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Bärenschützklamm

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Datei:Baerenschuetzklamm 01.jpg
Leitern in der Klamm (2009)
Datei:Bärenschützklamm.jpg
Wasserfall Bärenschützklamm
Datei:Bärenschützklamm Steige.jpg
Bärenschützklamm (2011)

Die Bärenschützklamm im österreichischen Bundesland Steiermark ist eine Klamm mit bis zu 300 m hohen Kalkfelswänden. Sie liegt im Grazer Bergland im Gebiet der Gemeinde Pernegg an der Mur und wird vom Mixnitzbach durchflossen, der etwa südwestwärts von links der Mur zufließt. Sie wurde 1978 zum Naturdenkmal erklärt.

Die Klamm ist durch Stege und Leitern erschlossen. Nach einem Felssturz mit drei Toten war die Klamm von Juli 2020 bis September 2024 gesperrt.

Etymologie

Der Name „Bärenschützklamm“ dürfte weder mit Bären, noch mit dem Wortstamm schütz- etwas zu tun haben. Es handelt sich vermutlich um eine Ableitung des urslawischen *pršica ([<templatestyles src="IPA/styles.css" />pər'ʃit͡sa], etwa prschitza, prschitz, Bedeutung ‚Spritzbach‘, vergleiche slowenisch prha ‚Dusche‘).<ref>Stenner, Christian: Slowenische Steiermark: Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten (= Zur Kunde Südosteuropas. Band 2, 23). Böhlau, Wien 1997, ISBN 978-3-205-98690-4, S. 21 (uni-graz.at [PDF; abgerufen am 6. August 2023]).</ref>

Geschichte

Die Klamm wurde erstmals 1896 vom Grazer Alpen-Club durchstiegen, bei der Durchkletterung starb eine Person. Dieser eröffnete am 11. Mai 1902 die erste Steiganlage aus hölzernen Brücken und Leitern und begründete damit die Erschließung für den Fremdenverkehr. Seit dem Zusammenschluss mit dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) 1948 ist dieser für die Instandhaltung zuständig, 1955 wurde diese Aufgabe durch die Ortsgruppe Mixnitz wahrgenommen. 1978 wurde die Klamm zum Naturdenkmal (Listeneintrag) erklärt.<ref name=":9">Martina Pachernegg, Fatima Al Masodi, Jonas Binder: Bärenschützklamm: Erste Wanderung über den sanierten und gesicherten Steig. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 26. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":4">Bärenschützklamm. In: Almenland.at. Abgerufen am 12. September 2024.</ref>

Die Klamm war mehrfach durch bauliche Maßnahmen bedroht. 1910 gab es Pläne für ein Wasserkraftwerk am unteren Ende der Klamm, 1930 versiegte der Mixnitzbach durch eine Speicheranlage auf der Teichalm.<ref name=":9" />

Die Steiganlage wurde mehrfach durch Unwetter beschädigt: Erstmals 1906, vier Jahre nach der Eröffnung, nach schweren Schäden 1943 konnte die Klamm erst 1949 wiedereröffnet werden. 1986, 1997 und 2004 kam es ebenfalls zu erheblichen Schäden.<ref name=":9" />

Felssturz im Juli 2020

Am Mittwoch, 8. Juli 2020 mittags<ref>Markus Hackl: Felssturz in der Bärenschützklamm: Mittlerweile drei Todesopfer. In: meinbezirk.at. 10. Juli 2020, abgerufen am 12. Juli 2020.</ref> kam es zu einem Felssturz auf einen beliebten Fotografierstandpunkt in der Klamm. Dabei starben zwei Frauen und ein Mann, neun weitere Menschen wurden teilweise schwer verletzt. An der Bergung und Rettung wirkten 70–100 Kräfte samt Hubschrauber mit. Die Steiganlage wurde vom Bürgermeister bis auf Weiteres gesperrt.<ref>Felssturz: Weiteres Todesopfer geborgen. In: steiermark.orf.at. 10. Juli 2020, abgerufen am 10. Juli 2020.</ref><ref>Zwei Tote bei Felssturz in Bärenschützklamm. In: steiermark.orf.at. 8. Juli 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.</ref> Die Ursache wurde untersucht.<ref>Felssturz: Erhebungen laufen auf Hochtouren. In: steiermark.orf.at. 9. Juli 2020, abgerufen am 9. Juli 2020.</ref>

Der Staatsanwalt stellte die Ermittlungen wegen Vorliegens eines „unabwendbaren Naturereignisses“ ein.<ref name=":0">Bärenschützklamm bleibt nach Steinschlag weiter zu orf.at, 10. Juni 2021, abgerufen am 10. Juni 2021.</ref> Eine verletzte Wanderin aus Niederösterreich hat mit Stand Dezember 2021 einen Zivilprozess angestrengt, der mit Stand Dezember 2022 noch läuft.<ref name=":1">Bärenschützklamm bleibt gesperrt orf.at, 17. Juli 2022, abgerufen am 17. Juli 2022.</ref>

