Die Verwirklichung der Autostrada del Sole resultiert in erster Linie aus dem Willen der italienischen Regierung, in den 1950er Jahren die nationale Wirtschaft wieder anzukurbeln. Zugleich sollte die Autobahn die divergierenden Wirtschaftsräume Italiens enger verzahnen und wie eine mächtige Klammer den widersprüchlichen Vereinheitlichungsprozess Italiens begünstigen. Der emphatische Name der Verkehrsverbindung spielt auf diese sozialpolitische und ökonomische Komponente ebenso an wie auf die touristischen Verheißungen der modernen Mobilität.
Vor dem Bau dieser Autobahn benötigte man rund zwei Tage, um Waren und Güter von Mailand nach Neapel zu transportieren. Der Bau einer Strecke, die das Fahren von (für damalige Verhältnisse) hohen Geschwindigkeiten erlaubte, verkürzte die Fahrzeit erheblich.<ref>4 ottobre 1964: fu inaugurata l'Autostrada del Sole. In: XXI Secolo. 4. Oktober 2020, abgerufen am 25. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Der Bau der Autostrada del Sole erfolgte in mehreren Etappen. Die Freigaben der einzelnen Abschnitte sah wie folgt aus:
Mailand–Bologna am 15. Juli 1959
Bologna–Florenz am 3. Dezember 1960
Florenz–Rom am 4. Oktober 1964
Rom–Neapel am 22. September 1962<ref name=":0">AUTOSTRADA DEL SOLE. Abgerufen am 25. Juni 2022.</ref>
Die Grundsteinlegung geht auf den 19. Mai 1956 zurück. Die Einweihung des ersten Abschnitts, von Mailand bis Parma, wurde am 7. Dezember 1958 gefeiert. Die Eröffnung der Trasse von Bologna nach Florenz fand am 3. Dezember 1960 statt, die von Rom nach Neapel am 22. September 1962. Die gesamte Arbeit wurde mit der Eröffnung des Abschnitts zwischen Chiusi und Orvieto am 4. Oktober 1964 vollendet: Bis zu diesem Zeitpunkt mussten alle Fahrzeuge von der Autobahn zwischen Chiusi und Orvieto abfahren und über die ehemalige Strada statale 71 Umbro Casentinese Romagnola ausweichen.
Die fertiggestellte Autostrada del Sole wurde von Antonio Segni am 4. Oktober 1964, an Bord des Lancia Flaminia 335 presidenziale, eingeweiht.<ref>Accadde oggi: nel 1958 il primo tratto dell'Autostrada del Sole. In: MeteoWeb. 7. Dezember 2015, abgerufen am 25. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Folgende Arbeiten wurden verrichtet:
insgesamt 15 Millionen Arbeitstage
52 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein; ausgehoben auf der Baustelle im Freien
1,8 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein; ausgehoben aus den Tunnelbaustellen
fünf Millionen Kubikmeter Beton und Mauerwerk
16 Millionen Quadratmeter Boden
853 Brücken, Viadukte und ähnliche Arbeiten
2500 Schächte
572 Überführungen
35 Tunnel mit 2 Röhren
3 Tunnel mit einer Röhre<ref name=":0" />
Der Bau der A1 wurde von Fedele Cova geführt.<ref>L'Italia unita dalla A1. Abgerufen am 25. Juni 2022.</ref>
Die A1 hatte ihren Ursprung zunächst bei S. Donato Milanese südlich von Mailand. Heutzutage gilt jedoch die Verlängerung der Mailänder Osttangente (A51; tangenziale est di Milano) als Anfangspunkt der A1, der sich somit im Südosten Mailands befindet. Diese beiden Abschnitte verlaufen parallel zueinander, bis sie sich auf dem Gebiet von S. Donato Milanese vereinigen.
Der Abschnitt Modena-Bologna ist der meistbefahrene Abschnitt in ganz Italien, weshalb dieser auch bereits achtspurig und teilweise auch zehnspurig bei Bologna ausgebaut ist. Im Norden Modenas hat die A1 Anschluss zur Brennerautobahn, welche somit Zuflussader aus Nord- und Mitteleuropa ist. In Bologna zweigen zudem die Bologneser Tangente und die A14, welche zur Adriaküste führt, ab. Von Bologna aus zweigt auch die A13 Richtung Padua und Venedig ab.
Abschnitt Bologna–Florenz
Dieser teils vierstreifige, teils sechsstreifige (teils sogar siebenstreifige) Abschnitt, der auch „Apennin-Abschnitt“ (tratto appenninico) genannt wird, überquert den Tosco-Emiliano-Apennin und weist daher in seinem Verlauf viele Brücken und Tunnel auf.
Streckenverlauf
Die Autostrada A1 nützt südlich von Bologna zunächst zusammen mit der Staatsstraße SS64 und der Bahnstrecke Pistoia–Bologna (Porrettana) das Tal des Reno, ab Sasso Marconi nur mehr die Autobahn jenes der Setta. In diesem engen Tal nimmt die Zahl der Kunstbauten bereits deutlich zu, wobei sich ab Monzuno die Direttissima Bologna-Florenz bis zum Nordportal des Apenninbasistunnel (Bahnhof S. Benedetto Val di Sambro – Castiglione dei Pepoli) dazugesellt. Der Hauptkamm des Apennin wird dann am Ende eines Seitengrabens des Oberen Settatals beim Monte Citerna erreicht. Nunmehr geht es in der Toskana hoch über einem Zulauf der Sieve, der Stura, südwärts westlich an Barberino di Mugello vorbei und durch einen weiteren Bergrücken in das Tal des Torrente Marina hinab bis zum Autobahnkreuz Firenze Nord.
Streckenausbau
Casalecchio di Reno–Sasso Marconi
Zwischen Casalecchio di Reno und Sasso Marconi wurde die Strecke auf 4,1 Kilometern bereits sechsspurig ausgebaut (Baulos 0). Die Bauarbeiten endeten im November 2009 und sahen neben dem sechsspurigen Ausbau auch den Neubau zahlreicher Brücken und Unterführungen sowie die Errichtung von Lärmschutzwänden im Gebiet von Casalecchio vor. Die Gesamtkosten betrugen 79,8 Millionen Euro.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Newsletter der Autostrade zur Fertigstellung des Bauloses 0 (Memento vom 18. September 2010 im Internet Archive) (PDF; 637 kB)</ref>
Sasso Marconi–La Quercia
In diesem Abschnitt wurde die bereits vorhandene Trasse auf etwa 20 Kilometern sechsspurig ausgebaut. Außerdem wurde die Anschlussstelle Sasso Marconi umgebaut. Am 9. Juni 2007 wurde die Strecke inklusive der neuerrichteten Galleria Gardelletta (840 Meter, Fahrtrichtung Nord), eröffnet.
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. La Quercia–Barberino
Die Planungen für diesen Abschnitt begannen bereits 1985. Im August 2001 stimmte der Ministerrat der Neuerrichtung zu. Die Bauarbeiten fanden von März 2004 bis Dezember 2015 statt, am 23. Dezember 2015 wurde die neue Trasse dem Verkehr übergeben.<ref name="autostradevariantedivalico">Projektinformationen Variante di Valico</ref>
Der 43 Kilometer lange Abschnitt wurde wie folgt umgestaltet:
Neubau der Ausweichstrecke Variante di Valico zwischen La Quercia und Aglio mit einem Basistunnel, zusätzlich zur bereits vorhandenen Autobahntrasse. Beide Trassen bleiben in Betrieb.
Zwischen Aglio und Barberino wurde eine neue Autobahntrasse in zwei Tunneln mit drei Fahrstreifen für den Verkehr in Richtung Süden errichtet, die alte bestehende Trasse wurde umgestaltet und führt nun vierspurig nordwärts in Fahrtrichtung Bologna.
Barberino–Incisa
Dieser Abschnitt schließt direkt an die Variante di Valico an. Hier gibt es ein durchschnittliches Verkehrsaufkommen von 111.000 Fahrzeugen, davon 32.000 Lastkraftwagen. Zwischen den Anschlussstellen Firenze Nord und Firenze Sud kommt zusätzlich zum Transitverkehr auch noch der Stadtverkehr dazu, da die A1 hier eine Tangenziale (Stadtumfahrung) von Florenz bildet. Hier ist ein mindestens sechsspuriger (3 Fahrstreifen pro Richtung) Ausbau vorgesehen. Die Bauarbeiten auf den 58,5 Kilometer langen Abschnitt sehen die Errichtung von 16 neuen Tunneln und 40 Kilometer Lärmschutzwänden vor. Die Gesamtkosten dieses Bauprojektes betragen knapp zwei Milliarden Euro.
Dieser Abschnitt kann wiederum in drei kleinere Abschnitte unterteilt werden:
Barberino–Firenze Nord
In diesem Abschnitt ist eine neue Trasse Richtung Süden mit drei Fahrstreifen in Bau. Auf der derzeitigen Trasse werden dem Verkehr Richtung Norden vier Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Am 19. März 2022 wurde die neue Strecke eröffnet.<ref>A1, tra Barberino di Mugello e Firenze Nord apre il tratto a 3 corsie. In: motor1.com. 23. Februar 2022, abgerufen am 21. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In diesem 22 Kilometer langen, sehr stark von Verkehrsstaus betroffenen Abschnitt, wurde die Autobahn von 2005 bis 2013 auf drei (Richtung Rom) beziehungsweise drei oder vier Fahrstreifen erweitert.
Zwischen März 2002 und Juli 2004 hat die ANAS das Projekt geprüft und genehmigt. Die Strecke Firenze Nord-Firenze Scandicci wurde Richtung Süden am 21. Dezember 2006 für den Verkehr freigegeben, Richtung Norden am 5. April 2007. Die Freigabe des neuen Abschnittes Firenze Scandicci-Firenze Sud erfolgte am 3. August 2011. Richtung Süden ist eine neue dreispurige Strecke entstanden, Richtung Norden wird die alte Autobahn vierspurig genutzt.
Firenze Sud-Incisa
Auf diesem 19 Kilometer langen Abschnitt ist eine Erweiterung auf drei Fahrstreifen pro Richtung in Bau.<ref name="autostradebarbarino">Projektinformationen Barberino-Incisa</ref>
Bis nach Orte (Latium) ist die Autobahn vierstreifig, wenngleich bereits Ausbaumaßnahmen für einen dritten Fahrstreifen pro Richtung zwischen Florenz und Incisa in die Wege geleitet worden sind. Zwischen Orte und der Anschlussstelle Roma/Nord wurde die A1 sechsspurig ausgebaut, inklusive der Errichtung eines neuen Tunnels (Galleria di Nazzano, 337 m). Die Bauarbeiten waren 2002 abgeschlossen, 2007 erfolgte die Eröffnung der Galleria di Nazzano. Außerdem wurden 4 Kilometer Lärmschutzwände errichtet. Die Gesamtkosten für diesen 37,8 Kilometer langen Abschnitt betragen 191,0 Millionen Euro.<ref name="autostradeorte"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Projektinformationen Orte-Roma (Memento des Vorlage:IconExternal vom 27. Mai 2010 im Internet Archive) Datei:Pictogram voting info.svgInfo: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/autostrade.it</ref>
Die Autobahn führt in diesem Abschnitt an Arezzo vorbei, passiert das Chianatal und überquert mehrere Male den Tiber. In der Nähe der Ortschaft Fiano Romano zweigt ein vierstreifiger Ast zur Ringautobahn um Rom (A90/GRA, Grande Raccordo Anulare) ab, während die A1 selbst weiterhin sechsstreifig an der Hauptstadt vorbei in Richtung Neapel führt. Zwischen der Autobahnverzweigung Roma nord und dem Knoten mit der A24 ist Ende 2011 die Anschlussstelle Guidonia Montecelio in Betrieb genommen worden.<ref name="autostradeandereprojekte"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neue Anschlussstellen (Memento des Vorlage:IconExternal vom 14. August 2010 im Internet Archive) Datei:Pictogram voting info.svgInfo: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/autostrade.it</ref>
Abschnitt Rom–Neapel
In S. Cesareo, einem Ort südlich von Rom, vereinigt sich die A1 wieder mit einem weiteren vierstreifigen Ast von Rom kommend und verläuft weiter nach Neapel. Dieser sechsstreifige Abschnitt, der unter anderem an den Städten Frosinone und Caserta vorbeiführt, zeichnet sich durch eine extrem geradlinige Streckenführung aus. Er trug bis 1988 die Bezeichnung A2, da er bis dato nicht direkt mit dem übrigen Teil der A1 verbunden war. Im Norden Neapels geht die A1 schließlich in die A3 über. Seit Dezember 2016 wurde die Nummer der A2 an die Strecke der ehemaligen A3 Salerno – Reggio Calabria übertragen.
Vorlage:Infobox hochrangige Straße/Wartung/Weitere_Infobox
Der Zubringer A1-Piazzale Corvetto ist der ursprüngliche Abschnitt der A1, der vom Ortsgebiet von Mailand am Corvetto-Platz begann und nach dem Bau der Variante, die den Verkehr von und nach Bologna nahtlos in die Tangenziale Est leitet, herabgestuft wurde. Er verläuft parallel zum neuen Abschnitt der A1 und führt bei S. Donato Milanese wieder zurück in diese.
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Der Zubringer Sasso Marconi - SS 64 Porrettana (ital.Raccordo Sasso Marconi - SS 64 Porrettana) ist ein Abschnitt der alten Trasse der Autostrada del Sole, der am 10. Juli 2006 mit der Einweihung der 3. Spur vom Baulos Nr. 0, der neuen Mautstelle Sasso Marconi und dem Monte Mario-Tunnel, einem Tunnel, der den Abschnitt entlang des Hügels oberhalb der Ortschaft mit geändertem Streckenverlauf umfährt, stillgelegt wurde. Derzeit wird ein Teil dieses Abschnitts als Verbindung zwischen der Anschlussstelle Sasso Marconi und der ehemaligen gleichnamigen Ausfahrt genutzt, wo er in die Staatsstraße SS 64 Porrettana mündet.
Dieser Abschnitt ist als Autobahn beschildert, weist keinen Pannenstreifen auf und es gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 90 km/h. Auf der Website von Autostrade per l’Italia wird er im Abschnitt Mautberechnung als „R43 Raccordo Sasso Marconi - SS 64“ bezeichnet, da dieser Abschnitt für diejenigen, die auf die A1 auffahren, gebührenpflichtig ist. Vor dem Anschluss auf die A1 gibt es die Möglichkeit, die SP 325 in Fahrtrichtung Prato zu nehmen, dann ist die Nutzung kostenlos.
Ast Capodichino
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Der Abzweig Capodichino ist, obwohl er als A1 klassifiziert ist, die ununterbrochene Fortsetzung der Neapolitaner Tangente in Richtung Autobahn A1. Er war einmal der letzte Abschnitt der gesamten Autobahn A1.
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Literatur
Enrico Menduni: L'Autostrada del Sole. Il Mulino, Bologna 1999, ISBN 88-15-06894-5