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Phenakit

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(Weitergeleitet von Be2SiO4)
Phenakit
Datei:Phenakite-ph0919b.jpg
Wasserklarer Phenakitkristall vom Jos-Plateau, Nigeria (Größe 3,5 cm × 2,3 cm × 2,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Phk<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Be2(SiO4)<ref name="IMA-Liste" />
  • Be2[4][SiO4]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/A.01
VIII/A.01-010<ref name="Lapis" />

9.AA.05
51.01.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol 3-Vorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe R3 (Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 12,44 Å; c = 8,23 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 18<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 7,5 bis 8<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,93 bis 3; berechnet: 2,960<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {1011}; deutlich nach {1120}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe farblos, weiß, gelb, rosarot, braun
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz starker Glasglanz, Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,650 bis 1,656<ref name="Mindat" />
nε 1,667 bis 1,670<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,017<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig positiv

Phenakit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Be2[4][SiO4]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein Beryllium-Silikat. Strukturell gehört Phenakit zu den Inselsilikaten.

Phenakit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige bis langprismatische Kristalle, kommt aber auch in Form radialstrahliger oder körniger Mineral-Aggregate vor. Reiner Phenakit ist farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbe, rosarote oder braune Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte

Datei:Phenakite-Quartz-tmu45a.jpg
Quarzähnlicher Phenakitkristall auf Rauchquarz aus Mogok, Myanmar

Benannt wurde das Mineral aufgrund seiner Ähnlichkeit und damit Verwechslungsgefahr zu Quarz nach dem altgriechischen Wort φέναξ <templatestyles src="IPA/styles.css" />[pʰénax] für „Täuscher“, das möglicherweise mit φαίνω <templatestyles src="IPA/styles.css" />[pʰai̯nɔː] „(er)scheinen, kundtun“ (wohl aus *φάνjω <templatestyles src="IPA/styles.css" />*[pʰáni̯ɔː]; vgl. ai. vibhāva; verwandt mit φημί <templatestyles src="IPA/styles.css" />[pʰɛːmí] „sagen“ – von myk. <pa-si>, mögliche Transkription: <templatestyles src="IPA/styles.css" />/pʰaːsí/ „er sagt“, vgl. lat. fārī „sprechen“, altsl. bajo „erzählen“, anord. bōn und ags. boen „Gebet“) verwandt ist.

Erstmals entdeckt wurde Phenakit in Mineralproben aus der Smaragd Mine im Gebiet von „Izumrudnye Kopi“ bei Malyschewa in der russischen Oblast Swerdlowsk. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1833 (publiziert 1834) durch den finnischen Mineralogen und Reisenden Nils Gustaf Nordenskjöld (1792–1866).<ref name="Nordenskjöld" />

Das Typmaterial des Minerals wird im Bergbaumuseum ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); MM) in Sankt Petersburg (Russland) unter der Inventarnummer 617/22 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Da der Phenakit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Phenakit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Phenakit lautet „Phk“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Phenakit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“, wo er gemeinsam mit Eukryptit und Willemit sowie im Anhang mit Liberit in der „Phenakit-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/A.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/A.01-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Inselsilikate mit [SiO4]-Gruppen“, wo Phenakit zusammen mit Eukryptit und Willemit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/A.01 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Phenakit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne zusätzliche Anionen; Kationen in tetraedrischer [4]er-Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Eukryptit, Willemit und Xingsaoit die „Phenakitgruppe“ mit der Systemnummer 9.AA.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Phenakit die System- und Mineralnummer 51.01.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [4]-Koordination“ in der „Phenakitgruppe“, in der auch Willemit und Eukryptit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Datei:Phenakite.GIF
Kristallstruktur von Phenakit mit Blick entlang der c-Achse

Phenakit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3 (Raumgruppen-Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148 mit den Gitterparametern a = 12,44 Å und c = 8,23 Å sowie 18 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Die Kristallstruktur von Phenakit besteht aus SiO4- und BeO4-Tetraedern, die eckenteilend miteinander verknüpft sind und dadurch ein Gerüst mit 6- und 4-gliedrigen Kanälen bilden. Phenakit ist isostrukturell mit dem Zinksilikat Willemit und dem Lithium-Aluminium-Silikat Eukryptit.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Datei:Beryl-Phenakite-t06-82a.jpg
Verwachsene Kristalle von Beryll und Phenakit

Phenakit bildet sich entweder in magmatischen Gesteinen wie granitischen Pegmatiten oder metamorphen Gesteinen wie Glimmerschiefer, kann aber auch durch hydrothermale Vorgänge in Greisen entstehen. Er tritt dort in Paragenese unter anderem mit Apatit, Beryll, Chrysoberyll, Fluorit, Muskovit, Quarz und Topas auf.

Als relativ seltene Mineralbildung kann Phenakit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 300 Vorkommen für Phenakit dokumentiert (Stand 2025).<ref name="Fundorte" /> Außer an seiner Typlokalität im Gebiet von „Izumrudnye Kopi“ bei Malyschewa sowie an weiteren Orten in der Oblast Swerdlowsk trat das Mineral in Russland noch in mehreren Lagerstätten der Republik Karelien (Nordwestrussland), der Oblast Tscheljabinsk (Ural) sowie der Republik Burjatien und der Region Primorje (Ferner Osten) auf.

Reich an Phenakitfunden (mit drei und mehr Regionen) sind zudem Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Madagaskar, Norwegen, Österreich, Schweden, Spanien, Schweiz und die Vereinigten Staaten.<ref name="Fundorte" />

Bekannt durch Funde besonders großer oder gut entwickelter Kristalle wurde vor allem Kragerø in Telemark (Norwegen) mit Kristallfunden bis 25 cm Länge und Rio Piracicaba in Minas Gerais (Brasilien), wo bis zu 10 cm lange Kristalle zutage traten.<ref name="Dörfler" /> In Sri Lanka wurden auch Phenakite mit Katzenaugeneffekt gefunden.<ref name="realgems.org" />

Verwendung als Schmuckstein

Phenakit wird ausschließlich als Schmuckstein verwendet. Trotz seiner guten physikalischen (hohe Härte) und optischen Eigenschaften – sein klarer, lebhafter Glasglanz lässt sich geschliffen und poliert auf Fettglanz steigern – ist er nur selten im Handel zu finden. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit der farblosen Varietät des Quarzes, dem Bergkristall, aber auch mit Beryll, Beryllonit, Cerussit, Danburit und Topas. Je nach fundortabhängigen Zusammensetzungen können farbige Steine allerdings unter Lichteinfluss mit der Zeit ausbleichen.<ref name="Schumann" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Phenakite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Dörfler"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Phenakit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 8. September 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 8. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – P. (PDF 296 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 8. September 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Phenakite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 8. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Nordenskjöld"> </ref> <ref name="realgems.org"> Michael R. W. Peters: Bilder zu rohen und geschliffenen Phenakiten. In: realgems.org. Abgerufen am 8. September 2025. </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 196. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Phenakite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 31. Dezember 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>