroy in Anerkennung seiner Wirksamkeit für die HAPAG in der Zeit vom 1. Juni 1841[7] bis 30. Juli 1880.<ref group="A">Tagesbericht. Im Museum für Kunst und Gewerbe … In: Hamburger Nachrichten. 2. Juli 1881, S. [2], (Heute ist der Tafelaufsatz Teil des Senatssilbers, der erwähnte Glaskasten ist nicht vorhanden, Digitalisat);
    Der Entwurf stammte von Martin Haller (Zeichnung fehlt), siehe: Wilhelm Hornbostel, David Klemm (Hrsg.): Martin Haller. Leben und Werk 1835–1925. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-930802-71-6, S. 242, Abbildung: S. 243</ref>
  • Ein kleines Monument zum 80. Geburtstag von Bürgermeister Carl Friedrich Petersen 1889: auf schwarzem Marmor sich erhebende Bronzefigurengruppe, welche von der Hammonia überragt wird. Der Entwurf stammte von Martin Haller, Carl Börner modellierte.<ref>Die Feier des achtzigjährigen Geburtstages des Bürgermeister Dr. Petersen. In: Hamburger Nachrichten. 6. Juli 1889. S. [10], (2. Sp. li., Digitalisat);
    Abbildung siehe: Wilhelm Hornbostel, David Klemm (Hrsg.): Martin Haller. Leben und Werk 1835–1925. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-930802-71-6, S. 244</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Carl Börner (sculptor) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Carl Börner. In: Kunst@SH. Jan Petersen // Kunst@SH, abgerufen am 10. November 2025.

Einzelnachweise

<references />

Anmerkungen

<references group="A" />

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