Bastard-Gänsefuß
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Bastard-Gänsefuß | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Chenopodium hybridum (Sautod-Gänsefuß) IMG 1539.jpg
Bastard-Gänsefuß [Chenopodiastrum hybridum] | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Chenopodiastrum hybridum | ||||||||||||
| (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch |
Der Bastard-Gänsefuß (Chenopodiastrum hybridum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch,<ref name="Fuentes 2012" /> Syn.: Chenopodium hybridum <templatestyles src="Person/styles.css" />L.), auch Unechter Gänsefuß, Stechapfelblättriger Gänsefuß oder Sautod-Gänsefuß genannt, ist ein in Mitteleuropa heimischer Vertreter der Unterfamilie Chenopodioideae der Amaranthaceae. Er soll aufgrund seines Leucin-Gehaltes angeblich für Schweine giftig sein.<ref name="Aellen1979" />
Beschreibung
Der Bastard-Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze. Sie erreicht Wuchshöhen von 30 bis 70 cm, die Wurzeln reichen bis 120 cm tief. Die Pflanze ist stinkend und riecht wie der Stechapfel (Datura stramonium)<ref name="Aellen1979" />; jung ist sie schwach bemehlt, später verkahlend. Der Stängel ist aufrecht, einfach oder verzweigt, kantig und mit Furchen.
Die Blätter sind gestielt, drüsenlos und kahl. Die Blattspreite ist eiförmig-dreieckig bis breit sieben- oder neuneckig, grob buchtig gezähnt, wobei die Zähne groß und ganzrandig sind. Die Spreite ist lang zugespitzt, am Grunde gestutzt bis herzförmig. Sie ist 5 bis 22 Zentimeter lang und 5 bis 16 Zentimeter breit.<ref name="Aellen1979" /> Sie ist oberseits stärker glänzend, unterseits schwächer glänzend.<ref name="Aellen1979" /> Der Blattstiel ist die Hälfte oder ein Viertel kürzer als die Spreite, kantig und fast geflügelt.<ref name="Aellen1979" />
Der Blütenstand ist eine pyramidenförmige Rispe. Die Blütenknäuel stehen in end- oder achselständigen Scheinähren oder in Trugdolden. Die fünf Blütenhüllblätter sind nur am Grund verwachsen, ausgebreitet. Sie sind krautig, etwas dicklich und breit häutig umrandet. Auf der Innenseite tragen sie eine stark hervortretenden, glänzenden, hellen wulstigen Mittelnerv.<ref name="Aellen1979" /> Zur Fruchtreife sind sie spreizend, die Samen sind dann sichtbar. Es gibt fünf Staubblätter und zwei bis drei Narben.
Der Same hat einen Durchmesser von 1,75 bis 2,0 mm, ist schwarz, hat kraterartige Grübchen und schlangenlinig-gewellte, von Rillen durchfurchte, zerrissene Ränder.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n=18.<ref name="Tropicos" />
Ökologie
Der Bastard-Gänsefuß ist eine Nahrungspflanze für die Raupen des Melden-Blattspanners (Pelurga comitata).<ref name="HOSTS" />
Verbreitung und Standorte
Der Bastard-Gänsefuß kommt in Europa, Indien und im Asien der gemäßigten Klimazone bis in die Volksrepublik China vor.<ref name="GRIN hybridum" /> In Europa kommt er in fast allen Ländern vor; er fehlt nur in Portugal und Island und ist in Schweden, Finnland und Irland nicht ursprünglich. In Großbritannien ist die Ursprünglichkeit zweifelhaft.<ref name="Euro+Med" />
Die Art ist in Mitteleuropa ein Archäophyt. Im pannonischen Raum ist sie häufig, ansonsten eher selten. Sie kommt von der collinen bis zur montanen Höhenstufe vor. In Tirol steigt sie bis 1383 Meter, im Kanton Wallis bei Grächen bis 1600 Meter.<ref name="Aellen1979" /> Man findet die Art zerstreut in Unkrautfluren gehackter Äcker, in Gärten, an Schuttplätzen und Dungstätten, und in Felsgrotten. Sie bevorzugt nährstoffreiche humose Böden aller Art. Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Frischezeiger, ein ausgesprochener Stickstoffzeiger und eine Klassencharakterart der Ruderalgesellschaften und verwandter Acker- und Garten-Beikrautgesellschaften (Chenopodietea).<ref name="Ellenberg5" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die Erstbeschreibung als Chenopodium hybridum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum 1, S. 219.<ref name="SpPl" /> Durch molekulargenetische Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Art nicht zu den Gänsefüßen im engeren Sinne gehört. Daher wurde sie 2012 von Suzy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila und Thomas Borsch in die neu beschriebene Gattung Chenopodiastrum gestellt.<ref name="Fuentes 2012" /> Chenopodiastrum hybridum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch wird in die Tribus Atripliceae gruppiert.<ref name="Fuentes 2012" /> Die Artbezeichnung "hybridum" hatte sie von Linné erhalten, der die Art für eine Hybride zwischen dem Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) und dem Stechapfel (Datura stramonium) hielt.<ref name="Aellen1979" />
Synonyme, die auf demselben Typusexemplar beruhen, sind Chenopodium hybridum <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Atriplex hybrida <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Crantz und Botrys hybrida <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Nieuwl. Als weitere Synonyme gelten Anserina stramonifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Chev.) Montandon, Chenopodium angulatum <templatestyles src="Person/styles.css" />Curtis ex Steud., Chenopodium angulosum <templatestyles src="Person/styles.css" />Lam., Chenopodium serotinum <templatestyles src="Person/styles.css" />Suter (nom illeg.) und Chenopodium stramoniifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Chev.<ref name="ThePlantList" />
Trivialnamen
Für den Bastard-Gänsefuß bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Gänsfuß, Gänsfüßel, Nachtschatten (Graubünden), Pitzer (Schlesien), Saumelde (niederdeutsch), Schweinstod, Sewplag und Steinspitze.<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 92 (online).</ref>
Nutzung
Das Kraut wurde früher als "Herba Pedis anserini secundi" äußerlich als erweichendes und schmerzstillendes Mittel verwendet.<ref name="Aellen1979" />
Belege
Einzelnachweise
<references> <ref name="Ellenberg5"></ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 219 (Digitalisat).</ref> <ref name="Fuentes 2012">Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia 42, 2012, S. 14. DOI:10.3372/wi.42.42101</ref> <ref name="GRIN hybridum">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.</ref> <ref name="HOSTS">Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni & Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants, abgerufen am 26. Januar 2012.</ref> <ref name="ThePlantList">Eintrag bei The Plant List, abgerufen am 26. Januar 2012.</ref> <ref name="Tropicos">Chenopodium hybridum, Chromosomenzahl bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Aellen1979">Gustav Hegi et al. 1979: Chenopodium. In: .</ref> <ref name="InfoFlora">Chenopodium hybridum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Euro+Med"> Pertti Uotila (2011+): Amaranthaceae. Datenblatt Chenopodiastrum hybridum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>
Weblinks
- Bastard-Gänsefuß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Weitere Bilder: www.guenther-blaich.de, www.biopix.dk