Bromchlorid
Bromchlorid ist eine gasförmige Interhalogenverbindung, die aus den Elementen Brom und Chlor besteht. Brom hat in dieser Verbindung formal die Oxidationsstufe +1. Es handelt sich um eine kovalente Verbindung.
Geschichte
Erste Untersuchungen der Schmelz- und Siedekurven von Mischungen aus Chlor und Brom wurden schon am Anfang des 20. Jahrhunderts publiziert, wobei keine Verbindungsbildung nachweisbar war.<ref>P Lebeau: In: Compt. rend. Acad. Sciences. 143, 1906, S. 589.</ref><ref>B. J. Karsten: Über das gegenseitige Verhalten der Halogene speziell der Systeme Chlor-Brom und Chlor-Jod. In: Z. anorg. Chem. 53, 1907, S. 365–392, doi:10.1002/zaac.19070530126.</ref> Später beschrieben einige Autoren Beobachtungen, die auf eine mögliche Existenz einer Brom-Chlor-Verbindung hinwiesen, wobei weder die Zusammensetzung geklärt noch eine Herstellung realisiert werden konnte.<ref name="Thomas">V. Thomas, P Dupuis: In: Comptes Rendus Hebdomadaires des Seances de l'Academie des Sciences. 143, 1906, S. 282. Volltext</ref><ref>M. Delepine, L Ville: In: Compt. rend. Acad. Science. 170, 1920, S. 1390.</ref><ref>G. S. Forbes, R. M. Fuoss: The Reaction Between Bromine and Chloride Ion in Hydrochloric Acid. Bromine Chloride. In: J. Am. Chem. Soc. 49, 1927, S. 142–156, doi:10.1021/ja01400a019.</ref><ref>S Barratt: In: Proc. Roy. Soc. London. 122, 1929, S. 582.</ref> Der erste Nachweis des Bromchlorids über den Vergleich von Dampfdruckkurven und die Isolierung der reinen Verbindung gelang Hermann Lux im Jahr 1930.<ref name="Lux" />
Herstellung
Die erste Herstellung von Bromchlorid erfolgte durch Hermann Lux mittels langsamer Destillation eines Chlor-Brom-Gemischs bei −70 °C.<ref name="Lux" /> Die Verbindung lässt sich durch UV-Bestrahlung eines Chlor-Brom-Gemisches in Halogenkohlenwasserstoff (CFnCl4−n) herstellen.<ref name="HoWi" />
Eigenschaften
Bromchlorid ist im festen Zustand eine ockergelbe Substanz, die bei −54 °C scharf schmilzt.<ref name="Lux" /> Im Vergleich dazu schmilzt ein 1:1-Gemisch aus Chlor und Brom im Bereich zwischen −66 °C und −52 °C.<ref name="Lux" /> Abweichende Schmelzpunktangaben für Bromchlorid anderer Autoren bei −66 °C<ref name="HoWi" /> oder −75 °C<ref name="Thomas" /> beruhen möglicherweise auf Messungen an Gemischen der Elemente. Die ockergelbe Schmelze siedet unter Normaldruck bei −5 °C, wobei schon ab 10 °C eine Zersetzung der Verbindung beobachtet wird.<ref name="GESTIS" /> Im Kristallgitter werden zickzackförmige BrCl-Ketten gebildet.<ref name="Drews" /> Die Verbindung kristallisiert in einem orthorhombischen Kristallgitter mit der Vorlage:Raumgruppe.<ref name="Drews" />
In Wasser hydrolysiert die Verbindung zu hypobromiger Säure und Salzsäure.<ref name="Kolditz" />
- <math>\mathrm{BrCl + H_2O \rightarrow HOBr + HCl}</math>
In Gegenwart eines Überschusses an Chloridionen können Verbindungen mit dem Polyhalogenidion BrCl2− erhalten werden.<ref name="Kolditz" />
- <math>\mathrm{BrCl + Cl^{-} \rightleftharpoons {BrCl_2}^{-}}</math>
Verwendung
Bromchlorid wird bei der Herstellung von Lithium-Schwefeldioxid-Batterien<ref>tayloredge.com: Lithium Battery Chemistry (PDF, engl.; 355 kB)</ref> verwendet. Außerdem wird es als Wirkstoff in Desinfektionsmitteln, Fungiziden und Algiziden eingesetzt.<ref>Vorlage:Webarchiv.</ref>
Einzelnachweise
<references />