Baumaßnahmen

Bereits kurz nach dem Steinschlag wurde eine Sanierung der Weganlagen und eine verbesserte Sicherung der Klamm geplant. Der Erhalter und Betreiber, die Alpenvereinssektion Mixnitz, entwickelte im Sommer 2021 anhand von Bekletterung und Drohnenfotoflügen ein Sicherheitskonzept mit Verlegung von Wegstücken und vier Schutzgittern oberhalb von Wegen in Absprache mit den Grundeigentümern und dem Landesgeologen.<ref name=":0" /> Nachdem das ursprüngliche Sanierungskonzept aus Naturschutzgründen abgelehnt worden war, stellte die Gemeinde Pernegg im Februar 2023 nach Überarbeitungen einen Baubescheid aus.<ref name=":5">Bärenschützklamm soll im Herbst wieder öffnen. In: ORF Steiermark. 18. Februar 2023, abgerufen am 18. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Letztlich wurden bis zu 60 Meter lange und vier Meter hohe Stahlnetze errichtet und 114 von 164 Brücken und Leitern erneuert.<ref name=":6">Bärenschützklamm eröffnet noch im September. In: ORF Steiermark. 10. September 2024, abgerufen am 12. September 2024.</ref> Während der Sperre wurde ein weiterer Parkplatz in direkter Nähe der Brucker Schnellstraße errichtet, welcher den Durchzugsverkehr durch Mixnitz reduzieren soll.<ref name=":3">Parkplatz bei Bärenschützklamm wird verlegt. In: ORF Steiermark. 7. Juli 2024, abgerufen am 7. Juli 2024.</ref>

Kosten und Dauer

Die Klamm wurde am 21. September 2024 im Rahmen eines Festakts wiedereröffnet und tags darauf für die Öffentlichkeit freigegeben.<ref name=":8">Bärenschützklamm mit Festakt wiedereröffnet. In: ORF Steiermark. 21. September 2024, abgerufen am 21. September 2024.</ref> Die Wiederöffnung war ursprünglich für 2022 geplant und wurde mehrfach verschoben.<ref name=":7">Bärenschützklamm bleibt wohl auch 2022 zu orf.at, 14. Dezember 2021, abgerufen am 17. Juli 2022.</ref><ref name=":5" /><ref>Bärenschützklamm: Eröffnung verzögert. In: ORF Steiermark. 16. April 2024, abgerufen am 16. April 2024.</ref><ref>Bärenschützklamm bleibt weiter geschlossen. In: ORF Steiermark. 27. Mai 2024, abgerufen am 27. Mai 2024.</ref>

Von den über 1,7 Millionen Euro Kosten stammten 800.000 von der ÖAV-Sektion Mixnitz, 700.000 Euro aus Landesgeldern und der Rest aus Spenden. Durch die aufwändigen Arbeiten, den oftmals notwendigen Einsatz von Hubschraubern und schlechte Witterung unterlag die Sanierung mehreren Kostensteigerungen und Verschiebungen.<ref name=":6" /> 2021 wurden die Gesamtkosten auf 650.000 Euro,<ref name=":7" /> 2022 auf 800.000 Euro,<ref name=":7" /> 2023 auf eine Million Euro<ref name=":5" /> und im Juli 2024 auf 1,6 Millionen Euro geschätzt.<ref name=":3" />

Tourismus

Der Steig wird von der Sektion Mixnitz des österreichischen Alpenvereins instand gehalten. Die Anlagen werden repariert, Steine vom Weg entfernt und auch die Felswände kontrolliert. Normalerweise ist die Klamm von Mai bis einschließlich Oktober geöffnet, ein Betreten ist dabei täglich von 8.00–16.00 Uhr erlaubt.<ref name=":4" />

Ab der Wiedereröffnung 2024 soll das Betreten der Klamm zwischen sechs und neun Euro kosten.<ref name=":4" />

Verkehrsanbindung

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Die Parkplätze „Bärenschützklamm“ und „Naturwelten“ mit 200 bzw. 70 Plätzen liegen in direkter Nähe der Brucker Schnellstraße etwa 1,5 Stunden Fußweg vom Klammeingang entfernt, sie wurden nach dem Felssturz von 2020 errichtet. 40 teurere „Premium-Parkplätze“ befinden sich hinter Mixnitz etwa eine Stunde vom Klammeingang entfernt.<ref name=":4" /><ref>Martina Maria Pachernegg: Wiedereröffnung: Bärenschützklamm sperrt am 22. September auf. In: Kleine Zeitung. 10. September 2024, abgerufen am 12. September 2024.</ref>

Durch die Klamm verläuft auch der Zentralalpenweg, ein österreichischer Weitwanderweg von Hainburg an der Donau (NÖ) nach Feldkirch in Vorarlberg.

Besucherzahlen

Vor der Schließung wurde die Klamm jährlich von etwa 40.000 Personen besucht.<ref name=":2">Geplant am 1. Mai - Bärenschützklamm: Wiedereröffnung um ein halbes Jahr verschoben. In: Kleine Zeitung. 16. September 2023, abgerufen am 16. September 2023.</ref>

Der zeitweise massive Zustrom von Touristen mit Reisebussen wird kritisiert. Damit im Fall eines Unfalls Rettungskräfte jederzeit zügig Orte in der Klamm erreichen können, wurde 2019 angeregt, dass sich Busse anmelden sollten, um deren Ankunft zeitlich staffeln zu können.<ref>Bärenschützklamm kämpft mit Überlastung. Abgerufen am 31. August 2019.</ref>

Touren

Vom Bahnhof Mixnitz-Bärenschützklamm der Südbahn im Ort Mixnitz, vorbei am Parkplatz, geht man etwa gut 1 Stunde den Lehrwanderweg, der Erzherzog Johann gewidmet ist, entlang von Schautafeln zur Hans-Kerl-Hütte mit der Kasse am Beginn der Steiganlage. Seit der Wiedereröffnung 2024 darf die Klamm nurmehr bergauf durchstiegen werden, der Rückweg erfolgt über den „Prügelweg“.<ref name=":8" />

Für den Weg durch die gesamte Klamm benötigt man aufwärts etwa 1,5 Stunden Gehzeit, der Aufstieg dauert insgesamt somit 2,5 Stunden.

Weblinks

Commons: Bärenschützklamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 20′ 31″ N, 15° 23′ 41″ O

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