Andreas Thiel (Satiriker)
Andreas Christof Thiel (* 2. Februar 1971 in Bern) ist ein Schweizer Kabarettist und Satiriker.
Biografie
Andreas Thiel absolvierte eine Lehre als Bauzeichner<ref name="Sassine">Radikale Richtungswechsel: Wer ist der Satiriker Andreas Thiel?, Aargauer Zeitung, 20. Dezember 2014</ref> und besuchte anschliessend die Schauspielschule. 1995 machte er seinen Abschluss an der Desmond Jones School of Mime and Physical Theatre in London.<ref>Christoph Schneider: «Satire macht Spass. Aber sie ist ein böses Ding». In: Tages-Anzeiger. 13. Mai 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. September 2012; abgerufen am 29. Juli 2022.</ref>
Sein erstes Programm führte Thiel ab 1997 zusammen mit Jean Claude Sassine unter dem Titel Einsames Literarisches Kabarett auf.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Andreas Thiel ( vom 25. Juni 2015 im Internet Archive). Website der Künstlervermittlung kulturbau.ch, 2014, abgerufen am 4. August 2015.</ref> Seither trat er mit mehreren Programmen auch ausserhalb des deutschen Sprachraums auf, etwa in London, Mailand, Rom, Bangkok, Hongkong, Kaohsiung, Taipeh oder Taitung.
Im Oktober 2004 war Thiel erstmals Gastgeber der Sendung Comedy im Casino.<ref>10. Oktober 2004: Andreas Thiel präsentiert «Comedy im Casino», Medienmitteilung SF</ref>
Thiel war Mitbegründer des Bösen Montags im Theater am Hechtplatz in Zürich (2003–2006, 2009),<ref>Andreas Thiels «Böser Montag» erlebt ein Comeback, NZZ, 28. Oktober 2009</ref> Mitgründer des Tintensaufens in Bern und Taufpate des Internationalen Festivals für Komische Künste in Winterthur. Er war Kolumnist in der Berner Zeitung,<ref>Andreas Thiel wird an SVP-Anlass mit Eiern beworfen, Berner Zeitung, 4. Oktober 2017</ref> schreibt im Nebelspalter und in der Weltwoche. 2012 war er Karikaturist, 2014 lebte er mit seiner Frau nach einer zweijährigen Wohnsitznahme in Island in Indien ohne festen Wohnsitz,<ref>Andreas Thiel in Indien: «Freiheit erfordert Flexibilität», SRF, 14. Januar 2014</ref><ref name="Sassine"/> von 2015 bis 2016 war er Kolumnist für die Zeitschrift Schweizer Monat.
Seit Juni 2022 hat Thiel eine eigene Talkshow namens Yoyogaga beim Webradio Kontrafunk.<ref name="blick">Fabian Eberhard: AfD-nahes Radio hat Sitz in der Schweiz. In: Blick.ch. 10. Juli 2022, abgerufen am 29. Juli 2022.</ref><ref>Andreas Tobler: Kontroverse um Internetradio: Andreas Thiel beklagt sich über «Diskriminierung» und «Rufmord». In: zsz.ch. 28. Juli 2022, abgerufen am 29. Juli 2022.</ref>
Seinen Lebensunterhalt verdiente Thiel nach dem abrupten Ende seiner Karriere als Komiker hauptsächlich mit philosophischen Vorträgen. 2024 wurde der Kinofilm Kalbermatten vorgestellt, der 2025 in die Kinos kam. Thiel war dort Produzent und Teilhaber zusammen mit hundert Aktionären, welche zwischen 5000 und 100’000 Franken einschossen. Thiel wollte in der Folge auch ein Schweizer Filmstudio bauen.<ref>Andreas Thiels Film „Kalbermatten“ – ein Millionengrab?, inside Paradeplatz, 13. Januar 2025</ref><ref name="Kalbermatten"/>
Andreas Thiel ist Mitglied der Solothurner Schülerverbindung GV Palatia Solodorensis. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in der Schweiz.<ref name="Kalbermatten"/>
Positionen
Andreas Thiel sieht sich selbst als anarchistisch orientierten Satiriker. Er vertritt auch libertäre Ansichten. Er bezeichnet Sozialdemokraten als «Sozialisten», die die Macht anstrebten, nennt sich selbst einen freiheitsliebenden «Anarchisten» und steht staatlichen Subventionen des Kulturbetriebs kritisch gegenüber.<ref>Christoph Lenz: «Ich bin nicht links, darum». In: Der Bund. 1. September 2011, abgerufen am 4. August 2015.</ref> Thiel wanderte 2009 nach Island aus, da er die seiner Meinung nach hohen Steuern in der Schweiz nicht mehr zahlen wollte.<ref>Andreas Thiel: Satiriker Andreas Thiel über seine frühere Wahlheimat. Isländer stehen kaum auf und fallen nie um. In: Blick. 25. Juni 2016.</ref> Steuern lehnt er als «unanständig» ab.<ref>David Eugster: Die Angst des Satirikers vor der Peitsche. In: Die Wochenzeitung. 3. Juli 2014, abgerufen am 4. August 2015.</ref>
In seiner «Streitschrift» Der Schatten des Ostens kritisiert Thiel den Koran als eine Sammlung von Hasstiraden und bezeichnet den Islam als nicht reformierbar.<ref>Andreas Thiel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Schatten des Ostens ( vom 13. Oktober 2017 im Internet Archive). In: Weltwoche. Nr. 48, 2014, abgerufen am 4. August 2015.</ref> Nach der Veröffentlichung seines Artikels in der Weltwoche war Thiel am 15. Dezember 2014 Gast in der im Schweizer Fernsehen SRF 1 ausgestrahlten Gesprächssendung Schawinski. Das Gespräch zwischen Thiel und dem Moderator Roger Schawinski wurde schnell emotional. Die beiden Protagonisten stachelten sich im Verlauf der Sendung gegenseitig auf, sodass der Gesprächsverlauf schnell auch beleidigend wurde. Die Sendung erzeugte ein grosses mediales Echo und verletzte nach Ansicht des Ombudsmanns der SRG Achille Casanova das Sachgerechtigkeitsgebot. Die meisten der zahlreich eingegangenen Beschwerden monierten hierbei allerdings die als polemisch empfundene Gesprächsleitung.<ref>«Schawinski» verletzt Sachgerechtigkeitsgebot mehrfach. In: persoenlich.com. 27. Januar 2015, abgerufen am 29. Januar 2015.</ref>
Laut Eigenangabe hatte Thiel durch den Streit mit Schawinski «beruflich alles verloren».<ref name="Kalbermatten">«Ein solcher Rufmord macht dich zum Zombie», Tages-Anzeiger, 21. Dezember 2024</ref>
Thiel war Redner bei massnahmenkritischen Demonstrationen während der COVID-19-Pandemie in der Schweiz<ref name="blick"/> und verglich dabei die Schweiz mit der DDR-Diktatur.<ref>Daniel Ryser, Olivier Würgler: Willkommen im Fledermausland. In: Republik. 5. Januar 2021</ref>
Auszeichnungen
- 1999: Salzburger Stier in Leipzig (zusammen mit Sassine)<ref name="Sassine"/>
- 2004: Schweizer KleinKunstPreis
- 2005: Prix Walo
- 2005: Prix Pantheon Jurypreis Frühreif & Verdorben
- 2008: Schweizer Kabarett-Preis Cornichon
- 2008: Arosa Humorfüller, Jurypreis des Arosa Humor-Festivals
- 2013: Deutscher Kabarettpreis
Werke
Bücher
- Unbefleckte Sprengung. Salis, Zürich 2010, ISBN 978-3-905801-42-2 (die Beiträge sind erstmals zwischen 2005 und 2010 im Nebelspalter erschienen).
- Humor. Das Lächeln des Henkers. Werd & Weber, Thun 2015, ISBN 978-3-85932-771-9.
- Intelleckt mich. «Der Kaiser ist trotzdem nackt». Werd & Weber, Thun 2016, ISBN 978-3-85932-808-2.
- Politik und Poetik. Tiefseewimperntusche. Werd & Weber, Thun 2017, ISBN 978-3-85932-882-2.
CDs
- Lavendeltreppe, Ausschnitt aus dem Programm Spiegelbild und Schatten, von und mit Andreas Thiel & Jean Claude Sassine (Musik), 2003, KB-2005-2
- Politsatire, von und mit Andreas Thiel, aufgenommen im Februar 2005, Casinotheater Winterthur, KB-2005-1
- Peter Stamm: Schwester Erna & Herbert – Herzen in Sturm. Mit Therese Affolter, Andreas Thiel und Annalena Fröhlich (Musik). Litera’thur, Winterthur 2006
- Politsatire 2, von und mit Andreas Thiel und Annalena Fröhlich (Musik), aufgenommen im Frühling 2007, La Cappella Bern, KB-2007-1
- Politsatire 3, von und mit Andreas Thiel, aufgenommen im Frühling 2009, Theater am Hechtplatz Zürich, KB-10-1
- Macht – Politsatire 4, von und mit Andreas Thiel, aufgenommen im Herbst 2012, Theater am Hechtplatz Zürich, KB-AT-2013-9
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Website von Andreas Thiel
- Yann Cherix: Das Ende eines Kabarettisten,<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Ende eines Kabarettisten ( vom 4. Dezember 2017 im Internet Archive). In: Tages-Anzeiger. 2. Dezember 2017
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Thiel, Andreas |
| ALTERNATIVNAMEN | Thiel, Andreas Christof |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Kabarettist und Satiriker |
| GEBURTSDATUM | 2. Februar 1971 |
| GEBURTSORT | Bern |