Bolschedoroschnoje
Vorlage:Infobox Ort in Russland Bolschedoroschnoje (Vorlage:RuS, Vorlage:DeS, Vorlage:LtS) ist eine Siedlung aus ehemals vier selbständigen Orten in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) im ehemaligen Ostpreußen und gehört zu Pogranitschny (Hermsdorf, Kreis Heiligenbeil) im Rajon Bagrationowsk (Preußisch Eylau).
Geographische Lage
Bolschedoroschnoje liegt drei Kilometer südöstlich der Stadt Laduschkin (Ludwigsort) und dreißig Kilometer südwestlich von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) an einer Nebenstraße, die von Laduschkin und Sosnowka (Schwanis) kommend nach Kornewo (Zinten) führt.
Südöstlich von Bolschedoroschnoje verläuft die russische Fernstraße 27A-002 (frühere R 516, ehemals als Reichsautobahn Berlin–Königsberg geplant) und drei Kilometer nordwestlich die 27A-020 (ex russische A 194, ehemalige deutsche Reichsstraße 1 von Aachen über Berlin nach Königsberg und bis Eydtkuhnen, heute auch Europastraße 28).
Bahnanschluss besteht über die Station Laduschkin an der Bahnstrecke Malbork (Marienburg) – Mamonowo (Heiligenbeil) – Kaliningrad (ehemals Preußische Ostbahn).
Geschichte
Bis 1945
Laukitten
Im Jahre 1407 wurde Lawkyten<ref>Geographisches Ortsregister Ostpreußen: Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Laukitten. Stand 2005.</ref> zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Nachdem im 16. Jahrhundert die Familie von Hohendorff in den Besitz von Laukitten kam, erwarb es am 30. Juli 1627 Johann Georg von Podewils. Er war kurfürstlicher Kämmerer und Hauptmann zu Insterburg (heute russisch Tschernjachowsk). In seiner Zeit soll das barocke Gutshaus entstanden sein.
1686 verkaufte Georg von Podewils das Gut, und es gelangte nacheinander an den Kriegssekretär Daniel Sommerfeld, den Gutsbesitzer Carl Ludwig von Bolschwing auf Pannwitz, den Leutnant Johann Ludwig von Negelein, Prinzessin Friederike von Holstein und kam zu Ende des 18. Jahrhunderts zum Gut Rippen (Sowchosnoje). Der Kammerherr Carl Friedrich August Graf von der Schulenburg vermachte das Gut Laukitten 1829 an den Obergerichtsreferendar Gustav Schmysing gen. Freiherr von Korff (1810–1855), wobei genealogische Standardquellen wie Der Gotha davon ausgehen, dass bereits im frühen 18. Jahrhundert mit dem Adligen Otto Ernst ein Korff der örtliche Gutsinhaber war und eine eigene Familienlinie Laukitten bildete.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1908. Neunter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 422.</ref> Gustav von Korff war mit Valeska von der Groeben (1820–1884) verheiratet, die Tochter aus dieser Beziehung wurde Erbin von Laukitten, Anna Freifrau von Korff (1840–1907). Anna heiratete selbst einen Freiherrn Friedrich von Korff-Schönbruch,<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1877. Siebenundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1876, S. 450.</ref> nach dessen Kriegstod Richard von Alvensleben-Zichtau,<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1908. Neunter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 423.</ref> der wenige Wochen darauf als kgl. preuß. Major des Regiment der Gardes du Corps ebenfalls fiel. Nach 1907 wurde der Sohn von Anna und Rittmeister Friedrich von Korff, Wilhelm Freiherr von Korff (1861–1919), Gutsinhaber. Er war seit 1897 geschieden von seiner Frau Editha von Roennebeck<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1908. Zweiter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 784.</ref> und nannte sich nach seinem Gutsbesitz Wilhelm Karl von Korff-Laukitten. Er war Reserveoffizier sowie Präsident des Ostdeutschen Automobil-Klubs.<ref>Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Who’s Who of Germany. Wer ist’s?. V. Ausgabe, Selbstverlag, G. E. Stechert & Co. New York, Leipzig 1911, S. 1683–1684.</ref> Aus seiner geschiedenen Ehe hatte Wilhelm Karl von Korff-Laukitten zwei Kinder, Tochter Claudine (* 1893) und den Sohn Nikolaus (1892–1968).<ref>Walter von Hueck, Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser (B). Band XV, Band 96 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1989, Vorlage:ISSN, S. 269–270.</ref> Freiherr Nikolaus von Korff, standesgemäß als Schüler<ref>Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H. 1705–1913. P. Riemann Ludwigslust. Selbstverlag des Vereins der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., Belzig/Brandenburg a. H./Ludwigslust 1913, S. 381.</ref> Zögling (Nr. 1669)<ref>Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H. 1913–1929. P. Riemann Ludwigslust. Selbstverlag des Vereins ehemaliger Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a.H., Brandenburg a.H./Ludwigslust 1929, S. 59.</ref> an der Ritterakademie Brandenburg, lebte in den 1920er Jahren in SWAfrika auf der Farm Ozondjache bei Otjiwarongo und war während der NS-Zeit nach Deutschland zurückgekehrt RAD-Oberstarbeitsführer. Aus seiner ersten 1926 geschiedenen Ehe mit Rita von Zastrow (1889–1943) stammen die zwei Söhne Achim und Günther-Kraft von Korff. Gut Laukitten war zu diesem Zeitpunkt bereits verkauft.
