Boy Gobert
Boy Christian Klée Gobert (* 5. Juni 1925 in Hamburg; † 30. Mai 1986 in Wien) war ein deutsch-österreichischer<ref>Der lange Zeit in Wien lebende Gobert besaß seit 1981 die österreichische Staatsbürgerschaft. Vgl. Gestorben: Boy Gobert. In: Der Spiegel, Nr. 23, 1986, S. 236.</ref> Theaterintendant, Theaterregisseur, Theaterschauspieler und Filmschauspieler.
Leben

Boy Gobert war der Sohn des Hamburger Kultursenators Ascan Klée Gobert und seiner ersten Ehefrau Maria Gräfin von Haller-Hallerstein. Nach dem Abitur nahm er von 1946 bis 1947 Schauspielunterricht bei Helmuth Gmelin. An dessen Theater im Zimmer debütierte er 1947 als Oswald in Gespenster. Er spielte bereits als Anfänger 1946/47 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg<ref>Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, Vorlage:DNB, S. 214</ref>, dann als jugendlicher Bonvivant und Liebhaber am Badischen Staatstheater Karlsruhe (1947 bis 1950), am Fritz Rémond Theater in Frankfurt am Main (1950 bis 1952), an den Städtischen Bühnen Frankfurt (1953/54), an der Komödie im Marquardt in Stuttgart (1954), am Renaissance-Theater in Berlin (1954), an den Münchner Kammerspielen (1954), wieder am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg (1954/55) und von 1956 bis 1959 am Schauspielhaus Zürich, am Bayerischen Staatsschauspiel und wieder am Berliner Renaissance-Theater.
1954 gelangte er auch zum Film, wo er vor allem auf das Rollenfach von Dandys, Snobs und Bonvivants festgelegt war. „In über 50 Filmen der Nierentischzeit juxte Gobert dann näselnd, blasiert, durch das Land des Lächelns“, schrieb Der Spiegel im Nachruf auf Gobert 1986.<ref name="Nachruf">Gestorben: Boy Gobert. In: Der Spiegel, Nr. 23, 1986, S. 236.</ref> Lediglich in den französischsprachigen Produktionen Wer sind Sie, Dr. Sorge? (1961) und Le repas des fauves (1964) erhielt Gobert in Nebenrollen etwas anspruchsvollere Aufgaben.
Ab 1959 war Gobert Mitglied des Wiener Burgtheaters. Als Nachfolger von Kurt Raeck wurde er 1969 Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, das er bis 1980 leitete. Dort gelang es ihm, auch sein eigenes Rollenspektrum zu erweitern und weiterzuentwickeln. Unter namhaften Regisseuren spielte er Rollen der Weltliteratur, darunter Shakespeares Richard III., Coriolan und Goethes Faust, aber auch moderne Klassiker wie Arthur Schnitzlers Anatol und Carl Sternheims Snob. Daneben widmete er sich als Regisseur und Darsteller dem angelsächsischen Gegenwartstheater mit Autoren wie Harold Pinter und Trevor Griffiths. Ein besonderes Interesse entwickelte er als Intendant und Regisseur außerdem für den „gehobenen Boulevard“ unter der Devise „Ein Optimum an Kunst und Kasse“.<ref name="Nachruf" />
Im Jahr 1980 wechselte er als Generalintendant an die Staatlichen Schauspielbühnen Berlin. Trotz vereinzelter künstlerischer Erfolge wie der Hans-Fallada-Revue Jeder stirbt für sich allein (Regie Peter Zadek) und Hans Neuenfels’ anspruchsvollen Inszenierungen von Goethes Iphigenie auf Tauris, Heinrich von Kleists Penthesilea, Robert Musils Die Schwärmer und Jean Genets Der Balkon gelang es Gobert insgesamt nicht, die an ihn gestellten hohen Erwartungen als Nachfolger Hans Lietzaus zu erfüllen. Sein Vertrag wurde über die Spielzeit 1984/85 hinaus nicht verlängert.
Auch die Abschlussproduktion von Schillers Wallenstein mit Gobert in der Titelrolle (Inszenierung Klaus Emmerich, dramaturgische Mitarbeit Heiner Müller) wurde verrissen. So schrieb Hellmuth Karasek: „Eine ziemliche Pleite, eine Beerdigung dritter Klasse. […] Ein Abschied vertan, verschwendet, vergeigt. Wenn etwas an diesen Abenden tragische Größe hätte haben können, dann Goberts böses Erwachen aus dem Gründgens-Traum.“<ref>Hellmuth Karasek: Böses Erwachen. In: Der Spiegel, Nr. 16, 1985, S. 238–239.</ref>
Danach sollte Gobert mit der Spielzeit 1986/87 am 1. September 1986 die Direktion des Wiener Theaters in der Josefstadt übernehmen. Dort war er bereits in den Proben von Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? mit Ingrid Andree, starb jedoch überraschend noch vor der Spielzeiteröffnung am 30. Mai 1986 an Herzversagen in seinem Haus in Wien Neustift am Walde – nur wenige Wochen vor dem als Chefdramaturg und Hausregisseur ebenfalls neu engagierten Ernst Wendt.
Goberts von der Stadt Wien ehrenhalber gewidmetes Grab befindet sich auf dem Neustifter Friedhof (Gruppe 22, Reihe 6, Nummer 1) im 18. Bezirk.<ref>{{#if:|{{#iferror: Vorlage:FormatDate| |}}}}{{#if:Klaus Nerger|Klaus Nerger: }}{{#if:|{{#if:Das Grab von Boy Gobert|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Das Grab von Boy Gobert}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.knerger.de/html/gobertschauspieler_30.html%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Das Grab von Boy Gobert}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.knerger.de/html/gobertschauspieler_30.html}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Das Grab von Boy Gobert}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:knerger.de{{#if: 2022-08-07 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
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Ehrungen und Auszeichnungen
Im Jahr 1961 wurde Gobert mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. Durch den österreichischen Bundespräsidenten erhielt er 1971 den Titel eines Kammerschauspielers. Im Jahr 1973 verliehen ihm die Mitglieder der Hamburger Volksbühne den Ehrenpreis Silberne Maske. Im Jahr 1977 erhielt er für seine Verdienste das Silberne Blatt der Dramatiker Union und war 1980 Preisträger der Goldenen Kamera als Erzähler und Darsteller in Der gute Doktor.<ref>Vgl. Preisträger des Jahres 1980 auf goldenekamera.de</ref> Der Hamburger Senat verlieh ihm 1980 die Medaille für Kunst und Wissenschaft.
Mit dem seit 1981 verliehenen Boy-Gobert-Preis für Nachwuchsschauspieler an Hamburger Bühnen, vergeben von der Körber-Stiftung und mit 10.000 Euro dotiert, wird Gobert auch noch postum geehrt.<ref>Boy-Gobert-Preis auf koerber-stiftung.de</ref>
Diskografie
Von Boy Gobert Gesprochenes wurde als Single- und LP-Schallplatten veröffentlicht.
- 1961 (ca.): In Seligkeit und Sünden: Boy Gobert spricht Gedichte der Marie Madeleine.<ref>Boy Gobert spricht Gedichte der Marie Madeleine secondhandlps.de, Deutsche Grammophon Ges. 34 054, Single, abgerufen am 21. Januar 2020.</ref>
- 1962: Boy Gobert liest Amüsantes Amouröses.<ref>Boy Gobert liest Amüsantes Amouröses secondhandlps.de, Preiser Records Lebendiges Wort LW 7, abgerufen am 21. Januar 2020.</ref><ref>Boy Gobert liest Amüsantes ♥ Amouröses – Aus dem gleichnamigen Vortragsabend discogs.com, Preiser Records Lebendiges Wort LW 7, A 1962, LP, abgerufen am 21. Januar 2020.</ref>
- 1965: Boy Gobert rezitiert/liest Wilhelm Busch/Max und Moritz. – mehrere Pressungen<ref>Boy Gobert liest Max und Moritz record-seller.com, Favorit Records FEP 511, abgerufen am 21. Januar 2020.</ref><ref>Wilhelm Busch : Max und Moritz discogs.com, Preiserrecords Impression 4055, Deutsche Buch-Gemeinschaft, 1965</ref><ref>Max und Moritz : Boy Gobert rezitiert Wilhelm Busch discogs.com, Creditanstalt ... zum Weltspartag, abgerufen am 21. Januar 2020</ref>
- (1965?): Boy Gobert liest Wilhelm Busch: Max und Moritz – Plisch und Plum.<ref>Boy Gobert liest Wilhelm Busch: Max und Moritz – Plisch und Plum secondhandlps.de, Unikum, Uni 8, LP, abgerufen am 21. Januar 2020.</ref>
- 1966: Boy Gobert liest Heinrich Heine.<ref>Boy Gobert spricht Heinrich Heine discogs.com, Preiser Records – PR 3117, Österreich, abgerufen am 21. Januar 2020. – Tonaufnahme 9. Januar 1966, Kölner Kammerspiele.</ref>
- 1968: Die ganze Welt ist Bühne. – Szenen und Lieder aus verschiedenen Theaterstücken, mit Aglaja Schmid, Friedel Schuster, Heinz Trixner und Joachim Bißmeier.<ref>Boy Gobert: Die ganze Welt ist Bühne discogs.com, Deutsche Grammophon Ges. 2571 101, LP, abgerufen am 30. August 2023.</ref>
Filmografie
Hörspiele (Auswahl)
- 1983: Ernst Toller: Hoppla, wir leben – Bearbeitung und Regie: Willi Schmidt (Hörspielbearbeitung – SFB)
Literatur
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- Gerhard Blasche, Eberhard Witt: Hamburger Thalia Theater – Boy Gobert. Kristall Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-607-00004-2.
- Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 306 f.
- C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 227.
- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 291 f.
Weblinks
- Vorlage:DNB-Portal
- Vorlage:IMDb
- Vorlage:Austriaforum
- Programmhefte aus dem Schaffen Boy Goberts
- Interviews, Radiobeiträge und Aufnahmen mit Boy Gobert im Online-Archiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise
<references />
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