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Bohrwagen

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Datei:Bohrwagen-Sprengvortrieb.jpg
Bohrwagen für Sprengvortrieb beim Tunnelbau

Bei einem Bohrwagen handelt es sich um ein verfahrbares Trägergerät, das zur Befestigung von einer oder mehrerer Gesteinsbohrmaschinen verwendet wird.<ref name="Bergbaulexikon" /> Diese mobilen Geräte werden beispielsweise bei Felsarbeiten, bei Felsbohrungen in Steinbrüchen,<ref name="LehrbuchBergbaukunde1961" /> Untertage im Bergbau<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" /> oder beim Tunnelbau verwendet.<ref name="Eichler" />

Geschichte

Bohrwagen wurden im Bergbau Untertage erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1908" /> Bei diesen ersten Bohrwagenkonstruktionen wurden bis zu vier Gesteinsbohrmaschinen an einer auf einem Unterwagen befestigten Bohrsäule befestigt.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1923" /> Der so konstruierte Bohrwagen wurde auf Schienen manuell bis vor Ort geschoben, um ihn dort einzusetzen.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1908" /> Bevor die Bohrmaschinen eingesetzt werden konnten, musste der Bohrwagen noch gegen Bewegungen gesichert werden.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1923" /> Hierfür wurde er mit der Mittelsäule gegenüber der Firste und über zwei seitliche Spreizen gegen die Streckenstöße befestigt. Damit der Wagen auch fest stand, wurden die Räder angehoben, bis sie frei schwebten.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1908" /> In den 1960er Jahren wurde der erste Portalbohrwagen zur Auffahrung des Mont-Cenis-Eisenbahntunnels eingesetzt.<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" /> Im Laufe der Jahre wurden die einzelnen Komponenten der Bohrwagen ständig verbessert. Es wurden neue leistungsstarke Bohrhämmer entwickelt und auf den Bohrwagen eingesetzt. Heute werden noch weiter verbesserte Bohrwagen mit neuer Steuerungstechnik eingesetzt.<ref name="Bergbau2009" />

Grundlagen

Nicht für alle Arten von Bohrarbeiten sind einfache Bohrsäulen geeignet. Insbesondere dort, wo aus Zeitgründen eine hohe Mechanisierung erforderlich ist, sind einfache Bohrsäulen nicht genügend leistungsfähig.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1908" /> Durch Bohrwagen lässt sich die Bohrarbeit komplett mechanisieren.<ref name="LehrbuchBergbaukunde1961" /> Durch den Einsatz von Bohrwagen ist es außerdem möglich, eine absolute Trennung von Mensch und Bohrmaschine zu erreichen.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Zusätzlich lässt sich durch Bohrwagen auch die Bohrleistung steigern.<ref name="LehrbuchBergbaukunde1961" /> Mit modernen Bohrwagen lassen sich hohe Bohrleistungen erreichen.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Allerdings ist der Einsatz eines Bohrwagens nur dann von Nutzen, wenn die Bohrarbeiten so umfangreich sind, dass sich die hohen Anlagekosten lohnen.<ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1908" />

Aufbau

Datei:Large hole drilling rig.jpg
Großbohrwagen für Bohrlochsprengung im Salzbergwerk Stetten

Je nach Einsatzzweck existieren unterschiedliche Varianten und Größen.<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" /> Ein Bohrwagen besteht aus den Baugruppen Antrieb, Fahrwerk, Bohreinrichtung und Bedienstand.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Neben den bohrtechnischen Einrichtungen können Bohrwagen auch mit einem teleskopierbaren Hubtisch ausgerüstet sein, um auch in Höhen von bis zu sieben Metern zu arbeiten.<ref name="Werkszeitschrift18" /> Der Antrieb kann elektrisch (Direktantrieb), elektrohydraulisch,<ref name="Bergbaulexikon" /> pneumatisch<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> oder dieselelektrisch erfolgen.<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" /> Bohrwagen können mit einem gleisgebundenen oder gleislosem Fahrwerk bewegt werden.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Als Fahrwerke für den Bohrwagen können Räder oder Raupenketten dienen, er kann auch als schienengebundenes Fahrzeug ausgeführt sein.<ref name="Bergbaulexikon" /> Die Bohreinrichtung besteht aus einer oder mehrerer Bohreinheiten.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Es werden Bohrwagen mit bis zu drei Bohrlafetten verwendet.<ref name="Eichler" /> Die Bohreinheiten bestehen aus an Bohrlafetten mittels Bohrarmen bewegten und geführten Bohrmaschinen.<ref name="Bergbaulexikon" /> Einige Bohrwagentypen sind mit einem Bohrstangenverlängerungsmagazin ausgerüstet. Dadurch kann der Wechsel oder die Verlängerung der Bohrstangen vom Bedienstand aus erfolgen.<ref name="Bergbau2009" /> Es gibt Bohrwagen, an deren Bohrarmen Bohrhämmer und Bohrmaschinen unterschiedlicher Hersteller eingesetzt werden können.<ref name="Werkszeitschrift19" /> Es werden hydraulische Bohrhämmer mit einer Leistung von 30 Kilowatt eingesetzt, die eine sehr hohe Schlagleistung erzeugen.<ref name="Bergbau2009" /> Die Bohreinrichtung ist so aufgebaut, dass sich die Bohreinheiten unabhängig voneinander verstellen lassen. Bedingt dadurch lassen sich die einzelnen Bohreinheiten variabel an eventuelle Unebenheiten anpassen.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Um den Bohrwagen entsprechend steuern zu können, sind moderne Bohrwagen mit mehreren Sensoren ausgestattet.<ref name="Glückauf23" /> Sämtliche für das Bohren erforderlichen Funktionen lassen sich vom Bedienstand aus tätigen. Die Bedienung der Bohreinrichtung erfolgt über Steuerhebel und Druckknöpfe.<ref name="WissensspeicherBergbautechnologie" /> Zur präzisen Bohrlochpositionierung besitzen moderne Bohrwagen eine computergesteuerte Positioniereinheit. Dadurch lassen sich der Einbruchswinkel und die Bohrlochtiefe optimal einstellen und entsprechend erstellen.<ref name="Glückauf23" />

