Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Guaifenesin – Wikipedia Zum Inhalt springen

Guaifenesin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Buchenteer)
Strukturformel
Struktur von Guaifenesin
(R)-Isomer (oben) und (S)-Isomer (unten)
1:1-Gemisch der Stereoisomere
Allgemeines
Freiname Guaifenesin
Andere Namen
  • (RS)-3-(2-Methoxyphenoxy)propan-1,2-diol
  • Guajacolglycerinether
Summenformel C10H14O4
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff<ref name="TCI" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 202-222-5
ECHA-InfoCard 100.002.021
PubChem 3516
ChemSpider 3396
DrugBank DB00874
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

R05CA03

Wirkstoffklasse

Expektorans

Eigenschaften
Molare Masse 198,22 g·mol−1
Aggregatzustand

fest<ref name="TCI" />

Schmelzpunkt

83 °C<ref name="TCI" />

Siedepunkt

215 °C (19 mmHg)<ref name="TCI" />

Löslichkeit
  • löslich in Wasser, Chloroform und Dimethylformamid<ref name="TCI" />
  • sehr wenig löslich in Ethanol<ref name="TCI" />
  • sehr leicht löslich in Diethylether<ref name="TCI" />
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="TCI">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check bei TCI EuropeVorlage:Abrufdatum</ref>
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: 501​‐​270​‐​264​‐​301+312+330<ref name="TCI" />
Toxikologische Daten

1510 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="TCI" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Guaifenesin ist ein Arzneistoff aus der chemischen Gruppe der Guajakolderivate und wird zur Lösung von Bronchialsekret (Expektorans) z. B. bei Atemwegsinfekten verwendet. Chemisch kann es formal auch als Kondensationsprodukt von Anisol und Glycerin gesehen werden.

Geschichte

Der Vorläufer des Guaifenesin, Kreosot, wurde schon im 19. Jahrhundert als Expektorans und Desodorans angewendet.<ref name=":0">Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Christoph Friedrich, Ulrich Meyer: Arzneimittelgeschichte. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8047-2113-5, S. 184.</ref> Es bestand aus Guajakol und Kreosol.

Da einige Patienten auf Behandlung mit diesem Gemisch mit Magen-Darm-Beschwerden reagierten, wurde 1954 das Guaifenesin entwickelt, was nun der reine Guajakolglycerinether war. 1959 wurde es unter dem Namen „Robitussin“ in Amerika auf den Markt gebracht und seit 1982 auch in Deutschland.<ref name=":0" /> Bereits 1953 wurde das Guajacolglycerinether-haltige Medikament Reorganin von der Firma Dr. Christian Brunnengräber in Lübeck als Medikament zur Behandlung unter anderem von Angst- und Spannungszuständen als medikamentöse „Lobotomie“ beworben.<ref>Bei Angst-Spannungs-Zuständen. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XL.</ref>

Es folgten verschiedene Kombinationspräparate als Kapseln und Säfte.

Unter dem Namen Fagusan war Guaifenesin-Hustensaft in der DDR bekannt.<ref>Ein Brandenburger Unternehmen nutzt die Kraft der Heilkräuter – Spreewald-Pharma setzt auf Tradition. In: nd-aktuell.de. 14. September 2012, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref><ref name="berliner-849349">Gesund und gar nicht bitter: Kräutertropfen von der Spree. In: berliner-kurier.de. 2. Dezember 1995, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref><ref name="apoadhoc:">Fagusan: Zwei Farbstoffe gestrichen. In: apotheke-adhoc.de. 6. März 2023, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref>

Pharmakologische Eigenschaften

Guaifenesin wirkt sekretverflüssigend; die Wirkung soll reflektorisch zustande kommen über eine Reizung der Magenschleimhaut, wodurch es zu einer parasympathischen Stimulation der Bronchialdrüsen komme.<ref name="ABKomm">K. Hardtke et al. (Hrsg.): Kommentar zum Europäischen Arzneibuch Ph. Eur. 4.05, Guaifenesin. Loseblattsammlung, 19. Lieferung 2005, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.</ref>

In höherer Dosierung wirkt Guaifenesin muskelerschlaffend. Bei starker Überdosierung kommt es zu Übelkeit und Erbrechen, ferner kann eine Muskelerschlaffung auftreten, die sofortige ärztliche Hilfe erfordert.

Klinische Angaben

Anwendungsgebiete (Indikationen)

Guaifenesin ist angezeigt zur Schleimlösung im Bronchialbereich, etwa bei Erkältungen, grippalen Infekten und Bronchitis. Guaifenesin ist oral wirksam.

In der Veterinärmedizin ist Guaifenesin zusammen mit Ketamin und Xylazin Bestandteil des verbreiteten Triple Drip zur intravenösen Anästhesie.<ref>Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check bei VetpharmVorlage:Abrufdatum</ref>

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Guaifenesin verstärkt die Wirkung von Sedativa und Muskelrelaxanzien. Bei der gleichzeitigen Anwendung von hustenunterdrückenden Arzneimitteln (Antitussiva) besteht ein Risiko für das Auftreten eines Sekretstaus.

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)

Sonstige Informationen

Guaifenesin wurde 1952 von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) als Expektorans zugelassen, es gilt dort als das einzige von der FDA als wirksam beurteilte Expektorans.<ref>akdae.de: Arzneiverordnung in der Praxis, Band 38, Ausgabe 5, September 2011 (PDF; 352 kB).</ref> In den deutschsprachigen Ländern gilt seine therapeutische Bedeutung als fraglich,<ref name="ABKomm" /> zumal auch expektorierende Arzneistoffe mit einem günstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnis verfügbar sind.

Anekdotisch kursieren Berichte über eine Verwendung von Guaifenesin in der Behandlung der Fibromyalgie, welche auf ein alternativmedizinisches Behandlungskonzept eines amerikanischen Arztes zurückgeht. In einer kontrollierten Studie konnte eine therapeutische Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden – jedoch war zum Zeitpunkt der Studie die hemmende Wirkung von Salicylaten auf das Medikament als auch die Notwendigkeit einer individuellen Dosierung von Guaifenesin nicht bekannt.<ref>R.M. Bennett, P. De Garmo, S.R. Clark (1996): A Randomized, Prospective, 12 Month Study To Compare The Efficacy Of Guaifenesin Versus Placebo In The Management Of Fibromyalgia (reprint). Arthritis and Rheumatism 39 (10): S. 212, doi:10.1002/art.1780391402.</ref>

Literatur

  • Rote Liste 2008, ISBN 978-3-939192-20-6.
  • Gebrauchsinformation Wick Husten-Löser.

Handelsnamen

Monopräparate
Fagusan („Buchenteer“) (D), Longtussin (D, außer Handel), Myoscain (A), Resyl (A, CH), Vicks Hustenlösen (CH), Wick Husten-Löser (D); Kirkland Signature Mucus Relief Chest (USA), Mucinex (USA), Perrigo Guaifenesin 600 mg Extended Release (generic Mucinex) (USA)
Kombinationspräparate
Bricanyl compositum (A), Bronchostop (A), Demo Hustenelixier (CH), Escotussin (CH), Pecto-Baby (CH), Pectocalmine (CH), Resyl mit Codein (A), Resyl plus (A, CH), Sano Tuss (CH), Tuscalman (CH), Wick DayMed Erkältungs-Getränk (D)

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein