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Bahnstrecke Borken–Burgsteinfurt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Nordbahn (Borken–Stadtlohn–Burgsteinfurt)
Datei:DB 9205 railway map.png
Streckenverlauf
Streckennummer (DB):-
Kursbuchstrecke (DB):zuletzt 287 (1974), 224g (1944, 1946, 1954, 1963)
Streckenlänge:54,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
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Staatsbahnstrecke von Dorsten
0,0 Borken (Westf)
ehem. Staatsbahnstrecke nach Winterswijk (NL)
1,3 Gemen
5,9 Weseke
10,4 Südlohn
14,1 Hundewick
Stichstrecke nach Vreden (s. u.)
17,7 Stadtlohn Betriebswerk mit Lokschuppen
Berkel
22,4 Almsick
26,3 Quantwick
Staatsbahnstrecke von Coesfeld
30,2 Ahaus (DB)
Staatsbahnstrecke nach Gronau,
 ehem. Privatbahnstrecke nach Alstätte (abgebaut)
Anschlussgleis BZA
33,0 Ahler Kapelle
37,7 Nienborg-Heek
46,0 Metelen Ort
Staatsbahnstrecke von Gronau
54,5 Burgsteinfurt
Staatsbahnstrecke nach Münster
Nordbahn (Stichstrecke Stadtlohn–Vreden)
Streckennummer (DB):9206
Kursbuchstrecke (DB):224g (1944, 1946, 1954)
Streckenlänge:9,2 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
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0,0 Vreden (Westf)
5,4 Wenningfeld
7,8 Wessendorf
Strecke von Borken (s. o.)
9,2 Stadtlohn
Strecke nach Ahaus/Burgsteinfurt (s. o.)

Quellen: <ref>Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.</ref>

Die Bahnstrecke Borken–Burgsteinfurt war eine normalspurige Bahnstrecke der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE), auch Nordbahn (WLE) genannt.

Geschichte

Datei:Bahnhof Stadtlohn am 20. Mai 1951 Eröffnungsfahrt vom Grenzlandexpress.jpg
Eröffnungsfahrt des Heckeneilzuges Grenzlandexpreß (Bahnhof Stadtlohn am 20. Mai 1951)
Datei:Grenzlandexpreß im Bahnhof Stadtlohn (1975).jpg
Der Grenzlandexpreß im Bahnhof Stadtlohn in Richtung Südlohn (1975)

Die Strecke wurde am 1. Oktober 1902 nach siebenjähriger Planungs- und Bauarbeit eröffnet. Sie sollte die Mobilität in der abgeschiedenen Grenzregion des Westmünsterlandes erhöhen und den Transport landwirtschaftlicher Güter und Textilprodukte in die wirtschaftlichen Ballungsräume ermöglichen.<ref>Weseker Heimatblätter. In: 1–10, 23. Heimatverein Weseke e. V., abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> Unterwegs wurden acht Bahnhöfe und sechs Haltepunkte angelegt. In Borken zweigte die Strecke von der Bahnlinie Winterswijk–Dorsten ab und mündete in Burgsteinfurt in die Strecke Enschede–Münster. In Ahaus wurde die Bahnstrecke Dortmund–Gronau gekreuzt sowie die Bahnstrecke Ahaus–Enschede Zuid tangiert. In Stadtlohn begann eine 9,2 Kilometer lange Stichstrecke nach Vreden.<ref>Ralf Banken, Eisenbahn und Industrialisierung in Vreden, in: Beiträge des Heimatvereins Vreden zur Landes- und Volkskunde, Band 36, Vreden 1990, S. 44 ff.</ref>

In Folge der einsetzenden Massenmotorisierung, veränderter verkehrspolitischer Prioritäten und ausgedünnter Fahrpläne wurde der regelmäßige Personenverkehr bereits am 31. Mai 1958 zwischen Stadtlohn und Vreden beendet; am 30. September 1962 folgte der Abschnitt Burgsteinfurt–Borken. Mit Ausnahme zweier täglicher Heckeneilzugpaare, dem seit dem 20. Mai 1951 verkehrenden Grenzlandexpreß (Rheine–Bentheim–Gronau–Bottrop–Kettwig–Düsseldorf–Neuß–Mönchengladbach)<ref>Fahrplan Grenzland-Express Abgerufen am 11. September 2022</ref> wurde kein Personenverkehr mehr durchgeführt.<ref>Rembert Vehlken & Heinz Garwer: Grenzlandexpress. WLE Eisenbahnmuseum Stadtlohn, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref> Trotz guter Nutzungszahlen musste auch der Grenzlandexpreß am 27. September 1975 eingestellt werden, nachdem die Einnahmen durch den zurückgehenden Güterverkehr hier immer weiter sanken und die nordrhein-westfälische Landesregierung der finanziell angeschlagenen WLE Finanzhilfen nur unter der Bedingung zusicherte, dass diese verschiedene Strecken aufgebe und ihr Fahrplanangebot ausdünne.<ref>Bernd Meier: Der Grenzlandexpreß fährt am 27. September zum letzten Mal. Ruhr-Nachrichten, 1975, abgerufen am 26. Februar 2021.</ref>

