Anschlagsserie in Bagdad am 22. Dezember 2011
Bei der Anschlagsserie in Bagdad am 22. Dezember 2011 handelt es sich um eine Reihe von Bombenanschlägen auf zivile Ziele in Bagdad. Dabei kamen offiziell 69 Menschen ums Leben und mehr als 169 wurden verletzt.<ref name="FRKaida">Al-Kaida-Ableger bekennt sich zu Anschlagsserie. In: Frankfurter Rundschau. 27. Dezember 2011, abgerufen am 27. Dezember 2011.</ref>
Zu den Anschlägen bekannte sich der irakische Zweig der al-Qaida, die „Organisation Islamischer Staat Irak“.
Die Anschläge waren die umfangreichsten im Irak seit der Anschlagsserie im August 2011 und erregten, auch weil sie vier Tage nach der offiziellen Beendigung der Besetzung des Irak seit 2003 stattfanden, internationales Aufsehen.<ref name="Zeibekennt">Al-Qaida bekennt sich zu Anschlagserie in Bagdad. In: Die Zeit. 27. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.</ref>
Hintergrund
Nach der Beendigung der Besetzung des Irak seit 2003 brach in der irakischen Regierung eine Krise aus. So erließ Premierminister Nuri al-Maliki einen Haftbefehl gegen Vizepräsident Tarik al-Haschimi wegen Terrorismus und drängte auf eine Entlassung von Salih al-Mutlak. Beide sind prominente Mitglieder der Irakischen Nationalbewegung die daraufhin den Repräsentantenrat boykottierten.<ref name="FAZSerie">Reiner Hermann: Dutzende Tote bei Anschlagsserie in Bagdad. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. Dezember 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011.</ref>
Verlauf und Ziele
Am Morgen des 22. Dezember 2011 zwischen 6.30 und 8.30 Uhr explodierten in Bagdad vier Autobomben und zehn Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen.<ref name="FAZSerie"/>
Bei allen Zielen handelte es sich um zivile Einrichtungen.<ref name="FAZSerie"/> Darunter befanden sich ein Kino, ein Krankenhaus, Schulen, Kindergärten, Sammelstellen von Tagelöhnern und die Antikorruptionsbehörde.<ref name="TAZGewalt">Inga Rogg: Politische Krise führt zu Gewalt. In: die tageszeitung. 22. Dezember 2011, abgerufen am 27. Dezember 2011.</ref>
Diese befanden sich in elf verschiedenen Stadtteilen von Bagdad. Die meisten der Viertel werden mehrheitlich von Schiiten bewohnt.<ref name="FRKaida"/> Konkret waren unter Anderen die Stadtteile Karrada, Al-Wasirija, Al-Schaab und Al-Alwija betroffen.<ref name="TAZDutzende">Dutzende Tote bei Terroranschlägen. In: die tageszeitung. 22. Dezember 2011, abgerufen am 27. Dezember 2011.</ref>
Nach den Anschlägen blieben die meisten Geschäfte in Bagdad geschlossen. Die üblicherweise von Stau geprägten Straßen waren größtenteils menschenleer.<ref name="TAZGewalt"/>
Karrada - Antikorruptionsbehörde und Krankenhaus :
Bei dem Angriff auf die Antikorruptionsbehörde im Stadtteil Karrada starben zwölf Menschen und 35 wurden verletzt. Ein von Nonnen betriebenes Krankenhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde dabei schwer getroffen.<ref name="FAZSerie"/> Es explodierte erst eine Autobombe und kurze Zeit später der Gürtel eines Selbstmordattentäters.<ref name="TAZDutzende"/>
Späteren Berichten zufolge explodierten in Karrada insgesamt drei Autobomben.<ref name="TAZGewalt"/>
Augenzeugen zufolge fuhr der Attentäter einen Rettungswagen. Bei der Attacke in Karrada starben mindestens 25 Menschen, und über 62 wurden verletzt.<ref name="NewWaves">Kareem Raheem: Iraq bombings: More than 60 killed in attacks just days after U.S. troop withdrawal</ref><ref>December 22, 2011, Deadliest Day In Baghdad Since Beginning Of The Year</ref>
Die Bomben hinterließen einen mehrere Meter großen Krater.<ref name="NZZKonfrontation">Extremisten treiben den Irak in die Konfrontation. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.</ref> Ein nahe gelegenes Appartementgebäude wurde durch die Wucht der Explosion auseinandergerissen.<ref name="NYTDeepens">Michael S. Schmidt: Blasts Rock Baghdad as Political Crisis in Iraq Deepens. In: The New York Times. 22. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Busbahnhof :
Ein Anschlag traf einen Busbahnhof im Zentrum Bagdads. Dieser wird von vielen Arbeitern frequentiert.<ref name="FAZSerie"/>
Kino :
Zwei Sprengsätze explodierten nahe einem Kino.<ref name="TAZDutzende"/>
Al-Amal :
Im Stadtteil Al-Amal starben, laut Aussage der Sicherheitskräfte, sieben Menschen.<ref name="SDBlutbad">Blutbad in Bagdad. In: Süddeutsche Zeitung. 22. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.</ref>
Halawi-Bezirk :
Im Halawi-Bezirk explodierten zwei Sprengsätze am Straßenrand.<ref name="ZeiSerie">Serie von Bombenanschlägen erschüttert Bagdad. In: Die Zeit. 22. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.</ref>
Reaktionen und Ermittlungen
Im Irak
Iyad Allawi, Anführer der Irakischen Nationalbewegung, gab der irakischen Regierung die Schuld an den Anschlägen. Er sagte, die Gewalt werde weitergehen, solange Gruppen vom politischen Prozess ausgeschlossen werden.<ref name="NewWaves"/>
Vizepräsident Tariq al-Haschimi bezichtigte zwei Tage nach den Taten die irakische Regierung und die Sicherheitskräfte der Mittäterschaft. Es sei nicht möglich, Anschläge dieser Größenordnung ohne deren Duldung durchzuführen.<ref name="BBCHashemi">Baghdad blasts: Hashemi accuses government over attacks. In: BBC News. 24. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zu den Anschlägen bekannte sich der irakische Zweig der al-Qaida, die „Organisation Islamischer Staat im Irak“. Laut der Verlautbarung im Internet sollten sie den in Gefängnissen sitzenden Sunniten helfen und ein Gedenken an die Hingerichteten darstellen.<ref name="FRKaida"/> In der Verlautbarung kritisiert die Gruppe laut der Nachrichtenagentur Sumaria News, die irakische Regierung.<ref name="Zeibekennt"/>
International
Jay Carney, Pressesprecher des Weißen Hauses, sagte, dass die Attentäter nur auf Mord und Hass aus seien und ansonsten keine Agenda verfolgten. Versuche, den Übergang zu stören, seien zum Scheitern verurteilt.<ref name="USATrock">Bombs rock Baghdad, raising fears of sectarian war. In: USA Today. Abgerufen am 28. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
US-Vizepräsident Joe Biden führte mit dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani eine Telefonkonferenz zu der Anschlagsserie.<ref name="USATrock"/>
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge und betonte, dass es terroristischen Kräften nicht gelingen darf, den Wiederaufbauprozess aufzuhalten. Außerdem rief er die politischen Kräfte im Irak zur Zusammenarbeit auf.<ref name="FRBagdad">Mindestens 65 Tote bei Anschlagsserie in Bagdad. In: Frankfurter Rundschau. 22. Dezember 2011, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 28. Dezember 2011. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Martin Kobler, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen und Leiter der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen im Irak, verurteilte die Anschläge scharf und ermahnte die irakische Regierung, ihrer Verantwortung nachzukommen.<ref name="ZeiBürgerkrieg">Hans Monath: „Der Irak wird nicht zerfallen“. In: Die Zeit. 27. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011.</ref>
Weblinks
- Hans Monath: „Der Irak wird nicht zerfallen“. Anschläge. In: Die Zeit. 27. Dezember 2011, abgerufen am 28. Dezember 2011 (Interview mit Martin Kobler, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen und Leiter der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen im Irak, zu den Auswirkungen der Anschlagsserie und die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs).
Einzelnachweise
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