Bülent Arınç
Bülent Arınç (* 25. Mai 1948 in Bursa) ist ein türkischer Politiker der Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP), zu deren Gründern er 2001 gehörte. Von 2002 bis 2007 war er der 22. Parlamentspräsident der Türkei, dann von Mai 2009 bis Juli 2011 Mitglied des Kabinetts Erdoğan II als Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Staatssekretär. Vor Gründung der AKP war er zunächst Mitglied der Wohlfahrtspartei und trat nach deren Verbot 1998 der Tugendpartei bei.
Leben
Bülent Arınçs Vorfahren waren griechischsprachige Muslime aus Kreta und kamen in der Zeit des Sultans Abdülhamid II. als Flüchtlinge in das Osmanische Reich.<ref>Arınç spoke Greek with the children in the village of Ahmediye. In: Milliyet. 23. September 2012, abgerufen am 8. Mai 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Arınç studierte Rechtswissenschaften an der Hochschule Manisa und der Juristischen Fakultät der Universität Ankara und arbeitete im Anschluss seiner Ausbildung als freiberuflicher Rechtsanwalt. Er spricht fließend Griechisch in der kretischen Mundart.<ref>Bülent Arınç talking to native speakers of Greek auf YouTube</ref>
Frühes politisches Wirken
Zusammen mit Ömer Cihat Kaya, Erol Camtakan, Eyüp Menderes und Cengiz Kantarci wurde Bülent Arinç (alle von der Wohlfahrtspartei) am 19. November 1985 wegen einer Veranstaltung in einem Kino in Izmir angeklagt. Am 21. Januar 1986 wurden alle bis auf Cengiz Kantarci nach Artikel 163 des Türkischen Strafgesetzes zu 50 Monaten Haft verurteilt. In der Revision wurde das Urteil gegen drei Angeklagte bestätigt, aber nicht das Urteil gegen Bülent Arınç. Am 24. Februar 1987 verhängte das Staatssicherheitsgericht in Izmir die gleiche Strafe. In der folgenden endgültigen Revision vor dem Hohen Strafsenat des Kassationshofs wurde Arınç freigesprochen.
Bereits während seiner Universitätsjahre war Bülent Arınç politisch interessiert; so kandidierte er bei der Parlamentswahl 1995 für den Wahlkreis Manisa und trat für die Wohlfahrtspartei in die türkische Nationalversammlung ein. Dort wurde er für seine Fraktion in den Rechtsausschuss des Parlaments berufen.
Nach dem Verbot der Wohlfahrtspartei durch das Verfassungsgericht am 15. Februar 1998 wechselte er zur Tugendpartei. Arınç wurde bei der allgemeinen Wahl 1999 als Abgeordneter von Manisa für die Tugendpartei in das Parlament gewählt. Er wurde dort Mitglied der Kommission für auswärtige Angelegenheiten. Das Verfassungsgericht verbot die Tugendpartei am 22. Juni 2001.
Gründung der AKP und Parlamentspräsident
2001 war Arınç einer der Gründer der Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP, Adalet ve Kalkınma Partisi), in der er neben Erdoğan und Gül einer der prominentesten Politiker ist. Bei der Parlamentswahl am 3. November 2002 kandidierte Bülent Arınç in seinem Wahlkreis für die AKP
Am 19. November 2002 wurde er zum Präsidenten der Großen Nationalversammlung der Türkei gewählt. Starke Beachtung fand seine Rede am 23. April 2006, dem nationalen Feiertag der nationalen Souveränität und der Kinder, die als öffentliche Brandrede gegen die „Roten Linien“ des türkischen Militärs und über das türkische Laizismusprinzip ein politisches Tabu brach.<ref>Demokratisches Manifest des Parlamentspräsidenten Bülent Arınç in: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Newsletter aus Ankara 2. Mai 2006 ( vom 30. September 2007 im Internet Archive) von Frank Spengler / Dirk Tröndle, Konrad-Adenauer-Stiftung</ref> Er vermeidet öffentliche Auftritte mit seiner Frau Münevver Arınç, der er das Tragen eines Kopftuches nicht verbieten will. Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer wurde scharf kritisiert, als er bei der Verabschiedung anlässlich seines Besuches in Prag im November 2002 nicht nur seinem Stellvertreter, sondern auch dessen Frau mit Kopftuch die Hand gab. Spekulationen, Arınç werde im Mai 2007 selber für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren, bestätigten sich nicht.
Eintritt in die Regierung Erdoğan
Am 1. Mai 2009 wurde er Mitglied des Kabinett Erdogan II als Stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister, was in türkischen Medien als eine Reaktion Erdoğans auf das relativ gute Abschneiden der islamischen Glückseligkeitspartei (Saadet Partisi) bei der türkischen Kommunalwahl 2009 interpretiert wurde. Arınç gilt als Repräsentant des islamisch-konservativen Flügels innerhalb der AKP und gehört zugleich zu den Führungspersonen der islamischen Bewegung Millî Görüş. In seiner neuen Funktion als Vizepremier nimmt Arınç an den Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrates teil und ist für Presse und Informationspolitik, für den staatlichen Rundfunksender TRT, die Anadolu-Presseagentur, die Radio- und Fernsehaufsichtsbehörde RTÜK und der Generaldirektion für Stiftungen zuständig.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kabinettsumbildung soll AKP-Regierung neuen Schwung bringen ( des Vorlage:IconExternal vom 31. Dezember 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Jan Senkyr, Türkei Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung, 6. Mai 2009</ref><ref>The AKP Reasserts Its Conservative Core With Cabinet Reshuffle, 8. Mai 2009</ref>
Bülent Arınç gilt als einer der Hauptverantwortlichen und Unterstützer für die Umwandlung von Sophienkirchen in Moscheen, darunter die Hagia Sophia in Trabzon und die Hagia Sophia in Iznik.<ref>Stiftung PRO ORIENTE, 1010 Wien: PRO ORIENTE. In: www.pro-oriente.at. Abgerufen am 13. September 2016.</ref>
Wegen einer mutmaßlichen Attentatsvorbereitung auf ihn am 19. Dezember 2009 ermittelt die türkische Staatsanwaltschaft gegen zwei Angehörige einer Anti-Guerilla-Spezialeinheit der türkischen Armee.<ref>Today’s Zaman: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Links between ‘assassins’ and shady gangs under spotlight ( vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) (englisch)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Türkei denkt sich neu ( vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) Wendy Kristianasen, Le Monde diplomatique vom 12. Februar 2010</ref>
Im November 2013 relativierte er Erdoğans Äußerung, gegen unehelich zusammenlebende Studenten vorgehen zu wollen, und erklärte sie zum Missverständnis. Als Erdoğan daraufhin jedoch bestätigte, er habe es genau so gemeint, forderte Arınç den Ministerpräsidenten zur Klärung auf<ref>Boris Kálnoky: Erdogans Polarisierungskurs schwächt die AKP. In: Die Welt. 8. November 2013, abgerufen am 12. November 2013.</ref> und kündigte zugleich an, nicht mehr für die AKP kandidieren zu wollen.<ref>Staatliche Schnüffelei in Schlafzimmern, Senada Sokollu, Deutsche Welle, 15. November 2013</ref>
Arınç fiel wiederholt durch sexistische Äußerungen auf. Im Sommer 2014 gelangte Arınç in internationale Medien mit seiner Forderung, Frauen in der Türkei sollten in der Öffentlichkeit nicht laut lachen. Auf erstaunte Nachfragen bekräftigte er das mit den Worten: Ich glaube daran, dass meine Bemerkungen wahr waren und sie eine breite Zustimmung in der Gesellschaft finden. Ich stehe zu meinen Worten, nach Angaben lokaler Medien vom 31. Juli 2014. Er fügte hinzu, sein Kommentar habe sich auf Bescheidenheit im Allgemeinen bezogen und nicht auf ein bestimmtes Geschlecht.<ref>Rheinische Post, 31. Juli 2014: „Türkinnen sollten nicht laut lachen“. Arinc verteidigt Lach-Aussage: Ich stehe zu meinen Worten.</ref> In sozialen Medien stellten daraufhin Hunderte Personen Bilder ein, auf denen sie lachen. Im Juli 2015 wies er während einer Parlamentssitzung die HDP-Abgeordnete Nursel Aydoğan mit den Worten „Sie als Frau, seien Sie still!“ zurecht. Auch dies führte zu heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit sowie in den sozialen Medien.<ref>Macho-Spruch von Türken-Vize-Regierungschef: „Sie als Frau, seien sie still!“ Abgerufen am 13. September 2016.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Ömer İzgi | Präsident der Großen Nationalversammlung der Türkei 19. November 2002 – 22. Juli 2007 | Köksal Toptan |
<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />
Mustafa Kemal Atatürk | Ali Fethi Okyar | Kâzım Özalp | Mustafa Abdülhalik Renda | Kâzım Karabekir | Ali Fuat Cebesoy | Şükrü Saraçoğlu | Refik Koraltan | Kâzım Orbay | Fuat Sirmen | Ferruh Bozbeyli | Sabit Osman Avcı | Kemal Güven | Cahit Karakaş | Sadi Irmak | Necmettin Karaduman | Yıldırım Akbulut | İsmet Kaya Erdem | Hüsamettin Cindoruk | İsmet Sezgin | Mustafa Kalemli | Hikmet Çetin | Ömer İzgi | Bülent Arınç | Köksal Toptan | Mehmet Ali Şahin | Cemil Çiçek | İsmet Yılmaz | İsmail Kahraman | Binali Yıldırım | Mustafa Şentop
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Ministerpräsident: Recep Tayyip Erdoğan
Stellvertretende Ministerpräsidenten und Staatsminister: Cemil Çiçek · Bülent Arınç · Ali Babacan
Staatsminister: Mehmet Aydın · Mehmet Zafer Çağlayan · Faruk Nafız Özak · Hayati Yazıcı · Faruk Çelik · Cevdet Yılmaz · Selma Aliye Kavaf · Egemen Bağış
Justiz: Sadullah Ergin · Nationale Verteidigung: Mehmet Vecdi Gönül · Innere Angelegenheiten: Beşir Atalay · Auswärtige Angelegenheiten: Ahmet Davutoğlu · Finanz: Mehmet Şimşek · Nationale Bildung: Nimet Çubukçu · Bauwesen und Besiedlung: Mustafa Demir · Gesundheit: Recep Akdağ · Verkehr: Binali Yıldırım · Landwirtschaft und Dorfangelegenheiten: Mehmet Mehdi Eker · Arbeit und Soziale Sicherheit: Ömer Dinçer · Industrie und Handel: Nihat Ergün · Energie und Naturschätze: Taner Yıldız · Kultur und Tourismus: Ertuğrul Günay · Umwelt und Wald: Veysel Eroğlu
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Stellvertretende Ministerpräsidenten: Bülent Arınç | Beşir Atalay | Ali Babacan | Emrullah İşler
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Arınç, Bülent |
| KURZBESCHREIBUNG | türkischer Politiker und Jurist |
| GEBURTSDATUM | 25. Mai 1948 |
| GEBURTSORT | Bursa, Türkei |
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