Verwendung

Datei:Strossenbohrwagen-esco-Bernburg.jpg
Strossenbohrwagen im Einsatz

Bohrwagen werden für unterschiedliche Bohrzwecke eingesetzt und müssen je nach Einsatzgebiet entsprechend ausgerüstet sein.<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" /> Im Salzbergbau werden umgebaute Bohrwagen zum Bohren von Ankerbohrlöchern eingesetzt. Anschließend werden mit dem so modifizierten Bohrwagen bis zu 3,5 Meter lange Gebirgsanker eingedreht.<ref name="AdvancedMiningSolutions" /> Ebenfalls im Kali- und Salzbergbau werden Strossenbohrwagen zum Gewinnungsbohren in steiler Lagerung eingesetzt. Hiermit werden bis zu 20 Meter lange Bohrlöcher erstellt.<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" /> Im Steinkohlenbergbau werden Bohrwagen mit Raupenunterwagen für Entspannungsbohrarbeiten eingesetzt.<ref name="Werkszeitschrift26" /> Im Erzbergbau werden Bohrwagen zum Langlochbohren eingesetzt. Mit diesen Bohrwagen werden bis zu 100 Meter lange Bohrlöcher gebohrt.<ref name="LehrbuchBergbaukunde2010" />

Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

<references> <ref name="Bergbaulexikon"> Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7. </ref> <ref name="Eichler"> Klaus Eichler: Fels und Tunnelbau. Expert Verlag, Renningen-Malmsheim 2000, ISBN 3-8169-1741-0. </ref> <ref name="LehrbuchBergbaukunde2010"> Ernst-Ulrich Reuther: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 12. Auflage, VGE Verlag GmbH, Essen 2010, ISBN 978-3-86797-076-1. </ref> <ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1908"> Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band, Verlag von Julius Springer, Berlin 1908 </ref> <ref name="LehrbuchSteinkohlenbergbau1923"> Fritz Heise, Fritz Herbst: Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus. Erster Band, Fünfte verbesserte Auflage, Verlag von Julius Springer, Berlin 1923 </ref> <ref name="LehrbuchBergbaukunde1961"> Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Erster Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1961 </ref> <ref name="Bergbau2009"> Karl-Heinz Wennmohs: Maßgebende Innovationen in der konventionellen Vortriebstechnologie durch eine neue Bohrwagengeneration. In: Ring Deutscher Bergingenieure e. V. (Hrsg.): Bergbau. 60. Jahrgang, Nr. 6, Makossa Druck und Medien GmbH, Gelsenkirchen April 2009, {{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0342-5681|0}}{{#ifeq:1|0|[!] }}{{#ifeq:0|1

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}}, S. 252–258. </ref> <ref name="WissensspeicherBergbautechnologie"> Horst Roschlau, Wolfram Heinze, SDAG Wismut (Hrsg.): Wissensspeicher Bergbautechnologie. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1974, S. 33–38. </ref> <ref name="Werkszeitschrift19"> Neues auf dem Bohrwagensektor. In: Deilmann-Haniel GmbH. (Hrsg.): Unser Betrieb, Werkszeitschrift für die Unternehmen der Deilmann-Haniel-Gruppe. Nr. 15, Februar 1994, S. 19. </ref> <ref name="Werkszeitschrift18"> Neues auf dem Bohrwagensektor. In: Deilmann-Haniel GmbH. (Hrsg.): Unser Betrieb, Werkszeitschrift für die Unternehmen der Deilmann-Haniel-Gruppe. Nr. 14, Druck A. Hellendoorn, Dortmund September 1974, S. 18–19 </ref> <ref name="Glückauf23"> Friederich Prinz: Entwicklung eines teilautomatisierten Bohrwagens für den untertägigen Einsatz im Steinkohlenbergbau. In: Glückauf die Fachzeitschrift für Rohstoff, Bergbau und Energie, Nr. 145, VGE-Verlag, Essen 2009, S. 23–27. </ref> <ref name="AdvancedMiningSolutions"> Franz-Josef Paus, Martin Kaufmanns: Radlader als Basis für Sprengfahrzeuge, Ankerbohr- und setzwagen sowie Hilfsfahrzeuge. In: Hossein H. Tudeshi (Hrsg.) AMS Online GmbH: Advanced Mining Solutions. 2011, Nr. 2, S. 49–55 </ref> <ref name="Werkszeitschrift26"> Neues auf dem Bohrwagensektor, Entspannungsbohren. In: Deilmann-Haniel GmbH. (Hrsg.): Unser Betrieb, Werkszeitschrift für die Unternehmen der Deilmann-Haniel-Gruppe. Nr. 16, Druck A. Hellendoorn, Dortmund September 1975, S. 26–28 </ref> </references>