Vor 1922 schließlich gelangte Laukitten<ref>Oskar Köhler: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. [1922]. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher. Band III, 4. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig Juli 1922, S. 232 ff.</ref> mit Vorwerk Dagwitten, Adl. Pohren, Vorwerk Kaul sowie Rejothen, gesamt etwa 1174 ha, unter Leitung des Administrators Ernst Heß und des Oberinspektors Boneleitis<ref>Vgl. Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. [1932]. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 295.</ref> im Besitz des Roderich von Schichau (1880–1946) und seiner Ehefrau, der Offizierstochter Elisabeth-Charlotte von Brandt (1892–1923). Herr von Schichau war jüngere Sohn des 1901 nobilitierten George Erich von Schichau (1844–1924) und der Gertrud Jachmann (1846–1913) aus Königsberg,<ref>Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, u. a.: Genealogisches Handbuch des Adels. Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1959. Band IV, Band 20 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1959, Vorlage:ISSN, S. 434–435.</ref> Enkel des Industriellen Ferdinand Schichau. Roderich von Schichau starb, enteignet, in Kopenhagen.<ref>Matthias Graf von Schmettow (Hrsg.): Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. 3, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1968, S. 294.</ref>
1874 wurden die Gutsbezirke Grünwiese, Kopainen, Laukitten und Pannwitz zum Amtsbezirk Laukitten<ref name="Jehke">Rolf Jehke, Amtsbezirk Laukitten/Rippen/Ludwigsort</ref> im Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen zusammengeschlossen. Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk Laukitten 129 Einwohner.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
1928 erfolgte die Vereinigung der Gutsbezirke Kopainen, Laukitten und Wendelau zur neuen Landgemeinde Laukitten, Teile von Laukitten allerdings kamen dabei auch an die Landgemeinde Poplitten im Amtsbezirk Pörschken. 1929 wurde die Landgemeinde in den Amtsbezirk Ludwigsort (Laduschkin) eingegliedert, und der Amtsbezirk Laukitten wurde nach 55 Jahren aufgelöst. An den fiskalischen, kirchlichen und privat-rechtlichen Besitz änderte sich dadurch nichts, die Gutsbezirke waren lediglich juristisch keine eigenständigen Ortschaften mehr.
Im Jahre 1939 hatte die Gemeinde Laukitten mit den Ortsteilen Kopainen und Pannwitz insgesamt 230 Einwohner. 1945 kam Laukitten unter sowjetische Verwaltung und erhielt 1947 die Ortsbezeichnung „Bolschedoroschnoje“.<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR „Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad“ vom 17. November 1947)</ref>
Dagwitten
Das frühere Vorwerk Dagwitten<ref>Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Dagwitten</ref> liegt 19 Kilometer nordöstlich von Mamonowo (Heiligenbeil). Das kleine Dorf war schon immer mit dem Gutsbezirk Laukitten verbunden. So wie die Muttergemeinde kam auch Dagwitten 1945 zur Sowjetunion.
Julienhof
Das ehemalige „Julienhof“<ref>Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Julienhof, Kr. Heiligenbeil</ref> liegt 18 Kilometer nordöstlich der ehemaligen Kreisstadt Mamonowo (Heiligenbeil) und war in seiner Geschichte als Vorwerk mit Rippen (heute russisch: Sowchosnoje) verbunden, zu dessen Amtsbezirk<ref name="Jehke" /> im Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen es auch gehörte. Im Jahre 1945 zur Sowjetunion gekommen, gehörte fortan auch Julienhof zur russischen Siedlung „Bolschedoroschnoje“.
Kopainen (Gogolewo)
Siehe den bereits bestehenden Hauptartikel: Gogolewo (Kaliningrad)
Das frühere Kopainen<ref>Ortsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Kopainen</ref> (bis 1992 dann „Gogolewo“ genannt) liegt 20 Kilometer von Mamonowo (Heiligenbeil) entfernt. Es gehörte seit 1874 bis zu dessen Auflösung zum Amtsbezirk Laukitten<ref name="Jehke" /> und wurde 1928 in die neu gebildete Landgemeinde Laukitten eingemeindet.
Nachdem Kopainen 1945 zur Sowjetunion gekommen war, erhielt es 1950 den Namen „Gogolewo“.<ref>Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR „Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad“ vom 5. Juli 1950)</ref>
Seit 1945
Bolschedoroschnoje
Die drei unter dem Namen „Bolschedoroschnoje“ zusammengefassten Orte Laukitten, Dagwitten und Julienhof sowie der vierte jetzt „Gogolewo“ genannte Ort Kopainen waren bis zum Jahre 2009 in den Pogranitschni selski sowjet (Dorfsowjet Pogranitschny (Hermsdorf)) eingegliedert und waren somit aus dem früheren Landkreis Heiligenbeil in den Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau) „gewechselt“. Gogolewo wurde 1993 in Bolschedoroschnoje umbenannt. Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform<ref>Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009</ref> kam nun die viergliedrige Ortschaft Bolschedoroschnoje als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft zur neu formierten Pogranitschnoje selskoje posselenije (Landgemeinde Pogranitschny).
Kirche
Bei vor 1945 überwiegend evangelischer Bevölkerung waren Laukitten, Dagwitten, Julienhof und Kopainen in die Kirche Pörschken eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Heiligenbeil (Mamonowo) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Bruno Link.
Heute gibt es im nahegelegenen Nowo-Moskowskoje (Poplitten) eine Siedlergruppe von Russlanddeutschen, die hier eine eigene kleine Kapelle haben, die von den Pfarrern der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad<ref>propstei-kaliningrad.info: Vorlage:Webarchiv</ref> der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) betreut werden.
Literatur
- Wulf D. Wagner: Die Güter des Kreises Heiligenbeil in Ostpreußen. Rautenberg, Leer 2005, ISBN 3-7921-0640-X.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />