Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Das Anneliese Brost Musikforum in Bochum ist ein Konzerthaus der Bochumer Symphoniker, in dem auch Konzerte der städtischen Musikschule stattfinden. Die ehemalige St.-Marien-Kirche dient in dem von den Stuttgarter Architekten Bez+Kock konzipierten Gebäude als Foyer für beide Säle. Mit dem neuen Musikzentrum soll ein künstlerischer Anziehungspunkt entstehen, der in die Stadt und die Region ausstrahlt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Konzept Musikzentrum ( des Vorlage:IconExternal vom 3. Juni 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 560 kB).</ref> Die Eröffnung fand am 28. Oktober 2016 statt.<ref>Jürgen Boebers-Süßmann: Bochumer Musikhaus soll Generationen inspirieren. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 28. Oktober 2016, abgerufen am 29. Oktober 2016.</ref><ref>Max Florian Kühlem: Auch Herbert Grönemeyer schwärmt vom Musikforum. In: ruhrnachrichten.de. Ruhr Nachrichten, 27. Oktober 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Oktober 2016; abgerufen am 29. Oktober 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Der Name des Musikforums bezieht sich auf Anneliese Brost, deren Stiftung den Bau wesentlich unterstützte.<ref>Michael Weeke: Kurzer Blick auf Leben und Wirken der Namensgeberin Anneliese Brost. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 29. Oktober 2016, abgerufen am 29. Oktober 2016.</ref>
Vorgeschichte
Bereits im Laufe der 1960er Jahre, begleitend zur Umbenennung des Städtischen Orchesters in Bochumer Symphoniker, wurde der Bau eines Konzerthauses erwogen, um das Schauspielhaus als Spielstätte des Orchesters zu entlasten. Anstelle des Konzerthauses wurde jedoch die Ruhrlandhalle als Mehrzweckhalle errichtet.<ref>Karl Brinkmann: Bochum – Aus der Geschichte einer Großstadt des Reviers (= Neue Bochumer Reihe. 2). Schürmann und Klagges, Bochum 1968, OCLC 256081309, S. 383.</ref> „Das heimatlose Herumirren, zuletzt zwischen dem akustisch prekären Bochumer Schauspielhaus und dem Audimax der Ruhr-Universität“ dauerte infolgedessen an.<ref>Malte Hemmerich: Malte Hemmerich: «Endlich höre ich, wie schön du spielst». Keine Kohle, aber Kultur: Das klamme Bochum eröffnet einen beispielhaften Konzertsaal. In: Neue Zürcher Zeitung. 31. Oktober 2016, S. 28 (online unter dem Titel: Keine Kohle, aber Kultur. Bochum ist hochverschuldet und stand bis dato musikalisch im Schatten von Essen und Dortmund. Nun leistet sich die Ruhrpott-Stadt einen eigenen Konzertsaal – und die Eröffnung geriet zum Triumph).</ref>
Konzept
Das Musikzentrum dient unter anderem als Heimat der Bochumer Symphoniker für Proben und Konzerte, Raum für die städtische Musikschule und Auftrittsort für ihre Schüler und Ensembles sowie als architektonisch ansprechender Bestandteil der Innenstadtgestaltung.<ref>Gründe, die für das Musikzentrum Bochum sprechen. In: bochumer-symphonie.de. Stiftung Bochumer Symphonie, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. September 2017; abgerufen am 18. Juli 2018.</ref>
Errichtet wurde das Musikzentrum mit folgendem Raumprogramm:<ref>Fakten und Wissenswertes zum Musikzentrum. Wie groß wird das Musikzentrum sein? In: bochum.de. Stadt Bochum, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. September 2012; abgerufen am 18. Juli 2018 (u. a. zum Raumprogramm des Musikzentrums, erstes Memento).</ref><ref name="Johan Schloemann">Johan Schloemann: Kurze Bauzeit, niedrige Kosten. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Februar 2015, abgerufen am 21. Februar 2015.</ref>
- ein konzertant nutzbarer Großer Saal mit 1026 Plätzen und Bühne, links vom Eingang her gesehen, also südlich
- ein nicht fest bestuhlter, akustisch optimierter Multifunktionssaal mit etwa 250 Plätzen und Bühne, rechts vom Eingang her gesehen, also nördlich
- ein Foyer – auch für Lesungen, kleinere Konzerte, Zusammenkünfte und nicht Vorhersehbares
- Stimmzimmer, Probenräume, Künstlergarderoben
- Räume für die Infrastruktur eines konzertanten Hauses
- Notenarchiv, Inspizientenräume, Lagerräume
Entwicklung
Ursprünglich sollte die Stadt Bochum ein reines Konzerthaus erhalten. Immer wieder scheiterte die Durchführung des Projektes an fehlenden Mitteln, obwohl eine private Stiftung einen wesentlichen Teil der Baukosten aufbringen wollte. Zuletzt verbot 2010 die Bezirksregierung Arnsberg der Stadt, Eigenmittel für das Projekt aufzubringen, da die Stadt sich im Nothaushalt befand. Aufgrund der schwierigen Haushaltssituation schloss auch das Land eine Landesförderung als unrealistisch aus.<ref>Tobias Bolsmann: Die letzte Hoffnung für das Konzerthaus Bochum erlischt. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 5. Februar 2010, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref>
Aufgrund einer Konzeptänderung durch die Hinzunahme eines Musikschulsaals wurde aus dem Projekt Konzerthaus das Vorhaben Musikzentrum. Hierfür stellte die Landesregierung 2011 die erforderlichen EU-Fördermittel und Landesmittel in Aussicht.
Der Rat der Stadt Bochum beschloss am 9. März 2011 den Bau des Musikzentrums unter bestimmten Bedingungen, insbesondere rechtsverbindliche Bereitstellung privater Spenden in Höhe von 14,3 Mio. Euro, Verfügbarkeit von Fördermitteln in Höhe von 16,528 Mio. Euro, Einhalten einer Baukostengrenze von 33,3 Mio. Euro und gebäudebezogene Folgekosten von maximal 650.000 Euro.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verwaltungsvorlage vom 9. März 2011 ( des Vorlage:IconExternal vom 21. Februar 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 126 kB).</ref>
Den Architektenwettbewerb gewann das Planungsbüro Bez+Kock aus Stuttgart.<ref>Jürgen Boebers-Süßmann: Wettbewerbssieger Bez + Kock stellen ihren Entwurf vor. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 24. Mai 2012, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref> Im Entwurf „konnte der räumliche Charakter der Kirche bewahrt, ja, diese zum Maßstab erhoben werden: In ihrem Chor liegt der doppelte Haupteingang, ihr Schiff dient als Foyer, die Garderobe befindet sich unter der Empore der früheren Orgel, und von den vier Glocken, die, hergestellt vom Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation, aus statischen Gründen aus dem Turm genommen wurden, schlägt die größte (mit dem Ton b wie Bochum) als Pausengong“.<ref name="Andreas Rossmann">Andreas Rossmann: Ein Schuhkarton aus dem Sparstrumpf. Die Kirchenglocke schlägt als Pausengong: Heute wird in Bochum das Musikforum eingeweiht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Oktober 2016, S. 12.</ref>
Von diesem Entwurf überzeugt, beschloss der Rat der Stadt am 5. Juli 2012, dass die genannten Bedingungen erfüllt seien. Mit dem Bau des Musikzentrums wurde 2013 begonnen. 14,6 Millionen Euro der Baukosten wurden von privaten Spendern beigetragen.<ref name="Johan Schloemann" /> Die kalkulierten Baukosten wurden letztlich um rund 10 % überschritten – ein für öffentliche Bauten dieser Größe gutes Ergebnis.<ref name="Andreas Rossmann" /> Die Eröffnung erfolgte plangemäß im Oktober 2016.<ref>Tim Neshitov: Der amerikanische Traum. Dank Steven Sloane hat das klamme Bochum im klammen Ruhrgebiet jetzt einen Ort für seine Symphoniker. In: Süddeutsche Zeitung. 18. Mai 2016, S. 3.</ref> Die Bochumer Symphoniker „erhalten damit die Anerkennung, die sie sich schon lange erspielt, und das Domizil, das sie so lange entbehrt haben“.<ref name="Andreas Rossmann" /> Zudem „hat sich Bochum durch dieses Projekt als handlungsstarke und erfindungsreiche Kommune ins Bewusstsein gebracht“.<ref>Reinhard Brembeck: Der hat noch gefehlt. Schlichte Klarheit, warmer Klang – und nebenan der Tabledance: Bochum feiert sein radikal bürgernahes Musikzentrum. In: Süddeutsche Zeitung. 29. Oktober 2016, S. 18.</ref>
Leitung
Im Sommer 2021 trat Tung-Chieh Chuang dort die Nachfolge von Steven Sloane als Intendant an.<ref>BOCHUMER SYMPHONIKER: Tung-Chieh Chuang - Designierter GMD und Intendant ab 2021/2022. Abgerufen am 17. Juli 2021.</ref>
Rezeption
Zum Eröffnungswochenende des Musikforums im Oktober 2016 kamen 40.000 Besucher. Die Konzertveranstaltungen haben eine Auslastung von über 95 % "und bezeugen die langfristige Perspektive dieser musikalischen Erfolgsgeschichte."<ref>Bettina Schürkamp: Maßanzug für ein Orchester, in: DBZ Deutsche Bauzeitschrift, Heft 5, 2018, S. 60</ref>
Auszeichnungen
Das Anneliese Brost Musikforum Ruhr wurde mehrfach mit national und international ausgelobten Architekturpreisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Architekturpreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2018 und dem German Design Award (Winner) 2017 sowie in Best Architects 18 vorgestellt.
Im Rahmen des 2018 vom BDA Bund Deutscher Architekten verliehenen Architekturpreises des Landes Nordrhein-Westfalen urteilte die Jury: "Das alte Kirchenschiff hat ein unerwartetes Raumpotenzial entwickelt, indem aus dem bloßen Entree und Verteiler ein eigenständiger Veranstaltungssaal geworden ist, der die beiden Konzertsäle ergänzt. Der Funktionswandel vom Sakral- zum profanen Konzertgebäude hat dem ehemaligen Gotteshaus nichts von seiner Würde genommen."<ref>Juryurteil Architekturpreis NRW 2018</ref>
Kritik
Bund der Steuerzahler
Der Bund der Steuerzahler setzte das Vorhaben auf die Steuerverschwendungsliste 2011. Zur Begründung wurde u. a. angeführt, ein neues Konzerthaus in Bochum sei angesichts der in den Nachbarstädten Dortmund und Essen bereits existierenden Konzerthäuser nicht erforderlich. Weiterhin wurde kritisiert, dass die Betriebskosten von der Stadt zu tragen seien, was „nicht zum sonstigen Klagelied über die Finanzlage der Stadt“ passe.<ref>Ein Konzerthaus für Bochums Klagelieder. Land, EU und Spender finanzieren der Stadt das langersehnte Konzerthaus, der BdSt rät trotzdem ab. In: steuerzahler-nrw.de. 3. März 2011, abgerufen am 19. Juli 2018.</ref> Weiterhin übernahm die Stadt Bochum die Jahrhunderthalle Bochum mit der Zusicherung des Landes NRW über 9,53 Mio. Euro Fördergelder zum Zweck des Umbaus der St.-Marien-Kirche Bochum zu einem „Musischen Zentrum“.<ref>Verwaltung der Stadt Bochum: Mitteilung der Verwaltung – Innenstadt-West – Übernahme der Jahrhunderthalle durch die Stadt Bochum, Stand der Verhandlungen mit dem Land und Umsetzung von Investitionsmaßnahmen. In: Bürgerinformationssystem der Stadt Bochum. Stadt Bochum, 23. November 2011, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. Januar 2017. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Der Bund der Steuerzahler schrieb dazu in einem Artikel, dass dadurch zusätzlich mindestens eine halbe Million Euro an jährlichen Unterhaltskosten im Haushalt der Stadt anfallen würden.<ref>Bund der Steuerzahler NRW – Teurer Tausch: Musikzentrum gegen Jahrhunderthalle. In: steuerzahler-nrw.de. Abgerufen am 12. Januar 2017.</ref>