Datei:Bahnhof Stadtlohn am 26. September 1986.jpg
Bahnhof Stadtlohn (26. September 1986)

Das Betriebsende für den Güterverkehr zwischen Burgsteinfurt und Ahaus kam bereits am 31. Dezember 1972. Nach temporärer Streckenertüchtigung blieb ein Reststück von Ahaus nach NienborgHeek bis zum 1. November 1987 erhalten, um Grubenmaterial aus dem Ruhrgebiet für den Bau der A 31 anzuliefern.<ref>Letzte Züge, abgerufen am 29. Januar 2020</ref> Der Güterverkehr zwischen Ahaus und Stadtlohn endete am 27. September 1975. 1984 ging die Bedienung des Verkehrs auf die Bundesbahn über. Die Strecke selbst blieb jedoch im Besitz der WLE. Am 31. Januar 1988 wurde der Güterverkehr Vreden–Stadtlohn–Borken durch die DB eingestellt, gefolgt von Stilllegung und sofortigem Abbau der gesamten Gleisanlagen.

Datei:Abbau der Gleisanlagen zwischen Gemen und Weseke im Frühjahr 1988.jpg
Kurz vor dem Abbau der Gleisanlagen zwischen Gemen und Weseke (Frühjahr 1988)

Bis zuletzt versuchten lokale Initiativen vergeblich, die Trasse im Rahmen einer Museumsbahn von Stadtlohn über Borken nach Winterswijk zu erhalten; zuletzt nur noch den Abschnitt Stadtlohn–Weseke.

Museal wird im ehemaligen Bahnhof Stadtlohn an die Nordbahn erinnert.<ref>Bahnhöfe. Abgerufen am 25. Februar 2021.</ref>

Zukunft

Vorlage:Hinweisbaustein

Am 22. Februar 2021 stimmte der Verkehrsausschuss des Kreises Borken einstimmig für die Beantragung einer Machbarkeitsstudie, die die mögliche Reaktivierung der 30,2 km langen Teilstrecke von Borken bis nach Ahaus untersuchen soll.<ref>Horst Andresen: Grünes Licht für Streckenstudie Borken-Ahaus. 23. Februar 2021, abgerufen am 23. Februar 2021.</ref> Ziel sei es, das ÖPNV-Angebot für die 112.000 Bewohner entlang der Strecke aufzuwerten, Reisezeiten zu verringern sowie Fahrgastpotentiale und Netzeffekte zu heben.<ref>SessionNet | Ausschuss für Planen und Bauen - 24.02.2021 - 17:00-18:28 Uhr. Abgerufen am 25. Februar 2021.</ref> Seit dem Abbau 1988 sind Stadtlohn und Vreden die einzigen Mittelzentren im Münsterland ohne Gleisanschluss.<ref>Martin Henke: Auf der Agenda: Reaktivierung von Eisenbahnstrecken. Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV), April 2020, abgerufen am 27. Februar 2021.</ref> Ihrerseits derzeit getrennt, böten die Bahnhöfe Ahaus und Borken zudem eine verbesserte Anbindung des Kreises Borken an die Fernbahnhöfe Enschede, Dortmund und Essen. Der damalige nordrhein-westfälische Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) begrüßte das Vorhaben.<ref>Horst Andresen: Radschnellweg oder Eisenbahnlinie? Borkener Zeitung, 25. Februar 2021, abgerufen am 25. Februar 2021.</ref> Die endgültige Beantragung hängt von der Zustimmung des Borkener Kreistages, der Anrainerkommunen und des Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland ab und würde sich gegebenenfalls an den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) richten.<ref>Josef Barnekamp: Bahnlinie Ahaus-Borken rückt wieder in den Blick. Münsterland Zeitung, 19. Februar 2021, abgerufen am 19. Februar 2021.</ref> Der Umweltausschuss des Gemeinderats Südlohn stimmte im März 2021 mehrheitlich für die Beteiligung an einer Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung. Zwei Wählergruppen lehnen die Reaktivierung dagegen ab.<ref>Mit der Bahn von Südlohn nach Ahaus – Chance oder Luftschloss? Münsterland Zeitung, 15. März 2021, abgerufen am 18. Mai 2023.</ref>

Literatur

  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 6: Nordrhein-Westfalen. Nordöstlicher Teil. Eisenbahn-Kurier, Freiburg 2020, ISBN 3-88255-664-1, S. 279–292.

Einzelnachweise

<references />