Bürgerinitiative Bürgerbegehren
Eine Bürgerinitiative versuchte bereits vor dem Baubeschluss vom 5. Juli 2012 zu erreichen, dass der Beschluss über die Erfüllung der Baubedingungen an Stelle des Rates durch die Bürger der Stadt getroffen werden soll.<ref name="mehrdemokratie"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bochum: Bürgerbegehren gegen Musikzentrum. ( des Vorlage:IconExternal vom 16. November 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: nrw.mehr-demokratie.de. Mehr Demokratie, abgerufen am 14. November 2016.</ref> Dies lehnten die großen Ratsparteien ab.<ref>Benedikt Reichel: SPD erteilt dem Ratsbürgerentscheid eine Absage. In: ruhrnachrichten.de. Ruhr Nachrichten. Ausgabe Bochum, 13. März 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Februar 2015; abgerufen am 18. Juli 2018 (Artikeltitel frei zugänglich).</ref> Für ein entsprechendes Bürgerbegehren lagen nicht genug Unterschriften vor. Daraufhin initiierte die Bürgerinitiative ein neues Bürgerbegehren, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Sie sammelte 14.924 Stimmen.<ref>Thomas Schmitt: Musikzentrum - „Bäh-Bürger“ landen im OB-Büro. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 25. Oktober 2012, abgerufen am 30. November 2012.</ref> Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen erklärte das Bürgerbegehren jedoch wegen nicht eingehaltener Fristen für unzulässig. Die Beschwerde gegen diese Entscheidung vor dem Oberverwaltungsgericht Münster endete damit, dass das Gericht die Fragestellung für unzulässig erklärte.<ref>Tom Thelen: Bürgerbegehren gegen Musikzentrum gescheitert. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 2. November 2012, abgerufen am 30. November 2012.</ref> Trotz des juristischen Scheiterns des Bürgerbegehrens befasste sich der Rat der Stadt am 13. Dezember 2012 mit dem Bürgerentscheid; auch der Rat stellte die Unzulässigkeit fest.<ref name="mehrdemokratie" />
Mitglieder der Bürgerinitiative erstellten Gutachten zu den Folgekosten des Musikzentrums. Eines davon bezifferte die gebäudebezogenen Folgekosten gemäß DIN 18960 auf mindestens 2,13 Mio. Euro (statt 0,65 Mio. Euro).<ref>Volker Steude: Kurzgutachten. Kosten Vorhaben Musikzentrum/Jahrhunderthalle Bochum. Bochum 23. April 2012 (buergerbegehren-musikzentrum.de [PDF; 722 kB; abgerufen am 18. Juli 2018] Version 1.10).</ref> Überdies rechnete die Bürgerinitiative aus, dass jede verkaufte Eintrittskarte bei Errichtung des Musikzentrums mit 400 Euro subventioniert würde, bezogen auf alle Konzertbesucher (inklusive der Besucher, die keinen Eintritt bezahlen) mit 207 Euro.<ref>Zuschuss auf jede verkaufte Eintrittskarte / pro Besuch für das „Musikzentrum“. In: buergerbegehren-musikzentrum.de. 16. September 2012, abgerufen am 19. Juli 2018 (PDF; 42 kB).</ref>
Weblinks
- Bochumer Symphoniker
- Bürgerbegehren Musikzentrum
- Hintergründe zum Musikzentrum in sieben Kapiteln
- Film über die Eröffnung des Musikforums. In: bochumschau.de
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 51° 28′ 39″ N, 7° 12′ 53,5″ O
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